Mobbing im Kindergarten: So erkennen Sie Mobbing unter Kindern

Datum: 13. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

Mobbing im Kindergarten
  • Kinder können andere Kinder erst mobben, wenn sie ihre Handlungen systematisch planen. Diese Fähigkeit entwickelt sich erst mit etwa 6 Jahren.
  • Nicht alle Konflikte, die im Kindergarten stattfinden, können gleich als Mobbing bezeichnet werden. Werden einige Kinder jedoch regelmäßig und systematisch von anderen Kindern geärgert, sollten sowohl Eltern als auch Erzieher eingreifen.
  • Um Kinder vor Mobbing zu schützen, ist es wichtig, die Konflikte und Probleme offen anzusprechen.

Dass Mobbing am Arbeitsplatz und in der Schule stattfindet, ist mittlerweile leider schon zur Normalität geworden. Nun klagen jedoch immer mehr Eltern darüber, dass das Mobbing bereits im Kindergarten beginnt. Ist das wirklich möglich? Welche Anzeichen sprechen für das Mobbing im Kindergarten?

In unserem Ratgeber bekommen Sie Informationen darüber, inwiefern Mobbing bereits bei Kindergartenkindern stattfindet. Wir erklären Ihnen, wie Sie Mobbing erkennen und geben Ihnen Tipps, was Sie als Eltern dagegen tun können.

1. „Richtiges“ Mobbing beginnt erst in der Schule

Kind wird in Schule gemobbt

Mobbing in der Schule ist zu einem großen Problem geworden.

Der Begriff Mobbing stammt aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhundert und leitet sich vom englischen Verb „to mob“ ab, welches so viel wie belästigen oder anpöbeln bedeutet. Hierzulande ist von Mobbing die Rede, wenn Menschen andere Menschen absichtlich und systematisch körperlich und/oder seelisch verletzen.

Obwohl es natürlich früher schon Hänseleien in der Schule gegeben hat, hat das Mobbing heute wesentlich größere Ausmaße angenommen.

Da Kinder erst ab etwa 6 Jahren beginnen, ihre Handlungen systematisch zu planen, kann auch erst ab diesem Zeitpunkt von „echtem Mobbing“ die Rede sein. Das bedeutet, dass die Kinder erst in der Grundschulzeit absichtlich damit beginnen, andere Mitschüler zu ärgern und auszugrenzen.

Dazu muss jedoch gesagt werden, dass es auch bereits im Kindergarten schon Kinder gibt, die ein ausgeprägtes Anführerverhalten an den Tag legen. Die anderen Kinder laufen diesem Anführer hinterher und kopieren unbedacht dessen Verhalten. So kommt es zustande, dass andere Kinder von einer Gruppe angegriffen und ausgegrenzt werden.

2. Anzeichen von Mobbing richtig deuten

Kind umarmt Bär und ist traurig

Mobbing-Opfer sind oft traurig und ziehen sich zurück.

Es kann jedoch an dieser Stelle gesagt werden, dass sich im Kindergartenalter bereits die Grundzüge des späteren Mobbings ausbilden. Denn in diesem Alter versuchen Kinder immer häufiger, ihre Interessen durchzusetzen. Ist das Kind aufgrund seines Charakters sehr durchsetzungsstark, kann es schnell dazu kommen, dass es die Macht über andere ergreift.

Zu behaupten, dass ein Kind gleich ein Mobbing-Opfer ist, wenn es von anderen im Sandkasten gehauen oder ausgelacht wird, ist jedoch häufig eine überzogene Reaktion auf gewöhnliche Alltagssituationen. Unter Kindern ist es ganz normal, dass es Konflikte gibt, die gelöst werden müssen. Auch dies ist ein wichtiger Schritt im Entwicklungsprozess der Kinder.

Finden diese Aktionen jedoch regelmäßig über einen längeren Zeitraum statt, sollten sowohl Erzieherinnen als auch Eltern genauer hinschauen.

