Motopädagogik: Erziehung durch Bewegung

Motopädagogik
  • Bei der Motopädagogik steht der Aspekt der Bewegung im Fokus.
  • Neben einer Verbesserung der Grob- und Feinmotorik wird die Erlangung eines stabilen Selbstbewusstseins gefördert.
  • Die Motopädagogik orientiert sich an dem Leitbild Maria Montessoris. Motopädagogen sollen Kindern daher helfen, selbst eine Lösung zu finden und diese nicht vorgeben.

Fast alle Kinder in der westlichen Welt bewegen sich zu wenig. Dies beginnt bereits im Kindergarten, wenn Kleinkinder im Sitzen spielen, anstatt den ihnen zur Verfügung stehenden Raum zu nutzen.

Die Motopädagogik versteht sich an dieser Stelle als Verbindung zwischen Pädagogik und Bewegung. Aber was bedeutet dies nun im Detail und inwiefern besteht der Unterschied zur Psychomotorik?

In unserem Artikel erfahren Sie, was das Konzept der Motopädagogik ausmacht und welche Möglichkeiten der Ausbildung bestehen.

1. Der Hintergrund der Motopädagogik

Kinder spielen im Wald

Motopädagogik – was ist das eigentlich?

Im Rahmen der Motopädie werden Körper und Geist als Einheit betrachtet. Funktioniert der Körper nur eingeschränkt oder gibt es motorische Auffälligkeiten, wirkt sich dies nach den Begründern der Motopädie Ernst J. Kiphard, Elisabeth Hecker sowie Helmut Hünnekes auch auf die Seele und die geistigen Fähigkeiten aus.

Die in den 1950ern entstandene Theorie spaltet die Motopädie noch einmal in die beiden Bereiche der

  • Motopädagogik,
  • sowie der Mototherapie auf.

In diesem Artikel beschäftigen wir uns mit der pädagogischen Ausrichtung, die den Ansatz verfolgt, durch präventive Maßnahmen Körper und Geist in Einklang zu bringen. Nach der Definition der Motopädagogik soll Bewegung dabei helfen, die Entwicklung von Kindern zu fördern.

Die Motopädagogik richtet sich jedoch nicht nur an Kinder, sondern auch an Jugendliche, Erwachsene, sowie ältere Menschen, wie Sie in diesem YouTube-Video sehen:

2. Die freie Persönlichkeitsentwicklung ohne Leistungszwang

Kinder springen umher

Freie Bewegung dient der Persönlichkeitsentwicklung.

Verfechter der Motopädagogik sehen die Aufgabe einer Erzieherin im Kindergarten oder in der Vorschule eher begleitend und unterstützend. Es erfolgt keine Bewertung und es existieren keine konkreten Übungen, die zu einem bestimmten Ziel führen. Vielmehr sollen Kinder lernen, eine eigene Wahrnehmung für ihren Körper zu finden und zu entwickeln, um sich nicht nur im Raum zurechtzufinden, sondern dieses Körperbewusstsein auch auf andere Bereiche übertragen zu können.

Dies bedeutet jedoch keineswegs, dass es keine konkreten Handlungsanweisungen gibt und Kinder sich selbst überlassen werden. Geschulte pädagogische Fachkräfte achten jedoch darauf, auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche der Kinder einzugehen und diese in die jeweiligen Übungen oder Spiele miteinzubeziehen.

Im Fokus stehen erlebnisorientierte Angebote, um Kindern die Vielfältigkeit der Bewegung näherzubringen.

Durch Laufen, Balancieren, Turnen und Springen sollen Kindern lernen, sich und ihren Körper kennenzulernen und gleichzeitig unter Kontrolle zu bringen. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen Einfluss auf sämtliche Lebensbereiche nehmen und Kinder zu vielfältigen positiven Eigenschaften verhelfen.

3. Das Ziel der Motopädagogik

Die Motopädagogik verfolgt das Ziel, Kinder zu freien, kreativen und selbstständigen Menschen zu erziehen.
Mit ausgewählten Materialien sollen Kinder frei experimentieren, kreative Spiele entwickeln oder konkrete Aufgaben angehen. Zwar kommt es stets zu einer Reflexion, jedoch nicht zu einer negativen Bewertung, die in den Kindern Zweifel an sich selbst erwecken würde.

Kinder halten sich an den Händen

Gemeinsame Aktivitäten fördern den Zusammenhalt.

Die diversen Bewegungsspiele fördern dabei nicht nur die fein- sowie grobmotorischen Fähigkeiten, sondern sollen auch die kognitiven Eigenschaften schulen.

Das soziale Miteinander innerhalb der Gruppen, sowie die individuelle Beziehung zwischen einzelnen Kindern sollen gestärkt werden, indem es zu zahlreichen Gruppenaktivitäten kommt, bei denen alle Kinder gemeinsam ein Ziel verfolgen.

Letztlich soll das Konzept der Motopädagogik folgende Fertigkeiten ermöglichen:

  • ein gestärktes Selbstbewusstsein
  • der sinnvolle Umgang mit den eigenen Emotionen
  • ein höheres Maß an Fitness
  • die Entwicklung exzellenter motorischer Fähigkeiten
  • die kreative Herangehensweise an Aufgaben
  • eine Verbesserung der Konzentrationsfähigkeit
  • die Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls

Tipp: Zeigen Sie Kindern nicht, wie eine Aufgabe zu bewältigen ist, sondern ermutigen Sie sie dazu, es selbst zu schaffen und unterstützen Sie sie nur beim Erreichen des Ziels.

4. Die Ausbildung im Bereich der Motopädagogik

Viele Menschen, die sich im Bereich der Motopädagogik sowie der Psychomotorik weiterbilden möchten, verfügen über ein Studium der Psychologie, eine Ausbildung als Pädagoge oder einen erzieherischen Hintergrund.

Frau hält einen Vortrag am Flipchart vor einer Gruppe

Es gibt sowohl Aus- als auch diverse Fortbildungsmöglichkeiten.

Wenn Sie sich für die Zusatzqualifikation der Motopädagogik interessieren, gibt es verschiedene Weiterbildungsmöglichkeiten. Eine entsprechende Ausbildung können Sie sowohl in einigen Berufskollegs sowie in speziellen Fachschulen absolvieren. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, diverse Fortbildungen im motopädischen Bereich im Rahmen eines Fernstudiums zu absolvieren.

Möchten Sie sich hingegen zum staatlich anerkannten Motopäden ausbilden lassen, umfasst dies ein Pensum von mindestens 1.200 Unterrichtsstunden. Zusätzlich wird die Ausbildung durch Praktika ergänzt und durch eine staatliche Prüfung abgeschlossen.

Weitere Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten sowie zu möglichen Anbietern der Ausbildung im Bereich der Motopädagogik sowie der Psychomotorik finden Sie auf der Website des Deutschen Berufsverbands der MotopädInnen/MototherapeutInnen. Hier gelangen Sie direkt zum Bereich der Ausbildung.

Achtung: Ein Wirksamkeitsnachweis der pädagogischen sowie therapeutischen Ansätze der Motopädie fehlt bislang. Somit sind entsprechende Behandlungen sowie Förderungen nicht verordnungsfähig.

5. Erfahren Sie hier mehr zur Motopädagogik

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