Demokratischer Erziehungsstil: Definition, Ziele und Vor- und Nachteile

Demokratischer Erziehungsstil
  • Der demokratische Erziehungsstil orientiert sich am freiheitlichen Gedankengut der antiautoritären Erziehung, setzt allerdings auf feste Strukturen.
  • Klare Absprachen, bei denen die Kinder mitentscheiden dürfen, sollen das gemeinsame Zusammenleben in der jeweiligen Gruppe erleichtern.
  • Im Rahmen der demokratischen Erziehung lernen Kinder sehr schnell, dass sie für ihre Ziele eintreten müssen, um diese zu erreichen.

Demokratie ist für jeden von uns allgegenwärtig. Aber wie sieht es eigentlich im Rahmen der Erziehung aus? Lässt sich ein demokratischer Erziehungsstil tatsächlich realisieren?

Welche Entscheidungen lassen sich gemeinsam treffen? Inwieweit sind Regeln für das Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern erforderlich? Und worin bestehen die Vor- und Nachteile des demokratischen Erziehungsansatzes?

In unserem Beitrag erfahren Sie, welche Merkmale den demokratischen Erziehungsstil auszeichnen und inwieweit sich dieser im Alltag in der Familie umsetzen lässt.

1. Die Definition des demokratischen Ansatzes

Familienausflug ins Grüne

Kinder dürfen die Planung mitbestimmen.

Der Begriff des demokratischen Erziehungsstils ist weitgehend selbsterklärend. Per Definition sollen Kinder lernen, gemeinsam mit ihren Eltern oder aber der jeweiligen Kindergartengruppe Entscheidungen zu fällen.

Im Vergleich mit anderen Erziehungsstilen befindet sich die demokratische Kindererziehung im mittleren Spektrum. Es existieren auf der einen Seite klare Regeln, sodass Kinder lernen, sich an Grenzen zu halten. Auf der anderen Seite soll die möglichst freie Entwicklung eines Kindes nicht gefährdet werden. Regeln sind also nur notwendig, um dem Leben einen Rahmen zu geben, in welchem sich die Kinder möglichst frei bewegen können.

Die demokratische Erziehung setzt auf weitgehende Mitbestimmung von Kindern. Die Eltern oder Erzieher geben zwar eine generelle Richtung an, ermöglichen es den Kindern allerdings stets, ihre eigenen Ideen zum Thema zu äußern.

Mit zunehmendem Alter finden die Belange der Kinder mehr Berücksichtigung. Jedoch gilt es für Eltern und Erzieher kleiner Kinder, Verständnis zu zeigen und die emotionalen Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen.

Einen kurzen Überblick über vier extreme Erziehungsstile sowie die damit einhergehenden Probleme sehen Sie in diesem YouTube-Video:

2. Weitestgehende Zusammenarbeit bei klarer Struktur

Familie sitzt gemeinsam auf der Couch

Es gibt klare Absprachen, damit das Zusammenleben gut funktioniert.

Auch wenn der demokratische Erziehungsstil von gemeinschaftlichen Entscheidungen geprägt ist, so gibt es doch eine feste Grundstruktur, die stets eingehalten wird.

Es muss also nicht über alles und jedes diskutiert werden, da gewisse Dinge für jedes Mitglied der Gruppe feststehen. Dies gilt beispielsweise für folgende große und kleine Grundregeln:

  • Die eigene Freiheit endet stets dort, wo die Freiheit eines anderen eingeschränkt wird.
  • Tabus sind Pflicht, um die Gesundheit zu schützen. (nicht bei Rot über die Straße gehen, auf keinen hohen Baum klettern, nicht ohne Aufsicht zu weit von zu Hause entfernen)

Bei vielen anderen Dingen ist es indes möglich, eine Diskussion zu eröffnen und jedem Gruppen- oder Familienmitglied die Gelegenheit zu geben, sich und seinen Standpunkt zu vertreten.

Indem Mitbestimmung einen hohen Stellenwert im Rahmen Ihrer Erziehung einnimmt, müssen Sie sich viel Zeit nehmen. Hören Sie also genau zu und versuchen Sie, gemeinsam eine Lösung zu finden, die für alle Beteiligten am besten ist.

