Transgender-Kinder: Transsexualität erkennen und das Kind unterstützen

Junge und Mädchen im Profil
Gibt es immer mehr Transgender-Kinder in Deutschland?

Nein. Allerdings ist die Achtsamkeit diesem Thema gegenüber gestiegen, entsprechend werden die Hilfsangebote häufiger in Anspruch genommen.

Was sind die Ursachen für Transsexualität?

Die Ursachen für Transsexualität sind bis heute nicht geklärt. Allerdings gibt es Vermutungen.

Übernimmt die Krankenkasse die Kosten für die Behandlungen?

Ja, unter den richtigen Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse die Kosten sowohl für die Hormontherapie als auch für die Geschlechtsangleichung.

Transgender-Kinder leiden unter ihrem biologischen Geschlecht. Sie entwickeln schon früh das Gefühl, im falschen Körper zu stecken, und kommunizieren das häufig bereits in jungen Jahren. Es gibt vieles, das Eltern tun können, um ihre Kinder zu unterstützen und ihnen jede Hilfe zukommen zu lassen, die es inzwischen gibt.

1. Transgender-Kinder sind die Ausnahme

viele Menschen auf einem Zebrastreifen

Transgender-Kinder sind selten: Bei den weitaus meisten Menschen stimmt die Geschlechtsidentität mit dem biologischen Geschlecht überein.

Das Thema Transsexualität ist in den vergangenen Jahren in breiten Teilen der Gesellschaft diskutiert worden. Entsprechend scheint es, als gäbe es mehr Transgender-Kinder und -Jugendliche als früher. Das stimmt allerdings nicht: Laut der Deutschen Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti) gibt es in Deutschland rund 60.000 bis 100.000 Trans-Personen (die Schätzungen gehen aufgrund verschiedenartiger Definition so weit auseinander). Das würde bedeuten, dass nur 0,07 bis 0,12 Prozent der Menschen in Deutschland unter der sogenannten Geschlechtsdysphorie leiden.

2. Die Ursachen für Transsexualität sind ungeklärt

Es gab über die Jahre hinweg eine ganze Reihe von Vermutungen darüber, was zu Transsexualität führt. Inzwischen gilt es als ausgeschlossen, dass der starke Wunsch nach einem Sohn oder einer Tochter einen Einfluss hat. Auch das Fehlen des andersgeschlechtlichen Elternteils wird als Ursache ausgeschlossen. Aktuell geht man davon aus, dass es möglicherweise bereits im Bauch der Mutter zu einem hormonellen Ungleichgewicht kommt, das das Kind schon in der Embryonalentwicklung beeinflusst, sodass es bereits transsexuell zur Welt kommt. Gesichert ist diese Annahme aber auch nicht.

Hinweis: Sie tragen keine Schuld an der Transidentität des Kindes – Sie können lediglich richtig reagieren.

3. Es gibt verschiedene Anzeichen dafür, dass ein Kind transident ist

Mehrere Anzeichen für Transgender-Kinder müssen nicht unbedingt etwas bedeuten. Dass ein Kind zum Beispiel

bevorzugt, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugeordnet werden, hat allein noch nichts zu sagen. Manche Mädchen möchten die Haare kurz tragen und mit Autos spielen, manche Jungen möchten Prinzessinnenkleider anziehen und mit Barbies spielen. Das kommt nicht selten vor und hängt oft mit Geschwistern oder Freunden zusammen.

Transsexuelle Kinder hingegen nutzen diese Äußerlichkeiten, um sich dem Geschlecht zuzuordnen, dem sie sich zugehörig fühlen. Sie benennen diese auch als Fakt und sagen beispielsweise nicht “ich möchte ein Junge/Mädchen sein”, sondern “ich bin ein Junge/Mädchen”. Auch stellen sie sich ganz selbstverständlich in die für sie richtige Gruppe, wenn sich die Kinder im Kindergarten oder in der Schule nach Jungen und Mädchen aufteilen sollen. Wie das ablaufen kann, zeigt diese Dokumentation auf nachvollziehbare Weise:

Sie können Transgender-Kinder vor allem daran erkennen, wie ernst sie mit dem Thema umgehen: Sie werden wütend oder traurig, wenn ihnen jemand die Geschlechtszugehörigkeit abspricht, die sich für sie richtig anfühlt. Die Identifikation mit dem Geschlecht, das sie nicht biologisch von Geburt an haben, beginnt manchmal schon zwischen dem zweiten und dem sechsten Lebensjahr. Oft verlangen sie auch, mit einem anderen Namen angesprochen zu werden.

4. So sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Thema

Junge mit langen blonden Locken

Möchte Ihr Sohn lange Haare oder Kleider tragen, muss das noch lange nichts bedeuten, kann aber darauf hindeuten, dass er sich als Mädchen fühlt.

Wenn Sie zu erkennen glauben, dass Ihr Kind im falschen Körper geboren wurde, müssen Sie es nicht zwangsweise sofort darauf ansprechen: In vielen Fällen fordern die Kinder es von selbst ein, dass sie so leben dürfen, wie es ihrem gefühlten Geschlecht entspricht. Geben Sie lediglich den Wünschen nach, die in diese Richtung weisen, und versuchen Sie nicht, das Kind in eine Rolle zu zwängen, die ihm nicht behagt.