Cyber-Mobbing

Eine moderne Variante des Mobbings ist das sogenannte Cyber-Mobbing. Hierbei werden beispielsweise Mitschüler über das Internet bzw. das Handy beleidigt und bloßgestellt. In der JIM-Studie 2018 vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest geben 11% der Jungen und Mädchen an, dass schon mal peinliche/beleidigende Bilder/Videos von ihnen ins Netz gestellt wurden.

Folgende Anzeichen können dafürsprechen, dass Kinder von Mobbing im Kindergarten betroffen sind:

  • Das Kind leidet unter Schlafstörungen, Angstzuständen oder Depressionen.
  • Es möchte nicht mehr in den Kindergarten gehen und sträubt sich regelrecht davor.
  • Es treten gehäuft körperliche Beschwerden, wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Übelkeit auf.
  • Das Kind ist sehr schüchtern, spielt gerne für sich und beschäftigt sich kaum mit anderen Kindern.

All diese Symptome können, müssen aber kein Anzeichen dafür sein, dass Ihr Kind im Kindergarten Opfer von Mobbing geworden ist. Die Ursachen für diese Symptome können beispielsweise auch in traumatischen Erlebnissen, psychischen Störungen oder familiären Problemen liegen.

Tipp: Nehmen Sie die Symptome in jedem Fall ernst und sprechen Sie mit Ihrem Kind darüber. Suchen Sie außerdem Kontakt zu den Erziehern und den Eltern der anderen Kinder.

3. Kinder frühzeitig vor Mobbing schützen

Mobbing durch Gespräche frühzeitig verhindern

Schützen Sie Kinder vor Mobbing, indem Sie sie mithilfe ausgewählter Materialien für das Thema sensibilisieren.

Um Kinder vor Mobbing zu schützen, ist es wichtig, sie so früh wie möglich über diese Thematik aufzuklären. Dass bedeutet zunächst, dass Sie Kindern Mobbing erklären müssen. Klären Sie sie darüber auf, welches Verhalten dazu führt, dass sich andere Kinder gemobbt fühlen.

Auf der anderen Seite sollten Sie auch die Situation des Opfers darstellen. Wie fühlt sich ein Kind, das von anderen gehänselt und schikaniert wird? Was kann ich tun, wenn ich sehe, dass ein anderes Kind gemobbt wird?

Indem Sie die Problematik thematisieren, können Sie Ihre Kinder stärken und gleichzeitig auf den Ernstfall vorbereiten. Sie lernen, dass sie anderen Kinder mit ihrem Verhalten wehtun oder sogar schaden können.

Tipp: Die Erziehung hat einen großen Einfluss auf das Selbstbewusstsein von Kindern. Je selbstbewusster sie sind, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später Opfer von Mobbing werden.

4. In schwierigen Situationen mit der Kita zusammenarbeiten

Kind mit Mutter beim Psychologen

Sprechen Sie das Problem offen bei den Erziehern an.

Wenn Sie als Eltern oder Familie merken, dass Ihr Kind sehr stark unter den Konflikten im Kindergarten leidet, sollten Sie schnellstmöglich handeln. Sie können Ihrem Kind bereits helfen, indem Sie zuhören und ihm zur Seite stehen. Der erste Ansprechpartner sollten in diesem Fall die Erzieherinnen und Erzieher in der Kita sein.

Sprechen Sie darüber, welche Symptome Ihr Kind zeigt und welche Problematik Sie dahinter erkennen. Erzieher haben einen besseren Überblick darüber, was in der Einrichtung passiert und welche Verhaltensweisen die einzelnen Kinder zeigen.

Wichtig: Da Kindergartenkinder zumeist noch kein Gefühl dafür haben, mit welchem Verhalten sie anderen wehtun, ist es wichtig, Regeln aufzustellen, die den Umgang miteinander vorgeben.

Falls den Erziehern bisher noch nichts Derartiges aufgefallen ist, bitten Sie sie darum, dass sie verstärkt auf Ihr Kind bzw. solche Situationen achten. So lässt sich am besten herausfinden, was das Problem ist und welche Maßnahmen erforderlich sind. Manchmal ist es auch sinnvoll, weitere Pädagogen oder Psychologen mit ins Boot zu holen, die wissen, was zu tun ist.

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