Faustlos: Programm zur Gewaltprävention in Grundschule und Kita

faustlos - ein programm gegen gewalt
Was verbirgt sich hinter dem Programm Faustlos?

Das ursprünglich aus den USA stammende Konzept dient der Gewaltprävention im Kindergarten- und Grundschulalter.

Warum macht es Sinn, sich bereits im Kindergarten mit der Gewaltprävention zu beschäftigen?

Wichtige soziale Fertigkeiten machen einen entscheidenden Unterschied im Hinblick auf die Gewaltbereitschaft von Kindern. Entscheidend ist es daher, diese Fähigkeiten so schnell, wie es möglich ist, zu erlernen.

Ist das Programm erfolgreich?

Zahlreiche unterschiedliche Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Empathiefähigkeit gestärkt, die Impulskontrolle verbessert sowie die Hemmschwelle zur Gewalt gesenkt werden konnte.

Gewalt spielt leider in der heutigen Gesellschaft eine große Rolle. Besonders die Gewalttaten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen erschrecken die gesamte Bevölkerung.

Umso wichtiger ist es, frühzeitig mit den notwendigen Kompetenzen zu erwerben, um Wut und Ärger unter Kontrolle zu bringen.

Genau diesem Aspekt widmet sich das Programm Faustlos, welches in der Kita sowie in der Grundschule zum Einsatz kommt.

1. Faustlos – ein Projekt zur frühzeitigen Gewaltprävention

Second Step:

Nähere Informationen zum US-amerikanischen Ausgangsprogramm der Gewaltprävention aus dem Jahr 1988 finden Sie an dieser Stelle.

Sowohl Kinder als auch Erwachsene haben immer wieder Konflikte, die gelöst werden müssen. Kinder reagieren dabei oftmals sehr stark, wenn etwas nicht nach ihren Vorstellungen verläuft.

Da aggressives Verhalten niemals zur Lösung eines Konflikts eingesetzt werden sollte, sind das rechtzeitige Einschreiten sowie die systematische Beschäftigung mit diesem Thema von elementarer Bedeutung.

Genau diesem Aspekt widmet sich das zunächst in den USA entstandene Konzept Second Step. Die Übertragung und Weiterentwicklung hin zum Programm Faustlos erfolgte durch Prof. Dr. med. Manfred Cierpka, Dr. Andreas Schick sowie Dipl.-Psych. Axel Dewald.

Um das Programm für die Kita sowie die Grundschule weiterentwickeln zu können und flächendeckend einzubinden, erfolgte im Jahr 2001 die Gründung des Heidelberger Präventionszentrums.

Im Fokus steht auch heute noch die Prävention von Gewalt bei kleinen Kindern.

Einen Vortrag von Dr. Cierpka zur Gewaltprävention an Schulen finden Sie im folgenden Video:

2. Faustlos für Kindergärten – ein frühzeitiger Ansatz lohnt sich

programm faustlos gegen gewalt in kitas

Handgreiflichkeiten kommen bereits in der Kita vor.

Besonders Kleinkinder haben große Probleme damit, ihren Ärger und ihre Wut unter Kontrolle zu bringen. Diese noch nicht vorhandene Impulskontrolle ist jedoch von entscheidender Bedeutung, um im Rahmen der Konfliktbewältigung auf Gewalt verzichten zu können.

Zwar ist es für Kinder wichtig, Emotionen zuzulassen und zu erfahren, was diese auslöst. Auf der anderen Seite müssen Kinder jedoch auch lernen, diese Gefühle auf friedliche Art und Weise abzubauen.

Das Programm Faustlos enthält dazu 28 Lektionen für den Kindergartenbereich, die sich im Wesentlichen den drei großen Bereichen

  • Empathie
  • Impulskontrolle
  • sowie dem Umgang mit Ärger und Wut

widmen. Vor allem der Bereich der Empathie, also das Nachempfinden der Gefühle eines anderen Menschen, hilft Kindern dabei, weniger aggressiv gegenüber anderen Kindern zu sein.

Zur Veranschaulichung kommen vor allem Rollenspiele sowie Handpuppen zum Einsatz, die es Kindern ermöglichen, sich in die jeweilige Situation hineinversetzen zu können.

Tipp: Damit das Programm Faustlos in der Kita oder im Kindergarten zum Einsatz kommen kann, sollten alle Erzieher und Erzieherinnen vorab an einer Fortbildung teilnehmen.

Nähere Informationen zur Fortbildung für die Durchführung des Programms im Kindergarten finden Sie an dieser Stelle.

3. Faustlos für Grundschulen – konsequente Arbeit über drei bis vier Jahre

zwei jungen raufen miteinander

Gewalt in der Grundschule ist keine Seltenheit.

Das Konzept Faustlos setzt vor allem auf Kontinuität. Mit insgesamt 51 Lektionen enthält ein Koffer des Heidelberger Präventionszentrums so viel Material, dass dieses für drei, manchmal sogar für vier Schuljahre ausreicht.
Besonders wichtig ist den Entwicklern der Methode dabei, dass sich Kinder nicht nur vorübergehend mit den Themen der Impulskontrolle, der Empathie sowie dem Umgang mit den eigenen Gefühlen auseinandersetzen, sondern ihr Wissen permanent erweitern.

So kommt es bei den einzelnen Lektionen beispielsweise dazu, dass Konfliktsituationen gezielt geübt werden.
Teils kommen auch Bilder zum Einsatz, anhand derer die Schüler der Grundschule darüber diskutieren können, welches Verhalten wohl angebracht wäre.

Die Übungen beziehen sich dabei jedoch nicht nur auf den Umgang mit anderen, sondern auch auf die Wahrnehmung der eigenen Gefühle.
Dem liegt die Erkenntnis zugrunde, dass es gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen in aller Regel an sozialen Kompetenzen mangelt.
Sobald Kinder in der Lage sind, konstruktiv mit der eigenen negativen Gefühlswelt (insbesondere mit Wut und Verärgerung) umzugehen, ist das Ziel erreicht.

Tipp: Ein großer Vorteil des Programms Faustlos liegt darin, dass das Verhaltenstraining nicht nur im Hinblick auf Gewaltprävention empfehlenswert ist, sondern auch bei drohenden psychischen Problemen hilft.

Mittlerweile existiert neben dem Programm für die Grundschule auch ein eigenes Training für die Sekundarstufe.

4. Zusammenfassung der Ergebnisse

ein kind troestet ein anderes kind

Kinder lernen, die Gefühle anderer Kinder zu respektieren.

Der Faustlos-Koffer enthält ein detailliertes Handbuch, nach dem sich Erzieher im Kindergarten bzw. Lehrer in der Grundschule richten können.

Die Evaluation des gesamten Konzepts zeigt, dass der Ansatz funktioniert. Insbesondere Kinder, die mit starken Defiziten zu kämpfen hatten, sei es im Hinblick auf eine schwach ausgeprägte Impulskontrolle oder aber eine fehlende Empathiefähigkeit, zeigten deutliche Verbesserungen.

Kinder werden auf diese Weise sozialer und legen aggressive Verhaltensweisen immer weiter ab.

Kritik an dem Programm gibt es kaum. Allenfalls der hohe Zeitaufwand und die dadurch bedingte eingeschränkte Durchführbarkeit sind Aspekte, die als Kritikpunkte gelten.
Besonders bei Schülern, die stark zu Gewalt neigen, ist jedoch eine intensive und regelmäßige Beschäftigung notwendig, um tatsächlich sichtbare Erfolge zu erzielen.

Leider haben Lehrer und Erzieher nur einen begrenzten Einfluss. Herrscht im Elternhaus Chaos und die vermittelten Werte werden mit Füßen getreten, kann auch das an sich gut funktionierende Programm Faustlos nur eine begrenzte Wirkung erreichen.

5. Faustlos-Ratgeber für Eltern

Faustlos - Wie Kinder Konflikte gewaltfrei lösen lernen (HERDER spektrum)
  • Manfred Cierpka
  • Herausgeber: Verlag Herder GmbH
  • Auflage Nr. 2 (28.06.2011)
  • Taschenbuch: 160 Seiten
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