24-Stunden-Kita: Das sind die Vor- und Nachteile der Ganztagskita

24-Stunden-Kita auf eine Tafel geschrieben
  • 24-Stunden-Kitas richten sich an Eltern, die lange oder aber im Schichtbetrieb arbeiten.
  • Nachts gelten strikte Ruhephasen, sodass Eltern ihre Kinder lediglich tagsüber zur Kita bringen und wieder abholen können.
  • In aller Regel verbringen Kinder nicht mehr als 10 Stunden pro Tag in einer 24-Stunden-Kita.

Immer mehr Kindertagesstätten in Deutschland gehen dazu über, ihre Öffnungszeiten zu erweitern. Aber ist das Konzept der 24-Stunden-Kita wirklich sinnvoll? In unserem Artikel beschäftigen wir uns mit den Vorteilen sowie den Nachteilen der 24-Stunden-Kinderbetreuung und zeigen, in welchen Fällen Eltern auf diese Methode zurückgreifen.

1. Beruf und Kinder miteinander vereinbaren

Kind sitzt auf dem Schoß der Mutter

Manche Arbeitszeiten machen es Müttern und Väter schwer, Kinder zu bekommen.

Eine 24-Stunden-Kinderbetreuung ist in der Regel nicht gewünscht. Lediglich die Arbeitszeiten vieler Eltern führen dazu, dass eine flexible Lösung für die Betreuung der Kinder im Kindergarten gefunden werden muss.

Wer in der Nacht arbeitet, kann sein Kind schlecht unbeaufsichtigt zu Hause schlafen lassen. Wohnt niemand der engeren Familie, der die Kinderbetreuung übernehmen könnte, in der Nähe, gestaltet es sich schwierig, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bekommen.

Eine 24-Stunden-Kita ermöglicht es Eltern, ihr Kind in der Regel zwischen 6:00 und 20:00 Uhr in die Kita zu bringen. Kann die Abholzeit am Abend nicht eingehalten werden, ist es auch möglich, dass ein Kind über Nacht im Kindergarten betreut wird.

In den meisten Fällen wird dies allerdings nur relativ selten in Anspruch genommen. Viel wichtiger ist es den meisten Eltern, ihr Kind bereits sehr früh in die Kita bringen zu können oder aber es im Rahmen der Mittagsschicht erst gegen Abend abzuholen.

Im Schnitt ändert sich die gesamte Betreuungszeit nur unwesentlich, da die meisten Eltern lediglich Wert auf flexiblere Öffnungszeiten legen.

Einen kurzen Beitrag aus der NDR-Mediathek zum Thema 24-Stunden-Kita sehen Sie hier:

2. Das Konzept der 24-Stunden-Kita stößt auf viel Kritik

Nicht jeder hat die Wahl:

Ein Interview mit der ehemaligen Familienministerin Manuela Schwesig zum Ausbau der Kindertagesbetreuung im Hinblick auf 24-Stunden-Kitas finden Sie hier.

Viele Pädagogen sehen eine 24-Stunden-Kinderbetreuung extrem kritisch. Besonders in der Nacht sollten kleine Kinder nach Ansicht der meisten Experten in der Nähe der Eltern sein. Der Hauptkritikpunkt der Gegner der 24-Stunden-Betreuung liegt in einer fehlenden Bindung zwischen Eltern und Kindern. Steht ein Elternteil nachts, wenn ein Kind Angst hat, nicht zur Verfügung, kann dies in den ersten Lebensjahren zu einem Vertrauensverlust führen.
Erzieher geraten hier schnell an eine Grenze. Zudem steht oftmals keine weitere Bezugsperson zur Verfügung, da nur wenige Mitarbeiter nachts in der Kita verbleiben und sich in der Betreuung abwechseln.

Gäbe es jedoch keine 24-Stunden-Kita, hätte sich der Traum des eigenen Kindes für einige Familien schnell erledigt. Wer im Schichtbetrieb arbeitet oder schlichtweg etwas ausgedehnte Arbeitszeiten hat, schafft es nicht, sein Kind morgens um 7:30 Uhr zur Kita zu bringen und bereits um 16:30 Uhr wieder abzuholen.

