Hirnhautentzündung beim Kind: Symptome, Ursachen und Folgen der Meningitis

Hirnhautentzündung
  • Eine virale Hirnhautentzündung ist verbreiteter als die bakterielle Form.
  • Komplikationen und schwere Verläufe sind vor allem auf eine bakterielle Meningitis zurückzuführen.
  • Nackensteifigkeit zeigt sich als auffälligstes Symptom bei einer Hirnhautentzündung.

Tritt eine Hirnhautentzündung bei einem Kind auf, geraten Eltern schnell in Panik. In den meisten Fällen ist dies zwar unberechtigt, allerdings gibt es auch sehr schwerwiegende Krankheitsverläufe.

In diesem Artikel möchten wir Sie deshalb darüber informieren, wie Sie die Symptome einer Hirnhautentzündung bei einem Kind erkennen können. Zusätzlich erfahren Sie, welche Ursachen es für die Meningitis gibt, wie der Krankheitsverlauf aussehen könnte und welche Folgen auftreten können.

1. Eine Meningitis ist eine Entzündung der Hirnhaut

Viren und Bakterien

Bakterien sind gefährlicher.

In den meisten Fällen wird eine Hirnhautentzündung bei Kindern und Erwachsenen durch Viren verursacht. Ist die Entzündung jedoch bakterieller Natur, also gelangen indessen Bakterien in den Kopf, ist die Gefahr für das Gehirn und den gesamten Körper deutlich höher.
Die Hirnhautentzündung befällt jedoch, sofern sich dies verhindern lässt, nicht das Gehirn selbst.

Gibt es Anzeichen für eine Hirnhautentzündung bei einem Kind, sollten Sie sofort handeln und Ihr Kind ins Krankenhaus bringen. Kommt es zu einer bakteriellen Infektion der Hirnhäute, kann sich der Zustand eines Kindes innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern.
Bei der deutlich öfter auftretenden viralen Meningitis ist indes kein schwerwiegender Verlauf zu befürchten.

2. Die Symptome einer Hirnhautentzündung bei einem Kind erkennen

Sowohl die bakterielle als auch die virale Form der Meningitis äußern sich durch ähnliche Symptome. Leider ähneln einige der Anzeichen für eine Hirnhautentzündung denen einer vergleichsweise harmlosen Grippe oder eines grippalen Infekts.

Typisch sind folgende Meningitis-Symptome bei Kindern:

Kind mit starken Kopfschmerzen

Eine Meningitis löst starke Kopfschmerzen aus.

  • Plötzlich auftretendes hohes Fieber
  • Starke, oft als unaushaltbar bezeichnete Kopfschmerzen
  • Nackensteifigkeit (Meningismus)
  • Lichtempfindlichkeit bzw. Lichtscheu sowie Geräuschempfindlichkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten, Verwirrtheit, Schwindel
  • Übelkeit und Erbrechen (häufig aufgrund der starken Schmerzen)
  • Gliederschmerzen

Auf den ersten Blick ähneln zwar viele der genannten Meningitis-Symptome bei Kindern einer Grippe oder einem Migräneanfall. In der Summe jedoch deuten diese auf eine Hirnhautentzündung hin.

Einen deutlichen Hinweis auf eine möglicherweise bestehende Hirnhautentzündung gibt die Versteifung der Nackenmuskulatur. Diese lässt sich anhand des Brudzinski-Zeichens relativ gut beurteilen.
Eine Abbildung finden Sie hier.

Als weitere Überprüfungsmöglichkeit dient das Kernig-Zeichen, da einige Patienten die Beine beim Anheben nicht oder nur unter starken Schmerzen strecken können. Eine entsprechende Abbildung finden Sie an dieser Stelle.

Etwas schwerer ist die Erkennbarkeit bei einem Baby. Da Babys sich noch nicht klar ausdrücken können, lassen sich lediglich einige Zeichen deuten. Achten Sie bei dem Verdacht auf eine Hirnhautentzündung bei Kleinkindern neben Fieber auf folgende Anzeichen:

  • Häufiges Weinen
  • Verweigerung von Essen und/oder Trinken
  • Gekrümmte Körperhaltung (aufgrund der Nackensteifigkeit)
  • Krampfanfälle

Eine Symptomübersicht finden Sie auch noch einmal in diesem YouTube-Video:

Eine Hirnhautentzündung tritt teils auch ohne Fieber auf, sodass keine Verwechslungsgefahr mit einer Grippe besteht.

3. Die Ursachen einer Hirnhautentzündung

Leider gibt es zahlreiche verschiedene Möglichkeiten, wie Sie sich mit einer Hirnhautentzündung infizieren können. In den meisten Fällen lösen Viren eine Meningitis aus.
Folgende Erreger sind typischerweise für die virale Hirnhautentzündung verantwortlich:

Bakterien in Nahaufnahme

Unbehandelt führt eine bakterielle Hirnhautenzündung fast immer zum Tod.

