Lernschwäche bei Kindern: Definition, Arten und Behandlung im Überblick

Kind liegt niedergeschlafen den Kopf neben die Schulaufgaben
  • Eine Lernschwäche betrifft deutlich mehr Kinder als in früheren Untersuchungen angenommen.
  • Schwierigkeiten treten vor allem beim Lesen und Rechnen auf; vielfach kommt es auch zu Konzentrationsstörungen.
  • Eine frühe Förderung hilft Kindern dabei, ihre Schwierigkeiten zu akzeptieren und zu bewältigen.

Hat ein Kind eine Lernschwäche, ist die Diagnose für viele Eltern zunächst ein Schock. Aber was bedeutet eine Lernschwäche überhaupt für den Alltag? Ist ein Kind mit einer Lernschwäche weniger intelligent? In unserem Artikel erfahren Sie, welche verschiedenen Arten von Lernschwierigkeiten es gibt, wie Sie diese erkennen und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

1. Eine Lernschwäche ist keine Seltenheit

Kind lehnt den Kopf an eine Tafel

Lernschwächen können psychisch bedingt sein.

Laut einer aktuellen Studie sind etwa 13,3 % aller Grundschulkinder von einer Lernstörung betroffen. Rein statistisch gesehen befinden sich also in jeder Klasse 2 bis 3 Schüler, die mit einer Lernschwäche zu kämpfen haben.

Die Probleme in der Schule bestehen vor allem in den Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen. Für Lehrer und Eltern stellt das Erkennen jedoch eine Herausforderung dar, die nur gemeistert werden kann, wenn ein Kind genau beobachtet wird.

Weichen die Leistungen im Gegensatz zu anderen Schülern nach unten ab, kann dies schlicht und einfach an fehlender Begabungen liegen. Kinder, die unter einer Lernschwäche leiden, bemühen sich, machen jedoch immer wieder die gleichen Fehler.

Mangelnde Intelligenz hat damit jedoch nichts zu tun, da die Lernschwäche gerade die Diskrepanz zwischen vorhandener Intelligenz und der Umsetzung in einem oder mehreren Bereichen beschreibt.

Die Ursachen für eine Lernschwäche sind nicht abschließend geklärt. Insbesondere bei Legasthenie sowie Dyskalkulie geht man von neurologischen Defiziten aus. Drüber hinaus kommen jedoch weitere soziale, physische oder auch psychische Ursachen in Betracht.

Tipp: Wichtig ist eine frühzeitige Diagnose und ein Erkennen der Symptome, um der Lernschwäche gezielt entgegenzuwirken.

2. Die Symptome einer Lernschwäche erkennen

Viele Kinder, die trotz einer bestehenden Lernschwäche keine Therapie bekommen haben, leiden auch als Erwachsene noch unter ihrer Störung. Werden die Symptome jedoch frühzeitig erkannt, ist es möglich, mit gezielten Maßnahmen gute Erfolge zu erzielen.

Besonders das Selbstbewusstsein leidet oft langfristig, wenn die Schwäche verkannt wird. Es kommt zu ständigen Selbstzweifeln, weil das Lernen nicht so funktioniert, wie es eigentlich funktionieren sollte.

In den folgenden Abschnitten erfahren Sie, was die unterschiedlichen Arten einer Lernschwäche auszeichnet, worin die Ursachen liegen und wie Sie diese behandeln können.

2.1. Die Lese-Rechtschreibschwäche beeinflusst die gesamte Schullaufbahn

Buchstaben fliegen aus einem geöffneten Buch

Kindern mit Legasthenie fällt es schwer, Wörter zu erkennen.

Kann ein Kind nur sehr langsam und stockend lesen und fällt es schwer, selbst zu schreiben, steckt häufig eine Lese-Rechtschreibstörung, kurz LRS, dahinter.
Laut Schätzungen leiden etwa 4 % aller Kinder an unterschiedlich stark ausgeprägten Formen der Legasthenie.

So erkennen Sie die Schwäche:

  • Das Lesetempo ist sehr langsam und oftmals stockend.
  • Es fällt Kinder schwer, lange Worte zu erkennen.
  • Viele Kinder haben kein Interesse daran, zu lesen.
  • Es kommt zu vielen Fehlern bei den Hausaufgaben; Nachhilfe hat keinen Erfolg.

Insbesondere, wenn die Lese-Rechtschreibschwäche nicht extrem ausgeprägt ist, wird diese teils verkannt. Langsam aber sicher machen sich die Lese- und Schreibschwierigkeiten auch in anderen Fächern bemerkbar, sodass sich die Noten nicht nur in Deutsch verschlechtern.