Vater rennt mit einem Kinderwagen

Es ist nicht immer leicht, Kind und Karriere miteinander zu vereinbaren.

Natürlich stellt sich die Frage, ob eine 16-stündige Betreuung nicht ebenfalls ausreichen würde, um den Bedürfnissen vieler Eltern gerecht zu werden. In der Praxis ist es nämlich so, dass die generelle Übernachtungsmöglichkeit sehr selten genutzt wird und lediglich in Notfällen zur Verfügung stehen soll.

Dies bedeutet selbstverständlich keinen Freifahrtschein für Eltern, die sich einen netten Abend machen möchten. Vielmehr müssen Eltern konkret nachweisen, wann sie nachts arbeiten müssen. Nur so haben sie generell die Möglichkeit auf die Betreuungsmöglichkeit auch während der Nacht zurückgreifen zu können.

Achtung: Kinder brauchen feste Rituale. Versuchen Sie daher, diese so gut es geht zu ermöglichen, auch wenn Ihre Arbeitszeiten schwierig sind und Ihnen nicht viel Spielraum lassen. So erreichen Sie, dass sich die Nachteile für Ihr Kind nur in geringem Umfang auswirken.

3. Qualität ist der Schlüssel zu einer flexiblen Kinderbetreuung

Sterne

Die Qualität der Kinderbetreuung muss stimmen.

In vielen Städten und Gemeinden fehlen nach wie vor zahlreiche Kinderbetreuungsplätze. Die Betreuungssituation ist unzureichend, sodass viele Erzieher und Erzieherinnen im Kindergarten mehr Kinder betreuen, als sie eigentlich betreuen sollten. Dieser Umstand erschwert den weiteren Ausbau der Ganztagsbetreuung. Folglich ist auch die Betreuung in der 24-Stunden-Kita nur schwer zu bewerkstelligen.

Sofern allerdings sichergestellt werden kann, dass eine Erzieherin nicht für zu viele Kinder verantwortlich ist, kann das Konzept durchaus gelingen. Schließlich besteht das Ziel nicht darin, dass Kinder die Nacht in der Kita verbringen, sondern vielmehr darin, Eltern die Möglichkeit zu verschaffen, Arbeit und Familie miteinander in Einklang zu bringen.

Generell gilt an dieser Stelle, dass kleine Kinder mehr Aufmerksamkeit benötigen und der Betreuungsschlüssel daher entsprechend gut ausfallen sollte. Auch hier stellt sich selbstverständlich die Frage, ob es möglich ist, zumindest zeitweise eine Auszeit zu nehmen, um die 24-Stunden-Kita nicht mehr als unbedingt nötig in Anspruch nehmen zu müssen.

4. Höhere Kosten für die 24-Stunden-Kita

Geldscheine und der Begriff Kita

Die 24-Stunden-Betreuung ist teurer.

Obwohl das Konzept der 24-Stunden-Kita wohl auch in Zukunft umstritten bleiben wird, so bietet es beruflich eingespannten Eltern jede Menge Vorteile. Durch einen entspannteren Umgang im Hinblick auf Arbeit und Kindererziehung profitieren auch die eigenen Kinder, da sich die gemeinsame Zeit deutlich stressfreier gestalten lässt.

Selbstverständlich kostet dieser Luxus entsprechend Geld. Generell hängen die Kosten der Kinderbetreuung von der Dauer der Unterbringung in der jeweiligen Einrichtung ab. In einer 24-Stunden-Kita können Sie daher mit etwa 150 Euro zusätzlich im Monat rechnen. Den darüber hinausgehenden Betrag, den die jeweilige Einrichtung benötigt, um wirtschaftlich arbeiten zu können, stellen der Bund sowie die Länder und Kommunen zur Verfügung.

Achtung: Die 24-Stunden-Kita gibt es bislang lediglich an wenigen Orten in Deutschland. Am besten informieren Sie sich vor Ort, wo sich eine solche Einrichtung in der Nähe befindet.

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