Mittelohrentzündung beim Kind: So helfen Sie Ihrem Kind bei starken Ohrenschmerzen

Ohrenschmerzen Mädchen
  • Ohrenschmerzen beim Kind sind keine Seltenheit. In der Regel handelt es sich dabei um eine Mittelohrentzündung, die häufig durch die Bauweise der Ohrtrompete bedingt ist.
  • Kann Ihr Kind nicht sagen, dass es Ohrenschmerzen hat, müssen Sie auf kleine Anzeichen achten – beispielsweise Reizbarkeit, Schreianfälle, empfindliche Ohren und häufiges Berühren der Ohren.
  • Sie müssen Ihrem Kind den Kontakt mit Spielkameraden nicht verbieten, wenn es sich fit genug fühlt. Die Mittelohrentzündung Ihres Kindes ist nämlich nicht ansteckend.

Fasst sich Ihr Kind übermäßig häufig ans Ohr, reagiert empfindlich auf Ihre Berührungen am Ohr, ist reizbar, unruhig und schreit häufig? Dann könnte Ihr Kleinkind Ihnen damit anzeigen, dass es eine schmerzhafte Entzündung im Ohr hat. Welche weiteren Symptome typisch für eine Mittelohrentzündung beim Kind sind und welche Behandlung Ihrem Kind dabei hilft, die Schmerzen zu reduzieren, erklären wir Ihnen in diesem Beitrag.

1. Die Ohrtrompete ist oft Grund einer Mittelohrentzündung

Mittelohrentzündung beim Baby

Bekommt ein Baby schnell nach der Geburt eine Mittelohrentzündung, kann das eine Folge der Geburt sein. Eventuell ist während der Geburt Fruchtwasser ins Ohr geraten, was mit einer Mittelohrentzündung enden kann.

Kleinkinder erkranken recht häufig an einer Mittelohrentzündung. Meist tritt sie zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem Grundschulalter auf. Ist Ihr Kind im entsprechenden Alter und hatte noch nie eine Mittelohrentzündung, zählt es zu einer Minderheit. Etwa 95 Prozent der Kleinkinder bis drei Jahren leiden mindestens einmal an einer Mittelohrentzündung, circa ein Drittel erkrankt nicht nur einmal.

Dafür gibt es verschiedene Gründe: Anders als bei Ihnen ist die Eustachische Röhre Ihres Kindes, die auch als Ohrtrompete bezeichnet wird, bei Kindern kürzer und enger, wodurch sie schon bei weniger starken Entzündungen leichter zuschwillt. Dadurch kann der Druck im Mittelohr nicht mehr ausgeglichen werden und es entsteht ein Gefühl ähnlich wie beim Fliegen. Auch Flüssigkeiten fließen nicht mehr richtig ab. Eine Mittelohrentzündung entsteht.

Dann ist ein Bereich des Ohres hinter dem Trommelfell entzündet. Die Entzündung liegt meist auf dem Verbindungsstück des Ohres mit dem Rachen vor – in der Eustachischen Röhre. Ist sie gesund, sorgt sie für den Druckausgleich in der Paukenhöhle und dient gleichzeitig der Belüftung des Mittelohrs.

Allein durch die Konstruktion der Ohrtrompete haben es Krankheitserreger leicht, ins Ohr einzudringen. Ähnlich wie in der Nase schwellen die Schleimhäute im Ohr dann genauso an. Dadurch kann sich Sekret ansammeln und es kann zu einer Entzündung kommen.

2. Eine Mittelohrentzündung beim Kind erkennen Sie daran, dass Ihr Kind auffällig auf Ohr-Berührungen reagiert

Kind mit Ohrenschmerzen

Fasst sich Ihr Kind häufig ans Ohr, kann das ein Hinweis auf eine Mittelohrentzündung sein.

