Schlüsselkinder: Wenn das Kind allein Zuhause ist

Schlüsselkinder
  • Schlüsselkinder verbringen einen Teil ihrer Zeit ohne Betreuung.
  • Im Schnitt können Kinder ab 8 Jahren für einige Stunden allein bleiben. Eltern sollten jedoch stets die individuelle Entwicklung ihres Kindes berücksichtigen.
  • Das Alleinsein birgt Chancen und Risiken. Eine pauschale Befürwortung ist daher genauso deplatziert, wie die generelle Kritik daran, Kinder unbeaufsichtigt zu lassen.

Nicht jedes Kind, welches aus der Schule nach Hause kommt, wird bereits mit offenen Armen erwartet. Schlüsselkinder sind bereits früher auf sich selbst gestellt und müssen einen Teil ihrer Zeit allein verbringen.

Aber ab wann ist es eigentlich in Ordnung, ein Kind allein Zuhause zu lassen? Gibt es Probleme im Hinblick auf die psychische Entwicklung?

In unserem Artikel widmen wir uns dem Thema Schlüsselkinder und geben Ihnen Tipps mit auf den Weg, wie sich Familie und Beruf unter einen Hut bringen lassen.

1. Schlüsselkinder – ein negativ besetzter Begriff

Kind öffnet eine Tür

Kinder müssen erst lernen, dass niemand zu Hause wartet.

Laut Definition sind Schlüsselkinder regelmäßig allein Zuhause, da die Eltern oder der alleinerziehende Elternteil arbeitet. Der aus der Psychologie stammende Begriff kam in Deutschland 1956, in den USA sogar schon 10 Jahre zuvor, erstmals auf.

Damals konnten viele Familien sich schlichtweg keine Betreuung ihrer Kinder leisten, sodass sie bereits in der Grundschule einen Schlüsselbund erhielten, um nach der Schule zu Hause nicht vor einer verschlossenen Tür zu stehen.

Der in ein schlechtes Licht gerückte Begriff ist heute nicht mehr ganz so negativ besetzt. Dennoch fragen sich viele Eltern, ob es in Ordnung ist, das eigene Kind auch einmal für ein paar Stunden allein zu lassen.

2. Die Welt hat sich verändert

Mädchen mit einem Smartphone

Mama und Papa sind dank Smartphones leicht erreichbar.

Im Gegensatz zu früher werden Kinder heute weniger sich selbst überlassen, sondern lernen, allmählich selbstständig zu sein und gewinnen eine nicht zu unterschätzende Freiheit.

In aller Regel sind die Gründe, Schlüsselkinder allein zu lassen, beruflich bedingt. Nicht immer fehlt jedoch das Geld, um für eine alternative Betreuung zu sorgen.

Vielmehr erscheint eine Betreuung nicht zwingend erforderlich, sofern Kinder nicht zu lange und nicht zu früh lernen müssen, mehr oder weniger selbst zurechtzukommen.

Das digitale Zeitalter erlaubt Eltern eine bessere Kontrolle in der Wohnung. Schlüsselkinder haben jederzeit die Möglichkeit, ihre Mutter oder ihren Vater anzurufen oder per Nachricht zu kontaktieren.

Achtung: Auch wenn der Kontakt einfacher ist, ersetzt dies keine echte Nähe. Lassen Sie Ihr Kind daher nicht zu viel allein.

3. Kinder nicht zu früh allein lassen

Keine Regelung im Gesetz:

Gemäß § 1626 BGB obliegt es den Eltern, für ihr minderjähriges Kind zu sorgen. Inwieweit dies ein Alleinlassen möglich macht, ist allerdings nicht näher geregelt.

Jedes Kind ist auf die eigenen Eltern angewiesen. Je nachdem, wie die Erziehung abläuft und wie früh Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen, lassen sich unterschiedliche Entwicklungen beobachten.

Manche Kinder haben Angst, allein zu bleiben. Werden sie dennoch dazu gezwungen, hat dies oft drastische Auswirkungen auf die Psyche. Anderen Kindern hingegen gefällt das Alleinsein für ein, zwei oder drei Stunden, sodass es keinerlei Probleme gibt.

Entscheiden Sie daher stets individuell, ob Sie Ihrem Kind das Alleinsein zutrauen. Überlegen Sie sich, ob Ihr Kind bereit ist, etwas Sinnvolles mit der Zeit anzufangen und sie sich einteilen kann oder aber nur Unsinn im Kopf hat.

Kind springt vom Sofa

Kinder müssen sich zu Hause sicher fühlen.

Generell zeigen die Erfahrungen, dass Kinder nicht vor dem 8. Geburtstag einen eigenen Schlüsselring bekommen sollten, um sich längere Zeit selbst zu beschäftigen.
Dass ein Baby sowie ein Kleinkind noch nicht in der Lage sind, sich selbst zu versorgen, dürfte jedem bewusst sein. Doch auch ein Kind in der 1. Klasse der Grundschule ist nur selten fähig, Essen warmzumachen, die Uhr korrekt zu lesen und zu wissen, in welchen Situationen es Hilfe benötigt.

Falls Sie also überlegen, Ihr Kind für längere Zeit ohne Betreuung zu Hause zu lassen, starten Sie schrittweise. Es muss feststehen, dass Ihr Kind gut zurechtkommt, bevor Sie es tatsächlich allein lassen können.

Kinder, die drei Stunden allein bleiben sollen, müssen zunächst lernen, eine halbe, eine und zwei Stunden Zeit ohne einen Aufpasser zu verbringen. Ist dies geglückt, steht dem Vorhaben nichts mehr im Wege.

Besonders hilfreich ist es, wenn Nachbarn, Freunde oder Verwandte in der Nähe Bescheid wissen, zu welchen Zeiten das Kind allein ist.

4. Regeln für Schlüsselkinder

Damit Kinder in ihrer Zeit, die sie allein verbringen, nicht gänzliche überfordert sind, ist es wichtig, klare Regeln aufzustellen, an die sich Schlüsselkinder während Ihrer Abwesenheit halten müssen.

Ideal ist ein geregelter Tagesablauf, der bestimmte Zeiten für einzelne Aktivitäten vorsieht. Funktioniert alles reibungslos, können Sie die Freiheiten schrittweise erweitern, sodass Ihr Kind zunehmend mehr Raum für sich bekommt.

Kind öffnet die Haustür

Fremden wird die Tür nicht geöffnet.

Besonders am Anfang ist ein abgesteckter Rahmen jedoch wichtig, um Kindern Sicherheit zu vermitteln. Aus Sicht der Psychologie haben es Kinder leichter, sich frei zu entfalten, wenn gewisse Grundregeln ihr Leben bestimmen.

Im Folgenden finden Sie einige Regeln für Schlüsselkinder, die sich gut eignen, um die Eigenständigkeit zu fördern und dem Bedürfnis nach Schutz gerecht zu werden:

  • Fremden Personen wird die Tür nicht geöffnet. Stattdessen werden die Eltern informiert.
  • Als erstes wird das vorbereitete Essen aufgewärmt und gegessen.
  • Nach dem Essen folgen 15 bis 30 Minuten Zeit zur freien Verfügung (auch gerne zum Fernsehen oder Spielen). Mit Kindersicherungseinstellungen lässt sich dies sehr gut im Blick behalten.
  • Im Anschluss geht es an die Hausaufgaben.
  • Bei Notfällen werden sofort die Eltern kontaktiert. Eine Erreichbarkeit sollte gewährleistet sein. Ist dies einmal nicht der Fall, sollten andere Vertraute des Kindes informiert werden.
  • Ändert sich etwas am Tagesablauf (Treffen mit Freunden) müssen Schlüsselkinder ihre Eltern informieren.

Tipp: Sorgen Sie stets für hell erleuchtete Räume, etwa durch eine Smart-Home-Steuerung oder eine Zeitschaltuhr, sodass Ihr Kind sich sofort zu Hause willkommen fühlt und keine Angst haben muss, in ein dunkles Gebäude zu gehen.

5. Wichtige Verhaltensweisen für Eltern von Schlüsselkindern

zwei Hände

Ohne Vertrauen scheitert das Vorhaben.

Das Alleinlassen Ihres Kindes kann nur dann funktionieren, wenn gegenseitiges Vertrauen besteht. Zum einen müssen Sie Ihrem Kind zutrauen, zu Hause keinen Unsinn anzustellen. Auf der anderen Seite muss jedoch auch Ihr Kind die Sicherheit haben, dass Sie sich jederzeit an getroffene Vereinbarungen halten.

Konkret bedeutet dies, dass vereinbarte Zeiten stets einzuhalten sind. Lässt sich eine Verspätung doch einmal nicht verhindern, informieren Sie Ihr Kind rechtzeitig darüber.

Wenn etwas passiert, müssen Sie sich Zeit nehmen oder es muss jemand in der Nähe sich um Ihr Kind kümmern können.

Bei Zweifeln gibt es stets alternative Möglichkeiten, wie eine Ganztagsbetreuung in der Schule, einen Hort oder das Buchen eines Babysitter oder einer Nanny.

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