Erziehungsstile: Übersicht verschiedener traditioneller und moderner Stile

Frau hab Bücher auf Laptop gestapelt
  • Pädagogik spielt erst seit dem 20. Jahrhundert eine wichtige Rolle. Die wissenschaftliche Erforschung konzentrierte sich dabei zunächst auf grundlegende Unterschiede der Kindererziehung.
  • Einige Erziehungsstile sind einander sehr ähnlich, während sich andere Formen der Pädagogik diametral gegenüberstehen.
  • Eltern sollten sich bei der Auswahl von geeigneten Erziehungsstilen nicht nur an den allgemeinen Regeln, sondern vor allem an dem individuellen Verhalten Ihres Kindes orientieren.

Kindererziehung ist zweifelsfrei ein häufig diskutiertes Thema. Kein Wunder also, dass es unzählige verschiedene Erziehungsstile gibt. Gegenüber früheren Zeiten sieht die Erziehung heute meist sehr viel mehr Freiheit vor. Darüber hinaus gibt es auch wesentlich mehr, was die einzelnen Erziehungsstile von früher und heute voneinander unterscheidet.

In unserem Artikel finden Sie eine Übersicht darüber, welche Stile es gibt und wie sich die einzelnen Methoden der Kindererziehung voneinander unterscheiden.


1. Erziehungsstile nach Kurt Lewin

Die Erziehungsstilforschung geht in entscheidendem Maße auf den Sozialpsychologen Kurt Lewin zurück. Lange Zeit bildete die Dreiteilung der Erziehungsstile die Basis für jegliche Forschungen.

Nach Lewin und seinen Kollegen erfolgte eine Einteilung in folgende Methoden:

Mutter schlägt Tochter mit einem Gürtel

Leider spielt Gewalt in einigen Familien noch immer eine Rolle im Rahmen der Erziehung.

2. Baumrind und Lewin – ähnlich, aber nicht gleich

Vater und Sohn reden miteinander

Ein harmonisches Miteinander hilft bei der Erziehung.

Neben Lewins Erziehungsstilen sind auch die drei Erziehungsstile nach Baumrind bis heute sehr bekannt und kommen teils in mehr oder weniger strenger Form noch zum Einsatz. Es folgte eine Einteilung in folgende Formen der Kindererziehung:

In dieser kurzen Übersicht sehen Sie die Erziehungsstile im Vergleich:

Erziehungsstile nach Lewin Erziehungsstile nach Baumrind
autoritär autoritär
demokratisch autoritativ (etwas strenger)
laissez-faire permissiv (mit etwas mehr Erziehung verbunden)

3. Weitere Erziehungsstile im Kurzüberblick

Viele Erziehungsmethoden befinden sich im Wandel und werden immer wieder durch neue, teils sehr ähnliche Konzepte ergänzt oder ersetzt. In diesem Abschnitt möchten wir Ihnen daher vier weitere Konzepte der Kindererziehung kurz vorstellen:

Familie stimmt ab

In einer Demokratie hat jede Stimme den gleichen Wert.

3.1. Antiautoritärer Erziehungsstil – der Gegenpol zur strengen Erziehung

Der Begriff der antiautoritären Erziehung dient als Sammelbegriff für verschiedene Erziehungsmethoden, bei denen die freie Entfaltung der Persönlichkeit im Fokus steht. Die antiautoritäre Kindererziehung entwickelte sich als Gegenpol zur autoritären Erziehungsmethode, um Kindern möglichst viele Freiheiten zu lassen.

Dies bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass keine Erziehung stattfindet, auch wenn die Erziehungsform teilweise so verstanden wurde.
Im Kern haben Eltern und Erzieher die Aufgabe, die Kinder zu unterstützen und zu fördern, ohne sie jedoch in eine gewisse Richtung zu drängen.

3.2. Ein autokratischer Erziehungsstil findet kaum noch Anwendung

Im Prinzip kann der autokratische Stil als Steigerung des autoritären Erziehungsstils angesehen werden. Nach Ansicht der Befürworter der autokratischen Erziehung müssen Kinder lernen, sich an strikte Regeln zu halten. Für eine freie Entfaltung der Persönlichkeit steht kein Raum zur Verfügung. Oftmals begünstigt diese Art der Kindererziehung ein vermindertes Selbstwertgefühl.

In einer israelischen Studie kam heraus, dass Kinder deutlich häufiger unzufrieden mit sich und ihrem Körper waren, wenn ihr Vater autoritär bzw. autokratisch handelte.

ein kleiner Junge weint

Jedes Kind ist auf der Suche nach einer Bezugsperson.

3.3. Negierender Erziehungsstil – Kinder werden vernachlässigt

Negierender Erziehungsstil bedeutet, dass die Kinder der starken Vernachlässigung durch die Eltern ausgesetzt sind. Diese Extremform setzt Kindern keinerlei Regeln oder Grenzen. Erziehung ist in diesem Zusammenhang das falsche Wort. Viele Kinder bekommen keine Möglichkeit, Vertrauen zu ihren Bezugspersonen aufzubauen, sodass es bereits frühzeitig zu Selbstzweifeln und einem allgemeinen Gefühl der Verunsicherung kommt. Anhand dieser traurigen Beispiele zeigt sich, dass sich Kinder nicht selbst erziehen können.

3.4. Ein egalitärer Erziehungsstil – Erziehung auf Augenhöhe

Im Gegensatz zum autoritativen oder auch demokratischen Erziehungsstil sind Eltern und Kinder bei der egalitären Erziehung ebenbürtig. Die Meinung der Kinder wird nicht nur berücksichtigt, sondern ist von gleichhoher Bedeutung.

Auch wenn Kinder so die Möglichkeit bekommen, über vieles zu diskutieren und ihre Wünsche durchzusetzen, bringt das Konzept der Erziehung häufig Probleme im Hinblick auf das Zurechtfinden in der hierarchisch organisierten Gesellschaft mit sich.

Die Auswirkungen einer zu extremen Erziehungsform können Sie in diesem Video nachvollziehen:

 

4. Den passenden Stil finden – nicht jede Art der Erziehung passt zu allen Kindern

Nun wissen Sie zwar, welche verschiedenen Erziehungsstile es gibt. Allerdings haben Sie sicherlich noch keine Antwort darauf, wie denn die perfekte Erziehung aussieht. Auch wenn es einige Erziehungsmethoden gibt, die besonders fragwürdig sind, so weisen fast alle unterschiedlichen Stile Vor- sowie Nachteile auf.

Kinder rennen über eine Wiese

Sie können nicht jedes Kind gleich behandeln.

Generell hilft Kindern jedoch vor allem ein liebevolles Zuhause, in welchem es zwar Regeln gibt, sie jedoch die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten.

Bedenken Sie allerdings an dieser Stelle, dass einige Kinder ein komplett anderes Verhalten zeigen, sodass die Erziehungsmethode niemals in Stein gemeißelt werden sollte. Während es bei einigen Kindern hervorragend funktionieren kann, kaum Regeln einzusetzen, nutzen andere Kinder dies bereits frühzeitig zu ihrem Vorteil und lernen, ihren eigenen Willen durchzusetzen.

Folgende kurze Tipps sollen Ihnen jedoch die Entscheidung für oder gegen den einen oder anderen Stil erleichtern:

  • Kinder benötigen Regeln, um sich innerhalb eines festgesteckten Rahmens frei entwickeln zu können.
  • Liebe und Nähe sind der wichtigste Aspekt zum Aufbau von Vertrauen.
  • Kinder entwickeln sich in unterschiedlichen Lebensphasen anders, sodass ein Wechsel des Modells erforderlich werden kann.
  • Nur, wer sich selbst ausprobieren kann, lernt, auch mit negativen Situationen umzugehen.
  • Hören Sie Ihrem Kind zu und vermitteln Sie ihm das Gefühl, immer da zu sein.

5. Weiterführende Literatur zum Thema

Elterliche Erziehungsstile und deren Auswirkung auf die Entwicklung des Kindes
  • Maria Krasel
  • Herausgeber: GRIN Publishing
  • Auflage Nr. 1 (18.08.2015)
  • Taschenbuch: 20 Seiten

Erziehungsstile im Verlauf der Zeit. Ein historischer Überblick
  • Jana Bauer
  • Herausgeber: GRIN Publishing
  • Auflage Nr. 1 (17.03.2016)
  • Taschenbuch: 24 Seiten

Erziehungsstile - Was ist gute Erziehung?
  • Sabrina Schulpig
  • Herausgeber: GRIN Verlag
  • Auflage Nr. 1 (12.10.2012)
  • Taschenbuch: 20 Seiten

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (39 Bewertungen, Durchschnitt: 4,50 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge