Geschwisterrivalität: Ursachen und Tipps zum Umgang

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Was sind die häufigsten Ursachen für Geschwisterrivalität?

In den meisten Fällen streiten Kinder um die Liebe und Zuneigung der Eltern. Kommt ein Geschwisterchen hinzu, kommt es zu einer Art Entthronung. Es entsteht Eifersucht, da die Aufmerksamkeit nun geteilt werden muss.

Ist Geschwisterrivalität normal?

Ja, vor allem ist es gesund, in normalem Maße mit Geschwistern zu streiten. Kinder lernen dabei, mit ihren Gefühlen zurechtzukommen, um so im Erwachsenenalter gut mit Konflikten umgehen zu können.

Was tun, wenn Geschwisterrivalität ausartet?

In einigen Fällen ist das Konkurrenzverhalten so stark ausgeprägt, dass die Streitigkeiten nicht mehr aus dem Weg geräumt werden können. In diesem Fall ist es sinnvoll, einen Therapeuten aufzusuchen, um Folgeschäden zu verhindern.

Eltern mehrerer Kinder wünschen sich nichts sehnlicher, als dass sich ihre Kinder untereinander verstehen. Allerdings ist die Beziehung zwischen Geschwistern auch häufig durch negative Gefühle wie Neid, Eifersucht und Wut geprägt. Eine Geschwisterrivalität kann dabei unterschiedlich stark ausgeprägt sein.

Die häufigsten Ursachen für Geschwisterrivalität sind Neid und fehlende Aufmerksamkeit. Allerdings ist sie auch wichtig, damit sich ein Kind gut entwickeln kann und auch im Erwachsenenalter mit Konflikten zurechtkommt. Im Folgenden bekommen Sie Tipps, wie die Rivalität nicht zum Dauerstreit wird und wie Sie als Eltern mit dieser Situation umgehen können.

1. Die Rivalität ist geringer, je größer der Altersunterschied ist

zwei schwestern gehen liebevoll miteinander um

Je größer der Altersunterschied ist, desto geringer ist das Konfliktpotenzial.

Geschwister haben untereinander häufig ein sehr inniges und spezielles Verhältnis. Dadurch, dass sie jedoch auch immer in Konkurrenz zueinanderstehen, kommt es natürlich häufig zu Streitereien, die in Wut und Tränen enden. In der Regel geht es um den Kampf, die größte Zuneigung der Eltern zu bekommen.

Die Rivalität unter Geschwistern beginnt zumeist schon bei der Geburt des zweiten Kindes. Das älteste Kind muss in dieser Situation damit umgehen, dass ein Baby in die Familie stößt, welches vor allem in den ersten Wochen und Monaten wesentlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigt und zumeist auch bekommt.

Auf der anderen Seite sind jedoch auch jüngere Geschwister häufig eifersüchtig und neidisch auf ihre älteren Geschwister. Dies zeigt sich vor allem dann, wenn die älteren Kinder wesentlich mehr dürfen und größere Freiheiten genießen.

Auch sogenannte Sandwichkinder, also Kinder mit mindestens einem älteren und einem jüngeren Geschwisterkind, leiden sehr häufig unter der Geschwisterkonstellation. So kommt es oftmals vor, dass sie auf der Strecke bleiben, weil das Hauptaugenmerk auf dem jüngsten und ältesten Kind liegt.

Wie stark die Geschwisterrivalität ausgeprägt ist, hängt aber zu einem großen Teil davon ab, wie groß der Altersunterschied zwischen den Kindern ist. Sind sie vom Alter her nicht so weit entfernt, haben ungleiche Behandlungen einen viel größeren Stellenwert, als wenn sieben oder mehr Jahre zwischen den Kindern liegen.

Geschwisterrivalität ist außerdem größer, wenn die Kinder das gleiche Geschlecht haben. Sie vergleichen sich im Hinblick auf ihr Aussehen, ihr Verhalten und ihre Fähigkeiten. Bei diesen Vergleichen verliert immer ein Kind, sodass das Konfliktpotenzial immer größer wird.

Welchen Einfluss die Geschwisterrangfolge auf die Entwicklung der Kinder haben kann, sehen Sie in diesem Video:

2. Geschwisterrivalität – warum sie so wichtig für die Entwicklung ist

teamwork mit puzzleteilen

Wer frühzeitig lernt, mit Konflikten umzugehen, kommt besser in der Gesellschaft zurecht.

Wie bereits erwähnt, liegen die Ursachen der Geschwisterrivalität im Kampf um die Zuneigung und Liebe der Eltern. Dabei muss jedoch festgehalten werden, dass Geschwisterrivalität etwas ganz normales ist und in den besten Familien vorkommt. Jedes Kind muss sich erst an die neue Situation gewöhnen, sodass zunächst Geduld gefragt ist.

Kinder, die bereits im Kleinkindalter lernen, dass sie nicht unentwegt im Mittelpunkt stehen, finden sich auch als Erwachsene besser in der Gesellschaft zurecht. Dieser ständige Wettkampf um die Gunst der Eltern wirkt sich enorm positiv auf die Entwicklung der Kinder aus. Sie haben ihre Emotionen besser unter Kontrolle und können sehr gut mit Gefühlen wie Eifersucht umgehen.

Aber auch die Haltung der Eltern spielt eine wichtige Rolle. Geben Sie all Ihren Kindern daher stets das Gefühl, dass sie nicht außenvorgelassen werden. Bitten Sie beispielsweise ihr älteres Kind um Hilfe, wenn es darum geht, das Baby zu füttern oder zu baden. Auf diese Weise können Sie das Selbstbewusstsein der älteren Geschwister stärken.

