Schreibschrift in der Grundschule: Sinnvoll und noch zeitgemäß?

schreibschrift grundschule
Gibt es nur eine Art der Schreibschrift in der Grundschule?

Es existieren verschiedene Möglichkeiten, Wörter miteinander zu verbinden. Typischerweise setzen Lehrer dabei auf die Lateinische Ausgangsschrift.

Warum lernen Schüler erst die Druck- und anschließend die Schreibschrift?

Druckbuchstaben sind einfacher zu Lernen. Die erhöhten Anforderungen, die mit der Schreibschrift verbunden sind, sollen Kinder daher nicht abschrecken.

Welche Vor- und Nachteile bietet die Schreibschrift?

Befürworter und Gegner stehen sich teils verbittert gegenüber, da es sowohl gute Argumente für als auch gegen die Schreibschrift gibt.
Besonders hervorzuheben sind die Schulung der Feinmotorik sowie auf der Negativseite der dadurch entstehende hohe Zeitverlust.

Immer wieder stellt sich die Frage nach dem Sinn der Schreibschrift in der Grundschule.

Inwieweit ist es noch zeitgemäß, Schwungübungen zu machen und die traditionelle Schrift zu lernen, wenn die Computertastatur den Alltag beherrscht?

Wir stellen uns der berechtigten Frage und beschäftigen uns in unserem Artikel mit den Vor- sowie den Nachteilen des Erlernen der Schreibschrift in der Grundschule.

1. Drei Schriften für nur eine Sprache

ein maedchen sitzt in der klasse und schreibt

Nicht in jeder Schule lernen Kinder die klassische Schreibschrift kennen.

In der heutigen Zeit lernen Kinder an deutschen Grundschulen im Wesentlichen drei unterschiedliche Schriften kennen.
Dies sind:

  • die Lateinische Ausgangsschrift (klassische Schreibschrift)
  • die Vereinfachte Ausgangsschrift (als Verbindung zwischen Schreibschrift und Druckschrift
  • sowie die Grundschrift (welche zwar neu, jedoch in etwa mit der regulären Druckschrift vergleichbar ist, allerdings individuelle Schwünge erlaubt)

Die bereits kurze Zeit nach der Lateinischen Ausgangsschrift in der damaligen DDR entstandene Schulausgangsschrift ähnelt dieser stark. Oftmals sind Unterschiede für den Laien kaum erkennbar.
Sie kommt in den ostdeutschen Bundesländern Sachen, Thüringen sowie Sachsen-Anhalt zum Einsatz.

Die drei üblichen Schriftarten können Sie noch einmal in diesem kurzen YouTube-Video sehen:

Wie die einzelnen Schreibschriften sich im Detail unterscheiden, sehen Sie an dieser Stelle.

2. Die Schreibschrift in der Grundschule soll für Individualität stehen

Finnland als Vorbild?

In dem nordischen Land, welches bei PISA regelmäßig exzellent abschneidet, sieht es anders als in Deutschland aus.
Die Schreibschrift gibt es nicht mehr. Stattdessen steht das Tippen lernen im Lehrplan der Schulen.

Beim Lernen der Schreibschrift geht es darum, nicht nur einzelne Buchstaben aufzuschreiben, sondern diese miteinander zu verbinden. Vielerorts ist es nach wie vor Pflicht, eine verbundene Grundschrift, eine vereinfachte Schreibschrift oder eine andere Art der Schönschrift zu lernen.

Das Ziel ist dabei darauf ausgerichtet, dass die Schüler eine eigene Handschrift entwickeln. Dies sei, nach Ansicht einiger Verfechter der traditionellen Schrift, bei der Grund- oder Druckschrift nicht möglich.

Tatsächlich ist es allerdings so, dass sich das Schriftbild sämtlicher Schüler einer Klasse auch dann deutlich voneinander unterscheidet, wenn alle Kinder lediglich mit der Grundschrift schreiben.
Besonders deutlich wird dies, wenn die Schriften Erwachsener verglichen werden, die entweder in Schreibschrift schreiben oder Druckbuchstaben nutzen.

Tipp: Elegante Bögen zu üben, ist in einem Schreiblehrgang durchaus sinnvoll. Auch im Rahmen des Kunstunterrichts haben kaligraphische Elemente ihre Berechtigung. Der zwangsweise Wechsel von der einen zu anderen Schrift darf allerdings durchaus kritisch betrachtet werden.

 

3. Erst Druck- und dann Schreibschrift

Wenn Kinder die Buchstaben des Alphabets kennenlernen, so sind dies zunächst Druckbuchstaben. Das A steht für den Affen und soll auch genau so geschrieben werden.

