Reizüberflutung bei Kindern: Symptome, Ursachen & Tipps zum Umgang

Datum: 07. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

Reizüberflutung Symptome bei Kindern
  • Neurostress ist ein häufiges Phänomen bei Kindern. Die Jungen und Mädchen haben noch nicht gelernt, sich Reizen zu entziehen und sie sinnvoll zu verarbeiten. Wutanfälle oder weinerliches Verhalten sind klassische Symptome für eine Reizüberflutung.
  • Eltern sind gut beraten, wenn sie ihre Kinder den Stresssituationen entziehen. Dadurch werden durch Reizüberflutung ausgelöste Symptome minimiert.
  • Gehen Sie als Eltern mit gutem Beispiel voran, um auch beim Baby oder Kind innere Ruhe einkehren zu lassen.

Werden wir mit zu vielen Reizen konfrontiert, ist unsere Wahrnehmung überfordert und der Körper streikt. Symptome wie schlechte Laune, Kopfschmerzen oder gar Wutanfälle sind die Folge. Diese Reaktionen sind typische Begleiterscheinungen, wenn das Gehirn nicht mehr in der Lage ist, auf uns einfließende Reize zu verarbeiten.

Doch wie ergeht es Kindern oder gar einem Baby in dieser Situation? Wir geben Ihnen Antworten auf die Frage, woran Sie Neurostress bei Ihrem Kind erkennen und was Sie aus Sicht der Psychologie dagegen tun können. Außerdem erfahren Sie, wie Sie Ihren Nachwuchs generell vor einer Reizüberflutung schützen können.

1. Es gibt verschiedene Symptome für eine Reizüberflutung bei Kindern und Babys

Das kindliche Gehirn hat zwar große, jedoch nicht unendliche Kapazitäten. Werden die Jungen und Mädchen mit zu vielen Reizen überflutet, stoppt die Entwicklung des Gehirns. Durch diesen Effekt kann automatisch das kindliche Interesse am Erleben und Experimentieren verloren gehen.

Leidet ein Baby oder Kind unter einer Reizüberfkutung, treten in der Regel ein oder mehrere körperliche Symptome auf. Ein Teil der Symptome kennzeichnet eine kurzzeitige Reizüberflutung des Gehirns, weitere Beschwerden treten auf, wenn der Neurostress zum Dauerzustand wird. Bei einer chronischen Belastung ist die Behandlung durch einen Mediziner unerlässlich.

Beschwerden Symptome
kurzzeitige Reizüberflutung Verschlechterung der Laune; Weinen; Wutanfälle
Reizüberflutung als Dauerzustand Ein- sowie Durchschlafstörungen; Konzentrationsprobleme; generelle Zappeligkeit

2. Kinder müssen noch lernen, mit Reizen umzugehen

Neurostress löst Wutanfall aus

Wutanfälle sind bei an Reizüberflutung leidenden Kindern keine Seltenheit.

Erwachsene Menschen oder auch größere Kinder haben im Laufe der Zeit gelernt, wie mit Umwelteindrücken umgegangen wird und diese verarbeitet werden können. Das Gehirn erlernt auf Dauer automatisch, wie Reize wirken und ausgeblendet werden können. Kinder konnten diesen Mechanismus jedoch noch nicht entwickeln. Die Folge: Sie nehmen alle Reize von der Außenwelt zunächst ungefiltert auf.

Sind Babys oder Kinder überfordert, werden sie ruhelos. Nun liegt es an den Eltern, der Reizüberflutung entgegenzuwirken. Der Fokus sollte auf einem bewussten Erleben der Reize liegen, die jedes Kind für seine Weiterentwicklung benötigt.

2.1. Süßigkeiten und Hundewelpen sind für Kinder herausfordernd

Neurostress durch Hochsensibilität

Schätzungen zufolge sind 15 bis 20 Prozent aller Menschen hochsensibel. Dies beschreibt die angeborene Fähigkeit, Reize noch intensiver wahrzunehmen und gründlicher als andere Menschen zu verarbeiten. Bei häufigem Auftreten von Reizüberflutungssymptomen ist ein Hochsensibilität-Test ratsam.

Das Leben von Kindern wird von neuen Eindrücken bestimmt. Von Gerüchen über den Anblick der Süßigkeiten im Regal bis hin zum Straßenlärm oder dem streicheln von Hundewelpen – die Kleinen machen an jedem Tag und zu jedem Zeitpunkt neue Erfahrungen. Im Umgang mit den Reizen des Alltags werden alle Sinne beansprucht.

Klassischerweise wird im allgemeinen Sprachgebrauch zwischen fünf Sinnen differenziert: Hören, Riechen, Schmecken, Sehen und Tasten. Bedingt durch diese Erfahrungen bildet das menschliche Gehirn Vernetzungen. Dieser Effekt wirkt sich positiv auf den Wissensschatz, das Denk- und Kombinationsvermögen der Kinder aus, kann die Kinder aber bisweilen auch überfordern.

