Situationsansatz: Kindererziehung unterschiedlicher Herkunft

Situationsansatz-Ratgeber
  • Das Lernen erfolgt beim Situationsansatz anhand von Schlüsselsituationen.
  • Den Bedürfnissen von Kindern kommt bei diesem Konzept eine hohe Bedeutung zu.
  • Das Ziel des Ansatzes besteht in der Förderung der Selbstständigkeit.

Im Bereich der Pädagogik existieren zahlreiche unterschiedliche Konzepte, die ein unterschiedliches Bild vom Kind malen. Stets variiert die Rolle der Erzieherin.

In unserem Ratgeber zum Thema Situationsansatz gehen wir auf die Entstehung ein und erklären die Grundsätze, die in vielen Kitas angewendet werden.

1. Die Bedürfnisse der Kinder bestimmen den Tagesablauf

Materialien zum Situationsansatz bei Kindern

Kinder werden zur Selbstständigkeit erzogen.

Jürgen Zimmer gilt als Begründer des pädagogischen Konzepts des Situationsansatzes. Die Entstehungsgeschichte geht auf die frühen 1970er Jahre zurück. In dieser Zeit erkannten viele Eltern, dass es nicht genug war, Kinder im Kindergarten nur ihre Zeit absitzen zu lassen. Vielmehr sollte bereits in den ersten Jahren eine intensive Förderung stattfinden.

Im Gegensatz zur autoritären Erziehung, bei der die sture Vermittlung von Wissen im Vordergrund stand, zeichnet sich der Situationsansatz dadurch aus, dass die Individualität jedes einzelnen Kindes im Vordergrund steht.
Die Ziele dieser Art der Pädagogik liegen vielmehr darin, Kinder zu selbstständigen Handeln zu erziehen. Gleichzeitig spielt vor allem der Gedanke der gegenseitigen Rücksichtnahme auf die Wünsche und Bedürfnisse der Umgebung eine große Rolle.

Nach der tragischen Geschichte des Zweiten Weltkriegs, die vielen Erwachsenen zu Beginn der 1970er Jahre noch sehr gut im Gedächtnis war, beschreibt Jürgen Zimmermann den Situationsansatz selbst als Einladung, sich auf das Leben einzulassen.

Im Wesentlichen orientiert sich der Situationsansatz daher an den Wünschen der Kinder. Diese werden aktiv in die Planung des Tages einbezogen, sodass sie das lernen können, was sie derzeit interessiert.
Die Aufgaben eines Erziehers können daher sehr stark variieren, da ständig neue Ideen aufkommen.

Im Kern zielt das Konzept auf die drei Bereiche

  • der Autonomie,
  • der Solidarität,
  • sowie der Kompetenz

ab. Den Pädagogen obliegt dabei die anspruchsvolle Aufgabe, immer wieder abwechslungsreiche Lebenssituationen zu schaffen, in denen die Kinder sich selbst entfalten können.

2. Beispiele der Umsetzung des Situationsansatzes in der Praxis

Situationsansatz und situationsorientierter Ansatz:

Beide Konzepte ähneln sich sehr stark, wobei im situationsorientierten Ansatz mehr Wert auf die Bewältigung der Vergangenheit gelegt wird.
Nähere Infos über die Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden Sie auf der Website des Instituts für den Situationsansatz.

Da sich die Arbeit in der Kita sehr stark an den derzeitigen Bedürfnissen der Kinder orientiert, gibt es keine festen Wochenpläne oder geplante Unterrichtsreihen.
Vielmehr verstehen die Verfechter des Situationsansatzes ihre Aufgabe darin, die Kinder beim Lernen zu unterstützen.

Beginnt der Frühling, das Gras wächst und die Bäume werden plötzlich wieder grün, bietet sich eine Unterrichtseinheit über das Erwachen der Natur an. So werden beispielsweise Pflanzen selbst gezüchtet oder aber in ihrer Entwicklung beobachtet, um die Veränderung festzustellen.

Erweckt eine Schnecke die Aufmerksamkeit eines Kindes, liegt es an der Erzieherin, diesen Moment zu nutzen, um das Interesse zu fördern. In einer Gruppe lässt sich beispielsweise erörtern, was die Kinder bereits über die Schnecke wissen. Welche Bereiche sind darüber hinaus noch von Interesse? Was fressen Schnecken? Hat eine Schnecke Feinde? Wann sind Schnecken hauptsächlich zu sehen? Warum haben manche Schnecken ein Haus und andere nicht?
Aus alltäglichen Situationen lässt sich so schnell ein Projekt gestalten.

Ist das Interesse hingegen nicht so stark, wie erhofft, so gebieten es die Grundsätze des Situationsansatzes, stets flexibel zu reagieren und auf neue Ideen der Kinder einzugehen.

Im Rahmen der täglichen Arbeit spielen vor allem die Erfahrungen in den Familien eine entscheidende Rolle. Mit einer detaillierten Analyse versuchen die Erzieher, neue Schlüsselsituationen zu schaffen. Diese sollen den Kindern dabei helfen, schwierigen und komplexen Herausforderungen besser zu begegnen.

3. Der Situationsansatz findet vielfach Anwendung

Definition des Situationsansatzes einfach erklärt

Aus vielen zufälligen Entdeckungen lässt sich ein Projekt machen.

Die meisten Kindergärten, Kitas oder Krippen wenden zumindest zum Teil den Situationsansatz an. Kinder sind dazu angehalten, aktiv am Leben teilzunehmen und ihren Tagesablauf selbst zu gestalten.
Zu der Qualität der heutigen Kindertageseinrichtungen zählt es, dass die Wünsche der Kinder Beachtung finden und nicht stur ein Programm durchgezogen wird, welches an den Bedürfnissen der Kinder vorbeigeht.

So ist es möglich, dass ältere Kinder jüngeren Kindern Tipps geben und die etwas größeren Kindergartenkinder als Vorbilder fungieren.
Die Erzieher und Erzieherinnen unterstützen die Kinder dabei stets auf ihrem Weg zur Selbstständigkeit.

Auch Kinder mit Behinderungen sollen nicht ausgegrenzt werden, sondern einen Platz in der Gemeinschaft bekommen.
Kritik an dem Konzept des Situationsansatzes erfolgt meist daran, dass lediglich einzelne Projekte im Vordergrund stehen. Die kontinuierliche Sprachentwicklung fände zum Teil zu wenig Beachtung.
Dieser Aspekt ist allerdings weniger einem fehlerhaften Konzept als vielmehr einem Fachkräftemangel im Kindergarten geschuldet.

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