infans-Konzept der Frühpädagogik: Das steckt hinter der beobachtenden Pädagogik

kinder lächelnd in der kita
  • Das infans-Konzept setzt auf klare Strukturen, lässt Kindern dabei jedoch jede Menge Freiheiten.
  • Ein großer Teil der Aufgabe von Erziehern, die sich am infans-Konzept orientieren, besteht in der gezielten Beobachtung sowie Dokumentation.
  • Die Raumgestaltung ist nach Themenschwerpunkten ausgerichtet. So haben Kinder Gelegenheit, sich entsprechend ihrer Interessen zu orientieren.

Die frühkindliche Pädagogik ist in den letzten Jahren zunehmend in das Interesse der Politik gerückt. Der Beginn der Bildung wird nicht mehr länger erst bei der Einschulung bedeutsam. Somit ändert sich die Aufgabe von Erziehern und erweitert sich im Hinblick auf Bildungsbausteine.

Das infans-Konzept setzt an dieser Stelle an und dient Erziehern im Kindergarten als Hilfsmittel, um Kindern verschiedene Themen näher zu bringen und die Arbeit zu erleichtern.
Dabei spielt vor allem die intensive Beobachtung von Kindern eine entscheidende Rolle.

1. Das infans-Konzept – Beobachten und Dokumentieren, um zu lernen

Buchstaben und Zahlen als Puzzle

Die Materialien unterscheiden sich von Raum zu Raum.

Das nach dem Institut für angewandte Sozialisationsforschung benannte Konzept soll nachhaltiges Lernen fördern.
Dies gelingt nach Ansicht der Verfasser des Konzepts am besten dadurch, dass nicht jeder Erzieher für sich arbeitet, sondern gemeinsam an einem tieferen Verständnis gearbeitet wird.

Ziel ist es, das Interesse der Kinder für einzelne Bereiche zu nutzen, um wichtige Lernziele so auf spielerische Art besser erreichen zu können. So ist es beispielsweise notwendig, einen Stift halten zu können, um auf die Schule vorbereitet zu sein.

Interessiert sich ein Kind allerdings nicht für Stifte, muss ein Weg gefunden werden, um das Interesse am Malen und Zeichnen zu wecken. Dies funktioniert oftmals über kleine Umwege, sodass Kinder über bereits bestehende Interessen zu neuen finden.

Generell lässt das infans-Konzept Kindern relativ viele Freiheiten, um sich selbst auszuprobieren. Zur Verfügung stehen beispielsweise sehr unterschiedlich ausgestaltete Räume, die sich bestimmten Schwerpunkten widmen.

In der Kita und im Kindergarten soll ein Beobachtungsbogen Erziehern dabei helfen, die jeweiligen Ziele festzuhalten und zu dokumentieren, ob und inwieweit ein Kind sich in bestimmten Bereichen weiterentwickelt.
Im Anschluss können die jeweiligen Möglichkeiten für eine gezielte Hilfestellung im Team analysiert werden. Zudem besteht aufgrund der sehr ausgefeilten Beobachtungsbögen eine gute Möglichkeit, Eltern die Anwendung der Pädagogik besser vermitteln zu können.

Zusammenfassung: Das infans-Konzept setzt an den bestehenden Interessen eines Kindes an, um festzustellen, wie und auf welche Art sich festgelegte Ziele erreichen lassen.

2. Ziele des infans-Konzepts

Das Konzept der Frühpädagogik macht es sich, wie viele andere Methoden, zur Aufgabe, Kindern einen möglichst guten Start ins Leben zu ermöglichen.

drei Frauen sitzen mit Kindern auf dem Boden

Nicht immer ist es leicht, unterschiedliche Ziele miteinander in Einklang zu bringen.

Die jeweiligen Interessen von Kindern sowie allgemeine Erziehungsziele können jedoch durchaus unterschiedlich ausgeprägt sein. Aus dem Grund setzt das infans-Konzept darauf, die Ziele übergeordneter Instanzen, wie

  • Erziehern,
  • Eltern,
  • dem jeweiligen Träger
  • sowie der Politik bzw. der Gesellschaft im Allgemeinen

mit den Interessen eines Kindes in Einklang zu bringen. Dies erfordert eine genaue Beobachtung sowie eine detaillierte Abstimmung mit Kollegen.

Im Kern stellt sich also immer wieder folgende Frage:
Gibt es Möglichkeiten, gewünschte Erziehungsziele mit den Interessen eines Kindes in Verbindung zu bringen?

Auf diese Art und Weise sollen Kinder stets mit Spaß lernen und dennoch gewisse, allgemein anerkannte und wünschenswerte Ziele erreichen.

Achtung: Die Durchführung des infans-Konzepts beansprucht viel Zeit und eine genaue Abstimmung im Team. Es eignet sich daher vor allem für Einrichtungen, in denen der Personalschlüssel gut ist.

Ein Interview zur Umsetzung des infans-Konzepts in der Praxis sehen Sie in diesem YouTube-Video:

3. Das Portfolio als Basis der Pädagogik

Die Zusammenfassung aller wichtigen Informationen über ein Kind erfolgt in einem durch die Erzieherin bzw. den Erzieher erstellten Portfolio.
Aufgrund der Offenheit soll das Portfolio des Kindes auch Eltern zur Verfügung stehen, um eine Erklärung für eine bestimmte Herangehensweise nachvollziehen zu können.

Kind malt mit den Händen

Auch erste Kunstwerke gehören in ein gut geführtes Portfolio.

Das Portfolio enthält folgende Bestandteile:

  • eine Übersicht der angestrebten Erziehungsziele
  • die jeweils angewandten Instrumente, um einem Ziel näherzukommen
  • Beobachtungsbögen sowie Dokumentationen des Verhaltens von Kindern in konkreten Situationen
  • Arbeiten, Zeichnungen und Bilder des jeweiligen Kindes

Dabei dient das Portfolio

  • Erziehern als Anhaltspunkt und Ausgangspunkt ihrer täglichen Arbeit
  • Eltern als Möglichkeit, einen Einblick in die pädagogische Arbeit im Kindergarten zu gewinnen
  • Kindern dazu, sich gemeinsam mit Erziehern über ihre Interessen zu unterhalten
  • der Einrichtung, um Außenstehenden die jeweiligen Schritte verständlich zu machen

4. Vor- und Nachteile des infans-Konzepts im Überblick

In der folgenden Tabelle finden Sie die wichtigsten Vorteile, aber auch Kritik, um sich ein erstes einfaches Bild über das infans-Konzepts machen zu können:

  • individuelle Module für jedes einzelne Kind, systematische Planung
  • verschiedene, anspruchsvoll gestaltete Räume für unterschiedliche Schwerpunkte
  • Kinder lernen mit Spaß und werden interessengerecht gefördert
  • übergeordnete Ziele und aktuelle Wünsche des Kindes werden in Einklang gebracht
  • stetige Interaktion und Anpassung der jeweiligen Ziele bzw. der Herangehensweise
  • sehr zeitaufwendig in der Praxis
  • erfordert eine grundlegende Umstellung im Kindergarten bzw. der Kita
  • funktioniert nur mit Kollegen, die ähnliche Ziele verfolgen (enge Zusammenarbeit)
  • Orientierung an den Interessen kann noch nicht bekannte Themen im Vorhinein ausschließen

Möchten Sie das Dokument von Hans-Joachim Laewen Grenzsteine der Entwicklung als Grundlage eines Frühwarnsystems für Risikolagen in Kindertageseinrichtungen im Detail nachlesen, um zu sehen, ob Kritik oder Lob angebracht sind, haben Sie hier Gelegenheit dazu.

Zur Website des Instituts für angewandte Sozialisationsforschung gelangen Sie über diesen Link.

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