3. Was tun bei einer Reizüberflutung?

Kinder werden getröstet

Kinder müssen erst lernen, wichtige von unwichtigen Reizen zu filtern.

Bemerken Eltern bei ihrem Nachwuchs eine Überforderung durch Außenreize, weil es beispielsweise hochsensibel ist, ist ein wirksames Mittel die Kinder dem jeweiligen Geschehen zu entziehen, damit Ruhe einkehren kann.

Folgende Maßnahmen können den Kleinsten dabei, sich von den Außenreizen abzulenken:

  • Kind in ruhiger Ecke auf den Schoß nehmen
  • mit dem Kind kuscheln
  • dem Kind eine beruhigende Geschichte erzählen
  • ein Lied vorsingen
  • dem Kind ein warmes Getränk geben
  • eine kleine Schlafpause einlegen

Achtung: Bei einer Reizüberflutung sollten es Eltern unbedingt vermeiden, den Nachwuchs als Beruhigung vor einen Fernseher oder Computer zu setzen. Vor diesen Geräten strömen unzählige Reize auf die Kinder ein. Kontakt mit einem Radio oder Hörspiel wird bei Reizüberflutung ebenfalls nicht empfohlen. Ärzte schlagen Alarm, denn bereits seit mehreren Jahren beklagen Kinder- und Jugendärzte Entwicklungsdefizite und Verhaltensauffälligkeiten, deren Ursache in einer Reizüberflutung durch Computer und Fernseher begründet liegt. Kommt zudem eine mangelhafte familiäre Förderung hinzu, sind die Fehlentwicklungen oft vorprogrammiert.

4. Medienkonsum kann die Verarbeitung visueller Reize fördern

Die allseits bekannte Warnung der Ärzte hinsichtlich des exzessiven Medienkonsums bedeutet allerdings nicht, dass Kinder komplett vom Medienkonsum abgehalten werden sollten. Die wichtigsten Vor- und Nachteile des Medienkonsums für Kinder im Überblick.

  • zeitgemäßes, hoch motiviertes und effektives Lernen durch digitale Medien
  • verbesserte Fähigkeit zur Verarbeitung von visuellen Informationen
  • Förderung von Abstraktionsfähigkeit und logischem Denken (durch Computerspiele)
  • drohende Vermenschlichung des Computers oder Fernsehers durch Vorschulkinder
  • mangelnde innere Ruhe aufgrund Reizüberflutung
  • Bewegungsmangel bei zu häufiger Nutzung der Medien

5. Eltern können Kinder mit gutem Beispiel schützen

Kinder befinden sich in einem stetigen Lernprozess. Die Jungen und Mädchen müssen erst erlernen, sich bewusst von Reizen abzuschotten. Natürlich sind bei diesem Lernprozess Eltern oder andere Bezugspersonen die wichtigsten Vorbilder.

Seien Sie ein Vorbild: Studien belegen, dass Kinder durch das “Vorleben” ihrer Eltern wesentlich mehr als durch alle Erklärungen oder Erziehungsmaßnahmen erlernen. Der Ernährungsstil, Neigungen, Abneigungen oder Bewegungsgewohnheiten werden in den ersten Lebensjahren beobachtet und bleiben oft ein Leben lang bestehen.

In der heutigen schnelllebigen Zeit tendieren Eltern oft dazu, nicht eine, sondern mehrere Sachen auf einmal zu erledigen. Diese Verhaltensweisen des Multitaskings nimmt der Nachwuchs in sein Verhaltensmuster auf.

5.1. Eltern sollten bewusste Ruhemomente in den Alltag integrieren

Kind spielt mit Smartphone

Die Medienwelt hat längst bei Kindern Einzug gehalten.

Wer sich genügend Zeit für die Erledigung täglicher Aufgaben und Dinge nimmt, geht vor dem Kind mit gutem Beispiel voran. Ein positiver Nebeneffekt: Die Ruhe, die Sie ausstrahlen, ist eine Wohltat für Sie und Ihr Kind selbst.

Wer sich gelegentlich selbst reflektiert, kann schon mit kleinen Gesten und Aufmerksamkeiten einen großen Effekt erzielen. Ein Alltagsbeispiel ist der regelmäßige Blick aufs Handy beim gemeinsamen Abendessen, der vermieden werden sollte. Eltern sollten bewusst versuchen, sich jeweils nur einer Tätigkeit zu widmen und für diese Aktivität voll da zu sein. Es ist erstaunlich, wie schnell mehr Ruhe in den Lebensalltag einkehrt.

Achtung: Smartphones sind aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch laut Aussagen von Ärzten drohen gesundheitliche Gefahren bei erhöhter Nutzung: Mediziner warnen bei Handykonsum vor dem Suchtpotential. Weiterführende Informationen zu dieser Thematik gibt hier.

 

 

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (36 Bewertungen, Durchschnitt: 4,80 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge