Knochenbruch: So erkennen und behandeln Sie ihn beim Kind

Kinderknochen brechen
  • Ein Knochenbruch ist kein Weltuntergang, wenn er professionell versorgt wird. Achten Sie auf die Behandlung durch einen Kinderorthopäden und beobachten Sie Ihr Kind genau. In manchen Fällen kann ein Knochenbruch auch eine psychologische Bedeutung haben.
  • Auch bei Knochenbrüchen gibt es ganz verschiedene Arten: Sogenannte stumme Brüche werden nicht bemerkt und werden auch als Ermüdungsbrüche bezeichnet. Ein Bruch, der offen ist, gibt den Blick frei auf den Knochen.
  • Haben Sie eine Unfallversicherung für Ihr Kind abgeschlossen, können Sie – nach der Versorgung durch einen Mediziner – prüfen, inwiefern Ihrem Kind Schmerzensgeld zusteht. Oft sind die Ursachen des Unfalls ausschlaggebend, manchmal Ort und Zeit oder auch die Art der Verletzung.

Ein Knochenbruch bei Kindern ist keine Seltenheit. 300.000 Kinderknochen (verteilt auf Beine, Schultern, Gelenke, Arme und Hände) brechen jährlich. Ein Teil dieser Knochenbrüche (40.000) müssen sogar stationär behandelt werden.

Wir erklären Ihnen, wie Sie einen Knochenbruch bei Ihrem Kind feststellen können und was Sie beachten müssen, damit einer problemlosen Heilung nichts im Weg steht.

1. Knochenbruch beim Kind: Röhrenknochen sind am meisten gefährdet

Die Wachstumsfuge ist in Gefahr

Ein richtig behandelter Knochenbruch stellt keine Gefahr für ein weiterhin gesundes Wachstum Ihres Kindes dar. Aber: Bei vielen Frakturen ist die Wachstumsfuge betroffen, die für die symmetrische Entwicklung des Knochengerüsts verantwortlich ist. Ein Kinderorthopäde kann Verletzungen an dieser Stelle mit einem MRT sichtbar machen und helfen.

Der größte Teil der Knochenbrüche bei Babys und Kindern (80 Prozent) entfällt auf die Röhrenknochen der Arme und Beine. Der Rest betrifft andere Knochen wie z.B. den Schädel, die Wirbelsäule oder andere Teile des Knochenapparats. In vielen alltäglichen Situationen kann es zu Knochenbrüchen kommen. Insbesondere im Straßenverkehr kommt ein Knochenbruch beim Kind häufig vor.

Ihr Kind ist in keinem Alter vor einem Knochenbruch geschützt. Vor allem Stürze führen häufig zu einem angeknacksten oder gar gebrochenen Knochen. Der Ellbogen und das Handgelenk sind in diesem Fall besonders gefährdet. Der Grund dafür liegt im Instinkt der Kinder, sich bei einem Sturz abzufangen. Und auch nach der Zeit, in der Spielplätze und Klettergerüste die Gefahrenquelle Nummer eins sind, lauern andere Gefahren, denn: Nicht erst mit der Pubertät wird Ihr Kind risikofreudiger.

Es gibt verschiedene Arten von Knochenbrüchen, die entweder nach der Bruchart benannt sind (u.a. Quer-, Schräg- und Biegungsfrakturen) oder nach dem Knochen, der gebrochen ist. Der Beckenbruch bezeichnet eine Fraktur des Beckens. Beim Steißbeinbruch ist eben dieses gebrochen, beim Fingerbruch der Finger (meist der kleine Finger) und beim Mittelhandbruch ist der sogenannte Mittelhandknochen gebrochen. Auch der Mittelfuß, das Knie, der Zeh oder der Unterarm können brechen.

2. So erkennen Sie einen Knochenbruch beim Kind

Einen Knochenbruch und seine Symptome zu erkennen, ist für einen Laien nicht einfach. Es gibt natürlich einige Symptome, die auf eine Fraktur schließen lassen. Eine Schwellung oder ein Bluterguss können ein Indiz für einen Knochenbruch sein. Wenn Sie sich unsicher sind, ob sich Ihr Kind einen Knochenbruch zugezogen hat, dann gehen Sie besser zum Arzt.

Der beste Ansprechpartner für einen Knochenbruch beim Baby oder Kind ist der Kinderorthopäde. Ein Röntgenbild wird dann für Klarheit sorgen. Der Kinderorthopäde weiß auch um die Gefahrenstellen am kindlichen Knochenapparat und kann die Symptome korrekt deuten.

Knochenbruch beim Kind

Bis Sie Ihr Kind zum Arzt bringen, können Sie den Knochenbruch bandagieren und kühlen.

Bis zum Arztbesuch kann der Schmerz gelindert werden, indem die betroffene Stelle gekühlt wird. So bringen Sie Ihr Kind häufig sogar ohne Schwellung zum Facharzt. Auch eine improvisierte Schiene mit einem Kochlöffel, einem Lineal oder einem Zollstock kann Sinn machen.

Dem Kind geeignete Schmerzmittel zu verabreichen, ist erlaubt. Beachten Sie dazu die Hinweise zum jeweiligen Medikament vor allem auch mit Blick auf das Alter Ihres Kindes. Dass Ihr Kind nach einem Unfall Übelkeit verspürt, ist ganz normal. Wer zu Globuli greifen möchte, dem sind Calcium hypophosphoricum, Calcium phosphoricum, Silicea terra und Symphytum zu empfehlen.

Achtung: Wenn eine deutliche Fehlstellung zu erkennen ist, sollten Sie unverzüglich den Notdienst informieren und nichts selbstständig unternehmen! In jedem Fall müssen Sie verhindern, dass Ihr Kind das gebrochene Körperteil bewegt oder mit Verdacht auf einen Beinbruch auch nur wenige Schritte läuft. Dies könnte unter Umständen Komplikationen zur Folge haben.

3. Wie heilt der Knochenbruch bei Ihrem Kind? Gips- und Kunststoffsteifverbände sind die Klassiker

Gips- oder Kunststoffsteifverbände sind der häufigste Weg, um einen Knochenbruch beim Baby oder Kind zu fixieren, obgleich der Gips auch gerne als „konservative“ Methode verpönt wird. Einen Knochenbruch ohne Gips zu kurieren, sei besser für die Gelenke und die Heilung, heißt es.

Die Tendenz zu einem flexibleren Gips kommt der Anatomie der Kinderknochen zugute: Das Korrekturpotenzial ist gerade bei Kindern groß. Fehlstellungen werden – je nach Fraktur – einfach vom Knochen selbst ausgeglichen. Das erklärte Ziel jeder Therapie ist es, den kleinen Patienten so schnell wie möglich von seinen Schmerzen zu befreien und seine Mobilität wiederherzustellen.

Rein medizinisch betrachtet sind zwei Varianten der Heilung bekannt:

  • Bei der primären Knochenbruchheilung überbrücken sogenannte Osteoblasten den Bruch. Das passiert meist bei Knochen, die operativ fixiert werden.
  • Werden die gebrochenen Knochen nicht fixiert, kommt es zur sekundären Frakturheilung. Es bildet sich ein sogenannter Kallus zwischen den Knochenteilen. Zuerst entsteht ein Bluterguss, dann verbindet Bindegewebe die gebrochene Stelle. Aus dem Kallus wird dann ein Geflechtknochen und final ein Lamellenknochen.

Info: Nur selten kommt es im Fall eines Knochenbruchs beim Kind dazu, dass der Bruch nicht heilt. Heilt er nicht, kann es sich um eine Knochenbruchheilstörung handelt, die auch mit Schmerzen verbunden ist. Achten Sie darauf, ob die Knochenteile hörbare Geräusche von sich geben oder Ihr Kind erklärt, der Knochen fühle sich nicht stabil an. Das könnte – neben der Tatsache, dass der Knochen nicht zusammenwächst – ein Indiz für eine Heilstörung sein.

