Aufklärung für Kinder: Ab wann sollte man das Kind sexuell aufklären?

Kind legt ohr an bauch der mutter
Warum ist sexuelle Aufklärung so wichtig?

Nur wenn Kinder sexuell aufgeklärt werden, können sie ein positives Körpergefühl entwickeln. Sie müssen lernen, dass es völlig normal ist, sexuelle Bedürfnisse zu haben.

Ab wann sollte die Aufklärung für Kinder beginnen?

Sie sollten Ihre Kinder so früh wie möglich aufklären. Dabei ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Informationen altersgemäß sind.

Wie kann ich Aufklärung für Kinder in den Alltag integrieren?

Das Thema Sexualität im Alltag und nicht als einmaligen Vortrag zu behandeln, hat sehr viele Vorteile. Beantworten Sie daher stets offen und ehrlich alle Fragen, die Ihr Kind in Bezug auf sexuelle Themenbereiche hat.

Spätestens wenn Ihr Kind ein Geschwisterchen bekommt tauchen Fragen wie „Wie kommt das Baby in deinen Bauch?“ oder „Was ist Sex?“ auf. Viele Eltern wissen in diesen Situationen nicht, wie sie auf die Fragen ihrer Kinder reagieren sollen. Vor Scham und Befangenheit schieben sie dieses Thema immer weiter auf. Dabei ist eine frühzeitige Aufklärung der Kinder sehr wichtig für die Entwicklung und das Körpergefühl.

Wenn Sie Ihr Kind aufklären, sollten Sie stets darauf achten, dass die Informationen altersgerecht sind. Daher geben wir Ihnen Tipps, in welchem Alter Sie Ihrem Kind was erzählen sollten, damit die Aufklärung gelingt.

1. Sexuelle Aufklärung  ist für ein positives Körpergefühl enorm wichtig

laechendes nacktes maedchen

Geben Sie Ihrem Kind die Möglichkeit, den eigenen Körper kennenzulernen.

Das Thema Sexualität hat sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die Gesellschaft wird immer toleranter, sodass es möglich ist, individuelle sexuelle Bedürfnisse mitzuteilen. Allerdings haben viele Eltern immer noch große Scheu davor, ihr Kind aufzuklären und die Dinge beim Namen zu nennen. In vielen Familien wird dieses Thema daher nicht ausreichend behandelt.

Kinder beginnen jedoch bereits sehr früh damit, Fragen zu stellen. Um das Kind in seiner geschlechtlichen Entwicklung entsprechend zu begleiten, ist es wichtig, alle Fragen offen zu beantworten. Nur auf diese Weise können Kinder einen positiven Bezug zu ihrem Körper und der Sexualität aufbauen.

Eine gesunde Sexualität zu entwickeln, ist für Kinder enorm wichtig. Die psychosexuelle Entwicklung ist der Teil der Persönlichkeitsentwicklung. Schon Kleininder sind neugierig, wie Ihr Körper aufgebaut ist und welche Berührungen positive Gefühle auslösen.

Indem Sie Ihr Kind frühestmöglich auf natürliche Weise aufklären, können Sie verhindern, dass Ihr Kind durch das Internet, die Medien oder die Pornografie aufgeklärt wird. Denn dort besteht die Gefahr, dass Sexualität als rein körperlicher Akt wahrgenommen wird, bei dem es kaum um Gefühle geht.

Tipp: Erklären Sie Ihrem Kind früh genug, dass die Darstellung von Sexualität in den Medien nichts mit der Realität zu tun hat. Nur auf diese Weise können Jungs und Mädchen lernen, respektvoll mit Ihrem Partner umzugehen.

2. Das Kind altersgemäß aufklären

Sexuelle Aufklärung für Kinder findet nicht nur zu einer bestimmten Zeit statt. Es ist ein Prozess, der sich über die gesamte Kindheit erstreckt. Die Informationen sollten mit fortschreitendem Alter immer detaillierter werden. Achten Sie aber auch darauf, dass Sie die Fragen Ihres Kindes hinreichend beantworten, damit es sich mit wichtigen Themen nicht alleingelassen fühlt.

