Kinder trauern: Richtiger Umgang und Beistand von Angehörigen

   
von Ralf-Ingo S. - letzte Aktualisierung:
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Was ist wichtig, wenn Kinder trauern?

Damit Kinder trauern können, müssen Sie die Möglichkeit haben, sich zu verabschieden. Am besten lässt sich durch einen klaren Abschluss umsetzen.

Wie lange dauert es, einen Verlust zu verarbeiten?

Es ist schwer, die Zeit zu messen, denn jedes Kind trauert auf seine eigene Art und Weise. Grundsätzlich sollten Sie Kindern daher Zeit geben, sich selbst zu finden, jedoch stets ein offenes Ohr für Fragen und Gefühlsausbrüche haben.

Was passiert, wenn ein Haustier stirbt?

Vielfach ist die Beziehung zwischen Kindern und Haustieren sehr viel enger als zwischen Erwachsenen und ihrem Haustier. Eltern und Freunde sollten daher Verständnis für den Verlust zeigen und Kinder trauern lassen.

Der Verlust eines geliebten Menschen ist für jeden schwierig. Egal, in welchem Alter wir uns befinden, kann die Welt von einem auf den anderen Tag nur noch düster und schwarz aussehen.
Doch nicht nur Erwachsene, sondern auch Kinder leiden, auch wenn dies manchmal auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist, denn nicht selten verstecken Kinder ihre Trauer.

Jedes Kind muss jedoch die Möglichkeit haben, Abschied zu nehmen, um die Trauer zu verarbeiten. Gut gemeinte Sprüche sind dabei jedoch oft der falsche Weg.


1. Abschied nehmen – eine notwendige Voraussetzung, damit Kinder trauern können

eine mutter mit einem kind am grab

Geben Sie Kindern die Möglichkeit, Abschied zu nehmen.

Kinder trauern anders als Erwachsene. Besonders kleine Kinder nehmen dabei viele Dinge wörtlich und können nur wenig damit anfangen, wenn Eltern versuchen, den Verlust auf malerische Weise auszudrücken. Wenn ein geliebter Mensch von uns gegangen ist, so ist jedem Erwachsenen sofort klar, dass der Tod gemeint ist.

Auch Umschreibungen, wie „deine Mutter ist in einem langen Schlaf gefallen“ oder „sie lebt in dir weiter“ helfen Kindern zunächst nicht. Die Intention, Kindern das Trauern zu erleichtern, ist zwar verständlich, führt jedoch meist zu einem verklärten Bild, sodass Kinder den Tod nicht richtig verarbeiten können, sondern irgendwann danach fragen, wann die Mama denn wiederkommt, denn schließlich ist sie ja nur weggegangen.

Eltern dürfen trauern und müssen Kinder dabei die Möglichkeit geben, den Tod als endgültigen Abschluss zu begreifen. Ist dieser Punkt erreicht, so können Kindern lernen, mit dem Verlust zu leben.

Tipp: Da es längst nicht jedem Menschen leichtfällt, Kinder auf diesem Weg zu begleiten, besteht auch die Möglichkeit, eine Therapie in Anspruch zu nehmen, um wichtige Schritte gemeinsam zu gehen. Mehr über mögliche Hilfsangebote vor Ort erfahren Sie hier.

2. Möglichkeiten, sich zu verabschieden – diese Aspekte helfen Kindern beim Begreifen

Immer dann, wenn geliebte Menschen sterben, sind eine Menge Gefühle im Spiel. Um Zugang zu diesen Gefühlen zu erlangen, sollten Kinder bei wichtigen Wegpunkten nicht außen vor gelassen werden, selbst wenn Sie das Gefühl haben, dass das Alter der Kleinen nicht recht zu passen scheint.

beerdigung fuer kinder

Auch kleine Kinder müssen auf einer Beerdigung nicht zu Hause bleiben.

Auch mit drei Jahren ist daher durchaus möglich, mit zur Beerdigung zu gehen und den Sarg zur Verabschiedung zu berühren. Auch der vorherige Besuch eines aufgebahrten Menschen kann Kindern dabei helfen, den Tod als solches zu verstehen und die Trauer zu verarbeiten.

Im Rahmen der Psychologie kommt dem Moment des klaren Erkennens eine wichtige Funktion zu. Vielfach ist eine spätere Therapie entbehrlich, sofern die Verabschiedung bewusst wahrgenommen wurde und in der Familie offen über den Tod gesprochen wird.

Werden Kinder von diesem (in der Regel als unangenehm empfundenen) Ereignis ferngehalten, stellen sich meist viele Fragen, die sich leicht vermeiden ließen. Ist der Zeitpunkt jedoch bereits verstrichen, so hilft es, sich den Fragen offen zu stellen, auch wenn dies sehr schwer sein kann.
Kinder haben ein Recht darauf zu erfahren, warum Sie sich nicht verabschieden konnten oder was mit dem Leichnam bei einer Beerdigung geschieht. Auch wenn Sie nicht allzu sehr ins Detail gehen müssen, so dürfen Kinder durchaus wissen, dass der Sarg in der Erde vergraben wird.

Achtung: Die Feuerbestattung, bei der die Beisetzung in einer Urne erfolgt, ist besonders für kleine Kinder weniger greifbar. Sofern es möglich ist, sollte daher eine konventionelle Bestattung erfolgen, um Kinder auf dem Weg des Trauerns besser begleiten zu können.

3. Der neue Alltag nach einem großen Verlust

Auch wenn es kaum vorstellbar sein mag, aber die Welt dreht sich weiter, auch wenn ein Mensch aus dem Leben geschieden ist. Um einen neuen Alltag zu etablieren und den Umgang mit der Trauer zu lernen, benötigen Erwachsene und Kinder Zeit.

Im Schnitt gilt eine Phase von drei Monaten als normal, um sich zumindest weitestgehend an den neuen Umstand zu gewöhnen. Die Dauer hängt jedoch maßgeblich von den Todesumständen, der Art der Bindung sowie dem Trauerverständnis eines jeden Kindes ab und lässt sich nur schwer pauschalisieren.

Kindern hilft vielfach eine Kindertrauergruppe, in der Kinder auch kritische Fragen stellen können und nicht nur mit einem Elternteil oder den Großeltern über den Verlust reden können. Diese Art der Hilfe gestaltet sich meist etwas anders als Erwachsene es vermuten würden, denn hier wird auch gebastelt oder Fußball gespielt.

4. Wenn Kinder trauern, sollten Erwachsene zuhören

Die Phasen der Trauer:

Grundsätzlich trauern Kinder zwar etwas anders als Erwachsene. Dennoch lässt sich das Verhalten meist in vier Phasen einteilen. Auf den anfänglichen Schock, in welcher der Tod vielfach nicht akzeptiert wird, folgt vielfach eine Phase der kontrollierten Emotionen, in welcher Kinder so tun, als wäre nichts geschehen.
Erst danach beschäftigen sich Kinder im Rahmen der Regression intensiv mit dem Verlust bis sie schließlich in der Adaptionsphase langsam wieder lernen, ihr Leben neu auszurichten und weiterzumachen.

Auch wenn Erwachsene viel mit eigenen Problemen beschäftigt und sich ein Weiterleben ohne den Partner schwer gestaltet, so ist es umso wichtiger, die besonderen Gefühle von Kindern ernst zu nehmen.

Dabei müssen Erwachsene nicht immer stark sein, sondern können durchaus Gefühle zeigen. Es ist in Ordnung, vor einem Kind zu weinen, sofern dies nicht zum Dauerzustand wird.

Da Kinder teils sehr unterschiedlich trauern, ist es wichtig, dass Eltern und andere Familienmitglieder sich anbieten, die Kinder aber zu nichts drängen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Zeitrahmen und muss in Teilen lernen, selbst mit der Trauer umzugehen.

Wenn dies bedeutet, sich erst einmal kaum etwas anmerken zu lassen, so ist das einfach so. Sobald Kinder jedoch etwas zu sagen haben, sollten Sie ein offenes Ohr haben und Kinder bei weiteren Schritten begleiten.

Das Vorgehen sollte jedoch behutsam erfolgen, denn nicht immer ist hilfreich, Kindern die Trauerphase erleichtern zu wollen.

5. Die Trauer um ein Haustier – auch Tiere können sehr wichtig sein

ein kind schmust mit dem haustier

Kinder haben vielfach eine sehr innige Beziehung zu Tieren.

Nicht nur die Trauer um einen geliebten Menschen kann dramatisch sein, denn für viele Kinder ist das eigene Haustier gleichzeitig ein Spielpartner und vielfach auch der beste Freund.

Sind Kinder mit einem Hund oder einer Katze aufgewachsen, so gehören die Haustiere genauso zur Familie wie Mama, Papa und die Geschwister. Aus diesem Grund sollten Kinder auch hier trauern dürfen und die Gelegenheit bekommen, sich zu verabschieden.

Muss ein Tier eingeschläfert werden, so können Sie Ihr Kind mitnehmen, sofern es dabei sein will. Vielfach genügt es jedoch, sich im Anschluss kurz verabschieden zu können.

Nehmen Sie die Gefühle unbedingt ernst, denn diese sind echt. Vielfach fallen diese auch nicht anders aus, wenn die Großeltern sterben, da der Kontakt zu einem Haustier für ein Kind sogar noch wesentlich intensiver sein kann.

Es spricht nichts gegen ein neues Haustier. Dieses kann jedoch das vorherige nicht ersetzen, sondern soll lediglich wieder neue Freude ins Haus bringen. Am nächsten Tag sollte daher noch nicht über ein neues Haustier nachgedacht werden.

6. Passende Literatur zur Trauerbewältigung von Kindern

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