Einzelkind: Vor- und Nachteile sowie Tipps für Eltern

Mutter und Vater mit Kind im Wald
  • Klassische Vorurteile über Einzelkinder sind wissenschaftlich nicht haltbar und bislang in keiner Studie bestätigt.
  • Das Aufwachsen mit Geschwistern fördert den sozialen Umgang. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass ein Einzelkind einsam ist.
  • Oftmals sind Einzelkinder bereits früher erwachsen, da der Kontakt zu anderen Kindern geringer ausfällt und mehr Kommunikation mit den Eltern stattfindet.

Viele Kinder wachsen teils oder sogar die gesamte Kindheit über als Einzelkind auf. Aber ist dies ein Problem? Hartnäckig halten sich diverse Vorurteile gegenüber Einzelkindern. Viele beschreiben Sie als egoistisch und beziehungsunfähig, aber was ist eigentlich an diesen Anschuldigungen dran? In unserem Artikel gehen näher auf die Erziehung eines Einzelkinds ein. Sie erfahren, welche Vorteile und auch Nachteile das alleinige Aufwachsen mit sich bringt und inwieweit Eltern ihr Kind fördern sollten.

1. Für ein Einzelkind steht mehr Zeit zur Verfügung

Vater und Mutter haben ein Baby auf dem Arm

Viele Kinder wachsen zumindest zeitweise als Einzelkind auf.

Das klassische Bild vieler Eltern sieht zwei Kindern vor. Einige Paare, die lediglich ein Kind haben möchten, machen sich sogar eine Menge Gedanken darüber, ob ihr Kind nicht später vielleicht Schwierigkeiten bekommen könnte, sodass die Erwägung, ein zweites Kind zu bekommen, im Raum steht.

Jedes Kind, das alleine aufwächst, ist in der Lage, eine deutlich intensivere Beziehung zu seinen Eltern aufzubauen. Vater und Mutter spielen eine wichtigere Rolle im Leben eines Einzelkindes. Sobald mehrere Kinder in der Familie zusammenleben, ändert sich das Zeitkontingent deutlich.

Mit der Geburt eines Geschwisterchens wird einem bisherigen Einzelkind weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Die Zeit, in der es im Mittelpunkt stand, endet und es muss lernen, damit zurechtzukommen.
Dies kann zwar durchaus gut für manche Kinder sein, muss es allerdings keineswegs. Neben dem Beruf haben viele Eltern ohnehin schon vergleichsweise wenig Zeit für Ihr Kind. Muss es diese nun auch noch mit einem oder mehreren Geschwistern teilen, bleibt oftmals sehr wenig intensive Zeit übrig.

Tipp: Ein liebevolles Zuhause und intensive Zeit zwischen Eltern und Kindern sind wichtiger als die Frage, ob ein Kind als Einzelkind oder mit Geschwistern aufwächst.

2. Das Klischee des verwöhnten Einzelkinds

Die Zahl der Einzelkinder:

In Deutschland wächst etwa jedes fünfte Kind als Einzelkind auf. Genaue Zahlen sind jedoch schwer zu ermitteln, da viele Kinder für einige Jahre als Einzelkind aufwachsen, bevor sie Geschwister bekommen. Genauere Zahlen und Fakten liefert das Statistische Bundesamt.

Es gibt zahlreiche Vorurteile über Einzelkinder. Teils werden sie als egoistisch abgestempelt, als beziehungsunfähig in einer Partnerschaft eingestuft oder aber sind schlichtweg verwöhnt. Aber was ist eigentlich dran an diesen Vorurteilen? Aus Sicht der Psychologie gibt es keinerlei Charaktereigenschaften, die speziell auf Einzelkinder zutreffen. Weder teilen Sie besonders ungern, noch lässt sich beobachten, dass es in späteren Beziehungen Schwierigkeiten gibt. Sie sind nicht unglücklich, jedoch auch nicht glücklicher als Kinder mit Geschwistern ihrer Altersgruppe.

Die Psychologie erklärt sich das Phänomen des verbreiteten Vorurteils vor allem damit, dass Einzelkinder beneidet werden. Im Gegensatz zu Kindern, die mit Geschwistern aufwachsen, steht ihnen stets die gesamte Aufmerksamkeit der Eltern zur Verfügung.

Eine kurze Erläuterung eines Kinder- und Jugendpsychiaters sehen Sie in diesem YouTube-Video:

3. Vor- und Nachteile von Einzelkindern im Überblick

Sowohl Einzelkinder als auch Kinder, die mit Geschwistern aufwachsen, können sich sehr gut in die Gesellschaft einfügen. Der Status als Einzelkind hat also wesentlich weniger Einfluss auf das spätere Verhalten als die Erziehung an sich. Da sich diese jedoch von Familie zu Familie stark unterscheidet, sind pauschale Aussagen über Einzelkinder extrem schwierig.

