Förderunterricht in der Grundschule: So wird Ihrem Kind geholfen

kind beim foerderunterricht
Wozu dient Förderunterricht?

Förderunterricht richtet sich vordergründig an Kinder, die dem Lerntempo der Klasse nicht standhalten können. Durch entsprechende Maßnahmen sollen die Defizite in den einzelnen Bereichen ausgeglichen werden.

Wie läuft der Förderunterricht ab?

Um allen Schülern gerecht zu werden, findet der Unterricht in Kleingruppen statt. In einem individuellen Portfolio halten die Lehrkräfte Lernziele und -erfolge fest.

Ist Förderunterricht für Schüler verpflichtend?

Eine grundlegende Aussage lässt sich schwer treffen, da Bildung Ländersache ist. Verpflichtend ist der Förderunterricht dann, wenn es grundsätzliche Defizite bezüglich der Beherrschung der deutschen Sprache gibt.

Wenn Kinder in die Schule kommen, sind sie zumeist höchst motiviert und voller Tatendrang. Sie möchten so schnell wie möglich lesen, schreiben und rechnen lernen. Manche Schüler haben jedoch bereits in der Grundschule große Probleme damit. In diesem Fall kann Förderunterricht sinnvoll sein.

Beim Förderunterricht geht es vor allem darum, die Kinder in den Bereichen zu fördern, in denen sie noch Schwierigkeiten haben. In diesem Artikel bekommen Sie Informationen darüber, wie der Förderunterricht abläuft und ob er für alle Schüler verpflichtend ist.

1. Im Förderunterricht sollen Leistungsdefizite ausgeglichen werden

kinder üben im förderunterricht

Im Förderunterricht geht es darum, die Ursachen der Schwächen zu erkennen und zu bekämpfen.

Lesen, Schreiben, Rechnen – es gibt viele Unterrichtsziele, die die Schüler in den jeweiligen Klassen erreichen müssen. Während einige Kinder neue Dinge sehr schnell lernen, schreitet dieser Prozess bei anderen wiederum etwas langsamer voran.

Der Begriff Förderunterricht löst bei vielen Eltern großes Unbehagen auf. Sie sind sich der richtigen Bedeutung dieses Wortes nicht bewusst und bekommen das Gefühl, dass ihr Kind nicht schlau genug ist und nicht mit den anderen mithalten kann. Vor allem, wenn Förderunterricht bereits in der Grundschule notwendig ist, herrscht große Verunsicherung.

Laut Definition im Wörterbuch handelt es sich bei Förderunterricht um einen Unterricht zur Förderung der Leistungen bei schwachen Schülerinnen und Schülern. In einem geschützten Rahmen fördern Lehrkräfte die betroffenen Kinder, um individuelle Schwächen auszugleichen.

Dabei sollten Sie Förderunterricht nicht mit Nachhilfe verwechseln. Während bei der Nachhilfe nur die Inhalte des regulären Unterrichts wiederholt werden, geht es beim Förderunterricht darum, die Ursachen der Schwäche zu erforschen, um diese bestmöglich beheben zu können.

Ob Förderbedarf notwendig ist, müssen in erster Linie die Lehrer entscheiden. Wenn diese bemerken, dass das Kind in Mathe, Englisch oder Deutsch nicht mitkommt, sollten diese das Gespräch mit den Eltern des Kindes suchen. Die Anzeichen für eine Lernschwäche können dabei sehr unterschiedlich sein.

Fördermaßnahmen können auch Kindern helfen, die überdurchschnittlich gut in der Schule sind. Durch eine gezielte Förderung kann vermieden werden, dass sie sich unterfordert oder gar unbeachtet fühlen.

2. Der Unterricht findet in kleinen Gruppen statt

glueckliches kind mit schulsachen

Kinder sollen Freude am Lernen entwickeln.

Förderunterricht soll sicherstellen, dass Lehrkräfte auf die individuellen Stärken und Schwächen der einzelnen Kinder eingehen können. Dazu wird ein Plan erstellt, der auf Beobachtungen und weiteren Datenerhebungen beruht.

Die einzelnen Unterrichtseinheiten finden daher in Kleingruppen statt. Nur so kann gewährleistet werden, dass jedes Kind die Aufmerksamkeit bekommt, die es benötigt. Im Fokus des Förderunterrichts steht die eigene Analyse der individuellen Stärken und Schwächen. Kinder müssen gezeigt bekommen, wo ihre Defizite liegen und in welchen Bereichen sie besonders gut sind.

In dem individuellen Portfolio halten die Lehrkräfte Lernziele fest, die ein Kind nach einiger Zeit erreicht haben sollte. Das Material und die Methoden wählen sie so aus, dass die Kinder gezielt angesprochen und auch motiviert werden. Wichtig ist es, den Unterrichtsstoff so schnell wie möglich aufzuholen, damit sich die Kinder wieder aktiv am regulären Unterricht beteiligen können.

Ein besonderer Fokus liegt darauf, den Schülerinnen und Schülern die Lust am Lernen zu vermitteln. Durch Schwierigkeiten und Lernprobleme kann es schnell zur Frustration kommen, was sich wiederum negativ auf die Erfolge des Förderunterrichts auswirken kann. Die Kinder sollen nicht das Gefühl bekommen, dass sie nachsitzen müssen oder für schlechte Leistungen bestraft werden.


