Das Kind beißt: Gründe und Tipps für Eltern

Datum: 04. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

wütendes kind.
  • Hilflosigkeit macht wütend. Und in dieser Wut bekommt jedes Kind früher oder später mit, dass es mit den eigenen Zähnen ein zuverlässiges Mittel hat, um diese kund zu tun. Das Beißen gehört zur natürlichen Entwicklung eines jeden Kindes dazu.
  • Mit der Erziehung haben Sie zwar einen großen Einfluss auf Ihr Kind, das Temperament ist jedoch angeboren und lässt sich nur bedingt beeinflussen. Wenn ein Kind beißt, muss dieses Verhalten also nicht zwangsläufig an den Eltern liegen.
  • Wenn bei Ihrem Kind Frust, Wut oder auch Angst überhandnehmen, kann es dazu kommen, dass Ihr Nachwuchs kratzt und beißt. Wie auch bei Tieren handelt es sich hierbei um instinktives Verhalten.

Nicht selten haben Eltern mit dem Problem zu kämpfen, dass ihre Kinder willkürlich um sich beißen. Meist ist diese Situation für alle Beteiligten sehr unangenehm. Daher möchten wir Ihnen im folgenden Beitrag verraten, wo die Ursachen für das unangebrachte Verhalten liegen können und wie Sie lernen können, damit umzugehen.

1. Es gibt nur wenige Ursachen dafür, dass ein Kind beißt

Das Beißen legt sich oft von alleine

Wenn ein Kind beißt, dass noch jünger als zwei Jahre ist, handelt es sich meist um natürliches Verhalten. Dass man andere durch das Beißen verletzen kann, realisiert Ihr Kind meist erst mit drei oder vier Jahren, was meist aber dafür sorgt, dass es schlagartig aufhört.

Ein besonders hohes Risiko für ein auffälliges Beißverhalten besteht in der sogenannten Trotzphase. Damit ist der Abschnitt im Leben eines Kindes gemeint, in dem es einen eigenen Willen entwickelt. Je nach Temperament können Kinder in dieser Phase wie es der Name schon sagt sehr trotzig reagieren. Meist beginnt die Trotzphase in einem Alter von zwei Jahren und kann bis zum sechsten Lebensjahr andauern. Grundsätzlich gibt es nur drei Gründe dafür, dass ein Kind beißt. Das Verhalten kann zwar in den unterschiedlichsten Situationen auftreten, aber der Grund liegt meist in Wut, Angst oder Neugier.

Vielleicht ist Ihr Kind einfach neugierig, was es mit seinen Zähnen so anstellen kann. Dabei handelt es sich keinesfalls um aggressives Verhalten. Es testet lediglich Dinge aus. Eine andere typische Situation kann sich während des Einkaufens ergeben: Ein Kind möchte etwas Spezielles haben, aber es bekommt es von den Eltern nicht – schon tritt es zu oder beißt um sich.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass Ihr Kind die verbale Kommunikation noch nicht beherrscht. Aber irgendwie muss es sich ja schon verständlich machen. Aufgrund der eigenen Hilflosigkeit greift es also zu diesen eher unschönen Mitteln.

Besonders wichtig ist, dass Ihr Kind aus seinem Verhalten lernt. Wenn es mit dem Beißen jedoch Erfolg hat, kann sich das Verhalten manifestieren. Daher sollten Sie Ihrem Kind jedes Mal aufs neue deutlich machen, dass sich Beißen nicht gehört, weil es andere verletzen kann.

Tipp:  Eine weitere, jedoch recht seltene Ursache für auffälliges Beißverhalten ist der sogenannte „Nachtschrecken“. Hierbei handelt es sich um eine kindliche Schlafstörung, bei der Kinder plötzlich aufzuwachen scheinen und mit weit aufgerissenen Augen schreien, stöhnen oder murmeln – richtig wach sind sie dabei aber nicht. In diesem Fall beißen betroffene Kinder auch häufig um sich.

2. Auffälliges Beißverhalten muss nicht bedeuten, dass Ihr Kind unter ADHS leidet

Kind beißt in Apfel

Sobald die ersten Zähnchen kommen, können Ihre Kinder endlich richtige Nahrungsmittel zu sich nehmen. Dann ist jedoch auch der Zeitpunkt gekommen, wo Bisse wirklich schmerzhaft werden können.

Wenn Kinder häufig in der Krippe oder sonst wo beißen, befürchten viele Eltern gleich eine psychologische Ursache, wie zum Beispiel ADHS. Wir können Sie jedoch beruhigen, denn auffälliges Beißverhalten und ADHS stehen in keinem direkten Zusammenhang.