Dennoch bietet das Dasein als Einzelkind einige Vorteile sowie Nachteile, die wir nicht verschweigen möchten:

  • mehr Zeit mit den Eltern, sodass eine intensive Bindung möglich ist
  • gesamte Aufmerksamkeit durch die Eltern
  • für ein Kind steht mehr Geld zur Verfügung (die 204 Euro Kindergeld ab 01.07.2019 fallen hier eher weniger ins Gewicht)
  • Eltern mit Einzelkindern fahren eher in den Urlaub, sodass Kinder fremde Kulturen kennenlernen können
  • keine Rivalität und Streitereien mit Geschwistern
  • bei wenig Zeit der Eltern sind Einzelkinder eher einsam
  • einige Kinder sind unglücklich, keine Geschwister und dabei enge Vertraute neben den Eltern zu haben
  • teils hohe Erwartungen, bei anderen Kindern Anklang zu finden
  • weniger Erfahrungen bei Auseinandersetzungen mit Gleichaltrigen

Die Frage, ob es ein Einzelkind im Leben leichter hat, lässt auch nicht eindeutig mit Ja oder Nein beantworten. Viel entscheidender ist der Aspekt, dass jedes Kind Aufmerksamkeit bekommt, jedoch auch lernt, sich anderen gegenüber respektvoll zu verhalten.


 

4. Einzelkinder fördern und mit der Welt in Kontakt bringen

Auch wenn an den klassischen Vorurteilen gegenüber Einzelkindern grundsätzlich nichts dran ist, sollten Sie Ihr Kind so erziehen, dass es keine dieser negativen Eigenschaften annimmt. Versuchen Sie daher, Ihrem Kind bereits frühzeitig den Kontakt zu anderen Kindern zu ermöglichen. Da dieser Aspekt zu Hause fehlt, bieten sich Treffen mit anderen Eltern an oder aber Sie suchen sich eine Gruppe, in der mehrere Kinder gemeinsam spielen können.

Hier bieten sich beispielsweise das Babyschwimmen oder das Eltern-Kind-Turnen an. Kinder, die als Einzelkind aufwachsen, sollten zudem eine Kita oder einen Kindergarten besuchen, um sich selbst mit anderen Kindern anfreunden zu können. So stellen Sie den Kontakt mit Gleichaltrigen sicher.

Kinder beim Tauziehen

Stärken Sie den Kontakt zu anderen Kindern.

Auch wenn für ein Einzelkind grundsätzlich ein höherer finanzieller Spielraum zur Verfügung steht, sollten Sie Ihrem Kind nicht jeden Wunsch erfüllen. Bereits im Alter von 4 bis 5 Jahren können Sie beispielsweise mit Taschengeld beginnen, damit Ihr Kind sich schrittweise eigene Wünsche erfüllen kann.
Zudem müssen Kinder spätestens im Alter von 4 bis 5 Jahren lernen, nicht alle Dinge sofort zu bekommen, sondern auf etwas zu warten. Dies gilt insbesondere auch für Ihre Aufmerksamkeit, die nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen sollte.

Durch Pflichten im Haushalt sowie klare Regeln im Umgang miteinander lernen Kinder, wie sich das Leben in einer Gemeinschaft gestaltet.
Schenken Sie Ihrem Kind Aufmerksamkeit, verwöhnen Sie es jedoch nicht unnötig.

Achtung: Vergleichsweise alte Eltern neigen dazu, Ihr Kind sehr stark an sich zu binden.
Fördern Sie daher von Beginn an die Eigenständigkeit Ihres Kindes, sodass es einen eigenen Freundeskreis hat und nicht immer im Mittelpunkt steht.

5. Erfolgreiche Einzelkinder – die Karriere im Blick

Kind steht auf imaginären Balken, die eine Karriereleiter symbolisieren

Häufig steht die Karriere eher im Fokus der Eltern als der Kinder.

Ein etwas zwiespältiges Vorurteil gegenüber Einzelkindern besagt, dass sie sehr erfolgreich sind. Teils wird dieser an sich positive Aspekt auch in Form von “Karrieregeilheit” in ein negatives Licht gerückt.

Generell lässt sich nicht bestätigen, dass Einzelkinder im Vergleich mit Geschwisterkindern besonders erfolgreich sind. Allerdings besteht ein gewisser Zusammenhang im Hinblick auf die Erziehung.

Aufgrund der vergleichsweise hohen Aufmerksamkeit und Zeit der Eltern für das einzige Kind erhält es viel Förderung. Probleme in der Schule werden daher rechtzeitig erkannt. Zudem ist es eher möglich, besondere Hobbys zu unterstützen oder ein Kind in sportlicher Hinsicht zu fördern. Ist ein Elternteil alleinerziehend oder sind beide Eltern beruflich sehr eingespannt, kann sich dieser Aspekt jedoch schnell relativieren.

6. Erziehungsratgeber über Einzelkinder kaufen

Einzelkinder: Probleme lösen, Fähigkeiten nutzen. Ein Wegweiser für Eltern und Kinder
  • Jill Pitkeathley, David Emerson
  • Herausgeber: Klampen, Dietrich zu
  • Auflage Nr. 1 (01.01.1970)
  • Taschenbuch: 286 Seiten
Lob des Einzelkindes: Das Ende aller Vorurteile
  • Brigitte Blöchlinger
  • Herausgeber: FISCHER Krüger
  • Auflage Nr. 1 (13.10.2008)
  • Taschenbuch: 240 Seiten
Einzelkinder und ihre Familien
  • Hartmut Kasten
  • Herausgeber: Hogrefe Verlag
  • Auflage Nr. 1 (01.01.2007)
  • Taschenbuch: 136 Seiten
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