Gewalt in der Familie: Wie man sich gegen Gewalt schützen kann

Schläge in der Familie
  • Gewalt in der Familie kann vielfältiger Natur sein: Neben der offensichtlichen Gewalt körperlicher Art gibt es auch die psychische Gewalt gegen Kinder und gegen Frauen – mit schwerwiegenden Folgen.
  • Um Gewalt in der Familie langfristig und nachhaltig zu unterbinden, sollten Betroffene drei wichtigen Schritten folgen: 1.) Gewalt unterbinden. 2.) Sich selbst schützen. 3.) Schweigen überwinden.
  • In der Familie Gewalt zu ertragen, darf kein unveränderlicher Fakt sein. Wer das Thema aus der Tabuzone holt, unternimmt einen wichtigen Schritt gegen Gewalt in der Familie.

Gewalt in der Familie ist keine Seltenheit, jedoch häufig ein Tabuthema. Häufig werden Frauen Opfer von Gewalt innerhalb der Familie oder die Gewalt psychischer oder körperlicher Natur richtet sich gegen Kinder. Wenn in der Familie Gewalt herrscht, ist eine Ursache nur schwer ausfindig zu machen. Welche Formen von häuslicher Gewalt es gibt und wohin sich Betroffene wenden können, zeigt dieser Ratgeber.

1. Gewalt in der Familie ist ein weit verbreitetes Phänomen

Gewalt in der Familie

Vor allem Frauen werden häufig Opfer von Gewalt innerhalb der Familie. Sie müssen sich selbst schützen und sich Hilfe suchen.

Die Ausmaße von häuslicher Gewalt sind eklatant, wie das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend online mit einer Statistik untermauert: Demnach erlebt jede vierte Frau sexuelle oder körperliche Gewalt – und das mindestens einmal in ihrem Leben. In 80 Prozent der Fälle werden Frauen Opfer von sogenannter „Partnerschaftsgewalt“. Davon fallen mehr als die Hälfte der Fälle in die Rubrik „Gewalt in der Familie“, denn in diesen Fällen leben Frauen mit dem gewalttätigen Mensch in einem Haushalt.

Aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2016 gehen diese Zahlen hervor:

  • 133.080 Menschen erlebten im Jahr 2016 häusliche Gewalt und haben diesen Vorfall auch gemeldet. 109.000 dieser Personen waren Frauen.
  • Die häufigsten Gewalttaten gegen Frauen waren einfache Körperverletzungen mit Vorsatz (69.700 Fälle), Bedrohungen (16.700 Fälle), gefährliche Körperverletzungen (11.900 Fälle), Stalking-Fälle (7.600 Fälle) sowie Totschlag/Mord (357 Fälle).
  • Fast ausschließlich werden Frauen Opfer von sexueller Nötigung und Vergewaltigungen. In Fällen von Stalking und Bedrohungen sind sie in 90 Prozent der Fälle Opfer.

Tipp: Um Frauen, die Opfer von Gewalt in der Familie geworden sind, zu helfen, wurde das Hilfe-Telefon eingerichtet. Unter der Nummer 08000-116 016 ist rund um die Uhr sowie das ganze Jahr über ein Ansprechpartner erreichbar, der kostenfrei und anonym berät und Hilfe anbietet. Darüber hinaus gibt es viele regionale Interventionsstellen, die im Fall von Gewalt innerhalb der Familie beratend zur Seite stehen und auch präventiv aktiv werden.

Dieses Video zeigt ein Anti-Aggressionstraining, das ebenfalls der Prävention dienen soll:

2. Gewalt in der Familie folgt keinen speziellen Risikofaktoren

In einem Punkt sind sich viele Statistiken zum Thema „Gewalt in der Familie“ einig: Gewalt, die innerhalb der Familie oder der Partnerschaft passiert, ist meist unabhängig von der sozialen Herkunft und der sozialen Schicht. So werden Frauen, die in erster Linie zu den Opfern zählen, nicht nur im Umfeld sozialer Brennpunkte Opfer von Gewalt, sondern auch in mittleren und höheren Sozial- und Bildungsschichten. Knackpunkte, die häufig im Vorfeld einer Gewalttat auszumachen waren, waren Trennungsabsichten in der Beziehungen sowie Gewalterfahrungen in der Vergangenheit.