Sobald Ihr Kind äußert, dass es nicht seinem biologischen Geschlecht angehört, sollten Sie ihm versichern, dass es nicht unnormal ist und dass es andere Kinder gibt, denen es genauso geht. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe Bilderbücher mit leichten Texten, die von Trans-Menschen für Kinder geschrieben wurden. Anhand dieser Bücher und mit Informationen von einschlägigen Seiten wie etwa die der dgti können Sie Ihrem Kind erklären, was es mit seinem Gefühl auf sich hat.

Tipp: Das Wissen, dass sie nicht unnormal sind und dass es Hilfe gibt, entlastet transsexuelle Kinder sehr.

5. So unterstützen Sie Transgender-Kinder

Akzeptieren Sie, dass Ihr Kind ein anderes Geschlecht hat. Das ist leichter gesagt als getan, da es oft sein bisheriges Leben ablehnt. Rufen Sie es bei seinem selbst gewählten Namen und führen Sie, wenn er sich etabliert hat, auch die offizielle Namensänderung durch. Unterstützen Sie die Entscheidungen Ihres Kindes hinsichtlich seiner Frisur, Kleidung, Freunde, Spielzeuge usw.

5.1. Das Umfeld muss Bescheid wissen

Eltern und Kind sitzen bei Direktorin

Bevor Transgender-Kinder zur Schule kommen, sollten die Eltern mit dem dortigen Kollegium sprechen.

Erklären Sie Freunden, Verwandten und Bekannten, dass Ihr Kind dem anderen Geschlecht angehört. Bitten Sie sie, davon abzusehen, mit dem Kind über dieses Thema zu sprechen – vor allem, wenn sie es nicht leicht akzeptieren können. Vor der Einschulung sollten Sie mit den Lehrern und der Direktion der Schule sprechen: In der Pädagogik gibt es wertvolle Ansätze, mit dem Thema umzugehen.

5.2. Transsexuelle Kinder brauchen professionelle Hilfe

Mit am wichtigsten ist, dass Sie mit dem Kind einen spezialisierten Psychologen zur Beratung aufsuchen: Sie erkennen schnell, wie ernst es dem Kind mit dem Thema ist, und können ihm bei schwierigen Situationen, die immer wieder auftreten werden, eine wertvolle Hilfe sein. Nicht zuletzt benötigen Sie auch ihre Einschätzung für eine später anstehende Geschlechtsumwandlung.

Tipp: Machen Sie Ihrem Kind immer deutlich klar, dass Sie es lieben – ganz egal, was passiert.

6. So helfen Hormontherapie und Geschlechtsumwandlung Transgender-Kindern

verzweifelter Teenager sitzt zusammengekauert in ödem Raum

Die Pubertät durchleben zu müssen, kann Transgender-Kinder in ernsthafte psychische Schwierigkeiten bringen – bis bin zur Depression.

Die Pubertät belastet transsexuelle Kinder stark: Sie entwickeln Merkmale des anderen Geschlechts und bewegen sich so mit großen Schritten weiter in eine Richtung, die sich komplett falsch anfühlt. Daher raten die meisten Spezialisten heute dazu, mit Medikamenten die Entwicklung von Geschlechtshormonen zunächst zu unterdrücken. Sind das Kind und der betreuende Psychologe schließlich einig, dass es sich nicht um eine Phase, sondern eine wichtige Lebensentscheidung handelt, werden bei Transsexualität Hormone des anderen Geschlechts verabreicht. Meist wird die Hormontherapie ab dem 14. Lebensjahr begonnen.

Jugendliche, die biologisch Jungen, aber gefühlt Mädchen sind, entwickeln durch die Hormontherapie Brüste und bekommen keinen Bart. Auch die Fett- und Muskelverteilung kann sich leicht verändern. Im umgekehrten Fall lösen die Hormone den Stimmbruch aus, die Körperbehaarung wird dichter und die Muskulatur entwickelt sich stärker.

Teenager beim Psychologen

Der Psychologe, der das transsexuelle Kind betreut, gibt in seinem Gutachten gegebenenfalls den Rat zur Behandlung.

Die Geschlechtsumwandlung, die heute genauer Geschlechtsangleichung genannt wird, kann in Deutschland unter den passenden Voraussetzungen und mit entsprechenden Gutachten schon durchgeführt werden, ehe der/die Trans-Jugendliche 18 Jahre alt ist. Dafür müssen allerdings viele therapeutische Sitzungen, Tests und Fragerunden absolviert und Gutachten eingereicht werden. Liegen alle Unterlagen vor, übernimmt die Krankenkasse die Kosten, ebenso wie für die Hormontherapie.

Die meisten Transsexuellen fühlen sich nach der Operation bereit und glücklich. Allerdings können sie auf biologischem Weg nun keine Eltern mehr werden. Entsprechend sollte die Entscheidung für die Geschlechtsangleichung wohldurchdacht sein.

7. Empfohlener Roman über ein transsexuelles Kind

Und mittendrin ich
  • Ami Polonsky
  • cbj
  • Kindle Ausgabe
  • Auflage Nr. 0 (24.06.2019)
  • Deutsch
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