3. Förderunterricht kann als zusätzlicher Pflichtunterricht angesehen werden

Schulgesetze der einzelnen Bundesländer

Im Schulrecht sind alle Rechte und Pflichten zusammengefasst, die von Schülern, Lehrern, Eltern, Schulträgern und der Schulaufsicht eingehalten werden müssen. Einen Überblick über die Schulgesetze der einzelnen Bundesländer bekommen Sie hier.

In der Regel schreiben oder rufen die zuständigen Lehrer die Eltern zunächst an, wenn ihr Kind am Förderunterricht teilnehmen soll. Aber ist es Pflicht, dass Kinder an diesem Förderunterricht teilnehmen oder müssen die Eltern in diesem Fall explizit zustimmen?

Diese Frage ist nur sehr schwer zu beantworten. Grundsätzlich ist Bildung in Deutschland Ländersache. Das bedeutet wiederum, dass jedes Bundesland selbst darüber entscheiden kann, welche Grundsätze gelten. Bundeseinheitlich ist jedoch die Schulpflicht. Dies bedeutet, dass alle Kinder, je nach Bundesland, mindestens neun bzw. zehn Jahre eine allgemeine Schule besuchen müssen.

In den meisten Ländern ist die Teilnahme am Förderunterricht verpflichtend, wenn Schwierigkeiten beim Rechtschreiben, Lesen oder Rechnen bestehen. Durch die individuellen Förderpläne soll sichergestellt werden, dass ein Kind das jeweilige Klassenziel erreicht und somit in der Klasse bleiben kann. Dies ist besonders in der Grundschule wichtig, da in dieser Zeit der Grundstein für die zukünftigen Bildungschancen gelegt wird.

Eltern müssen jedoch stets darüber informiert werden, wenn ihre Kinder am Förderunterricht teilnehmen sollen. Im besten Fall ziehen die Lehrer die Eltern in den Prozess mit ein, sodass das Kind auch Zuhause die bestmögliche Hilfe bekommt, um individuelle Defizite auszugleichen.

Besonders Migrationskinder benötigen unmittelbar in der 1. Klasse Unterstützung, um Deutsch zu lernen und dadurch im Unterricht mitkommen zu können. Sie erhalten entsprechende Sprachfördermaßnahmen, die es ermöglichen, den Unterrichtsinhalten der weiteren Fächer zu folgen. Sinn macht es natürlich, wenn die Förderung nicht erst in der Grundschule, sondern bereits im Kindergarten beginnt.

4. Förderunterricht in der Grundschule – sinnvoll oder nicht?

leistungsanstieg

Die Leistung kann sich nur dann positiv entwickeln, wenn bestimmte Kriterien erfüllt werden.

Ziel ist es, dass lernschwache Kinder in Zukunft an deutschen Schulen mehr individuellen Förderunterricht bekommen, damit es nicht mehr notwendig ist, dass Schüler eine Klasse wiederholen müssen. Aber inwiefern wirken sich diese Maßnahmen in der Praxis auf den Lernerfolg aus?

In dem Projekt „Lesen und Schreiben für alle“ hat der Wissenschaftler Peter May in Zusammenarbeit mit weiteren Kollegen untersucht, inwiefern der Förderunterricht in der Grundschule Einfluss auf die Leistungsentwicklung der Kinder nimmt.

Er fand in dieser Studie heraus, dass Förderunterricht bestimmte Kriterien erfüllen muss, damit es einen Lernerfolg gibt. So kommt es nicht auf die Zahl der Förderstunden, den Ort der Förderung, die Sozialform oder die Funktion des Förderlehrers an. Vielmehr geht es um die Intensität des Lernens in der Unterrichtszeit.

Folgende Prinzipien gelten demnach für den Förderunterricht in der Grundschule:

  • Klare Führung durch die Lehrperson
  • Übersichtliche Strukturierung
  • Kleine und überschaubare Lernschritte
  • Klar verständliche Anweisungen
  • Hohe Zeitnutzung

Sind diese gegeben, ist ein Förderunterricht nachweislich sinnvoll für die Entwicklung der Schüler mit Förderbedarf

5. Weiterführende Literatur zum Thema

Lernen mit Grundschulkindern: Praktische Hilfen und erfolgreiche Fördermethoden für Eltern und Lehrer
  • Armin Born, Claudia Oehler
  • Herausgeber: Kohlhammer W., GmbH
  • Auflage Nr. 2 (10.05.2017)
  • Taschenbuch: 212 Seiten
Selbstlernhefte für den Anfangs- und Förderunterricht: Mein Nachfahrheft: Ich kann schwingen, nachspuren und zeichnen
  • Annette Richter-Göckeritz
  • Herausgeber: Westermann Lernspielverlage
  • Broschüre: 32 Seiten
LRS im Förderunterricht der Grundschule: Praxisbewährte Materialien auf Signalgruppen- und Morphemebene (2. bis 4. Klasse)
  • Sylvia Schubert-Klemenz
  • Herausgeber: Persen Verlag i.d. AAP
  • Auflage Nr. 0 (10.04.2019)
  • Taschenbuch: 87 Seiten

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