Tipp: Zeigen Sie Verständnis für die Wünsche eines Kindes, selbst wenn diese Ihnen manchmal absurd erscheinen mögen.

3. Die richtige Mischung – der demokratische Erziehungsstil als Ideal

Kurt Lewin – der Vater der Erziehungsstile

Der Sozialpsychologe gilt als Begründer der Erziehungsstilforschung und hob die Vorteile der demokratischen Erziehung bereits in den 1930er Jahren hervor.
Mehr über Kurt Lewin und seine Forschung erfahren Sie hier.

Ein Großteil der Bevölkerung empfindet den demokratischen und liberalen Erziehungsstil als besonders passend. Weder setzen Erzieher und Eltern bei diesem Modell auf besonderer Härte, noch herrscht ein allzu laxer Umgang. Kinder haben somit die Gelegenheit, sich an klaren Werten und Normen zu orientieren. Es ist klar, dass trotz der umfassenden Mitbestimmungsrechte der Kinder die Eltern oder Erziehungspersonen das letzte Wort haben.

So fällt es den meisten Kindern besonders leicht, auch bei Problemen zu Ihnen zu kommen. In einer Gemeinschaft es ist nicht immer möglich, dass sich jeder Wunsch erfüllen lässt. Gleichzeitig besteht jedoch die Chance, für die eigenen Ziele einzutreten, diese zu verfolgen und andere von der Idee zu überzeugen.

Worte spielen also im Rahmen der demokratischen Erziehung eine extrem wichtige Rolle, sodass kaum ein Kind mit einem mangelnden Wortschatz zu kämpfen hat.

Achtung: Strafen sind kein Teil des demokratischen Erziehungsstils. Vielmehr erfolgen intensive Gespräche darüber, warum Regeln missachtet wurden.
Mit der Zeit sollen die Kinder lernen, ihre eigene Verantwortung anzunehmen.

4. Vor- und Nachteile des demokratischen Erziehungsstils

Kind zeigt mit dem Daumen hoch, die Mutter runter

Nicht immer sind Kompromisse leicht zu finden.

Aufgrund des hohen Maßes an Mitbestimmungsmöglichkeiten entwickeln Kinder nicht nur schnell einen relativ großen Wortschatz, sondern lernen auch, selbstbewusst für etwas einzustehen.
Da demokratisch gefällte Entscheidungen jedoch nicht immer den eigenen Interessen entsprechen, werden Kinder kompromissbereit und sind in der Schule oder der späteren Arbeitswelt teamfähig.

Durch das Entwickeln gemeinsamer Strategien und gemeinsamer Ziele sind Kinder auch bereit, an sich selbst zu arbeiten, um etwas Bestimmtes zu erreichen. Insbesondere im schulischen Bereich lassen sich mit dem demokratischen Ansatz deutlich bessere Ergebnisse erzielen, als dies mit Strafen oder Belohnungsanreizen möglich ist.

Wie jeder Erziehungsstil ist auch die demokratische Erziehung nicht perfekt. Insbesondere an Tagen, an denen der Zeitplan etwas enger gestrickt ist, können endlose Diskussionen zur echten Geduldsprobe werden. Gleichberechtigung ist jedoch etwas, das nicht nur an einzelnen Tagen funktioniert, sondern insgesamt gelten muss.

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten positiven sowie negativen Aspekte des demokratischen Erziehungsstils noch einmal kurz zusammengefasst:

  • Kinder lernen, sich in eine Gruppe einzubringen
  • die Kompromissbereitschaft wird gefördert
  • der Wortschatz erweitert sich spielerisch
  • Kinder werden schnell selbstsicher
  • Kinder bauen Vertrauen zur Gruppe (Eltern, Erziehern, anderen Kinder) auf
  • von Zeit zu Zeit kommt es zu unproduktiven Endlosdiskussionen
  • es bedarf einem hohen Maß an Geduld
  • teilweise ist es schwer, Kinder als gleichberechtigte Partner anzusehen
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