Ohrenschmerzen bei Kindern: So behandeln Sie Ohrenerkrankungen

Kind mit Ohrenschmerzen.
  • Ohrenschmerzen bei Kindern kommen häufig überraschend und werden vor allem nachts besonders stark.
  • Während der Klassiker, die Mittelohrentzündung, die stärksten Schmerzen nach sich zieht, folgen beispielsweise nach einer Mumpserkrankung häufig nur einseitige Ohrenschmerzen.
  • Häufig sind Ohrenschmerzen bei Kindern die Folge einer vorangegangenen Krankheit wie etwa Mumps, einer Entzündung des Rachenraums oder der Mandeln. Auch Zahnerkrankungen können bis zum Ohr ausstrahlen.

Ohrenschmerzen bei Kindern sind recht schwer zu erkennen. Vor allem, wenn das Kind noch recht klein sein, sich nicht verständigen kann und altersbedingt sowie ab und an schlecht hört. Ihr Kind reibt sich auffallend oft am Ohr und hört schlecht? Dann könnte dies ein Indiz dafür sein, dass ihr Kind Ohrenschmerzen hat. Wir erklären Ihnen, wie Sie dann mit der Situation am besten umgehen.

1. Ihr Kind hat Ohrenschmerzen? Finden Sie zunächst die Ursache heraus

Kein Fieber trotz Schmerzen

Nicht jede Form von Ohrenschmerzen bei Kindern geht mit Fieber einher.

Es ist verständlich, dass Ihr Elterninstinkt Ihnen zunächst einmal sagt: Schmerzlinderung ist das A und O. Aber: Um bei einem Kind Ohrenschmerzen zu lindern, muss man die Ursache kennen. Die folgende Übersicht über Ursachen und Symptome soll Ihnen zeigen, woher die Ohrenschmerzen bei Ihrem Kind kommen könnten:

1.1. Barotrauma

Barotrauma bezeichnet Ohrenschmerzen, die beispielsweise nach einer Fahrt in die Alpen oder nach einer Flugreise auftreten können. Schmerzhaft wird es, wenn daraus ein Tubenkatarrh entsteht, der durch einen Unterdruck im Mittelohr und eine Entzündung ebendort entsteht.

1.2. Fremdkörper

Befindet sich ein Fremdkörper im Ohr Ihres Kindes, hört Ihr Kind vermutlich schlechter als normal. Da es sich um keine Entzündung handelt, kann dieses Problem sogar ohne Fieber auftreten. Erst wenn es zu einer Infektion kommt, läuft ein Sekret aus dem Ohr.

1.3. Furunkel

Das Furunkel ist eine schmerzende Beule. Die Schmerzen lassen nach, wenn dieses aufgeht und der Eiter abfließen kann.

1.4. Gehörgangsentzündung

Handelt es sich um eine Entzündung des Gehörgangs, ist die Haut im Ohr oft gerötet, juckt und schmerzt. Auch geschwollene Lymphknoten am Hals können ein Anzeichen für eine Gehörgangsentzündung sein.

1.5. Mittelohrentzündung

Eine Mittelohrentzündung tritt mit vielen Symptomen auf: Schwerhörigkeit, Fieber, Halsschmerzen, Schnupfen sowie Ohrenschmerzen, die Ihr Kind als klopfend oder gar stechend beschreiben könnte.

1.6. Ohrenschmalzpfropf

Die Ursache eines Ohrenschmalzpfropfes ist schnell erklärt: Das Ohr produziert zu viel Ohrenschmalz, was sich im Ohr ansammelt. Die Folgen: Schwindelgefühl, Ohrgeräusche, Druck auf dem Ohr, Ohrenschmerzen, schlechtes Hörvermögen.

1.7. Warzenfortsatzentzündung

Der Warzenfortsatz ist für viele eine Unbekannte. Es handelt sich dabei um einen Teil des Schädels, der sich hinter dem Ohr befindet. Häufig tritt diese Entzündung nach einer Mittelohrentzündung auf.

1.8. Zahnprobleme

Häufig sind es Zahnschmerzen, wie etwa eine Entzündung im Zahn oder im Kieferknochen, die bis an die Ohren ausstrahlen und dort Ohrenschmerzen verursachen können. Diese Form der Entzündung ist auch ohne Fieber möglich.

Achtung: Natürlich ist es bei Babys und Kleinkindern schwieriger, zu erkennen, woher die Ohrenschmerzen rühren. Ihr wachsames Elternauge sollte reagieren, wenn sich Ihr Kind immer wieder an die Ohren fasst und in einer unruhigen und weinerlichen Stimmung ist. Wenn Sie einen Verdacht haben, ist es wichtig, bei Kindern mit Ohrenschmerzen den Kinderarzt aufzusuchen.

2. Spezialfall Mittelohrentzündung: Darum sind Kinder besonders anfällig

Kinder unter 2 Jahren sind besonders häufig von der Mittelohrentzündung betroffen. Dreiviertel aller 3-jährigen Kinder mussten diesen Infekt bereits einmal aushalten. Aber auch Kindergartenkinder im Alter von 4 oder 5 Jahren sind die häufigsten Kandidaten, die an einer Mittelohrentzündung leiden. In einem Fachartikel in der ÄrzteZeitung heißt es dazu: „Sechs Prozent aller Kinder beim Kinderarzt haben eine Mittelohrentzündung. Nach Angaben der “Stiftung Kindergesundheit” machen bis zum Ende des dritten Lebensjahres 75 Prozent aller Kinder eine akute Otitis media (AOM) durch, 30 Prozent sogar mehr als dreimal!“

Warum gerade die Kleinsten so häufig unter diesen Ohrenschmerzen leiden müssen, liegt häufig an folgenden Gründen:

  • Vor allem in der Kindertagesstätte tummeln sich die Krankheitserreger.
  • Oftmals ist das Immunsystem bei kleinen Kindern noch nicht umfassend ausgereift, um sich gegen die Krankheitserreger wehren zu können.
  • Die Ohrtrompete ist kleiner als beim Erwachsenen. Das bedeutet: Für Krankheitserreger, die von der Nase und vom Rachen kommen, ist der Weg ins Mittelohr recht kurz.

2.1. So kommt es zu einer Mittelohrentzündung

Häufig ist eine Grippe oder eine Erkältung der Auslöser für eine Mittelohrentzündung. Den kurzen Weg von der triefenden Nase und dem entzündenden Hals des Kindes bis zum Mittelohr legen die Auslöser schnell zurück. Dort sorgen sie für eine Entzündung der sogenannten Ohrtrompete. Das hat Folgen: Die Ohrtrompete schwillt an und die Entzündungsflüssigkeit kann nicht abfließen. Pochende Ohrenschmerzen sind das, was Ihr Kind davon spürt.

Auf die Frage „wann zum Arzt“ gibt es im Grunde zwei Antwortoptionen: Mit Babys und Kleinkindern kann die Frage „wann zum Arzt“ nur mit einem „sofort“ beantwortet werden. Das Risiko, dass die Entzündung des Mittelohrs auf Knochen übergreift, wäre andernfalls zu groß. Ist das Kind schon größer oder Sie sind gerade im Urlaub und Ihr Kind hat kein Fieber, ist die Frage „wann zum Arzt“ mit dieser Faustformel zu beantworten: Klingen die Ohrenschmerzen bei Ihrem Kind nicht nach drei bis vier Tagen von alleine ab, sollten Sie zum Kinderarzt gehen.

2.2. Das hilft Ihrem Kind bei einer Mittelohrentzündung

Sie haben sich dazu entschieden, ein paar Tage abzuwarten? Dann können Sie die Genesung Ihres Kindes mit abschwellenden Nasensprays oder -tropfen unterstützen. Auch Medikamente, die dabei helfen, den Schleim zu lösen oder Schmerzmittel, die den Schmerz zu stillen, können Ihrem Kind helfen. Handelt es sich um eine von Bakterien ausgelöste Mittelohrentzündung, wird Ihr Kind Antibiotikum bekommen.

Um die Schmerzen zu lindern, die Kinder nicht nur nachts nicht schlafen lassen, helfen Hausmittel wie Zwiebelsäckchen oder Wärme. Für ein Zwiebelsäckchen, hacken Sie das scharfe Gemüse klein, umwickeln es fest mit einem Tuch und legen das so geschnürte Hausmittel-Päckchen für etwa 20 Minuten auf das Ohr des Kindes. Um die Schmerzen bei einer Mittelohrentzündung zu lindern, kann auch Wärme helfen. Eine Rotlichtlampe oder ein erwärmtes Kirschkernkissen kann – neben viel Liebe und Wärme durch fürsorgliche Eltern – viele Schmerzen lindern.

Neben diese bewährten Hausmittel sind auch Mittel aus der Homöopathie möglich, wie beispielsweise Globuli. Aconitum, Apis, Belladonna, Bryonia, Chamomilla, Ferrum phosphoricum, Mercuris solubilis und Pulsatilla sind hier gängige Mittel, die häufig verwendet werden. Bei Beschwerden im Urlaub auf Homöopathie zurückzugreifen, ist bei manchen Eltern gängig.

3. Der Kinderarzt nimmt Ihr Kind komplett unter die Lupe

Untersuchung des Ohres

Eine umfassende Untersuchung des Ohres ist nötig, um herauszufinden, woher die Ohrenschmerzen kommen.

Nachdem häufig andere Faktoren der Auslöser für Ohrenschmerzen bei Kindern sind, untersucht der Kinderarzt Ihr Kind häufig von Kopf bis Fuß. Neben einer Otoskopie, einer Spiegelung des Ohres, erfolgen auch audiometrische Aufnahmen, dies das Hörvermögen aufzeigen sollen. Auch eine Blutuntersuchung sowie eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall sind denkbar. Im Fokus steht dabei die Frage, wie sich die Ohrenschmerzen beim Kind entwickelt haben (u.a. tagsüber, nachts, schnell, langsam, einseitig, beidseitig) und auch, wie Sie sich auf das Gehör Ihres Kindes auswirken.

Tipp: Da starke Ohrenschmerzen bei Kindern häufig nach dem Baden oder nach dem Schwimmen auftreten, ist es sinnvoll, an dieser Stelle vorausschauend zu agieren: Verschmutzte Gewässer sind tabu. Auch müssen die Ohren nach dem Schwimmen oder Baden gut ausgetrocknet werden.

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