Die BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) stellt viele verschiedene Materialien zur Verfügung, die Sie größtenteils kostenlos herunterladen können. Dabei ist stets angegeben, an welche Zielgruppe sich das jeweilige Material richtet.

Auch in diesem kleinen Zeichentrick-Film wird das Thema Aufklärung kindgerecht erklärt:

2.1. Sexuelle Erziehung bis zum dritten Lebensjahr

mutter wickelt ihr kleines kind

Bereits beim Wickeln können Sie einzelne Körperteile, inklusive der Geschlechtsorgane, benennen.

Neugeborene und Kleinkinder benötigen enorm viel Nähe, Wärme und Zuneigung. Durch die tägliche körperliche Pflege können Sie Ihrem Kind daher schon zeigen, dass sich Berührungen wunderschön anfühlen. Durch viel Körperkontakt können Sie Ihr Kind in der eigenen Körperwahrnehmung begleiten.

Bevor die Kleinen in den Kindergarten kommen, sollten Sie die eigenen Körperteile kennen und wenn möglich auch benennen können. Zu diesen zählen natürlich auch die Geschlechtsorgane. Zu Beginn können Sie diesen auch verniedlichende Namen geben, um sich selbst die Scheu davor zu nehmen, offen darüber zu sprechen. Da Kinder diese Begriffe jedoch noch nicht kennen, haben sie einen ganz anderen Bezug dazu als Erwachsene, sodass das Aussprechen der Begriffe für sie kein Problem darstellt.

2.2. Aufklärung für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren

Wenn Kinder im Kindergarten sind, sollten Sie sie bereits mit wichtigen Informationen zur Sexualität vertraut machen. Denn bereits Kindergartenkinder beginnen damit, teils sehr direkte Fragen zu stellen, die manche Eltern im ersten Moment sprachlos machen. Beantworten Sie diese Fragen zwar altersgerecht, aber so offen wie möglich.

Spätestens im Vorschulalter möchten Kinder ihren eigenen und den Körper ihrer Mitmenschen erkunden. In sogenannten Doktorspielen finden Sie heraus, dass Jungs und Mädchen unterschiedlich aussehen. In diesem Zusammenhang ist es wichtig, dass Kinder die korrekten Bezeichnungen für alle Körperteile kennen. Darüber hinaus sollte das Kind vor Eintritt in die Grundschule, also ab 6 oder ab 7 Jahren wissen, wie ein Kind gezeugt wird.

Bereiten Sie Ihr Kind außerdem darauf vor, wie die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen vonstattengeht. So sind Jungs auf den ersten Samenerguss und Mädchen auf die erste Periode gefasst. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass die Kinder diese Informationen im Sexualkundeunterricht in der Grundschule bekommen.

Eine frühzeitige Aufklärung schützt Kinder auch vor Missbrauch und sexueller Gewalt. Nur wenn ein Kind den Unterschied zwischen normaler Nähe und sexuellen Handlungen kennt, ist es in der Lage „Nein“ zu sagen.

2.3. Körperliche Veränderungen im Alter von 9 bis 12 Jahren besprechen

haende mit herz und kondom

Erklären Sie Ihrem Kind, wie wichtig Verhütung ist.

In unterschiedlichen Studien haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die Pubertät bei Kindern immer früher beginnt. Bereits ab 10 Jahren wachsen die Brüste und es zeigt sich die erste Schambehaarung. Spätestens wenn Sie bei Ihrer Tochter weißen Ausfluss bemerken, sollten Sie das Gespräch suchen, um über die erste Periode zu sprechen.

Da die Kinder ab diesem Moment schon fortpflanzungsfähig sind, müssen Sie Ihr Kind über verschiedene Methoden der Empfängnisverhütung informieren. Kinder entwickeln zu dieser Zeit jedoch auch ein gesundes Schamgefühl, sodass es ihnen peinlich ist, mit ihren Eltern darüber zu reden. Stellen Sie in diesem Fall ein Aufklärungsbuch oder andere Materialien zur Verfügung, damit Ihr Kind sich alleine und in Ruhe mit diesem Thema beschäftigen kann.

Im weiteren Verlauf nehmen die körperlichen Veränderungen immer weiter zu. Je älter die Kinder werden, desto wichtiger ist ihnen die eigene Privatsphäre. Aus diesem Grund kann es für Kinder zwischenzeitlich schwierig werden, sexuelle Fragen zu stellen. Sie fragen daher lieber Freunde um Rat, wenn Sie Probleme haben.

2.4. Intensive Aufklärungsgespräche für Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren

maedchen in der pubertaet liest zeitschrift

Teenager beschaffen sich viele Informationen über Zeitschriften oder das Internet.

Dass Teenager schwierig sind und mit einem Durcheinander an verschiedenen Gefühlen zu kämpfen haben, ist allseits bekannt. Hier zahlt es sich besonders aus, wenn sie schon sehr früh und umfassend aufgeklärt wurden.

Da ein intimes Gespräch mit Jugendlichen manchmal sehr schwierig sein kann, sollten Sie Ihrem Kind umso deutlicher machen, dass Sie jederzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn es Fragen oder Gesprächsbedarf gibt. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie die Intimsphäre wahren, wenn sich Ihr Kind diese wünscht.

Viele wichtige Informationen rund um die Sexualität bekommen Jungs und Mädchen auch bei einem Frauen- bzw. Männerarzt. In diesem Rahmen können Teenager Fragen loswerden, die sie ihren Eltern nicht stellen möchten.

3. Im besten Fall findet Aufklärung nebenbei statt

mutter spricht mit ihrer tochter

Machen Sie Ihrem Kind deutlich, dass Sie jederzeit ein offenes Ohr haben.

Die Aufklärung für Kinder zu einer Lektion zu machen, ist zumeist keine gute Idee. Kinder möchten nicht dazu gezwungen werden, sich einen Vortrag zu den Themen Fortpflanzung und Empfängnisverhütung anzuhören. Entweder sind sie peinlich berührt oder sie finden die Informationen lustig, ohne sie ernstzunehmen.

Am besten und sinnvollsten ist es, wenn die Aufklärung bei Kindern nebenbei stattfindet. Beantworten Sie dazu stets diejenigen Fragen, mit denen sich Ihr Kind gerade beschäftigt. Befinden Sie sich gerade in einer ungünstigen Situation, sollten Sie dennoch, wenn auch nur kurz auf die Fragen antworten. So können Sie vermeiden, dass Ihr Kind das Gefühl bekommt, solche Fragen nicht stellen zu dürfen.

Durch viele kleine Alltagssituationen lernen Kinder, ihre Scheu davor zu verlieren, ihren Wissensdurst im Hinblick auf die Sexualität zu stillen. Kindern bzw. Jugendlichen sollte es keinesfalls peinlich sein, über Sex zu reden oder gar welchen zu haben. Es ist wichtig, dass sie wissen, dass Körperlichkeit und Sex etwas ganz Natürliches sind.

Tipp: Fällt es Ihnen schwer, über Sexualität zu sprechen, können Sie auch Beratungsstellen aufsuchen. In Kursen und Einzelsitzungen bekommen Sie Tipps und Informationen, wie Sie Ihr Kind bestmöglich begleiten können.

5. Mit Aufklärungsbüchern das Thema anschaulich gestalten

Mein erstes Aufklärungsbuch: Aufklärung für Kinder ab 5
  • 128 Seiten - 09.01.2012 (Veröffentlichungsdatum) - Loewe (Herausgeber)
Vom Liebhaben und Kinderkriegen: Mein erstes Aufklärungsbuch
  • 40 Seiten - 06.02.2015 (Veröffentlichungsdatum) - Annette Betz ein Imprint von Ueberreuter Verlag (Herausgeber)
Wachsen und erwachsen werden: Das Aufklärungsbuch für Kinder
  • 110 Seiten - 01.02.2004 (Veröffentlichungsdatum) - Ravensburger Verlag GmbH (Herausgeber)

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