Pikler-Pädagogik: Die Methode nach Emmi Pikler erklärt

Pikler-Pädagogik-Ratgeber
  • Die Pikler Pädagogik bietet Kindern die Möglichkeit, sich frei zu entwickeln.
  • Das pädagogische Konzept ist vor allem durch einen liebevollen, innigen Umgang in den ersten Lebensmonaten geprägt.
  • Die pädagogische Ausrichtung beansprucht sehr viel Zeit.

Die Pikler Pädagogik war in ihrer Zeit, in den 1930er Jahren, revolutionär und veränderte den Blick vieler Experten auf den Umgang mit und die Erziehung von einem Baby oder Kleinkind.

Aber was verbirgt sich eigentlich genau hinter diesem Konzept? Wer war die Begründerin Emmi Pikler? Und welches Bild vom Kind vermittelt diese Art der Kleinkindpädagogik?

In unserem Ratgeber erklären wir das pädagogische Konzept, die anvisierten Ziele sowie die angewendeten Methoden.

1. Mehr ist nicht immer besser

Pikler Dreieck Spielzeug

Zu viel Spielzeug ist nach dieser Pädagogik wenig sinnvoll in Bezug auf die Entwicklung.

Viele Kinder erhalten bereits im Babyalter unzählige Spielzeuge, Bücher und Materialien, an denen sie wachsen und ihre Fähigkeiten verbessern sollen.
Viele dieser zur Verfügung gestellten Dinge helfen Ihrem Kind bei der Entwicklung jedoch nicht weiter.

Die Begründerin der Pikler-Pädagogik verfolgt einen anderen Ansatz, da nur bestimmte Spielsachen einen Wert für Kinder haben und vielmehr der Kontakt zum Kind im Fokus der pädagogischen Ausrichtung steht.

Die kommunikative Ebene hat bei Emmi Pikler die höchste Bedeutung. Bereits im Alter von wenigen Monaten ist eine intensive Verständigung zwischen Eltern und ihrem Kind möglich.
Aus diesem Grund setzt die Pikler Pädagogik im Bereich der frühkindlichen Entwicklung an.

2. Die Pikler Pädagogik besteht aus drei Säulen

Die Begründerin:

Emmi Pikler wurde 1902 in Wien geboren und starb 1984 in Budapest. Die Kinderärztin arbeitete mit Elfriede Hengstenberg zusammen und merkte schnell, dass ihr der damalige Umgang mit Kindern suspekt war.

Die Pikler Pädagogik setzt sich im Wesentlichen aus den folgenden drei Bereichen zusammen:

  • beziehungsvolle Pflege
  • autonome Entwicklung der Bewegung
  • freies Spiel

Bei allen Punkten gilt, dass Sie als Eltern und Erzieher viel Zeit und Geduld mitbringen sollten. Besonders in den ersten Monaten und Jahren des Lebens gilt es, Kinder zu behüten, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst frei entfalten zu können.

2.1. Pflege und Kommunikation in Einem

Baby badet

Körperliche Nähe schenkt Kindern ein Gefühl der Geborgenheit.

Bei vielen alltäglichen Aufgaben, wie dem Baden, dem Füttern sowie dem An- oder Ausziehen kommen Sie als Eltern Ihrem Kind sehr nahe.
Nutzen Sie diese Zeit aktiv für einen von Liebe und Respekt geprägten Umgang mit Ihrem Kind. So fördern Sie die Entstehung von Vertrauen, welches für die spätere Entwicklung unerlässlich ist.

Konkret äußert sich dies vor allem im Bereich der Kommunikation gegenüber Ihrem Kind. Bei allen Dingen, die notwendig sind, sprechen Sie Ihr Kind direkt an. Geben Sie Erklärungen, auch wenn ich in sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht verstehen kann.
Zeigen Sie auf bestimmte Gegenstände, die Sie benutzen möchten und geben Sie Ihrem Kind die Gelegenheit, diese in Augenschein zu nehmen.

Wann immer es möglich ist, setzen Sie in der Erziehung auf ein aktives Miteinander. Ihr Kind soll die Gelegenheit erhalten, sich selbst einzubringen und Ihnen bei Ihren Aufgaben zu assistieren.
So können Kinder bereits sehr früh beim Anziehen mithelfen. Auch wenn sich dies anfänglich etwas schwierig gestaltet und sie sehr viel Zeit benötigen, so bekommt Ihr Kind ein Erfolgserlebnis und bei den nächsten Versuchen wird es deutlich einfacher.

Wickeln oder Baden sind ebenso wichtige Tätigkeiten wie die Zeit für Spiele. Ihr Kind lernt permanent. Daher macht es wenig Sinn, Ihren Tag mit dem Kind in schöne Dinge und zu erledigende Pflichten einzuteilen.
Versuchen Sie stattdessen, Ihrem Kind in jeder Situation die volle Aufmerksamkeit zukommen zu lassen.

