Heimweh bei Kindern: So helfen Sie Ihrem Kind hinaus

Datum: 06. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

Mädchen mit Heimweh guckt aus dem Fenster mit Bär
  • Die Ursache für Heimweh bei Kindern ist eine durch die Trennung von den Eltern entstandene Trauersituation.
  • Jüngere Kinder neigen eher dazu, Heimweh zu entwickeln als ältere Kinder, da sie eine noch stärkere emotionale Bindung zu den Eltern haben.
  • In dem meisten Fällen hilft es, mit dem Kind zu reden und es ggf. in die Reiseplanungen miteinzubeziehen.

Erfahrungsberichten zufolge sind etwa zehn Prozent aller Kinder während einer Klassenfahrt oder auf einer anderen Reise, bei der sie längere Zeit von der Familie getrennt sind, von akutem Heimweh betroffen. Jedes Kind hat seine eigene Art, mit dem Heimweh umzugehen. Während sich ein Kind zurückzieht, schläft das andere viel oder beweint die Trennungssituation. Manche Kinder können durchaus gereizt und aggressiv auf die Situation reagieren.

Der nachfolgende Ratgeber erklärt, an welchen Ursachen Sie das Heimweh bei ihrem Kind bereits vor der Abreise erkennen und mit welchen Mitteln das Heimweh für Ihr Kind erträglicher wird.

1. Junge Kinder leiden besonders häufig an Heimweh

Trauriges Kind guckt auf Meer

Heimweh fühlen Kinder oft erst unmittelbar vor der Trennung von den Eltern.

Einige Kinder leiden stärker unter Heimweh als andere. Wenn Ihr Kind eines der folgenden Merkmale aufweist, können Sie vorab davon ausgehen, dass es sich stärker als andere Kinder nach dem wohlbehüteten Zuhause sehnt.

  • Jüngere Kinder sind eher vom Heimweh betroffen, da sie stärker als ältere Kinder die elterliche Fürsorge benötigen.
  • Kinder, die sich in einer emotional und psychisch belastenden Lebenssituation befinden, sind verletzlicher als andere. Dementsprechend stärker reagieren sie auf negative Einflüsse von außen.
  • Falls Ihr Kind einen eher ruhigen und introvertierten Charakter hat, könnte es passieren, dass es bei einer Klassenfahrt schwer Anschluss findet und sich schneller in sein vertrautes Umfeld zurückwünscht als extrovertiert veranlagte Kinder.
  • Natürlich reagiert Ihr Kind am sensibelsten, falls es noch nie alleine in einer fremden Umgebung übernachtet hat.
  • Mitunter verspüren Kinder nach einem Umzug Heimweh, wenn sie sich nach dem alten Zuhause zurücksehnen. Dies ist ein natürlicher Prozess, da sich das Kind schrittweise an die neue Umgebung gewöhnen muss und diese zunächst Ängste oder Sehnsucht nach dem Vertrauten hervorruft.

1.1. Äußere und innere Verhaltensweisen zeigen, ob Ihr Kind gefährdet ist

Anhand einiger verbalen und mimischen “Äußerungen” können Sie noch vor dem Abschied erkennen, ob Ihr Kind möglicherweise unter Heimweh leiden könnte. Die nachfolgende Tabelle listet die “typischen” Anzeichen und Verhaltensweisen auf, zu denen von Heimweh betroffene Kinder kurz vor dem Aufbruch zur Klassenfahrt oder in den Urlaub neigen.

Äußere/verbal geäußerte
Verhaltensweisen
Innere/nicht geäußerte Verhaltensweisen
Ihr Kind äußert die Befürchtung, nicht mehr heil nach Hause zurückzukehren. Das Kind ist ängstlich, fühlt sich allein gelassen, ist niedergeschlagen oder weint.
Das Kind überprüft alle Gegenstände vor dem Losgehen und sorgt sich darum, ob Zuhause während seiner Abwesenheit alles an seinem ursprünglichen Platz bleibt. Ihr Kind freut sich nicht besonders auf die Klassenfahrt und/ oder wird plötzlich kränklich.
Ihr Kind fragt Sie, ob Sie alleine gut zurechtkommen werden.

Übrigens: Die für das Heimweh typischen Gedanken und Gefühle realisieren die Kinder zumeist erst wenige Stunden oder Minuten vor der unmittelbar bevorstehenden Trennung. Manchmal kommt die erdrückende Sehnsucht nach dem Zuhause auch erst während der Reise auf. Dies ist meist dann der Fall, wenn die Klassenfahrt für das Kind nicht zufriedenstellend verläuft oder wenn sich vor Ort Konflikte mit den Klassenkameraden ergeben.

2. Bei extremen Symptomen wie Kopf- und Bauchschmerzen ist eine Therapie ratsam

Heimweh äußert sich bei allen Kindern anders. Während bei einem normalen Heimweh keine Therapie erforderlich ist, erfordert die in der Psychologie verankerte, schwerere Form der Trennungsangst umfangreichere Maßnahmen. Entwickelt ein Kind extreme und ernstzunehmende Symptome während der Trennungszeit, kann es sinnvoll sein, das Kind abzuholen und frühzeitig mit nach Hause zu nehmen. Dies ist insbesondere dann ratsam, wenn das Kind körperliche Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen, Magenschmerzen, Appetitlosigkeit oder Übelkeit verspürt.

Falls der Nachwuchs bereits große Angst davor hat, das Elternhaus morgens für den Schulbesuch zu verlassen oder für eine Nacht auswärts zu übernachten, sollten Sie sich an einen erfahrenen Therapeuten aus dem Fachbereich der Kinder- und Jugendpsychologie wenden. Er kann dabei helfen, die Trennungsängste des Kindes in eine für das Kind annehmbare Balance zu bringen. Leidet Ihr Kind hingegen unter einem “normalen” Heimweh, helfen die folgenden Tipps und Mittel, um den Sprössling selbst weit weg von Zuhause das Lächeln zurückzubringen.

2.1. Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes, sodass es seltener Heimweh bekommt

Ein Kind mit einem gesunden Selbstbewusstsein leidet seltener an Heimweh als andere Kinder. Sie helfen dem Kind dabei, das Heimweh selbstständig zu regulieren, indem Sie sein Selbstbewusstsein stärken. Das gelingt Ihnen, indem Sie Ihren bisherigen Umgang mit Ihrem Kind überdenken.

Sie wirken dem Heimweh bei Kindern entgegen, indem Sie das Kind so oft wie möglich in Ihre Entscheidungen einbeziehen oder es Entscheidungen für sich selbst betreffend alleine festlegen lassen. Auf diese Weise lernen die Kinder schrittweise, sich selbst zu beruhigen, sich zu trösten und in eine positive Grundstimmung zu gelangen.

Es gibt verschiedene Mittel, wie sich Kinder eigenständig aufmuntern können. Diese sollten Sie den Kleinen so früh wie möglich näher bringen. Dazu gehört der Umgang mit den eigenen Emotionen, also über die Gefühle und Gedanken sprechen oder diese in ein Tagebuch aufzuschreiben. Kuscheltiere und selbst erzählte Geschichten können ebenfalls hilfreich sein, sobald die Sehnsucht nach der Familie überhandnimmt.

Tipp: Manchmal ist eine Klassenfahrt sogar hilfreich, da Ihr Kind inmitten von Freunden und Klassenkameraden seltener unter dem Heimweh leidet als bei einer Reise mit einer kleinen Gruppe.

2.2. Heimweh verringern, indem Sie die Reise detailliert planen

Kind mit Heimweh guckt aus dem Fenster

Eine Reise wird am besten mit dem Kind gemeinsam geplant.

Sie können und dürfen vorbeugend aktiv werden, sobald der Termin für die Klassenfahrt oder die erste Reise mit den Verwandten feststeht . In diesem Zusammenhang ist es hilfreich, den Aufenthalt gemeinsam mit dem Kind vorzubereiten und zu planen. Diese Vorgehensweise vermittelt den Kindern Sicherheit, da sie besser wissen, womit sie es zu tun haben.

Sprechen Sie mit Ihrem Kind unbedingt über seine Erwartungen, aber auch über die Pläne, Ziele und Wünsche, welche es an die Klassenfahrt oder die Reise stellt. Sparen Sie das Heimweh nicht aus, sondern machen Sie dem Kind verständlich, dass solche Gefühle normal sind. Vielleicht erwähnen Sie in dem Zusammenhang, dass auch die “starken Erwachsenen” an Heimweh leiden und nicht davor gefeit sind.