3.1. Ein Viertel der Knochenbrüche muss operativ fixiert werden

Nur etwa ein Viertel der Frakturen muss in einer Operation fixiert werden. Oft wird dabei die sogenannte Kirschner-Draht-Spickung angewandt. Hierbei werden Edelstahl- oder Titandrähte im Knochenmark verlegt, um die Knochen daran wieder auszurichten. Weil der Draht recht biegsam ist, bekommt der Patient zusätzlich einen Verband oder einen externen Fixateur. Unmittelbar nach der Heilung des Knochenbruches, also nach circa vier bis sechs Wochen, können die Drähte wieder entfernt werden.

Je nachdem welcher Knochen gebrochen ist, werden auch kleine Platten und Schrauben eingesetzt, um die Fraktur zu stabilisieren. Üblicherweise wird eine Vollnarkose verabreicht – auch um die kleinen Patienten ruhig zu stellen.

3.2. Die Dauer der Heilung: Der Knochenbruch bei Ihrem Kind verheilt binnen weniger Wochen

Röntgenbild

Haben Sie den Verdacht, Ihr Kind hat sich einen Knochen gebrochen, sollte ein Kinderorthopäde ein Röntgenbild anfertigen.

In der Regel heilen einfache Knochenbrüche bei Kindern bis fünf Jahren in nur zwei bis vier Wochen. Bei größeren Kindern kann sich die Dauer der Heilung auf fünf Wochen belaufen. Erwachsene hingegen müssen mindestens sechs Wochen verharren, bis der Knochen wieder zusammengewachsen ist. Meist dauert es sogar noch länger, um den Knochenbruch auszuheilen.

Bei Ihren Kindern schreitet die Heilung viel schneller voran, weil Kinder einen dynamischeren Zellauf- und Zellabbau haben. Wie lange es dauert, bis die Fraktur ausheilt, ist jedoch immer abhängig vom jeweiligen Körper. Diese Übersicht bietet eine gute Orientierung:

  • Nach 1 Woche ist noch kein Knochenbruch verheilt.
  • Bei Kindern unter fünf Jahren kann nach 2 Wochen der gebrochene Knochen bereits wieder zusammengewachsen sein.
  • Nach 3 Wochen ist ein Knochenbruch bei unter Fünfjährigen meist bereits ausgeheilt.
  • Die Schmerzen nach 4 Wochen sollten bei null liegen. Fühlt sich der Knochen instabil an, müssen Sie von einem Problem bei der Heilung ausgehen.
  • Nach 5 Wochen ist ein Knochenbruch bei einem Schulkind ausgeheilt.
  • Nach 6 Wochen ist ein Knochenbruch bei einem Erwachsenen ausgeheilt.

4. Prävention ist nur in Maßen möglich

Immer ein Auge auf Ihre Liebsten zu haben, bringt viel. Doch auch das Verbot von Spielplätzen oder Klettergärten macht sie nicht unverwundbar. Prävention kann also nur einen kleinen Teil dazu beitragen, dass die Knochen Ihres Kindes heil bleiben. Was gut und schlecht für die Knochen ist, zeigt diese Gegenüberstellung.

Auch diese Tipps tragen zu einem gesunden Knochengerüst bei:

  • Achten Sie darauf, dass Ihr Kind eine ausgewogene Ernährung mit Kalzium und Magnesium bekommt. Mineralien in der Ernährung stärken die Knochen und machen sie widerstandsfähiger. Kalzium kommt vor allem in Milch oder Milchprodukten sowie in Mineralwasser und grünem Gemüse vor, Magnesium in Vollkornprodukten und Nüssen. Die Ernährung Ihres Kindes ist ein wichtiger Faktor in punkto Prävention.
  • Eine wichtige Rolle für den Knochenstoffwechsel spielt auch Vitamin D, das Ihr Körper selbst bildet. Täglich 15 Minuten in der Sonne spazieren zu gehen, reicht dafür völlig aus. Im Sommer sollten Sie dabei selbstverständlich einen geeigneten Sonnenschutz verwenden.
  • Sorgen Sie dafür, dass sich Ihr Kind ausreichend bewegt. Das erhöht die Knochendichte erwiesenermaßen. Reduzieren Sie etwaiges Übergewicht, welches die Knochen unter Umständen überlasten könnte und so auch Ursache einer Fraktur werden kann.
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