Das nach dem Institut für angewandte Sozialisationsforschung benannte Konzept soll nachhaltiges Lernen in der Kita fördern.
Es sollen die Ziele von übergeordneten Instanzen (z.B. Erzieher, Eltern, Gesellschaft) mit den Interessen eines Kindes in Einklang gebracht werden.
Die Zusammenfassung aller wichtigen Informationen über ein Kind erfolgt in einem Portfolio. Aufgrund der Offenheit soll das Portfolio des Kindes auch Eltern zur Verfügung stehen.
Das infans-Konzept ist ein in Deutschland entwickelter frühpädagogischer Ansatz für Kita und Krippe, der auf systematischer Beobachtung, individueller Portfolio-Dokumentation und der Verbindung von individuellen Bildungsthemen der Kinder mit übergreifenden Erziehungszielen basiert. Es wurde Anfang der 2000er Jahre vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung (infans) unter der Leitung von Hans-Joachim Laewen entwickelt.
Die frühkindliche Pädagogik ist in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Politik gerückt. Der Beginn der Bildung wird nicht mehr länger erst bei der Einschulung bedeutsam. Somit ändert sich die Aufgabe von Erziehern und erweitert sich im Hinblick auf Bildungsbausteine.
Das infans-Konzept setzt an dieser Stelle an und dient Erziehern im Kindergarten als Hilfsmittel, um Kindern verschiedene Themen näher zu bringen und die Arbeit zu erleichtern. Dabei spielt vor allem die intensive Beobachtung von Kindern eine entscheidende Rolle.

Das nach dem Institut für angewandte Sozialisationsforschung benannte Konzept soll nachhaltiges Lernen fördern.
Dies gelingt nach Ansicht der Verfasser des Konzepts am besten dadurch, dass nicht jeder Erzieher für sich arbeitet, sondern gemeinsam an einem tieferen Verständnis gearbeitet wird.
Ziel ist es, das Interesse der Kinder für einzelne Bereiche zu nutzen, um wichtige Lernziele so auf spielerische Art besser erreichen zu können. So ist es beispielsweise notwendig, einen Stift halten zu können, um auf die Schule vorbereitet zu sein.
Interessiert sich ein Kind allerdings nicht für Stifte, muss ein Weg gefunden werden, um das Interesse am Malen und Zeichnen zu wecken. Dies funktioniert oftmals über kleine Umwege, sodass Kinder über bereits bestehende Interessen zu neuen finden.
Generell lässt das infans-Konzept Kindern relativ viele Freiheiten, um sich selbst auszuprobieren. Zur Verfügung stehen beispielsweise sehr unterschiedlich ausgestaltete Räume, die sich bestimmten Schwerpunkten widmen.
In der Kita und im Kindergarten soll ein Beobachtungsbogen Erziehern dabei helfen, die jeweiligen Ziele festzuhalten und zu dokumentieren, ob und inwieweit ein Kind sich in bestimmten Bereichen weiterentwickelt.
Im Anschluss können die jeweiligen Möglichkeiten für eine gezielte Hilfestellung im Team analysiert werden. Zudem besteht aufgrund der sehr ausgefeilten Beobachtungsbögen eine gute Möglichkeit, Eltern die Anwendung der Pädagogik besser vermitteln zu können.
Zusammenfassung: Das infans-Konzept setzt an den bestehenden Interessen eines Kindes an, um festzustellen, wie und auf welche Art sich festgelegte Ziele erreichen lassen.
Das Konzept der Frühpädagogik macht es sich, wie viele andere Methoden, zur Aufgabe, Kindern einen möglichst guten Start ins Leben zu ermöglichen.

