Die demokratische Schule: Konzept und Kritik des alternativen Unterrichts

bunte kinderhaende in der luft
Seit wann gibt es demokratische Schulen?

Die erste demokratische Schule gründete Alexander Sutherland Neill 1921 in England. Heutige Konzepte orientieren sich jedoch zumeist an der 1968 gegründeten Sudbury-Valley-School in Massachusetts.

Was ist das Besondere an einer demokratischen Schule?

Eine demokratische Schule ist eine Alternative zur normalen Regelschule. Da es keinen einheitlichen Lehrplan gibt, können Schüler ihren Tag selbst planen und ihre Projekte frei wählen. Über alle wichtigen Angelegenheiten stimmen sie in einer wöchentlichen Schulversammlung ab.

Gibt es auch Kritik an diesem Konzept?

Gegner dieses Konzepts kritisieren, dass die Kinder durch den Besuch einer solchen freien Schule nicht auf die Arbeit in der freien Wirtschaft vorbereitet werden. Hinzu kommt, dass es an diesen Schulen nicht möglich ist, einen Abschluss zu erwerben.

Selbst bestimmen zu können, was man wie lernen möchte, klingt für viele Schüler zunächst einmal nach einer utopischen Vorstellung. Doch genau nach diesem Konzept findet der Schulunterricht an demokratischen Schulen statt. Aber funktioniert diese alternative Schulform?

In diesem Artikel erfahren Sie, wann die erste demokratische Schule gegründet wurde und wie das Lernen und der Unterricht in diesen Einrichtungen funktioniert. Zusätzlich bekommen Sie einen Überblick über die wichtigsten Vor- und Nachteile einer demokratischen Schule.

1. Die erste demokratische Schule gründete der schottische Pädagoge Alexander Sutherland Neill

flagge grossbritanniens

Die erste demokratische Schule wurde 1921 in England gegründet.

Die Geschichte der demokratischen Schulen reicht bis in die Anfangsjahre des 20. Jahrhunderts zurück. Nachdem dem schottischen Pädagogen Alexander Sutherland Neill die Gründung einer demokratischen Schule in Deutschland aufgrund wirtschaftlicher Umstände misslungen war, gründete er 1921 eine demokratische Schule in England.

In dieser Summerhill-Schule werden noch heute etwa 75 Kinder nach den demokratischen Prinzipien unterrichtet. Heutige demokratische Schulen orientieren sich jedoch an der 1968 gegründeten Sudbury Valley School in Massachusetts, USA. Mittlerweile gibt es rund 40 Sudbury-Schulen, die sich hauptsächlich in den USA befinden.

Weltweit gibt es über 200 demokratische Schulen; die meisten davon in den USA, in Frankreich und in Israel. Aber auch in Deutschland gibt es mittlerweile 19 Schulen, in denen Kinder nach diesem pädagogischen Konzept „unterrichtet“ werden.

Die demokratischen Schulen zählen zu den Freien Alternativschulen. Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Gegensatz zur staatlichen Regelschule ein alternatives Konzept haben, bei dem das selbstbestimmte Lernen im Vordergrund steht. Hier finden Sie eine Liste von Schulen, die dem Bundesverband der Freien Alternativschulen e.V. angehören.

Die Kosten für eine demokratische Schule trägt zu einem großen Teil das Land. Hinzu kommen Beiträge von Eltern und Förderern.

 

2. In einer demokratischen Schule entscheiden Schüler selbst, was sie lernen möchten

schueler programmieren einen roboter

Alle Schüler können ihre Projekte frei wählen.

Bildung ist eines der höchsten Güter, die wir in Deutschland besitzen. Der normale Unterricht findet in Regelschulen statt, in denen der Unterricht einem festgesetzten Lehrplan unterliegt. Die Länge und Intensität jeder Einheit ist dabei genau festgelegt. Das bedeutet, dass Schüler keinen Einfluss auf die Themenbereiche haben.

Wir leben jedoch in einem demokratischen Land, in dem die Menschen die Politik mitbestimmen können. Warum sollte dieses Prinzips also nicht gleich in Schulen gelehrt werden? Schließlich brauchen wir in unserer Gemeinschaft Menschen, die selbstbestimmt und verantwortungsvoll handeln.

Eine demokratische Schule muss folgende Kriterien erfüllen:

  • Es gibt keinen, für alle Schüler verbindlichen, Lehrplan.
  • Alle schulinternen Angelegenheiten werden basisdemokratisch geregelt, sodass jeder Schüler eine Stimme hat.
  • Jeder Schüler darf sich frei bewegen und nach eigenen Interessen entfalten. Dabei dürfen sie jedoch gegen keine der beschlossenen Regeln verstoßen.
schueler in einer versammlung

In einer wöchentlichen Versammlung stimmen die Schüler demokratisch über wichtige Angelegenheiten ab.