Vielleicht hatten auch Sie schon mal eine Mittelohrentzündung. Dann wissen Sie sicher, sie ist nicht nur sehr unangenehm, sondern auch schmerzhaft. Klar, dass Ihr Kind aufgrund der Ohrenschmerzen an der Entzündung im Ohr leidet. Schwierig ist an dieser Stelle vor allem, dass gerade Babys und Kleinkinder nicht klar formulieren können, woran es ihnen fehlt. Da sie sich nicht verbal ausdrücken können, werden sie Ihnen die Beschwerden auf anderem Weg aufzeigen. Auf diese Anzeichen sollten Sie achten:

Ihr kleines Kind im Alter von 1 Jahr, 2 Jahren oder 3 Jahren …

  • fasst sich immer wieder an sein Ohr.
  • ist recht unruhig.
  • schreit vermehrt.
  • ist schnell reizbar.
  • ist sehr empfindlich, wenn Sie das Ohr (oder den Knubbel hinterm Ohr) berühren.

Zu diesen ersten Anzeichen kommen nicht selten Symptome, die je nach Alter auch variieren können. Ab etwa 4 Jahren oder 5 Jahren kann Ihr Kind Ihnen sagen, dass es schlechter hören kann als sonst. Auch legt sich mit zunehmendem Alter das hohe Fieber, das typisch für eine Mittelohrentzündung beim Kleinkind ist. Ansteckend ist eine Mittelohrentzündung übrigens zu keiner Zeit.

Zu den unspezifischen Symptomen der Mittelohrentzündung beim Kind gehören diese Verhaltensweisen.

Ihr Kind …

  • hat erhöhte Temperatur, Fieber oder gar Schüttelfrost.
  • hat keinen Appetit oder verweigert das Essen gar komplett.
  • ist schwach, schlapp und lustlos.
  • hat Durchfall oder muss erbrechen.

Achtung: Bemerken Sie einen Ausfluss aus Eiter und Blut aus dem Ohr Ihres Kindes, kann dies ein Anzeichen dafür sein, dass das Trommelfell gerissen ist. Das Gute daran ist jedoch, dass der Druckschmerz, der typischer Begleiter einer Mittelohrentzündung ist, mit dem Reißen des Trommelfells sofort aufhört. Um auf Nummer sicher zu gehen, ist es sinnvoll, mit Ihrem Kinderarzt darüber zu sprechen.

3. Binnen weniger Tage sollte Ihr Kind die Mittelohrentzündung überstanden haben

Im Normalfall kommt Ihr Kind schnell wieder auf die Beine und die Mittelohrentzündung heilt (meist ohne Spätfolgen) aus. Trotzdem möchten wir Ihnen auch erklären, welche Komplikationen auftreten könnten. So kann sich zum Beispiel der Warzenfortsatz entzünden, es kann zu einer Hirnhautentzündung kommen oder zu einer Lähmung der Gesichtsnerven.
Aus diesem Grund ist ein Termin zur Kontrolle bei Ihrem Kinderarzt unbedingt zu empfehlen.

Tipp: Vereinbaren Sie in jedem Fall einen Kontrolltermin beim Kinderarzt.

Liegen bereits bestimmte Risiken bei einem Kind vor oder Ihr Kind wird öfter von einer Mittelohrentzündung gequält, sollten Sie den Rat eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes einholen, um Folgen wie einer Verzögerung der Sprachentwicklung oder Schwerhörigkeit vorzubeugen.

4. Antibiotikum ist zur Behandlung einer Mittelohrentzündung keine Pflicht

Ohrenuntersuchung Kind beim Arzt

Zuerst verschreibt der Kinderarzt Medikamente, die das Fieber senken und die Schmerzen lindern. Helfen diese nicht, muss Ihr Kind Antibiotika bekommen.

Eins vorweg: Ihr Kind kann die Mittelohrentzündung ganz ohne Antibiotikum loswerden. Eine Therapie ohne Antibiotikum ist sogar sinnvoll, denn mitunter können diese Medikamente sogar schaden. Circa 25 Prozent der Entzündungen sind nämlich viral und dagegen sind Antibiotika schlichtweg machtlos. Außerdem gibt es einige Bakterien, die ursächlich sein können. Nicht jedes Antibiotikum kann jedes Bakterium bekämpfen.