Tipp: Routine schafft Sicherheit. Versuchen Sie daher, gewisse Tätigkeiten möglichst in der gleichen Reihenfolge anzugehen, sodass Ihr Kind die Möglichkeit erhält, sich darauf einzustellen.

2.2. Die Bewegungsentwicklung benötigt Zeit

Baby krabbelt

Geben Sie Ihrem Kind Zeit, sich aktiv zu entwickeln.

Im Bereich der Bewegung setzt die Pikler-Pädagogik auf ein autonomes Handeln der Kinder. Das Bild vom Kind zeichnet sich dadurch aus, dass jedes Kind selbst in der Lage ist, sich ohne aktive Hilfe von außen zu entwickeln.

Jedes Kind hat sein eigenes Entwicklungstempo, welches akzeptiert werden sollte. Babys drehen sich nach Ansicht Piklers erst zu dem Zeitpunkt um, in welchem sie bereit dazu sind. Gleiches gilt für das Krabbeln, das Aufstehen oder die ersten Schritte.

In den ersten Lebensmonaten beschäftigen sich Kinder vorwiegend mit ihren Händen und Füßen, während die Fortbewegung noch keinerlei Rolle spielt.
Nach und nach beginnen Babys damit, sich aufzurichten, umzudrehen und die Umgebung aktiv zu erkunden.

Auch wenn es sehr viel Geduld erfordert, sollten Eltern ihrem Kind den nötigen Freiraum lassen und nicht in die Entwicklung der Bewegung einzugreifen.

Tipp: Auch wenn Eltern oder Erzieher nicht aktiv auf ihr Kind einwirken sollten, indem sie es aufrichten oder in eine bestimmte Bewegung zwingen, so können Sie dennoch Anreize schaffen, um die Entwicklung zu beschleunigen.
Dies gelingt beispielsweise über einen in der Nähe liegenden Ball, den das Kind nur durch Umdrehen erreichen kann.

2.3. Das freie Spiel dient der Selbstverwirklichung

Bauklötze in der Krippe

Spielmaterialien wie Bauklötze regen die Fantasie an.

Oftmals hört sich die Methode des freien Spiels so an, als ob Kinder in ihrer Entwicklung alleine gelassen würden. Vielmehr ist jedoch eine intensive Beobachtung erforderlich, damit das freie Spiel von Erfolg geprägt ist.

Kinder benötigen eine gute Spielumgebung sowie Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln. So gibt es beispielsweise spezielles Pikler Spielzeug, welches das aktive freie Spiel unterstützt. Die folgenden Gegenstände finden im Bereich der Pikler Pädagogik Verwendung:

  • das Pikler Dreieck
  • ein Kletterbogen
  • eine Bogenleiter
  • ein Tunnel

All diese Möbel bieten Kindern Anreize, sich mit ihren motorischen Fähigkeiten auseinanderzusetzen und diese weiterzuentwickeln.

Durch Materialien wie Bauklötze, Tücher oder Bälle erhalten Kinder die Möglichkeit, eigene Ideen im Rahmen des freien Spiels zu entwickeln.
Gegen Anregungen und Hilfestellungen seitens der Eltern und Erzieher ist selbstverständlich nichts einzuwenden.
Vielmehr ist genau dies wünschenswert, sofern den Kindern in ihrer Entwicklung noch genügend Freiraum zur Verfügung steht.

3. Die wichtigsten Prinzipien der Pikler Pädagogik im Überblick

Mutter mit Kind

Der intensive Kontakt zu Kindern ist sehr wichtig.

Jeder Mensch ist in seiner Entwicklung einzigartig und sollte die Zeit erhalten, die er für bestimmte Fähigkeiten benötigt. Der Respekt gegenüber dem Kind erfordert es daher, die eigenständige Entwicklung des Kindes lediglich aktiv zu begleiten und zu unterstützen, jedoch nicht einzugreifen.

Beachten Sie, dass alle Einflüsse des Tages auf Ihr Kind einwirken. Dies bedeutet, dass Sie sich sehr viel Zeit für Ihr Kind nehmen sollten, um Ihr Kind nicht nur im Bereich des Spiels, sondern auch bei Ritualen, wie dem Baden oder dem Füttern, respektvoll zu behandeln. Durch den innigen Kontakt und die Mithilfe verstärkt sich das Vertrauen des Kindes und die Entwicklung wird positiv beeinflusst.

Besonders wichtig sind eindeutige Bezugspersonen, die viel Zeit für das Kind haben. Neben Eltern können dies selbstverständlich auch Großeltern oder Erzieher sein. Es sollte jedoch nicht zu einem ständigen Wechsel durch ein Herumreichen des Babys kommen.

Möglichkeiten der Fortbildung im Bereich der Pikler Pädagogik finden Sie hier.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (74 Bewertungen, Durchschnitt: 4,45 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge