Explorationsverhalten von Kindern: Auswirkungen einer schlechten Eltern-Kind-Bindung

Explorationsverhalten
  • Explorationsverhalten und Bindungsverhalten stehen sich konträr gegenüber, können also nicht gleichzeitig auftreten.
  • Eine gefestigte Bindung zum Vater oder zur Mutter ermöglicht es Kindern, ihrer natürlichen Neugier nachzugehen.
  • Leidet ein Kind unter einer unsicher ambivalenten Bindung, so führt dies häufig zu einem starken Ungleichgewicht zwischen Explorationsverhalten und Bindungsverhalten.

Kinder benötigen Sicherheit und Geborgenheit, damit ein Explorationsverhalten möglich ist. Aber warum ist dies eigentlich so? Und was hat die Bindung von Kindern zu ihren Eltern mit dem Erkundungsverhalten zu tun?

In unserem Beitrag beschäftigen wir uns mit der Relevanz des Explorationsverhaltens und zeigen, inwieweit eine unsichere Bindung die Entwicklung negativ beeinflussen kann.

1. Das Explorationsverhalten von Kindern einordnen

kleines Mädchen liegt mit einer Lupe im Gras

Der Entdeckerdrang wird mit zunehmendem Alter größer.

Viele Eltern sind stolz, wenn ihr Kind im Kindergarten nicht weint, wenn sie den Raum verlassen. Das Neugierverhalten ist so groß, dass der Bezug zur Mutter oder zum Vater zumindest in diesem Moment keine Rolle zu spielen scheint.

Tatsächlich unterscheidet die Bindungstheorie nach John Bowlby im Kern zwischen zwei entgegengesetzten Verhaltensweisen im Rahmen der Kindesentwicklung. Das Explorationsverhalten auf der einen Seite steht dem Bindungsverhalten auf der anderen Seite gegenüber.

In aller Regel beginnen Kinder im Alter von etwa zwei Jahren damit, ihre Umwelt allein entdecken zu wollen. Besteht eine gute Vater- bzw. Mutter-Kind-Bindung, so wird sich ein Kind bei aller Neugier zunächst stets bei den Eltern rückversichern, ob die möglichen Entdeckungen sicher sind.

Eine starke Bindung zu einem Kind kann jedoch auch bedeuten, dass das Erkundungsverhalten zumindest anfangs etwas eingeschränkter abläuft und Kinder die Nähe ihrer Eltern für längere Zeit benötigen.

Demgegenüber kann allerdings auch eine schwache oder desorganisierte Bindung zu einer besonderen Abhängigkeit des Kindes führen. Demzufolge ist das Explorationsverhalten häufig stark eingeschränkt, da Kinder stets von der Angst getrieben sind, im Stich gelassen zu werden.

2. Die Relevanz einer sichern Bindung im Hinblick auf das Explorationsverhalten

Der Vorrang des Bindungsverhaltens:

Grundsätzlich sind Kinder anfangs jederzeit auf der Suche nach ihrer Bezugsperson. Erst zu dem Zeitpunkt, zu welchem die Bindung gefestigt ist, kann das Explorationsverhalten in den Fokus rücken.

Für die gesunde Entwicklung eines Kindes ist es nötig, dass das Bindungsverhalten sowie das Explorationsverhalten miteinander in Einklang stehen.

Für Eltern ist daher besonders wichtig, eine gewisse Feinfühligkeit dafür zu entwickeln, in welchen Momenten ein Kleinkind primär Nähe und Wärme benötigt und in welchen Momenten der Entdeckerdrang im Vordergrund steht.

Eine sichere Bindung schafft Vertrauen und sorgt dafür, dass Kinder zunehmend den Drang verspüren, ihre Umwelt genauer in Augenschein zu nehmen. Die eigenen Bedürfnisse gewinnen mit etwa zwei Jahren mehr und mehr an Bedeutung.

Besonders bei den ersten Erkundungsversuchen entscheidet das Verhalten der Bezugspersonen maßgeblich darüber, ob diese von Erfolg gekrönt sind. In aller Regel werfen Kinder beim Krabbeln, Laufen oder Umschauen in der Umgebung nach einiger Zeit einen Blick zurück, um sich zu vergewissern, dass die Bezugsperson noch in der Nähe ist.

Ein aufmunternder Blick reicht an dieser Stelle meist aus, um Kindern möglichen Stress zu nehmen und das Explorationsverhalten zu fördern.

Tipp: Unterschätzen Sie den Einfluss auf das Entdeckerverhalten Ihres Kindes nicht und bestärken Sie es, selbstständig zu werden und Dinge allein herauszufinden.

3. Bindungstypen haben Einfluss auf das Neugierverhalten von Kindern

In der Pädagogik werden verschiedene Bindungstypen unterschieden. Insbesondere unsichere Verbindungen zu den wichtigsten Bezugspersonen führen dabei zu einem nur unzureichenden Explorationsverhalten von Kindern.
Vielfach bringt eine solche Verbindung zahlreiche Probleme im Laufe der gesamten Kindheit und Jugend bis hinein ins Erwachsenenalter mit sich.

kleines Mädchen umarmt ihre Mutter

Eine sichere Bindung ist für das Explorationsverhalten von entscheidender Bedeutung.

Grundsätzlich erfolgt vielfach eine Einteilung in vier unterschiedliche Bindungstypen:

  • sicher:
    Kinder leiden zwar unter einer kurzen Trennung von ihrer Bezugsperson, beruhigen sich allerdings im Anschluss, wenn der Elternteil zurückkehrt, schnell wieder und können bereits wenige Minuten später wieder die Umwelt erkunden.
    Das Explorationsverhalten ist also in großem Umfang möglich.
  • unsicher-vermeidend:
    Bei einem solchen Bindungsmuster wird das Fehlen der eigentlichen Bezugsperson ignoriert und ein Kind erkundet die Umwelt weiterhin.
    Auch die Rückkehr der Eltern hat scheinbar kaum einen Einfluss auf das Kind. Die Gründe liegen in einer mangelhaften Bindung, sodass Kinder gelernt haben, eine gewisse Distanz aufzubauen.
  • unsicher-ambivalent:
    Auf den ersten Blick ähnelt das Verhalten des Kindes dem sicheren Typ. Allerdings lassen sich Kinder in Anschluss an eine kurzzeitige Trennung nur schlecht beruhigen und das Erkundungsverhalten findet kaum oder gar nicht mehr statt.
    Kinder befürchten, alleingelassen zu werden.
  • desorganisiert:
    Psychologen sprechen von einer desorganisierten Bindung, wenn sich kein klares Merkmal eines anderen Bindungstyps finden lässt. Vielmehr verhalten sich Kinder in identischen Situationen sehr unterschiedlich, sodass davon auszugehen ist, dass sie sich zwischen den beiden unsicheren Verhaltenstypen hin- und herbewegen.

Wie ein Aufeinandertreffen verschiedener Bindungstypen (mit einer Bindungsstörung) im Erwachsenenalter aussehen könnte, sehen Sie in diesem YouTube-Video:

Nähere Informationen, insbesondere im Hinblick auf die Wichtigkeit der neuen Bezugsperson im Kindergarten, finden Sie auf der Website des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung an dieser Stelle.

4. Ratgeber zur Stärkung der Eltern-Kind-Bindung

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