Aus diesem Grund wird Ihr Kinderarzt diese Behandlungsschritte einschlagen:

  • Ihr Kinderarzt verschreibt Ihrem Kind zuerst Medikamente, die Ibuprofen oder Paracetamol enthalten, und damit die Klassiker sind, um das Fieber zu senken und die Schmerzen zu lindern. Dazu kommen Nasentropfen, die abschwellend wirken.
  • Nach einer Dauer von 48 Stunden wird der Arzt Ihr Kind zur Kontrolle sehen wollen. Gibt es bis dahin keine deutliche Verbesserung, wird in der Regel zu Antibiotikum gegriffen. Verabreichen Sie es strikt nach der Empfehlung Ihres Arztes und setzen Sie es keinesfalls einfach ab.
  • Bleibt die Mittelohrentzündung dennoch bestehen, können von einem HNO-Arzt sogenannte Paukenröhrchen eingesetzt werden. Es wird (meist unter einer kurzen Vollnarkose) mittels eines kleinen Schnittes ins Trommelfell eingesetzt und ermöglicht das Abfließen von Sekret. Auch das Mittelohr wird nun wieder ausreichend belüftet. Es kann bis zu einem Jahr im Trommelfell verbleiben und wird in der Regel vom Ohr wieder abgestoßen oder vom Arzt entfernt.

Tipp: Sie können die Therapie tatkräftig unterstützen, indem Sie Ihrem Kind viel Liebe und Geborgenheit zuteil werden lassen. Spielen Sie mit Ihrem Kind, wenn es dazu fit genug ist, und verwöhnen Sie Ihr Kind ausreichend mit Kuscheleinheiten. Keine Sorge, die Mittelohrentzündung ist nicht ansteckend. Gönnen Sie Ihrem Kind Ruhe und meiden Sie Lärm. Rausgehen, also beispielsweise ein Spaziergang draußen, ist natürlich erlaubt.

5. Ein Nicht-Raucher-Haushalt und eine Pneumokokken-Impfung können Ihr Kind vor einer Mittelohrentzündung bewahren

Kind wird von Ärztin geimpft

Lassen Sie Ihr Kind gegen Pneumokokken impfen und beugen Sie somit eine Mittelohrentzündung vor.

Häufig kommen sie als Trio. Die Rede ist von Husten, Schnupfen und der Mittelohrentzündung. Darüber hinaus gibt es Risikofaktoren, auf die sie mehr oder weniger großen Einfluss haben.
Prüfen Sie, ob Ihr Kind durch vergrößerte Rachenmandeln besonders anfällig ist. Dann können Sie erste Anzeichen einer Mittelohrentzündung schneller erkennen und reagieren.
Erkennen Sie die Ohrenentzündung Ihres Kindes recht früh, kann der Einsatz von Hausmitteln vielleicht ausreichen. Die Klassiker aus der Rubrik der Hausmittel ist das Säckchen mit Zwiebeln, das auf dem Ohr drapiert und die Ohrenentzündung vom Kind bekämpfen soll. Auch aus der Homöopathie gibt es entsprechende Arzneien wie etwa Belladonna, Chamomilla, Ferrum phosphoricum und Pulsatilla.

Weitere klassische Risikofaktoren, die eine Entzündung im Ohr Ihres Kindes begünstigen können, sind die Betreuung in der Kita (Krippe bzw. Kindergarten), Geschwisterkinder im Haus, Flaschennahrung als Baby und ein Raucherhaushalt.

Dementsprechend können diese Maßnahmen eine Mittelohrentzündung beim Kind vorbeugen:

  • Stillen Sie Ihr Baby. Die Antikörper in Ihrer Muttermilch verringern das Infektionsrisiko.
  • Achten Sie darauf, dass die Ohren Ihres nach dem Schwimmen oder Baden nicht etwa direkt der Kälte ausgesetzt werden.
  • Setzen Sie Ihrem Kind niemals Rauch aus – weder von sich selbst noch durch andere.
  • Verabreichen Sie nach der Schnupfennase Nasentropfen mit abschwellender Wirkung. Achtung: Die Dauer der Einnahme ist hier meist auf sieben Tage begrenzt.
  • Lassen Sie Ihr Kind gegen Pneumokokken impfen. Das Bakterium ist oft der Verursacher einer Mittelohrentzündung.
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