Übungsheft für Schreibschrift in der Grundschule

Der Wechsel zwischen der Schreib- sowie der Druckschrift fällt nicht allen Kindern leicht.

Nach dem ersten Schuljahr ändert sich dies jedoch plötzlich und jeder Buchstabe sieht ein wenig anders aus. Es kommt zu Schnörkeln und Verbindungslinien, um jeden Buchstaben mit jedem anderen aneinanderreihen zu können.

Die Schüler müssen also umdenken und benötigen für diesen Prozess jede Menge Zeit, die an anderer Stelle fehlt. Aber was bringen die Extraschnörkel der Schreibschrift in der Grundschule denn überhaupt?

Immer wieder kommt es zu Studien, die darauf hinweisen, dass ein flüssiger Gedankenfluss nur dann entstehen kann, wenn auch der Stift durchgehend auf dem Papier ruht.
Klare Beweise für diese These gibt es allerdings bislang nicht.

Vielmehr stellt in der heutigen Zeit die Frage, ob das Tippen nicht eine der wichtigeren Methoden für die Zukunft darstellt.
Sicherlich hat dies weniger mit der Feinmotorik zu tun, dennoch stellt sich hier die Frage der Nachhaltigkeit des erworbenen Wissens. Die wenigsten Erwachsenen schreiben noch mit der Schönschrift aus der Schule. 

Kinder, die bereits über eine flüssige Handschrift in Druckbuchstaben verfügen, müssen also in den meisten Grundschulen Deutschlands anschließend wieder von vorne beginnen, um besser schreiben zu lernen.

Dieses Konzept erscheint also für alle jene, die bereits flüssig schreiben können, zunächst als Rückschritt.
Noch dramatischer sind die Folgen allerdings für leistungsschwache Schüler, die Schwierigkeiten damit haben, mit der Schrift zurechtzukommen. Für sie heißt es, umzudenken, bevor die eine Schrift richtig beherrscht wird.

Die Schreibschrift in der Grundschule könnte wahlweise angeboten werden, sodass nicht jedes Kind gezwungen wird, sich umzustellen.

4. Die Vor- und Nachteile der Schreibschrift in der Grundschule

Dass Kinder in der Schule im Fach Deutsch wohl noch längere Zeit die Schreibschrift lernen müssen, ist eine Tatsache. Zumindest die meisten Grundschulen erachten die Verbindung zwischen einzelnen Buchstaben zu Wörtern als sinnvoll.

Dennoch möchten wir Ihnen die dagegensprechenden Argumente nicht vorenthalten, sodass Sie sowohl die Vor- als auch die Nachteile hier finden:

  • die Schreibschrift sieht schöner aus (zugegeben, das Argument ist subjektiv)
  • die Feinmotorik wird geschult
  • eine gut lesbare Handschrift hilft Kindern in der weiteren Schullaufbahn
  • der Wechsel ist für die meisten Kinder sehr kompliziert
  • das Erlernen der Schreibschrift in der Grundschule kostet viel Zeit, die anderweitig genutzt werden könnte
  • das Schreiben mit der Hand findet im Alltag kaum noch Anwendung

Zusätzlich gibt es einige Argumente, die zwar grundsätzlich als Vorteile der Schreibschrift in der Grundschule gelten, bei denen allerdings nicht ganz klar ist, ob dies tatsächlich zutrifft.

Vor allem die erhöhte Schreibgeschwindigkeit ist ein gern genanntes Argument der Schreibschrift-Befürworter. Aufgrund der generell sehr unterschiedlichen Schreibgeschwindigkeit von Schülern lässt sich diese jedoch kaum vergleichen. Zudem konnte dieser Zusammenhang in Experimenten nicht bestätigt werden.

5. Material zum Üben der Schreibschrift

FiT FÜR DIE SCHULE Deutsch. Schreibschrift üben: Schulausgangsschrift 1. Klasse (Fit für die Schule / Das musst du wissen!)
  • 32 Seiten - 01.03.2018 (Veröffentlichungsdatum) - Tessloff Verlag Ragnar Tessloff GmbH & Co. KG (Herausgeber)
Schreibschrift üben. Lateinische Ausgangsschrift: Deutsch 1.+2. Klasse (Fit für die Schule)
  • 32 Seiten - 01.01.2010 (Veröffentlichungsdatum) - Tessloff Verlag Ragnar Tessloff GmbH & Co. KG (Herausgeber)

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