Das Recht auf gewaltfreie Erziehung: Bedeutung und Tipps für Eltern

Datum: 04. März 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

Kinderrechte
  • Die gewaltfreie Erziehung eines Kindes ist für die meisten Menschen zur Normalform geworden.
  • Leider unterscheidet sich das Verhalten einiger Eltern deutlich von der generellen Ablehnung von Gewalt, sodass Schläge dennoch vorkommen.
  • Erkennen Sie öfter Verletzungen bei einem Kind, handeln Sie und informieren Sie die Polizei, das Jugendamt oder sonstige freie Beratungsstellen über Ihren Verdacht.

Eine gewaltfreie Erziehung ist in Deutschland gesetzlich garantiert. Eigentlich dürften Eltern ihre Kinder also nicht mehr schlagen. Aber wie sieht es tatsächlich aus? Warum ist Gewalt in der Erziehung so problematisch?

In unserem Artikel möchten wir Ihnen die Rechtslage kurz darstellen und erklären, warum Kindererziehung ganz ohne körperliche Gewalt auch für Eltern einfacher ist.
Zusätzlich gehen wir darauf ein, welche Möglichkeiten Sie haben, wenn Menschen in Ihrer Umgebung das Recht auf gewaltfreie Erziehung nicht einhalten.

1. Jedes Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung

Aufgeschlagenes Gesetzbuch

Seit dem Jahr 2000 findet sich das Recht auf gewaltfreie Erziehung im deutschen Gesetz.

Gewalt an Kindern im Rahmen der Erziehung ist seit dem Jahr 2000 gesetzlich verboten. Die entsprechende Regelung findet sich in
§1631 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Konkret richtet sich die Vorschrift des BGB nicht nur auf den klassischen Fall, in welchem Eltern ihre Kinder schlagen. Vielmehr umfassen die Kinderrechte die folgenden drei Bereiche:

  • körperliche Bestrafungen
  • seelische Misshandlung
  • sonstige entwürdigende Maßnahmen

Auch wenn Gewalt gegenüber Kindern von dem Großteil der Bevölkerung abgelehnt wird, so zeigen zahlreiche Untersuchungen, dass eine gänzlich gewaltfreie Erziehung längst nicht die Regel darstellt.
Kommt es innerhalb der Familie zu Trotzreaktionen und Konflikten, enden diese nicht selten mit Handgreiflichkeiten.
In vielen Fällen bleibt es bei dem Klaps auf den Po. Allerdings führt selbst diese Maßnahme zu einer Veränderung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern.

2. Gewalt ist keine Lösung

Elternteil schlägt Kind

Schläge lösen keine Probleme.

Das Leben mit Kindern ist nicht immer einfach. Hin und wieder kommt jeder Elternteil an seine Grenzen. Wer allerdings in Extremsituationen zu Aggression neigt und dies an seinen Kindern auslässt, verschlimmert die Situation nur noch zusätzlich.

Das wichtigste Band zwischen Eltern und Kindern besteht in einer gemeinsamen Vertrauensbasis. Bereits ein einzelner Schlag, eine Ohrfeige oder ein Klaps auf den Po können dieses unsichtbare Band zerreißen.

Für kleine Kinder ist die Welt noch schwarz und weiß. Große Freude löst sich schnell in Luft auf, wenn etwas einmal nicht so klappt, wie gewünscht. Auf freudige Begeisterung folgen eine Schimpftirade oder ein Wutausbruch.
Auch wenn dies extrem anstrengend sein kann und Ihre Nerven nicht an jeden Tag gleich stark sind, so sollten Sie stets versuchen, Ihrem Kind mit Worten zu helfen.

Tipp: Handeln Sie konsequent. So lernen Kinder, Ihr Verhalten einzuschätzen. In der Regel enden Wutausbrüche so meist nach wenigen Minuten ganz von selbst.

3. Die gewaltfreie Erziehung gilt umfassend

Sicherlich gibt es im Rahmen der Kindererziehung zahlreiche unterschiedliche Ansichten. Manche Eltern sehen klare Regeln und ein eindeutiges Machtgefüge als wichtig an, während andere Eltern Strafen generell ablehnen und die freie Entwicklung der Persönlichkeit ihres Kindes in den Vordergrund stellen.

Unabhängig davon, welchen Erziehungsstil Sie präferieren, hat Gewalt in der Erziehung nichts (mehr) verloren. Vielmehr zählt bereits der Klaps auf den Po als Körperverletzung im Sinne des § 223 StGB und könnte strafrechtlich verfolgt werden.

Jedoch sind längst nicht nur Schläge, die die Gesundheit Ihres Kindes direkt beeinflussen, verboten, sondern jegliche Maßnahmen, die psychische Beeinträchtigungen nach sich ziehen können.

Kind im Karton

Die Psyche eines Kindes ist zerbrechlich.

