Offene Arbeit: Das sollten Sie über das pädagogische Konzept wissen

Offene-Arbeit-Ratgeber
  • Dem Konzept der offenen Arbeit liegt ein Bild von Kindern zugrunde, die neugierig und motiviert sind, sich selbst weiterzuentwickeln.
  • Die offene Arbeit zeichnet sich durch ein freiheitliches Denken und sehr viel kreativen Gestaltungsspielraum aus.
  • Kinder werden nicht in festen Gruppen unterrichtet, sondern lernen, für sich selbst Funktionsräume auszuwählen, die sie interessieren.

Das Konzept der offenen Arbeit wurde in den 1970er Jahren populär. Im Gegensatz zu teils starren Strukturen erhielten die Kinder deutlich mehr Möglichkeiten, sich frei zu entfalten und zu entwickeln.

Aber welche Intention liegt diesem Konzept zugrunde? Wie unterscheidet sich das Modell von anderen pädagogischen Konzepten?

In unserem Ratgeber stellen wir das pädagogische Konzept umfassend vor, gehen auf die Vor- und Nachteile ein und erklären, welches Bild vom Kind der offenen Arbeit zugrunde liegt.

1. Offene Arbeit – ein Konzept in der Entwicklung

Offene Arbeit Kita Definition

Bei dem Konzept der offenen Arbeit ist das Kind Akteur seiner Entwicklung.

Offenes Arbeiten einer Definition unterzuordnen ist ein Widerspruch in sich. Gerade die Öffnung in jegliche Richtungen ist es, die das pädagogische Konzept auszeichnet. Wichtiger als konkrete Arbeitsanweisungen ist eher die innere Einstellung der Erzieherinnen und Erzieher in der Kindertageseinrichtung.

In der Praxis unterscheiden sich die einzelnen Kita-Konzepte für offene Arbeit teils stark voneinander, da eine Öffnung in unterschiedliche Bereiche stattfindet.
Die Ziele der pädagogischen Arbeit im Kindergarten werden stetig weiterentwickelt und müssen praktisch umgesetzt werden. Dabei ergeben sich viele Ideen und Möglichkeiten erst aufgrund der jeweiligen Situationen in der Praxis.

Im Kern setzt die Konzeption im Kindergarten auf die freie Entfaltung der Persönlichkeit. Jedes Kind soll für sich selbst herausfinden, in welchen Bereichen es sich eher zu Hause fühlt. Erziehern und Erzieherinnen kommt daher die Aufgabe zu, den Kindern bei dieser Entscheidungsfindung behilflich zu sein.
Es bedarf jedoch vor allem vielfältiger Möglichkeiten, um der Grundidee des offenen Systems im Kindergarten Rechnung zu tragen.

Tipp: Soll das Konzept der offenen Arbeit im Kindergarten umgesetzt werden, so bezieht sich dies zwar auch auf die Raumgestaltung, jedoch vor allem auf die innere Einstellung der Erzieher und Erzieherinnen. Nur, wenn die Öffnung im Kopf beginnt, ist die Basis für das offene Arbeiten im Kindergarten geschaffen.

2. Die offene Arbeit in Kitas wird immer beliebter

teiloffene Arbeit Kita Möglichkeiten

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, dieses pädagogische Konzept zu gestalten.

In früheren Zeiten galt ein geschlossenes Konzept in der Kita als einzig richtiger Ansatz der Kinderbetreuung. Aufgrund der generellen gesellschaftlichen Veränderung des Bilds vom Kind ist die offene Arbeit im Kindergarten inzwischen vielerorts umgesetzt.

Zwischen den einzelnen Kitas gibt es allerdings große Unterschiede, wie genau die Öffnung stattfindet. So existieren neben geschlossenen und offenen Konzepten auch teiloffene Methoden, die eine komplette Öffnung für zu weitgehend erachten.

Der verfolgte Weg weg von starren Strukturen, hin zu individuell verfolgbaren Entwicklungszielen, wird von vielen Eltern und auch Erziehern befürwortet. Einzig und allein der Umgang mit Regeln ist bei der offenen Arbeit im Kindergarten oftmals ein Streitthema. Zudem wird eine teilweise Öffnung dem komplett offenen Kindergarten oftmals vorgezogen.

3. Das Kind als Gestalter der eigenen Entwicklung

Offene Arbeit im Kindergarten pro und contra

Kinder dürfen selbst entscheiden, wie sie ihre Zeit nutzen möchten.

Die offene Arbeit stellt das Kind in seiner Gesamtheit in den Mittelpunkt. Jeder Mensch ist mündig und soll letztlich selbst entscheiden, inwieweit eigene Interessen verfolgt werden. Wichtig ist jedoch, dass konkrete Impulse bestehen, auf die jedes Kind eingehen kann, aber nicht muss.

Aufgrund dieser individuellen Entwicklungsmöglichkeiten, kann es nicht eine einzige Gruppe geben, die all diese Aspekte vereint. Vielmehr sind die Kinder im Kindergarten dazu angehalten, sich selbst in verschiedenen Bereichen auszuprobieren und so stets mit anderen Kindern in Kontakt zu kommen.

Erziehern kommt daher lediglich die Aufgabe eines Begleiters zu. Kindern wird dabei das größte Geschenk unserer Zeit, nämlich Zeit für sich zu haben, zuteil.
Die eigene Zeit ist nicht begrenzt und durch starre Planungen festgelegt, sodass ein ganz anderer Umgang erfolgen kann.
Die Kindergartenkinder müssen sich daher zwangsläufig mit folgenden Fragen auseinandersetzen:

  • Wie möchte ich meine Zeit heute verbringen?
  • Mit welchen Kindern will ich spielen?
  • Gibt es einen Raum, der mich heute besonders interessiert?
  • Beeinflussen meine jetzigen Gefühle mein heutiges Verhalten?

Kaum ein Kind wird sich diese Fragen bewusst stellen, dennoch müssen die einzelnen Kinder gezielt Antworten für sich selbst finden. In dieser Phase kann und soll Ihnen kein Erzieher etwas vorgeben, da die Individualität ansonsten verloren ginge.

Hinweis: Das Kind wird im Rahmen des Konzepts der offenen Arbeit als mündig angesehen und ist von sich aus interessiert, die eigene Umwelt zu erkunden. Die innere Motivation muss daher nicht gezielt gefördert werden, sondern besteht vielmehr von Natur aus.

4. Arbeiten im Kindergarten mit offenen Räumen

die offene Arbeit in der Kita Definition

Jedes Kind darf sich selbst aussuchen, in welchem Raum es spielen möchte.

Die offene und geschlossene Planung in der Pädagogik unterscheiden sich vor allem im Hinblick auf die Raumaufteilung in der Kindertagesstätte.
Ein geschlossenes Konzept setzt im Kindergarten auf feste Gruppen, denen einzelne Räume zugeordnet sind. Es bietet den Vorteil, dass die Kinder jeden Morgen einen festen Platz haben, an dem sie sich zu Hause fühlen.

Konkret verzichtet ein offener Kindergarten genau auf diese feste Gruppeneinteilung und überlässt es damit den Kindern, welchen Raum sie aufsuchen. Jeder einzelne Raum weist daher eine besondere Funktion auf, die die einzelnen Kinder ansprechen soll.

So finden sich beispielsweise die folgenden Räume in vielen Kindergärten, in denen die offene Arbeit gelebt wird:

  • Kreativraum: In diesem Bereich stehen Basteln, Malen, Zeichnen und Werken auf dem Programm.
  • Musikzimmer: Singen, Tanzen und das Entwickeln eines Rhythmusgefühls bestimmen den Tagesablauf in diesem Raum des Kindergartens.
  • Bewegungsraum: Dieser möglichst funktionell ausgestattete Bereich ermöglicht den Kindern, zu hüpfen, zu rennen und zu klettern.
  • Experimentierraum: Naturwissenschaften sollen selbstverständlich nicht zu kurz kommen und dennoch interessant bleiben. In diesem Bereich werden daher verschiedene kindgerechte Experimente durchgeführt, die physikalische Gesetze erklären oder Alltagsphänomene verständlich machen.
  • Spielbereich im Freien: Die Zeit, die die Kinder im Außenbereich verbringen, können sie für das freie Spiel nutzen. Eine gepflegte Außenanlage ist daher ein Muss für jede Einrichtung, die die offene Beobachtung im Kindergarten in den Mittelpunkt stellt.
  • Frühstücks- und Verpflegungsraum: Je nachdem, wie die Umsetzung des Konzepts im Detail erfolgt, gibt es feste Essenszeiten oder es wird den Kindern freigestellt, wann sie in den Verpflegungsraum gehen möchten.
    Es steht jedoch stets ein zentraler Anlaufpunkt zur Verfügung, um dieses Grundbedürfnis zu stillen.
  • Erholungsraum: Wird das Konzept der offenen Arbeit in der Krippe bzw. im Kindergarten konsequent umgesetzt, ist eine Mittagsruhephase kein Muss. Dennoch erhalten die Kinder selbstverständlich die Gelegenheit, sich vom Spielen, Basteln oder Musizieren zu erholen und sich zurückzuziehen.

5. Der Tagesablauf im offenen Kindergarten

Auch wenn sich die offene Arbeit dadurch auszeichnet, dass den einzelnen Kindern sehr viele Freiheiten gelassen werden, so existiert dennoch ein strukturierter Tagesablauf im offenen Kindergarten, an dem sich alle Kinder halten müssen.
Lediglich zu gewissen Zeiten sind die Kinder in ihrer Entscheidung für die jeweiligen Aktivitäten komplett frei und können sich ganz nach ihren jeweiligen Interessen orientieren.