Achtung: Neben diesen in Statistiken erfassten Zahlen rückt eine große Unbekannte: die Dunkelziffer. So wird die Anzahl der Fälle bezeichnet, die zwar passiert sind, aber in keiner offiziellen Statistik zu finden sind.

3. Gewalt in der Familie hat verschiedene Gesichter

Gewalt innerhalb der Familie kann viele Gesichter haben. Welche Form der Prävention möglich ist und, wie auf die einzelnen Situationen idealerweise reagiert wird, zeigen diese Fallbeispiele:

3.1. Gewalt unter Geschwistern, gegen Eltern und gegen Kinder

Psychische Gewalt

Laut ausgetragene Anfeindungen der Eltern wirken auf die Kinderseele und das hat Spätfolgen für Ihr Kind.

Gewalt in der Familie umfasst ganz unterschiedliche Fallbeispiele. So kann Gewalt in der Familie bedeuten, dass Eltern gegen Kinder Gewalt anwenden, dass Geschwisterkinder sich untereinander Gewalt antun und auch, dass Kinder ihren Eltern gegenüber gewalttätig werden. Alle diese Fallbeispiele sind Beispiele von Gewalt in der Familie, die in keinem der Fälle geduldet werden darf.

Richtig ist: Kinder und Familie sind nicht nur das größte Geschenk im Leben, sondern mitunter auch die größte Herausforderung im Leben. Jedes Mitglied der Familie trägt Gefühle in sich: Liebe und Freude, aber auch Aggression und Wut. Der Unterschied liegt jedoch darin, dass die Kontrolle über diese Gefühlswelt sich mit dem Alter verändert und kontrollierbarer wird.

Die Ursachen für den Ausbruch kindlicher Gewalt können…

  • …physische Gewalt und verbale Gewalt in der Erziehung sein, denn Kinder lernen in der Beziehung mit ihren Eltern und aus dem Verhalten ihrer Eltern. Das hat Folgen für Kinder und deren eigenem Verhalten.
  • …auf ein Missverständnis der Rollen in der Familie zurückzuführen sein, weil Eltern sich zu sehr als “Freunde” verstanden wissen wollen, ohne ein Erziehungskonzept entwickelt zu haben, das von einer positiven Autorität zeugt

Tipp: Eltern müssen begreifen, dass Kinder das elterliche Verhalten häufig spiegeln. Wer mit einem harschen Ton mit seinen Kindern kommuniziert, erzieht die Kinder langfristig auch zum Schreien und Brüllen.

3.2. Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung: Gewaltanwendungen können unterschiedliche Ausmaße haben

Eine Misshandlung kann psychisch und körperlich geschehen. Eindeutiger zu erkennen sind körperliche Misshandlungen, die eine Form der Gewaltanwendung gegen Kinder darstellen können, aber auch gegen Frauen. Misshandlungen seelischer Natur sind hingegen weit weniger offensichtlich – weder für Betroffene, noch für Dritte, die eingreifen und helfen könnten.

  • Eine körperliche Misshandlung erfährt ein Kind durch Schläge, Stöße, aber auch durch Schütteln und Würgen. Eine seelische Misshandlung erfährt ein Kind durch Kränkungen, Ablehnung, Herabsetzungen und Erniedrigungen.
  • Misshandlungen erfolgen häufig nach einer Strafe. Die Gefahr besteht vor allem im fließenden Übergang und in der unmittelbaren und der langfristigen Schädigung des Kindes: Ein körperlicher Missbrauch verletzt den Körper des Kindes und dessen Würde sowie nachhaltig die Psyche des Kindes.
  • Das Unterlassen notwendiger, kindlicher Pflege kann zur Vernachlässigung werden. Die Ursachen sind durchaus differenziert zu betrachten, denn mangelnde Fürsorge kann auf einen Mangel an Empathie, auf fehlendes Wissen aber auch auf einen festen Vorsatz zurückzuführen sein.
  • (Sexueller) Missbrauch ist eine Form von sexueller Gewalt, bei der sexuelle Handlungen im Fokus stehen, die gegen den Willen des Kindes passieren. Häufig kann ein Kind aufgrund des eigenen Entwicklungsstandes nicht abschätzen, was passiert. Die Folgen für Kinder jedoch weitreichend sein, wenn die Misshandlungen psychischer Natur sind.
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