Autoritäre Erziehung: Definition und psychische Folgen

Vater schimpft mit kind
  • Der autoritäre Erziehungsstil zählt zu den bedeutendsten pädagogischen Erziehungsarten. Dabei sind Strenge, Disziplin, hohe Ansprüche und in seltenen Fällen auch Lob ein wesentlicher Bestandteil.
  • Eltern, die ihre Kinder autoritär erziehen, nutzen ein rigoroses Belohnungs- sowie Bestrafungssystem. In diesem sehr hierarchischen System erinnern Kinder an Untergebene, die mit Befehlen und Regeln erzogen werden.
  • Die Gefühle der Kinder und deren Ansichten sowie Bedürfnisse werden denen der Eltern untergeordnet. Nicht selten geht eine autoritäre Erziehung auch mit körperlicher Züchtigung der Kinder einher. Deshalb wird dieser Stil meistens als nicht besonders förderlich für die Entwicklung der Kleinsten unserer Gesellschaft angesehen.

Laut Definition ist der autoritäre Erziehungsstil geprägt von Strenge, hohen Ansprüchen und nur wenig Lob. Vor etwa 100 Jahren wurden fast alle Kinder autoritär erzogen. Heutzutage ist das zum Glück anders. Denn der autoritäre Erziehungsstil hat nicht nur positive Auswirkungen. Zu welchen negativen Folgen es durch die autoritäre Erziehung kommen kann, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

1. Die Methoden der autoritären Erziehung sind sehr umstritten

In den 60er Jahren kam es zum Umdenken in der Gesellschaft

Erst mit einer der Studentenbewegung in den 60er Jahren wurde die strenge autoritäre Erziehung in Deutschlands Schulen und Elternhäusern zunehmend infrage gestellt. Außerdem wurde die antiautoritäre Erziehung als Gegenentwurf propagiert.

Werden Kinder von ihren Eltern autoritär erzogen, müssen Sie sich oftmals hohen Ansprüchen stellen. Das gilt meistens für das Verhalten an sich, aber auch für Ordnung, Reinlichkeit und andere elterliche Vorgaben. Den Handlungsspielraum und die Bestimmungen innerhalb des autoritären Erziehungsstils geben ausschließlich die Eltern vor. Kinder müssen sich bedingungslos unterordnen.

Die Bestimmungen werden eher den Bedürfnissen und Vorstellungen der Eltern entsprechend angepasst, wobei die Kinder zurückgestellt werden. Wenn das Kind nicht in der Lage, den Regeln der Eltern nachzukommen oder sogar Ungehorsam zeigt, wird es im entsprechend gezüchtigt – teilweise auch körperlich. Mit Drohungen sowie durch Einschüchterung werden die Bestimmungen der Eltern durchgesetzt.

Die autoritäre Erziehungsart steht in engem Bezug zu den Vorstellungen der Erziehung aus bereits vergangenen Zeiten. Schauen Sie sich beispielsweise das alte Kaiserreich genauer an, dann wird deutlich, dass auch damals alles auf Gehorsam, Pflicht und Disziplin getrimmt wurde. Diese Tugenden waren die Eckpfeiler der Gesellschaft und mussten allem übergeordnet werden. Dementsprechend herrschte im öffentlichen Leben aber auch im Kreise der Familie ein autoritärer Umgangston.

Die Merkmale des autoritären Erziehungsstils sind folgende:

  • Die Eltern oder Erzieher bestimmen die Aktivitäten der Kinder.
  • Die Autoritätspersonen loben und tadeln.
  • Es wird mit Drohungen sowie Einschüchterungen gearbeitet.
  • Die Eltern geben Befehle.
  • Es wird freundlich aber recht unpersönlich mit den Kindern umgegangen.
  • Jegliche Verantwortung liegt nur bei den Eltern.

2. Die Nachteile einer autoritären Erziehung sollten Sie nicht unterschätzen

trauriges kind sitzt auf einer bank.

Der autoritäre Erziehungsstil kann im schlimmsten Fall zu psychischen Störungen bei Kindern führen.

Auch wenn Kinder durch den autoritären Erziehungsstil eine recht „besondere“ Art von Sicherheit genießen, sind nach heutigem Wissensstand kaum Vorteile bekannt. Das Kind weiß zwar ganz exakt, welche Grenzen es hat und was für Folgen sein Verhalten haben wird, aber dafür wäre eine freie Selbstentfaltung nur schwer möglich.

Der wohl größte Nachteil dieser Erziehungsmethode ist, dass das Kind emotional vernachlässigt wird. Das rührt auch daher, dass die Eltern zwar einen freundlichen aber doch recht unpersönlichen Umgang zu den Kindern pflegen. Durch die vielen verschiedenen Bestimmungen fällt es Kindern außerdem oft schwer, ein solides Selbstwertgefühl und eine gesunde Beziehung zu anderen aufzubauen.

Spontanität, Kreativität oder Individualität würden beim Kind nicht gefördert werden, da für alle möglichen Situationen im Leben Verhaltensregeln und Vorgaben festgelegt wurden. Im absoluten Extremfall kann sich bei streng autoritär erzogenen Kindern eine ernste psychische Erkrankung bilden — beispielsweise Zwangsstörungen, Paranoia oder Sadismus.

Eine weitere Problematik des autoritären Erziehungsstils ist, dass dieser bei Kindern oft eine Neigung zu aggressivem Verhalten hervorruft. Dabei handelt es sich jedoch keineswegs um bösartiges Verhalten, sondern eher um ein Gesuch nach Aufmerksamkeit.

