Nachgeburt beim Menschen: Ablauf der Geburt nach der Geburt

Frau bei Geburt im Kreißsaal
Was ist die Nachgeburt?

Bei der Nachgeburt wird die Plazenta (der Mutterkuchen) samt der Fruchtblase und der Nabelschnur aus der Gebärmutter abgestoßen.

Wie bald nach der Geburt beginnt die Nachgeburt?

Nach der Geburt des Kindes kann es bis zu vier Stunden dauern, bis die Plazenta sich ablöst.

Bereitet die Nachgeburt Schmerzen?

Die meisten Mütter haben keine Schmerzen durch die Nachgeburt, da sie im Vergleich zum Baby klein und nachgiebig ist.

Die Nachgeburt wird bedauerlicherweise in der Vorbereitung auf die Geburt etwas stiefmütterlich behandelt. Dabei ist ihr komplikationsloser Ablauf für die Gesundheit der jungen Mutter wichtig. Hier erfahren Sie, was es damit auf sich hat, wie sie vonstattengeht und welche Folgen Komplikationen haben können.

1. Daraus besteht die Nachgeburt

Embryo in Gebaermutter mit Nabelschnur und Plazenta

Die Plazenta ernährt das heranwachsende Baby während der Schwangerschaft.

Das Baby wächst in der Gebärmutter innerhalb der Fruchtblase heran, die aus den Eihäuten besteht. Es ist über die Nabelschnur mit der Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, verbunden. Dabei handelt es sich um ein Gewebe, das zu Teilen aus embryonalen und zu Teilen aus mütterlichem Gewebe besteht. Viele Blutgefäße ziehen sich dort durch, über die der wachsende Embryo aus dem Blutkreislauf der Mutter mit Nährstoffen versorgt wird. Wegen der embryonalen Zellen spielt die Plazenta auch in der Pränataldiagnostik eine wichtige Rolle.

Vor der Geburt löst sich der Schleimpfropf, der die Gebärmutter während der Schwangerschaft geschützt hat, und die Fruchtblase platzt. Das Baby kann geboren werden. Die Reste der Fruchtblase verbleiben in der Gebärmutter, und über die Nabelschnur ist das Kind weiterhin mit der Plazenta verbunden. Nach der Entbindung leitet der Körper der Mutter durch die Ausschüttung der entsprechenden Hormone die Ablösung der Plazenta ein.

Die Nachgeburt ist bei allen Säugetieren und damit auch beim Menschen ein Teil der Geburt. Wie sie natürlich verläuft, erfahren Sie in diesem Video:

2. So lange dauert die Nachgeburt

An diesem Punkt sei einmal deutlich auf ein Missverständnis hingewiesen, das immer wieder auftritt: Die Dauer der Nachgeburt sagt nichts darüber aus, wie schnell nach der Geburt sie eintritt. Viele Ratgeber erklären nämlich, dass sie normalerweise innerhalb von zehn bis 15 Minuten vorüber ist. Das ist zwar richtig, aber sie beginnt nicht direkt nach der Geburt.

Mutter haelt Neugeborenes direkt nach der Geburt

Zwischen der Geburt des Babys und der Nachgeburt braucht der Körper der Mutter eine kleine Verschnaufpause.

Die Gebärmutter braucht eine Pause, um sich zu erholen, ehe sie mit der Nachgeburt beginnen kann. Auch muss der Körper der Mutter realisieren, dass das Baby geboren und die Plazenta damit überflüssig geworden ist. Dass das Gehirn es weiß, reicht nicht allein aus. Stattdessen müssen die entsprechenden Hormone ausgeschüttet werden, die den körperlichen Vorgang der Ablösung in Gang setzen. Und da ein Mensch keine Maschine und die Geburt ein extrem anstrengender Vorgang ist, braucht das eben seine Zeit.

Tipp: Es ist grundsätzlich besser, in komplikationslosen Fällen abzuwarten, anstatt die Nachgeburt mit Hilfsmitteln voranzutreiben!

3. So verläuft die Nachgeburt

Ist das Baby geboren, signalisiert der Körper der Mutter, dass es Zeit für die Ablösung der Plazenta ist. Sie löst sich, indem sich zwischen ihr und der Gebärmutter Blut ansammelt, das die beiden verschiedenen Gewebe voneinander trennt. Daher kann die Mutter zwischen rund 300 und 500 ml Blut verlieren.

neugeborenes Baby

Der aktive Teil der Geburt ist nicht vorbei, wenn das Baby auf der Welt ist – die Nachgeburt gehört auch dazu.

Schließlich liegt die Plazenta losgelöst in der Gebärmutter. Es gibt verschiedene Anzeichen, an denen die Mutter erkennen kann, dass es so weit ist:

  • Sie spürt einen Druck auf den Mastdarm.
  • Die Nabelschnur rutscht ein Stück weiter aus der Scheide.
  • Es treten Nachwehen auf.
  • Die Gebärmutter verändert die Lage im Bauch nach der Geburt, ihr oberes Ende wandert von der mittigen Höhe des Nabels in Richtung des Rippenbogens (zumeist auf der rechten Seite).

Hat sie Plazenta sich gelöst, muss die junge Mutter noch einmal pressen – so wie bei der Geburt des Babys. Die Nachgeburt ist nämlich kein passiver Vorgang. Neue Schmerzen treten dabei aber normalerweise nicht mehr auf: Die Plazenta wiegt etwa nur ein Sechstel dessen, was das Baby gewogen hat, und besteht aus weichem, nachgiebigem Gewebe.

Tipp: Stillen Sie Ihr Baby sofort, wenn möglich: Der Vorgang unterstützt die Nachwehen!

3.1. Das sollten Sie bei der Wassergeburt beachten

Haben Sie sich für eine Wassergeburt entschieden, sollten Sie nach der Geburt kein heißes Wasser nachfüllen. In den meisten Fällen ist das Wasser inzwischen abgekühlt und nicht mehr sehr angenehm, doch Wärme behindert die Nachgeburt: Die Gebärmutter entspannt sich dadurch, was die Nachwehen verzögert.

3.2. Diese Komplikationen können auftreten

Ultraschall auf Bauch

Mittels Ultraschall wird geprüft, ob bei der Nachgeburt die ganze Plazenta aus der Gebärmutter abgestoßen worden ist.

Löst sich die Plazenta nicht selbstständig, kann der Arzt oder die Hebamme mit bestimmten Griffen oder auch Medikamentengabe die Nachgeburt vorantreiben. Damit steigt allerdings das Risiko, dass die Plazenta sich unregelmäßig und unvollständig ablöst. Vermehrte Blutungen können die Folge sein. Außerdem kann die Gebärmutter auf diese Weise nicht richtig heilen. Daher wird sorgfältig geprüft, ob die Plazenta komplett abgestoßen wurde.

In sehr seltenen Fällen ist die Plazenta so mit der Gebärmutter verwachsen, dass sie sich nicht von allein löst. Dies tritt vor allem dann auf, wenn die Mutter zuvor einen Kaiserschnitt hatte oder wenn bei ihr bereits eine Ausschabung vorgenommen worden ist. In diesen Fällen – und auch, wenn wie bei den oben beschriebenen Komplikationen Reste der Plazenta in der Gebärmutter verbleiben – muss der Mutterkuchen chirurgisch oder von Hand entfernt werden. Das geschieht unter Betäubung.

Achtung: Verbleiben Plazentareste in der Gebärmutter, kann es zu Kindbettfieber, Infektionen, Entzündungen und Wucherungen kommen!

4. Essen Sie die Plazenta besser nicht!

Es war ein Trend, der viele Menschen erfasste, die ein möglichst natürliches Leben führen wollten: Wer nach der Geburt seine Plazenta isst, so hieß es, sollte viele positive Auswirkungen spüren. Dem Wundermittel wurde allerhand zugeschrieben, etwa Schutz vor Wochenbettdepressionen, eine Stärkung des Immunsystems, ein Ausgleich des Blutverlusts während der Geburt usw.

schwarze Kapseln auf weißem Grund

Manche Mütter lassen ihre Plazenta zu Kapseln verarbeiten – weniger gesundheitsgefährdend macht sie das aber nicht.

Eines der Argumente lautete: Die Tiere fressen ihre Plazenta ja auch. Tatsächlich ist das so, aber es geschieht aus der Notwendigkeit heraus. Der Blutgeruch des Gewebes könnte sonst Raubtiere anziehen. Zwar sind viele Tiere nach der Geburt schnell auf den Beinen, aber jedes Neugeborene braucht ein bisschen Ruhe, um auf der Welt anzukommen.

Menschen müssen nach der Geburt keine Raubtiere befürchten. Inzwischen ist auch nachgewiesen, dass es keine positiven Auswirkungen gibt, wenn die Mutter ihre Plazenta verspeist, sei es als Nahrungsmittel oder in Pillenform. Gegenteilig kann es dadurch sogar zu schweren Infektionen beim Baby kommen: Die Plazenta kann Viren, Bakterien und Schwermetalle enthalten, die die Mutter aufnimmt und dem Baby bei Stillen weitergibt.

5. Weiterführende Literatur rund um die Entbindung

Die selbstbestimmte Geburt: Handbuch für werdende Eltern. Mit Erfahrungsberichten
  • 360 Seiten - 09.09.2004 (Veröffentlichungsdatum) - Kösel-Verlag (Herausgeber)


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