Sofern das Heimweh zu groß wird, sollten Sie sich vorab überlegen, mit welchen Kommunikationsmitteln sie in Kontakt bleiben und wie oft sie diese benutzen möchten. Ist der Tag der Abreise gekommen, sollten Sie sich freundlich, doch nicht zu emotional von Ihrem Kind trennen. Dies würde Ihren Schützling nur zusätzlich verunsichern. Es ist ausreichend, dem Kind eine spannende und schöne Klassenfahrt zu nehmen und es dabei herzlich zu umarmen.

Achtung: Stellen Sie für den Notfall unbedingt wichtige Kontaktnummern zusammen und geben Sie diese Ihrem Kind mit!

2.3. Tipps, wie Sie bei akutem Heimweh Ihres Kindes richtig reagieren

Wenn Ihr Kind Sie unter Tränen anruft und zurück nach Hause  möchte, haben Sie grundsätzlich zwei Möglichkeiten: entweder, Sie holen das Kind ab oder beruhigen es nachhaltig, sodass es die Klassenfahrt oder die Reise fortsetzen kann.

Die nachfolgende Pro- und Contraliste verdeutlicht, unter welchen Umständen es sinnvoll sein kann, den Nachwuchs frühzeitig von der Klassenfahrt zurück nach Hause zu holen.

  • Bei Mobbing ist es sinnvoll, das Kind frühzeitig nach Hause zu holen.
  • Sobald das Heimweh mit körperlichen Beschwerden einhergeht, sollten Sie das Kind frühzeitig vom Ausflug abholen.
  • Es ist manchmal mit erheblichen Aufwand verbunden, das Kind frühzeitig von der Klassenfahrt abzuholen.
  • Oftmals erreichen Sie bereits aus der Ferne eine verbesserte Situation, indem Sie mit Ihrem Kind reden, es aufmuntern und die Betreuer vor Ort um Hilfe bitten.

Bevor sie eine endgültige Entscheidung treffen, sollten Sie so lange wie möglich mit Ihrem Kind telefonieren. Heitern Sie es im Gespräch auf und versuchen Sie schnellstmöglich zu erfahren, welche Probleme vor Ort das Kind psychisch belasten. Wenn alle Stricken reißen, bitten Sie zunächst die Betreuer vor Ort um Hilfe und erkundigen Sie sich am darauffolgenden Tag, ob sich das Heimweh des Kindes gebessert hat.

2.4. Bachblüten und Schüsslersalze sollen Heimweh bei Kindern verringern

Die heilsame Wirkung der Bachblüten

Heilpraktiker empfehlen die natürlichen Mittel aus der Homöopathie für Babys und Kleinkinder, aber ebenso für Jugendliche und Erwachsene.

Bei akutem Heimweh auf der Klassenfahrt, im Kindergarten oder an einem anderen Ort fühlen sich Kinder schnell einsam, ängstlich und verirrt. Einige homöopathische Mittel sollen helfen, das Heimweh des Kindes auf natürliche Weise zu behandeln. Dazu gehören beispielsweise Bachblüten rescue Tropfen oder Schüssler Salze Nr.5.

Das im Salz enthaltene Kaliumphosphat soll die menschlichen Nerven und die Muskulatur stimulieren. Es soll Ihrem Kind besonders dabei helfen, die mit dem Heimweh einhergehenden körperlichen und geistigen Erschöpfungszustände zu bewältigen.

Hinweis: Die unterstellte Wirkungsweise der Bachblüten konnte bisher nicht nachgewiesen werden und gilt unter Wissenschaftlern als unplausibel.

3. Fazit: Dem Heimweh mit Gelassenheit begegnen und die Reiselust der Kinder wecken

Kind mit Heimweh hält Kuscheltier

Ein vertrautes Spielzeug tröstet auch in der Ferne bei Heimweh.

Es obliegt den Eltern, das Heimweh nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Doch können Sie das Kind vor Ort beruhigen oder bereits im Vorfeld dafür sorgen, dass kein Heimweh aufkommt. Sie können dies schaffen, indem Sie die Reiselust Ihres Kindes wecken. Sie machen dem Nachwuchs die Klassenfahrt schmackhaft, indem sie gemeinsam Fotos ansehen und Interesse am Ausflug signalisieren.

Je selbstbewusster und zielstrebiger sie agieren, desto weniger Unsicherheit verspürt das Kind. Anschließend fällt es Ihrem Sprössling leichter, innerlich für einige Tage Abschied zu nehmen und sich ohne den Gedanken an Heimweh auf die Reise zu freuen.

 

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