In demokratischen Schulen liegt der Fokus auf selbstbestimmtem Lernen. Statt einem festgelegten Lehrplan gibt es Projekte, an denen die Schüler teilnehmen oder die sie selbst leiten können. In den meisten Fällen bieten Lehrer oder Erwachsene Kurse und Projekte in verschiedenen Themenbereichen an, die die Schüler besuchen können, aber nicht müssen.

Jeder Schüler bestimmt selbst, was er lernen möchte. Das Schulgebäude ist dabei in verschiedene Tätigkeitsbereiche unterteilt. Oftmals gibt es außerdem flexible Ankommens- und Schlusszeiten. Sie können ihren individuellen Interessen nachgehen, müssen dabei jedoch auch immer Rücksicht aufeinander nehmen.

In einer wöchentlich stattfindenden Versammlung werden wichtige Angelegenheiten besprochen. Alle Schüler entscheiden demokratisch über die Schulordnung, Verhaltensregeln, die Budgetplanung und bestehende Probleme. Verstößt ein Schüler gegen die Regeln, entscheidet das Schülergericht darüber, wie weiter verfahren wird.

Zu den wichtigsten Zielen zählt es, die Kinder und Jugendlichen dazu zu befähigen, aufgeschlossen, solidarisch und selbstverantwortlich zu handeln.

3. Demokratische Schulen sind häufig nicht als Schule zugelassen

Auch wenn viele Familien bereits positive Erfahrungen mit dieser alternativen Schulform gemacht haben, gibt es auch einige Menschen, die Kritik an diesem Modell ausüben. Diese Kritiker sind beispielsweise der Meinung, dass viele Kinder mit dieser Freiheit nicht umgehen können. Dadurch sei es möglich, dass Schüler manche Themengebiete und Fächer völlig außer Acht lassen.

Da freie Schulen häufig nur geduldet werden, aber nicht staatlich anerkannt sind, ist es nicht möglich, dort einen Schulabschluss zu erwerben. Um diesen zu bekommen, müssen die Schüler externe Prüfungen an anderen Schulen ablegen.

Verfechter der demokratischen Schulen argumentieren jedoch, dass Kinder von Natur aus neugierig sind und daher eine eigene Motivation haben, neue Dinge zu lernen. In einer Regelschule ist die Grundlage jedoch Druck und Zwang, was sich sehr negativ auf das Lernen und die Motivation der Kinder ausübt.

Im Folgenden bekommen Sie einen kleinen Überblick über die wichtigsten Vor- und Nachteile einer demokratischen Schule.

  • Kinder können ohne Druck und Zwang eigenständig und selbstbestimmt lernen.
  • Durch die Freiheit ist es möglich, eigene Interessen und Präferenzen zu entdecken.
  • Kinder werden befähigt, aufgeschlossen, solidarisch und selbstverantwortlich zu handeln.
  • Es besteht die Gefahr, dass die Schüler manche Themengebiete und Fächer völlig außer Acht lassen.
  • Schulen bieten keine Gelegenheit, einen Schulabschluss zu erwerben.
  • Kinder werden nicht hinreichend auf die Arbeit in der freien Wirtschaft vorbereitet.

Weitere pädagogische Konzepte stellen wir Ihnen hier vor. 

4. Weiterführende Literatur zur demokratischen Schule

Die Sudbury Valley School: Eine neue Sicht auf das Lernen
  • Martin Wilke, The Sudbury Valley School Press
  • Herausgeber: tologo Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.08.2005)
  • Taschenbuch: 217 Seiten
Endlich frei!: Leben und Lernen an der Sudbury-Valley-Schule (Mit Kindern wachsen)
  • Daniel Greenberg
  • Herausgeber: Arbor
  • Taschenbuch: 173 Seiten
Werden? Ich bin doch schon!: Neue Schule Hamburg
  • Philipp Palm, Nena Kerner, Sarah Alexi, Lilly Bekesch, Janina Bergerhoff, Simon Berthold, Corvin Busch, Jonathan Erl, Niels Gandraß, Peter Gray, Birgit Heidenreich, Charlotte Heidenreich, Shari Hesse, Sylvia Hesse, Gerald Hüther, Carola Keller, Anja Kern, Samuel Kerner, Markus Kröger, Greta Lummitsch, Luka Mahlau, Nick Meier, Vio Petram, Anne Romero-Früh, Mimsy Sadofsky, Christopher Wagner
  • Herausgeber: NullPunkt&Komma Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.11.2017)
  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten

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