Die jeweiligen Interessen von Kindern sowie allgemeine Erziehungsziele können jedoch durchaus unterschiedlich ausgeprägt sein. Aus dem Grund setzt das infans-Konzept darauf, die Ziele übergeordneter Instanzen, wie
mit den Interessen eines Kindes in Einklang zu bringen. Dies erfordert eine genaue Beobachtung sowie eine detaillierte Abstimmung mit Kollegen.
Im Kern stellt sich also immer wieder folgende Frage:
Gibt es Möglichkeiten, gewünschte Erziehungsziele mit den Interessen eines Kindes in Verbindung zu bringen?
Auf diese Art und Weise sollen Kinder stets mit Spaß lernen und dennoch gewisse, allgemein anerkannte und wünschenswerte Ziele erreichen.
Achtung: Die Durchführung des infans-Konzepts beansprucht viel Zeit und eine genaue Abstimmung im Team. Es eignet sich daher vor allem für Einrichtungen, in denen der Personalschlüssel gut ist.
Ein Interview zur Umsetzung des infans-Konzepts in der Praxis sehen Sie in diesem YouTube-Video:
Die Umsetzung des infans-Konzepts folgt einem strukturierten Vorgehen, das im Team koordiniert wird. Fünf Schritte bilden den Kern der praktischen Arbeit.
Dieser Zyklus wiederholt sich kontinuierlich und ermöglicht eine fortlaufende Anpassung der pädagogischen Arbeit an die Entwicklung des Kindes.
Lina, vier Jahre alt, beschäftigt sich seit Wochen ausschließlich mit Bauklötzen. Sie türmt sie, sortiert sie nach Farben, baut Mauern. Schreib- und Malangebote ignoriert sie konsequent. Das Erzieherinnen-Team formuliert auf Basis der Beobachtungen folgendes Bildungsziel: feinmotorische und grafomotorische Entwicklung anregen.
Statt Lina zum Malen zu drängen, integriert die Bezugserzieherin Stifte und Papier in Linas Bauspiel: Pläne für die Bauwerke zeichnen, Verkaufsschilder für die gebauten Häuser schreiben, mit dem Stift die Türme ausmessen. Innerhalb von sechs Wochen greift Lina von selbst zum Stift — der grafomotorische Einstieg ist über ihr bestehendes Interesse gelungen.
Das infans-Konzept teilt mit anderen modernen frühpädagogischen Ansätzen den Fokus auf das Kind als aktiven Lerner. Die Methoden zur Umsetzung unterscheiden sich jedoch deutlich. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede.
| Konzept | Ausgangspunkt | Rolle der Erzieher | Dokumentation |
|---|---|---|---|
| infans | Themen und Interessen des Kindes, abgeglichen mit Erziehungszielen | Systematische Beobachterin, Impulsgeberin, Begleiterin | Individuelles Portfolio mit Beobachtungsbögen |
| Montessori | Vorbereitete Umgebung, sensible Phasen des Kindes | Stille Beobachterin, gibt Materialien zur freien Wahl | Individuelle Lerntagebücher, oft weniger formalisiert |
| Reggio Emilia | Hundert Sprachen des Kindes, ästhetische Wahrnehmung | Forscherin gemeinsam mit dem Kind, Co-Konstrukteurin | Sprechende Wände, Projektdokumentation, Fotos |
| Situationsansatz | Lebenssituationen der Kinder, Schlüsselsituationen | Mitgestalterin von Lebenssituationen | Situationsanalysen, Projektberichte |
| Waldorf | Rhythmus, Nachahmung, anthroposophisches Menschenbild | Vorbild durch eigenes Tun, Schaffen von Atmosphäre | Selten formalisiert, keine systematische Dokumentation |
| Offene Arbeit | Selbstbestimmung des Kindes in Funktionsräumen | Raumgestalterin, Begleiterin auf Augenhöhe | Lerngeschichten, Bildungsdokumentation |
Die Zusammenfassung aller wichtigen Informationen über ein Kind erfolgt in einem durch die Erzieherin bzw. den Erzieher erstellten Portfolio. Aufgrund der Offenheit soll das Portfolio des Kindes auch Eltern zur Verfügung stehen, um eine Erklärung für eine bestimmte Herangehensweise nachvollziehen zu können.

Das Portfolio enthält folgende Bestandteile:
Dabei dient das Portfolio
In der folgenden Tabelle finden Sie die wichtigsten Vorteile, aber auch Kritikpunkte am infans-Konzept gegenübergestellt, um sich ein ausgewogenes Bild zu machen.
| Vorteile | Nachteile / Kritik |
|---|---|
| Individuelle Förderung jedes Kindes nach systematischer Planung | Sehr zeitaufwendig in der Praxis, hoher Dokumentationsaufwand |
| Verschiedene, anspruchsvoll gestaltete Funktionsräume mit Schwerpunkten | Erfordert grundlegende Umstellung im Kita-Alltag und Raumgestaltung |
| Kinder lernen mit Spaß über bestehende Interessen | Funktioniert nur mit Team, das gemeinsame Ziele verfolgt — enge Abstimmung notwendig |
| Übergeordnete Bildungsziele und kindliche Themen werden verbunden | Orientierung an bekannten Interessen kann neue Themen ausblenden |
| Transparente Dokumentation stärkt Vertrauen der Eltern | Setzt einen guten Personalschlüssel voraus, oft nicht erfüllt |
| Stetige Anpassung der pädagogischen Methoden möglich | Fortbildungsbedarf für Team in Beobachtungstechniken und Portfolio-Arbeit |
Zur Website des Instituts für angewandte Sozialisationsforschung gelangen Sie über diesen Link.
Wer das infans-Konzept vertiefen möchte, findet die ausführlichste Darstellung im Werkstattbuch der Begründer Hans-Joachim Laewen und Beate Andres. Es ist das offizielle Standardwerk und wird in vielen Erzieher-Ausbildungen genutzt.
Autoren: Hans-Joachim Laewen, Beate Andres | Verlag: Verlag das Netz | Umfang: ca. 350 Seiten
Das Buch beschreibt umfassend die theoretischen Grundlagen und die praktische Umsetzung des Konzepts in Kita und Krippe. Mit zahlreichen Beobachtungsbögen, Beispielen aus der Praxis und Reflexionsfragen für Teams. Besonders wertvoll für Einrichtungen, die das Konzept neu einführen wollen.
Bildnachweise: New Africa/Adobe Stock, PhotoSG/Adobe Stock, Oksana Kuzmina/Adobe Stock, zwiebackesser/Adobe Stock (nach Reihenfolge im Beitrag sortiert)