Stillen nach Kaiserschnitt: Tipps bei möglichen Problemen

stillen nach kaiserschnitt
  • Findet der Kaiserschnitt unter Vollnarkose statt, sind sowohl die Mutter als auch das Baby etwas länger schläfrig. Dies kann sich negativ auf die Entwicklung der Stilbeziehung auswirken.
  • Nach einem Kaiserschnitt ist die Mobilität der Mutter sehr eingeschränkt. Dadurch kann es zu Problemen beim Anlegen des Babys kommen.
  • Findet ein geplanter Kaiserschnitt statt, sollten Sie sich ein Krankenhaus aussuchen, in dem 24h-Rooming-In praktiziert wird. So können Sie sichergehen, dass Ihr Kind rund um die Uhr bei Ihnen bleiben darf.

Nicht jedes Kind kommt auf natürliche Weise zur Welt. Jedes dritte Kind in Deutschland wird mittlerweile per Kaiserschnitt geholt. Dies hat auch Auswirkungen auf das anschließende Stillen. Aber wie funktioniert das Stillen nach einem Kaiserschnitt? Und mit welchen Schwierigkeiten kann dies verbunden sein?

In unserem Ratgeber möchten wir Ihnen gerne einen Überblick darüber geben, welche Probleme beim Stillen nach einem Kaiserschnitt auftreten können. Im Anschluss geben wir Ihnen Tipps, wie das Stillen nach einem Kaiserschnitt am besten gelingt. Zuletzt beantworten wir die häufigsten Fragen, die rund um dieses Thema aufkommen können.

1. Die Art der Narkose ist entscheidend

Anzahl der Kaiserschnitte im europäischen Vergleich

Die Kaiserschnittrate fällt in den verschiedenen Ländern Europas sehr unterschiedlich aus. Während auf Zypern 52,2% der Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen, sind es in Finnland nur 16,8%. Dies hängt unter anderem mit der Organisation und Finanzierung des geburtshilflichen Systems zusammen.

Während in einigen Fällen ein Kaiserschnitt zwingend erforderlich ist, entscheiden sich wiederum andere Frauen ganz bewusst für diese Entbindungsmethode. Im Jahr 2017 kamen laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes 30,5 % der Kinder per Kaiserschnitt zur Welt.

Muttermilch ist bekanntlich die beste Nahrung für Neugeborene. So empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens sechs Monate lang ausschließlich zu stillen. Sie können die Stillzeit bei Bedarf natürlich auch verlängern und erst später abstillen. Da ein Kaiserschnitt in den meisten Fällen unter einer lokalen Anästhesie stattfindet, ist es möglich, sofort nach der Geburt mit dem Stillen zu beginnen.

Allerdings gibt es immer wieder Fälle, in denen eine Vollnarkose nötig ist. Diese kann einige Nachteile mit sich bringen. Normalerweise wird das Kind nach der Geburt sofort auf die Brust der Mutter gelegt. Bei einer Vollnarkose wird jedoch so lange gewartet, bis die Mutter wieder aufgewacht und bei vollem Bewusstsein ist.

Noch komplizierter wird es, wenn Mutter und/oder Kind nach dem Kaiserschnitt medizinisch versorgt werden müssen. Dies ist häufig bei Schwangerschaftsvergiftung oder bei Frühchen der Fall. Versuchen Sie dennoch so viel Körperkontakt wie möglich zu Ihrem Kind aufzubauen. Auch wenn das Anlegen vorerst noch nicht möglich ist, sollten Sie die Milchproduktion anregen.

Tipp: Findet eine Trennung aus medizinischen Gründen statt, sollten Sie die Vormilch (Kolostrum) mit der Hand ausstreichen und im Anschluss Ihrem Kind geben.

2. Es gibt zahlreiche Faktoren, die das Stillen nach einem Kaiserschnitt beeinflussen können

Milchpumpe mit Fläschchen

Lässt sich die Milch nicht per Hand gewinnen, können Sie eine spezielle Milchpumpe verwenden.

Frauen haben sehr unterschiedliche Erfahrungen mit dem Stillen nach einem Kaiserschnitt gemacht. Während einige Mütter keine großartigen Schwierigkeiten hatten, waren wiederum andere Frauen mit der Situation überfordert. Denn auch wenn der Kaiserschnitt in vielen Fällen unter lokaler Betäubung stattfindet, gibt es dennoch einige Hürden, die im Bezug auf das Stillen überwunden werden müssen.

In den wenigsten Fällen hängen die Stillprobleme direkt mit dem Kaiserschnitt zusammen. Vielmehr ist die Frau nach einem Kaiserschnitt in ihrer Mobilität eingeschränkt. Das bedeutet, dass Sie in der ersten Zeit auf mehr Hilfe angewiesen sind. Durch die Wundschmerzen ist es in einigen Fällen außerdem schwieriger, eine angenehme Stillposition zu finden.

Hinzu kommt, dass Babys, die durch einen Kaiserschnitt zur Welt kommen, in der Regel wesentlich schläfriger sind und somit größere Probleme damit haben, effektiv an der Brust zu saugen. Zudem kann der Milcheinschuss etwas später als bei einer vaginalen Geburt stattfinden. In der Regel ist dieser um etwa drei Tage verzögert.

Tipp: Auch die Einstellung der Mutter und des Partners hat einen sehr großen Einfluss auf den Stillerfolg.

3. Tipps, um das Stillen nach einem Kaiserschnitt zu erleichtern

schwangere Frau im Gespräch mit einer Ärztin

Informieren Sie sich vorab, ob in der ausgewählten Klinik 24-Stunden-Rooming-In angeboten wird.

Bei einer vaginalen Geburt gestaltet sich das Stillen in der Regel wesentlicher einfacher als nach einem Kaiserschnitt. Dennoch gibt es viele Möglichkeiten, wie Sie trotz ungünstiger Rahmenbedingungen einen guten Stillstart haben können.

Im Folgenden möchten wir Ihnen daher gerne einige Tipps mit auf den Weg geben, mit denen Sie sich das Stillen erleichtern können:

  • Entbinden Sie nach Möglichkeit in einer Geburtsklinik, in der das 24-Stunden-Rooming-In angeboten wird. Dies ermöglicht, dass die Babys 24 Stunden bei ihrer Mutter bleiben dürfen.
  • Weisen Sie den Arzt und die Hebamme darauf hin, dass Sie nach der Geburt möglichst schnell Hautkontakt zu Ihrem Baby haben möchten.
  • Nutzen Sie ein Bondingtop, damit Sie Ihr Kind nach dem Kaiserschnitt richtig und sicher an Ihrer Brust halten können. Das Shirt spendet zusätzlich Wärme und Geborgenheit.
  • Nehmen Sie sich beim Stillen ausreichend Zeit zu zweit, auch wenn dies bedeutet, dass Sie Ihren Besuch zwischenzeitlich vor die Tür schicken müssen.
  • Haben Sie eine Vollnarkose bekommen, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Baby möglichst schnell Körperkontakt zum frischgebackenen Papa bekommt.
  • Sind Sie und Ihr Baby nach dem Kaiserschnitt noch sehr schläfrig, können Sie die Muttermilch per Hand gewinnen und Ihrem Baby geben. Benutzen Sie zur Not eine Milchpumpe.
  • Suchen Sie sich eine Stillposition, die gut für Sie ist und in der Sie möglichst wenig Schmerzen haben. Vor allem die halb aufgerichtete Seitenlage ist für viele Frauen nach der Operation am besten geeignet.
  • Die Ernährung des Babys sollte am besten ausschließlich über die Muttermilch erfolgen. Durch die Zufütterung mit einer Flasche kann es zu einer Saugverwirrung kommen.
  • Achten Sie bei einer räumlichen Trennung darauf, dass Sie die Milchbildung anregen, damit das Anlegen zu einem späteren Zeitpunkt kein Problem darstellt.
  • Bereitet das Stilen nach dem Kaiserschnitt Schwierigkeiten, kann die Unterstützung durch eine Hebamme hilfreich sein.

Viele weitere Stilltipps finden Sie in dem folgenden Video:

4. FAQs – Häufige Fragen und Antworten

Neugeborenes wird von Mutter gestillt

Das Stillen unmittelbar nach der Geburt unterstützt die Bindung zwischen Mutter und Kind.

Wirken sich Narkose- und Schmerzmittel auf die Muttermilch aus?

Bei einem Kaiserschnitt bekommen Frauen verschiedene Medikamente verabreicht. Aber weder Narkosemittel noch Schmerzmittel stellen ein Stillhindernis dar. Die Mengen des Narkosemittels sind so gering, dass sie in der Muttermilch kaum nachgewiesen werden können. Nehmen Sie Schmerzmittel am besten einfach nach einer Stillmahlzeit ein.

Wie oft sollte ich nach einem Kaiserschnitt stillen?

Nach einem Kaiserschnitt gibt es keinen konkreten Zeitplan, den Sie verfolgen sollten. Legen Sie Ihr Kind einfach nach Bedarf an. In der Regel stillen Mütter nach einem Kaiserschnitt etwa acht- bis zwölfmal innerhalb von 24 Stunden.

Wie kann ich die Milchproduktion anregen?

Der Milcheinschuss kann nach einem Kaiserschnitt in einigen Fällen um wenige Tage verzögert sein. Zunächst sollten Sie möglichst viel Körperkontakt herstellen. Hat dies keinen Erfolg können Sie leichte Brustmassagen durchführen oder eine Milchpumpe verwenden. Diese wird in den meisten Krankenhäusern zur Verfügung gestellt.

Hat das Stillen Einfluss auf die nächste Regelblutung?

Nach einer Geburt muss sich der Zyklus einer Frau zunächst wieder einpendeln. Nach etwa drei bis vier Wochen haben viele Frauen die erste Monatsblutung. In der Regel kommt die nächste Periode ohne Stillen etwas früher. Das liegt daran, dass das Stillen Einfluss auf den Hormonhaushalt nimmt. Das freigesetzte Prolaktin schränkt die Eizellreifung in den Eierstöcken ein, sodass die Periode etwas länger auf sich warten lässt.

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