Tipp: Sprechen Sie das Thema frühzeitig an, machen Sie einen Test und sprechen Sie mit den Lehrern über die Lese-Rechtschreibschwäche.

Neben mehr Zeit in Klassenarbeiten können Kinder im Rahmen einer Therapie lernen, etwas mehr Sicherheit beim Lesen und Schreiben zu gewinnen. Durch eine Therapie erlangt Ihr Kind mehr Selbstvertrauen und dieser positive Effekt ist nicht zu unterschätzen.

2.2. Mathe – für viele Kinder ein rotes Tuch

Viele Kinder haben Schwierigkeiten in Mathe, allerdings steckt nicht zwingend eine Lernschwäche in Form einer Dyskalkulie dahinter. Sind die Unterschiede zu anderen Fächern in der Schule jedoch auffallend, sollten Sie einen Test in Erwägung ziehen.

Zahlen und das Wort Dyskalkulie auf einer Tafel

Zahlen sind nicht für jedes Kind etwas Natürliches.

Anzeichen für eine Dyskalkulie sind folgende:

  • Häufige falsche Rechenergebnisse (meist bei eher einfachen Aufgaben)
  • Fehlendes Verständnis für die Grundrechenarten
  • Insbesondere bei Zahlensprüngen (10, 100, 1000) kommt es zu Rechenfehlern
  • Anfangs zählen viele Kinder, anstatt zu rechnen
  • Schwierigkeiten mit neuen Zahlen, aber dem gleichen Aufgabentyp
  • Fehlendes Verständnis für offensichtlich falsche Rechenergebnisse

Da die gesamte Mathematik auf den Grundrechenarten sowie einem entsprechenden Verständnis fußt, ist eine gezielte, individuelle Förderung unerlässlich.

2.3. ADS und ADHS – die Aufmerksamkeitsstörungen beeinträchtigen die Konzentration

ADHS-Begriffe

Kinder mit ADS und ADHS können mit entsprechender Förderung ein normales Leben führen.

Im Gegensatz zu Kindern mit ADHS fallen Kinder, die unter ADS leiden, im Unterricht kaum auf. In beiden Fällen leidet jedoch die Konzentration. Die Gedanken wandern ständig zu anderen Themen und es fällt Kindern sehr schwer, sich für auf nur eine Sache zu fokussieren und am Ball zu bleiben.

Aufgaben werden nur selten erledigt und es kommt immer wieder zu Unterbrechungen. Kommt hierzu noch Hyperaktivität, ist die Lernschwäche nicht nur nach innen gerichtet, sondern zeigt sich auch der Außenwelt.
Viele Kinder werden daher auch gerne als Zappelphilipp bezeichnet, da sie nicht in der Lage, ruhig auf einem Stuhl sitzen zu bleiben.

Medikamente sollten nur in Extremfällen zum Einsatz kommen. Versuchen Sie es stattdessen zunächst mit einer Therapie ohne Medikamente. Hier lernen Kinder, mit Ihren Konzentrationsschwierigkeiten umzugehen.

Besonders sportliche Betätigung hat sich bewährt. Zum einen können Kinder sich dadurch auspowern, auf der anderen Seite lernen Sie jedoch auch, sich auf eine Sache zu konzentrieren.

3. Generelle Tipps im Umgang mit einer Lernschwäche

Tafel mit dem Schriftzug "Kein Bock auf Schule"

Üben Sie sich in Geduld, wenn Kindern das Lernen schwerer fällt.

Versuchen Sie, möglichst gezielt auf die Lernschwäche einzugehen. Zeigen Sie Ihren Kindern, dass sie nicht dumm sind, sondern in anderen Bereichen durchaus glänzen können. Geschieht diese frühe Förderung nicht, leidet das Selbstbewusstsein oft in hohem Maß und Kinder stellen sich im Laufe der Schulzeit immer wieder selbst infrage.

Suchen Sie sich professionelle Hilfe. Lernschwächen lassen sich nicht im Rahmen des normalen Unterrichts oder durch Nachhilfe lösen. Ergotherapeuten sowie Sprachtherapeuten dienen vielfach als erste Anlaufstellen.

Haben Sie Geduld. Ist eine Lernschwäche diagnostiziert, sollten Sie sich viel Zeit mit Ihrem Kind nehmen, um gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Achten Sie allerdings darauf, Ihr Kind nicht zu überfordern. Der Spaß am Lernen darf nicht gänzlich verloren gehen, auch wenn sich dies im Rahmen einer Lernschwäche oftmals als echte Herausforderung darstellt.

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