In der Praxis bedeutet dies selbstverständlich nicht, dass Sie Ihrem Kind alles durchgehen lassen müssen. Vielmehr sind klare Grenzen und Regeln wichtig, um Kindern eine gewisse Struktur zu geben.
Folgende Maßnahmen sind allerdings mit einer gewaltfreien Erziehung nicht zu vereinbaren:

  • vor anderen Menschen lächerlich machen (egal, ob vor Kindern oder Erwachsenen)
  • Einschüchtern durch die Androhung körperlicher Gewalt
  • Missachtung von Kindern („du bist nichts wert“, „du schaffst das eh nicht“, „hätte ich dich bloß nie gekriegt“ sind Sätze, die kein Kind jemals hören sollte)
  • Kinder allein zu Hause lassen (ohne Aufsicht, Vernachlässigung)
  • Ausnutzen der Hilflosigkeit des Kindes
  • Kinder für die eigenen Interessen benutzen (oftmals als Spielball bei getrennten Paaren)

Psychische Gewalt ist leider sehr schwer greifbar, hinterlässt allerdings auch zahlreiche Narben auf der Seele eines Kindes.

4. Was Gewalt in der Kindheit anrichtet

Kind bei einer Psychologin

Opfer von Gewalt sind meist auf therapeutische Hilfe angewiesen.

Kinder, die bereits frühzeitig mit körperlicher Gewalt oder aber emotionaler Vernachlässigung in Kontakt kommen, leiden meist nicht nur in der Kindheit, sondern haben im gesamten späteren Leben Schwierigkeiten, sich auf andere Beziehungen einzulassen.

Zunächst reagieren viele Kinder mit Schuldgefühlen, da sie sich für den Gewaltausbruch ihrer Eltern verantwortlich fühlen. Ganz automatisch leidet das Selbstwertgefühl. Einige Kinder ziehen sich daraufhin stark zurück, während andere mit Wut und Aggressionen reagieren.

Andere Kinder werden geschlagen, da die Eltern es von Zuhause aus gewöhnt sind, sich mit Gewalt durchzusetzen. Innere Unruhe, Schlafprobleme oder Bettnässen im Grundschulalter sind nur einige der Möglichkeiten, die physische und psychische Gewalt auslösen können.Leider zeigen Forschungsergebnisse immer wieder, dass besonders Eltern, die als Kind selbst Gewalt erfahren haben, vermehrt auf Gewalt in der Erziehung zurückgreifen.

Wird der Kinderschutz mit Füßen getreten und es kommt nicht mehr nur zur gelegentlichen Ohrfeige, sondern zu systematischen Misshandlungen über viele Jahre, ist an ein normales Leben kaum mehr zu denken.
Die traumatischen Kindheitserlebnisse besprechen Betroffene meist im Rahmen einer langjährigen Psychotherapie.

Achtung: Sollten Sie in der Kita oder der Schule Anzeichen von Gewalt bei einem Kind erkennen, zögern Sie nicht, öffentliche Stellen einzuschalten. Gefährdete Kinder sind auf Hilfe von außen angewiesen, da kein Kind in der Lage ist, sich selbst zu befreien.

5. Tipps für eine gewaltfreie Erziehung

Mann steht mit einem Gürtel in der Hand vor einem Kind

Stoppen Sie sich selbst, bevor Sie das nächste Mal zuschlagen.

Auch wenn die eigenen Erlebnisse jeden Menschen prägen und zu dem machen, was er heute ist, gibt es immer Möglichkeiten, an sich zu arbeiten. Ist Ihnen einmal die Hand ausgerutscht, bedeutet dies sicherlich nicht das Ende der Beziehung zu Ihrem Kind.
Es liegt jedoch in Ihrer Hand, wie Sie zukünftig mit schwierigen Situationen umgehen und ob Sie es schaffen, von nun an auf eine gewaltfreie Erziehung zu setzen.

Hinterfragen Sie sich und Ihr Verhalten, um sich klarzumachen, dass Gewalt keine Lösung ist. Folgende Fragen sollen dabei helfen, herauszufinden, was eigentlich das Problem hinter der Gewalt ist:

  • Warum schlage ich? In welchen Momenten reagiere ich mit besonderer Härte?
  • Ist mein Kind besonders schwierig? Und lösen Schläge das Problem?
  • Fühle ich mich nach einem Gewaltausbruch schuldig?

Jeder Mensch ist hin und wieder überfordert und es ist keine Schande, sich dies einzugestehen. Lassen Sie es jedoch nicht zu, dass Sie diese Gefühle an Ihrem Kind auslassen.
Greifen Sie stattdessen auf professionelle Hilfe zurück. Es gibt zahlreiche Ansprechpartner, an die Sie sich wenden können, ohne verurteilt zu werden.
Hier können Sie direkt nach Beratungsstellen des Kinderschutzbunds in Ihrer Nähe suchen.

Tipp: Gespräche und aktives Zuhören sind der Schlüssel der Kommunikation. Zeigen Sie Ihrem Kind, wenn Sie ein Verhalten verletzt hat, bleiben Sie jedoch fair und versuchen Sie, die Sicht Ihres Kindes nachzuvollziehen.

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