Die Psychoanalyse beschäftigt sich schon seit etwa 20 Jahren mit der Beziehung unter Geschwistern. Da Brüder und Schwestern die erste soziale Gruppe bilden, ist die Beziehung zu diesen in manchen Fällen sogar prägender als die zu den Eltern.

Tipp: In dem Buch „Geschwisterdynamik“ untersucht der Kinder- und Jugendpsychotherapeut Hans Sohni die Dynamik der Beziehung und inwiefern diese Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung hat.

3. Tipps für den Alltag

Für Eltern ist es oftmals sehr schwierig, mit dem Konkurrenzkampf ihrer Kinder umzugehen. Während sie sich einerseits nicht in die Konflikte einmischen möchten, ist es natürlich ihr Anliegen, diese Probleme aus der Welt zu schaffen.

In dieser Situation kein Kind zu bevorzugen oder zu benachteiligen, kann sehr schwierig sein. Manchmal ist es wichtig, einzuschreiten, damit der Streit nicht eskaliert. Daher möchten wir Ihnen im Folgenden ein paar Tipps geben, um Streitereien so gut es geht zu vermeiden.

3.1. Klare Regeln und Rituale festlegen

geschwister mit plakaten in der hand

Klare Regeln sollte es auch in Bezug auf Konflikte geben.

Feste Rituale und Strukturen sorgen dafür, dass Kinder einen Rhythmus bekommen, an den sie sich im Alltag halten können. Genauso wichtig ist es, Familienregeln festzulegen. In diesen wird dokumentiert, an welche Regeln sich alle Familienmitglieder halten müssen.

Dass ein Streit entsteht, liegt nicht immer nur an einem Kind. In den meisten Fällen sind beide oder alle Kinder an der Entstehung des Streits beteiligt. Grundsätzlich ist Streit nichts Schlechtes. Er ist in vielen Fällen sogar notwendig, um den eigenen Standpunkt zu vermitteln. Allerdings sollte dieser Streit nur in vernünftigem Ton geführt werden, Schimpfwörter und körperliche Gewalt sollte hierbei strengstens verboten sein.

3.2. Das Gespräch suchen

Um Konflikte zu vermeiden, hilft es Kindern in vielen Fällen schon über ihren Ärger, ihre Sorgen oder ihre Ängste zu reden. Geben Sie Ihrem Kind daher immer die Möglichkeit, ein Gespräch unter vier Augen zu führen.

Nur wenn jedes Familienmitglied sagen kann, was ihm auf dem Herzen liegt, führt dies zu einem harmonischen Miteinander. Zusätzlich können Sie Ihrem Kind Tipps geben, wie es in einem Konflikt besser und lösungsorientierter reagieren kann.

3.3. Familienzeit einplanen

glueckliche familie im sonnenuntergang

Verbringen Sie viel Zeit gemeinsam, um das Familiengefühl zu stärken.

Neben Terminen und Pflichten sollte es im Alltag auch immer wieder Zeiten geben, in denen die gesamte Familie Zeit miteinander verbringt. Dies kann ein Ausflug, ein Kinobesuch oder sogar ein Kurzurlaub sein. Durch diese gemeinsamen Erlebnisse stärken Sie das Familiengefühl, sodass die Beziehungen untereinander harmonischer werden.

Genauso wichtig ist es jedoch auch, dass es Zeiten gibt, in denen Sie sich ausschließlich um ein Kind kümmern. Eltern sollten Ihrem Kind einige Stunden in der Woche schenken, in denen es Mama oder Papa nur für sich hat. Achten Sie jedoch darauf, dass jedes Kind gleich viel Zeit bekommt.

3.4. Keine Vergleiche zwischen den Kindern ziehen

Das größte Problem ist oftmals, dass Geschwister untereinander verglichen werden. „Dein Bruder ist viel besser in Mathe“ oder „Deine Schwester konnte in dem Alter ihre Schuhe schon selbst binden“ sind Sätze, die kein Kind gerne hören möchte. Diese Aussagen führen dazu, dass die Beziehung zwischen den Geschwistern noch komplizierter wird.

Jedes Kind ist individuell und sollte auch dementsprechend behandelt und respektiert werden. Die individuellen Stärken und Schwächen sind es, die einen Menschen ausmachen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass Sie das Selbstbewusstsein Ihres Kindes aktiv stärken. Hilfreiche Übungen finden Sie hier.

4. Geschwisterhass – wenn die Rivalität extreme Ausmaße annimmt

Geschwisterrivalität als Krankheit

In sehr starker Form zählt die Geschwisterrivalität laut ICD-10, F 93.3 zu einer emotionalen Störung des Kindesalters. Die Probleme enden nicht selten in Gerichtsverfahren, Erbstreitigkeiten oder Familientherapien.

Im schlimmsten Fall artet die Geschwisterrivalität so weit aus, dass sich die Kinder am Ende sogar hassen. Wenn die Probleme bereits in der Kindheit beginnen, kann sich dies auf die gesamte Entwicklung und Gesundheit auswirken. Ist die Beziehung untereinander sehr konfliktreich, kann dies zu Defiziten in der emotionalen Entwicklung führen.

Werden die Konflikte immer aggressiver, ist es kaum noch möglich sich am Ende wieder zu versöhnen. In einigen Fällen ist eine Behandlung in Form einer Therapie notwendig. Um das Problem zu lösen, ist es in der Regel notwendig, die gesamte Familie mit in die Therapie einzubeziehen. In den einzelnen Sitzungen geht es vor allem darum, die Familiendynamik kennenzulernen und diese im besten Fall positiv zu verändern.

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