Tipp: Auffällig ist auch das Sprachverhalten von autoritär erzogenen Kindern, welches oftmals durch einen starken Ich-Bezug geprägt ist. Aufgrund der nahezu „diktatorischen“ Vorgaben der Eltern und der klaren Handlungsmuster werden Kinder auch in Ihrer Selbständigkeit oftmals merklich gehemmt.

3. Die positiven Aspekte des autoritären Erziehungsstils sind recht überschaubar

Natürlich sind autoritäre Aspekte in der Erziehung Ihrer Kinder nötig. Schließlich muss Ihr Kind auch in seinem späteren Leben lernen, mit Autoritätspersonen umzugehen. Bis zu einem gewissen Punkt ist die autoritäre Erziehung also durchaus sinnvoll.

In einigen alltäglichen Situationen wird es bei der Erziehung Ihrer Kinder angemessen sein, sie auch zu tadeln oder zu bestrafen. Hinterfragen Sie aber stets, ob der Tadel oder die Bestrafung wirklich das Wohl des Kindes zum Ziel haben, oder ob auch Ihre eigenen Interessen eine Rolle spielen. Wenn Sie Ihr Kind tadeln, sollten Sie jedes Mal aufs Neue deutlich machen, dass Sie nicht die Persönlichkeit Ihres Kindes kritisieren, sondern lediglich sein Verhalten.

4. Ein Beispiel von autoritären Aspekten in der Erziehung

Vater schimpt mit Tochter in Pubertät

Auch im Alltag müssen Sie manchmal durchgreifen.

Ihre vierzehnjährige, pubertierende Tochter hat den Plan, mit ihren Freunden in die Disko zu gehen. Dabei ist es ihr natürlich völlig egal, was Sie dazu zu sagen haben. Selbstverständlich werden Sie zunächst versuchen, mit dem Kind zu reden und es zur Einsicht zu bringen, beispielsweise mit dem Argument, dass es schon aufgrund von gesetzlichen Bestimmungen nicht möglich ist. Wenn Ihre Tochter es dennoch nicht einsieht, werden Sie sie trotzdem nicht gehen lassen, oder?

Vermutlich nicht. Sie werden es ihr eher verbieten und ihr eine Strafe aufbrummen, weil sie Ihre Regeln nicht akzeptieren möchte. Wenn Sie sich so verhalten, handeln Sie nach dem autoritären Erziehungsstil.

Dadurch schützen Sie nicht nur Ihre Kinder, sondern auch sich selbst vor rechtlichen Konsequenzen. Dementsprechend spielen autoritäre Aspekte in der Erziehung von Kindern auch heute noch eine Rolle. Diese sollten in Ihrer Erziehung jedoch nicht überhand nehmen. Versuchen Sie, diese gezielt und bewusst zum Wohl Ihres Kindes zu nutzen.

Bedenklich wird es erst dann, wenn Sie Autorität als Machtinstrument benutzen und es lediglich darum geht, Vorteile für sich selbst zu erhaschen. Autoritäre Eltern legen auch oft in anderen Lebensbereichen ein autoritäres Verhalten an den Tag. Autorität hat stets auch etwas mit Verantwortung zu tun. Als Eltern sollten Sie sich immer fragen, ob der Gebrauch Ihrer Autorität in einer bestimmten Situation tatsächlich angemessen ist.

5. Der ursprüngliche autoritäre Erziehungsstil ist heutzutage nicht mehr zeitgemäß

familie mit zwei kindern in der natur.

Wenn Sie versuchen, einen Mittelweg aus strenger und liebevoller Erziehung zu finden, stehen die Chancen für ein harmonisches Familienleben sehr gut.

Heutzutage wird die autoritäre Erziehung wesentlich seltener und meistens nur in einer merklich sanfterer Form genutzt. Dies ist dem Einfluss antiautoritärer sowie gemäßigter Ansichten zu verdanken, die in der Kindererziehung mittlerweile vorherrschen.

Die Formen des autoritären Erziehungsstils sind in der extremsten Form der autokratische- und abgeschwächt der autoritative Erziehungsstil.

Per Definition werden beim autoritativen Stil zwar immer noch klare Regeln aufgestellt, diese sind jedoch deutlich mehr auf das Wohl des Kindes bedacht. Entscheidend für diesen Erziehungsstil sind nach wie vor die hohen Erwartungen an die Kinder, mit eindeutigen Regeln, die es zu befolgen gilt. Ein Unterscheidungsmerkmal ist die offene Kommunikation, bei der die Wünsche und Meinungen des Nachwuchses respektiert werden. Die Kinder genießen dadurch ein hohes Maß an Sicherheit. Außerdem fällt es Ihnen leichter, sich intellektuelle und soziale Kompetenzen anzueignen.

6. Die Auswirkungen des autoritären Erziehungsstils sind nicht vorhersehbar

Eine autoritäre Erziehung kann sich zwar in vielerlei Hinsicht negativ auf Ihr Kind auswirken, wie die Folgen wirklich ausfallen, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab. Dazu gehören beispielsweise die tatsächliche Strenge Ihrer Erziehung oder die Sensibilität Ihres Kindes. Manche Kinder sind eben sensibler und reagieren auch entsprechend stärker auf einen autoritären Erziehungsstil.

Die Auswirkungen des autoritären Erziehungsstils sind sehr vielfältig. Zusammengefasst kann es zu folgenden Schwierigkeiten kommen:

  • Kinder können ihre Kreativität kaum ausleben.
  • Kinder werden eventuell schneller aggressiv.
  • Der Nachwuchs bleibt unterwürfig und hat ein mangelhaftes Selbstbewusstsein.
  • Die Entscheidungskraft der Kinder kann sich nicht entwickeln.
  • Die Gefühlsentwicklung ist beeinträchtigt.

Weitere Informationen zu den Folgen des autoritären Erziehungsstils finden Sie hier.

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