Im Folgenden finden Sie daher einen typischen Tagesablauf in der Kita:

Uhrzeit Aufgaben/Möglichkeiten
7:00 Uhr Ankommen der ersten Kinder und Treffen in einem gemeinsamen Raum
8:00 Uhr Zu diesem Zeitraum sollten alle Kinder angekommen sein und es finden kleinere Angebote innerhalb der Gruppe statt.
9:00 Uhr Zeit für ein gemeinsames Frühstück im Verpflegungsraum; je nach Größe des Kindergartens gibt es zwei oder sogar drei Essenszeiten.
9:30 Uhr bis 11:30 Uhr Die Phase des Freispiels und der individuellen Freizeitgestaltung der Kinder beginnt. In dieser Zeit können die Kinder frei nach ihren jeweiligen Interessen entscheiden, was sie machen möchten.
11:30 Uhr bis 12:30 Uhr Es stehen konkrete Bildungsangebote im Mittelpunkt, die sich in verschiedenen Bereichen der Kita abspielen.
12:30 Uhr bis 13:00 Uhr Mittagessen in dem gemeinsamen Restaurantbereich
13:00 Uhr bis 14:00 Uhr Ruhezeit bzw. Phase der individuellen Beschäftigung
14:00 Uhr bis 16:00 Uhr Es folgt eine erneute Phase des Freispiels, in welcher die Kinder sich in den Räumen aufhalten können, die sie bevorzugen.
16:00 Uhr bis 16:30 Uhr Im Anschluss findet das gemeinsame Aufräumen der verschiedenen Funktionsräume statt, damit diese am nächsten Tag wieder voll einsatzbereit sind.
16:30 Uhr Abholphase in der Kita

Selbstverständlich ist dieser Tagesablauf nur ein Beispiel, sodass sich der individuelle Plan in der jeweiligen offenen Kita durchaus unterscheiden kann.
Dieser typische Tagesverlauf soll lediglich verdeutlichen, dass die Kinder auch bei dem Konzept der offenen Arbeit nicht allein gelassen werden und grundlegende Strukturen einhalten müssen.

6. Die offene Arbeit im Kindergarten erfordert eine gute Absprache

Offene Arbeit in der Praxis

Damit das Konzept fruchten kann, sind gute Absprachen zwischen den Erziehern unabdingbar.

Je nach Einrichtung kommen den Erziehern und Erzieherinnen im Kindergarten sehr unterschiedliche Aufgaben zu. So richten einige offene Kindergärten bestimmte Funktionsräume ein, für die lediglich ein Erzieher komplett zuständig ist. Andere Einrichtungen präferieren hingegen ein Wechselmodell, in welchem jeder Erzieher nach einer, zwei oder drei Wochen den Raum wechselt und damit automatisch eine andere Aufgabe übernimmt.

Die zweite Möglichkeit erlaubt es den Erziehern, ein deutlich besseres Bild auf die gesamte pädagogische Arbeit zu haben. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich Erzieher zwar in einem Bereich extrem gut auskennen, die gesamte Entwicklung des Kindes jedoch weniger präsent ist.

In jedem Fall ist eine exzellente Absprache eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren der offenen Arbeit im Kindergarten.
Aus diesem Grund sollten in regelmäßigen Abständen Treffen stattfinden, in denen sich die Erzieher über den jeweiligen Entwicklungsstand der einzelnen Kinder austauschen können. Schließlich soll vermieden werden, dass Kinder sich zu einseitig auf ein bestimmtes Gebiet fokussieren und andere Bereiche komplett vernachlässigen.

7. Ein Überblick über die Vor- und Nachteile der offenen Arbeit

Wie jedes pädagogische Konzept, bieten die offene sowie teiloffene Arbeit in der Kita positive und negative Aspekte, die es abzuwägen gilt. Um Ihnen einen Überblick über die verschiedenen möglichen Probleme sowie hervorragenden Möglichkeiten zu bieten, dient die folgende Gegenüberstellung:

  • jedes Kind kann sich sehr individuell entfalten
  • es stehen deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung als in einem klassischen Kindergarten
  • Kinder lernen sehr früh, mit vielen verschiedenen Kindern in unterschiedlichen Gruppen zusammenzuarbeiten, was das soziale Miteinander unterstützt
  • Förderung der Selbstständigkeit
  • es ist teils schwierig, den Überblick über die Aktivitäten eines einzelnen Kindes zu behalten
  • manche Kinder haben aufgrund der fehlenden Regeln Anpassungsschwierigkeiten
  • es fehlt eine klare Bezugsperson im Kindergarten
  • häufig mangelt es in der Praxis an einem ausreichenden Austausch der Erzieher untereinander, da dies sehr zeitintensiv ist

Für all jene, die sich ein gänzlich offenes Arbeiten nicht vorstellen können, jedoch dem Konzept grundsätzlich positiv gegenüberstehen, bietet sich die teiloffene Arbeit im Kindergarten an.
So bestimmen klare Regeln den grundsätzlichen Alltag, gleichzeitig gibt es jedoch Zeiten, in denen die Kinder ganz bewusst die Möglichkeit bekommen, sich entsprechend ihrer Interessen eine Beschäftigung auszusuchen.

Nähere Informationen sowie detaillierte Statistiken finden Sie auf der Website des ABA- Fachverbandes Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen e.V.

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