  • Herpes-Simplex-Viren (Typ 1 und 2)
  • FSME-Viren (Frühsommer-Meningoenzephalitis)
  • Mumps-, Windpocken- sowie Masern-Viren

Es gibt jedoch viele weitere Viren, die eine Hirnhautentzündung auslösen können. Einige Viren werden per Tröpfcheninfektion übertragen, sodass ein Niesen oder Husten in der Nähe ausreichen kann, um sich mit dem Virus anzustecken.
Meist lösen die Viren jedoch primär eine andere Erkrankung aus und führen lediglich bei einigen Betroffenen tatsächlich zu einer Entzündung der Hirnhäute.

Weitaus seltener, allerdings auch wesentlich gefährlicher, ist die bakterielle Hirnhautentzündung bei Kindern. Bakterien, durch die eine Meningitis vielfach verursacht wird, sind die folgenden:

  • Meningokokken
  • Pneumokokken
  • Hämophilus influenzae Typ B

Neben Meningokokken und Pneumokokken sowie Hämophilus influenzae Typ B gibt es jedoch weitere Bakterien, die eine Hirnhautentzündung hervorrufen können.

Achtung: Besteht der Verdacht einer bakteriellen Hirnhautentzündung, handelt es sich um einen Notfall. Gehen Sie daher nicht zum Arzt, sondern sofort in ein Krankenhaus, um Ihr Kind behandeln zu lassen. Erfolgt keine sofortige Behandlung mit Antibiotika, besteht akute Lebensgefahr.


 

4. Die Folgen einer Hirnhautentzündung – von harmlos bis drastisch

Der Nachweis einer Hirnhautentzündung:

Um festzustellen, ob eine Meningitis vorliegt, erfolgt eine Lumbalpunktion. Bei diesem schnellen und schmerzlosen Eingriff entnimmt ein Arzt Nervenflüssigkeit aus einem Wirbelkanal.

Handelt es sich um eine virale Infektion, ist dies zwar mit starken Schmerzen verbunden, drastische Folgen sind indes äußerst selten. Die Behandlung richtet sich primär auf eine Symptombekämpfung. Spezielle Medikamente, die gezielt gegen bestimmte Viren wirken, kommen nur selten zum Einsatz.

Leider sieht es bei der bakteriellen Hirnhautentzündung deutlich schlechter aus. Hier besteht akuter Handlungsbedarf, um weitergehende Komplikationen zu verhindern und die Bakterien schnellstmöglich abzutöten.
In der Regel erfolgt eine Erstbehandlung mittels Breitbandantibiotika. Sobald eine bakterielle Infektion bestätigt und die jeweiligen Bakterien identifiziert wurden, kann eine spezifische Antibiotikabehandlung einsetzen.

Kinderhand mit Infusionsnadeln

Eine rechtzeitige Antibiotika-Behandlung ist oftmals lebensrettend.

Generell gilt, dass eine bakterielle Infektion gut behandelbar ist, sofern sie frühzeitig erkannt wird. Problematisch wird es, wenn das Immunsystem geschwächt oder die Infektionen weit fortgeschritten ist.

Schreitet die bakterielle Hirnhautentzündung rasch voran, kann dies nicht nur Langzeitschäden für ein Kind nach sich ziehen, sondern im schlimmsten Fall tödlich enden. Besonders problematisch wird es, wenn aus der Hirnhautentzündung eine Hirnentzündung wird, sodass dauerhafte Schäden zurückbleiben können.

Haben die Bakterien eine kritische Anzahl erreicht, kann dies eine Blutvergiftung auslösen, die in der Folge zu einem Multiorganversagen führen kann.

Sicherlich klingt es nach einem Horrorszenario für jeden, der diese Zeilen liest. Allerdings treten bakterielle Hirnhautzündungen lediglich bei etwa 3 von 100.000 Menschen auf. Das Risiko, an dieser Erkrankung zu sterben, sinkt mit zunehmendem Alter, da das Immunsystem besser funktioniert.

5. Eine Meningitis-Impfung ist möglich

Schild warnt vor Zeckengefahr im Wald - Hintergrund mit Sonneschein

In FSME-Risikogebieten tragen bis zu 2 % aller Zecken das FSME-Virus in sich.

Da sowohl die virale als auch die bakterielle Form der Hirnhautentzündung sehr ansteckend sind, besteht der bestmögliche Schutz in einer Impfung.

Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung ist eine generelle Impfung im Kindergarten jedoch nicht angebracht. Es existiert zwar ein spezieller Impfstoff, jedoch ist dieser nicht in der Lage, Sie vor allen Bakterien und Viren zu schützen.

Eine spezielle Impfung gegen Meningokokken sowie Pneumokokken erfolgt lediglich bei einem schwachen Immunsystem. Liegen hingegen keine Grunderkrankungen vor, empfiehlt die ständige Impfkommission, kurz STIKO, keine Impfung für Säuglinge und Kleinkinder.

Eine Besonderheit gilt für das hauptsächlich von Zecken übertragene FSME-Virus. Auch wenn die Impfung gegen diese spezielle Form der Frühsommer-Meningoenzephalitis nicht unumstritten ist, sollten Sie über eine Impfung nachdenken, sofern Sie in einem Risikogebiet wohnen und sich viel im Wald oder auf Wiesen aufhalten.

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