Beobachten Sie das Verhalten Ihres Kindes einfach für eine Weile. Falls sich keine Veränderung zeigt oder Ihr Kind sogar noch mehr in der Kita oder bei Ihnen zu Hause beißt und kneift, können Sie sich an Ihren Hausarzt wenden, der Sie anschließend an einen Psychologen weiterleiten kann.

Dieser kann schlussendlich feststellen, ob das Verhalten Ihres Kindes möglicherweise durch ADHS begründet ist. Falls dem so ist, gibt es Möglichkeiten zur medikamentösen Behandlung. Mehr dazu finden Sie hier.

3. Wenn Ihr Kind beißt, müssen Sie sofort reagieren

In der Kindererziehung ist es nicht immer leicht, richtig auf bestimmte Situationen zu reagieren – das gilt auch bei auffälligem Beißverhalten in der Trotzphase. Damit Sie in dieser Situation wissen, was zu tun ist, möchten wir Ihnen einige Ratschläge mit auf den Weg geben:

  • Sofort Handeln
  • Feststellen, ob eines der Kinder verletzt ist
  • Das Kind nicht verurteilen
  • Dem Kind eine Pause eröffnen
  • Mit dem Kind darüber sprechen, was passiert ist

Sofortiges Handeln ist oberstes Gebot. Die beteiligten Kinder sollten unmittelbar voneinander getrennt werden. Der kleiner Racker darf kein zweites Mal zubeißen oder aggressiv werden. Anschließend sollten Sie Ihrem Kind verständlich aber bestimmt erklären, dass beißen nicht geduldet wird.

Danach gilt es festzustellen, ob eines der Kinder verletzt wurde. Auch dem „Täter“ sollte sofort Aufmerksamkeit zuteilwerden. Sie sollten betonen, dass Sie nicht die Person Ihres Kindes kritisieren, sondern lediglich das jüngste Verhalten. Wenn Sie auf Ihr Kind eingehen, verrät es vielleicht auch, warum es gebissen hat.

Anschließend sollten Sie Ihrem Kind etwas Zeit zugestehen, um über sein Verhalten nachzudenken. Dieser Punkt ist besonders wichtig, da nur die Einsicht bei Ihrem Kind dazu führen kann, dass das Beißverhalten auch langfristig eingestellt wird.

Nach der Auszeit ist es sinnvoll, erneut mit dem Kind zu sprechen. Fordern Sie Ihren Nachwuchs auf, Ihnen zu erklären, was er aus dieser Situation gelernt hat. So lernt Ihr Kind auch, sich selbst zu reflektieren, was in der Kita oder Krippe sowie später in der Schule auf jeden Fall von Vorteil ist.

Was Sie unbedingt vermeiden sollten, ist Ihrem Kind zu demonstrieren, dass Beißen weh tut. Im schlimmsten Fall könnte es passieren, dass Ihr Kind dieses Verhalten spiegelt und auf lange Sicht eher aggressiv reagiert.

 

4. Eine Therapie ist selten notwendig, um Kindern das Beißen abzugewöhnen

Kind beim Psychologen

In den meisten Fällen gibt sich das Beißverhalten von alleine. Falls nicht, können Sie sich immer noch professionelle Hilfe suchen.

Auch die besagte „Trotzphase“ geht irgendwann vorüber, was in den meisten Fällen dafür sorgt, dass sich das Beißen automatisch einstellt. Tritt das Beißen während des Nachtschreckens auf, können Sie nur die Ruhe bewahren und abwarten, bis es vorüber ist. Ansonsten gibt es einige kleine Kniffe, um Ihrem Kind das Beißen schnellstmöglich abzugewöhnen:

  • Das Kind beobachten
  • Den Nachwuchs rechtzeitig ablenken
  • Wutanfälle auch mal ignorieren

Sie sollten Ihr Kind genau beobachten, um herauszufinden, in welcher Situationen es zu dem zum Beißen kommt. Beißt es beispielsweise, wenn die Aufmerksamkeit gerade beim Bruder oder der Schwester liegt? Hier kann es auch hilfreich sein, die Erzieher in der Kita zu bitten, das Verhalten ebenfalls im Auge zu behalten.

Wenn Sie merken, dass sich das unerwünschte Verhalten anbahnt, sollten Sie Ihr Kind schnellstmöglich ablenken. Von Fernsehsendungen bis zu Lernspielen ist dabei grundsätzlich alles erlaubt.

Tipp: Möglicherweise ist das Beißen Ihres Kindes auch nur ein Haschen nach Aufmerksamkeit. Wie bereits erwähnt, darf Ihr Kind mit dem Beißen nicht zu seinem Ziel kommen. Es kann also auch sinnvoll sein, das Beißen für einen Moment zu ignorieren – natürlich nur, solange dabei niemand zu Schaden kommt.

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