Geburtsstillstand: Infos zu Ursachen, Zeitpunkt und möglicher Dauer

   
von Dana S. - letzte Aktualisierung:
geburtsstillstand
Was ist ein Geburtsstillstand?

Von einem Geburtsstillstand sprechen Mediziner, wenn eine Geburt entweder in der Eröffnungs- oder in der Austreibungsphase für einen bestimmten Zeitraum zum Stillstand kommt. Eine Zeitgrenze festzulegen ist jedoch sehr schwierig, da viele weitere Faktoren eine Rolle spielen.

Was sind die Gründe dafür, dass eine Geburt ins Stocken gerät?

Eine Geburt kann aus verschiedenen Gründen zum Stillstand kommen. In der Eröffnungsphase liegt es in vielen Fällen an einer Wehenschwäche, einer fehlerhaften Einstellung des kindlichen Kopfes oder an den nachlassenden Kräften der Mutter. Während der Austreibungsphase kann es aufgrund eines Missverhältnisses zwischen dem Becken der Mutter und dem Kopf des Kindes zu einem Geburtsstillstand kommen.

Welche Maßnahmen können in diesem Fall ergriffen werden?

Zunächst werden die Ärzte und Hebammen versuchen mittels einfacher, kleinerer Maßnahmen die Geburt voranzutreiben. Wirken diese nicht, können Medikamente zum Einsatz kommen. Besteht die Gefahr, dass der Geburtsstillstand schwerwiegende Folgen für das Kind und/oder die Mutter haben kann, ist ein Kaiserschnitt unvermeidlich.

Die Entbindung ist für Frauen einer der aufregendsten und intimsten Momente in ihrem Leben. Die ganze Schwangerschaft haben sie auf genau diesen Augenblick hin gefiebert. Während die Geburt in den meisten Fällen ohne Zwischenfälle und Komplikationen abläuft, kann es bei einigen Frauen zu einem Geburtsstillstand kommen.

In diesem Artikel erklären wir Ihnen, was ein Geburtsstillstand ist, zu welchen Zeitpunkten er auftreten kann und welche Ursachen dafür verantwortlich sind. Zudem bekommen Sie Informationen darüber, welche Maßnahmen entsprechend eingeleitet werden können.


1. Bei einem Geburtsstillstand gerät die Entbindung ins Stocken

schwanger frau schaut ungeduldig auf die uhr

Während Geburtspausen normal sind, kann ein Geburtsstillstand gefährlich werden.

Kommt es zu den ersten richtigen Wehen, sind Frauen in der Regel erleichtert und ängstlich zugleich. Sie freuen sich, dass es nun endlich losgeht, sind aber auch unsicher, was nun in den folgenden Stunden auf sie zukommen wird.

Eine Geburt läuft jedoch nicht immer nach Plan ab. Ein Geburtsstillstand ist nach einem Blasensprung die häufigste Komplikation, die im Rahmen einer Entbindung auftreten kann. Per Definition handelt es sich um einen Geburtsstillstand, wenn über einen längeren Zeitraum kein Geburtsfortschritt herrscht. Ein Geburtsstillstand kann sowohl während der Eröffnungsphase (EP) als auch während der Austreibungsphase (AP) eintreten.

Der Zeitraum des fehlenden Fortschritts ist dabei jedoch nicht genau definiert, da weitere Faktoren zu berücksichtigen sind. Es kommt darauf an, ob die Frau eine Erstgebärende ist und ob sie bereits eine PDA bekommen hat.

Daraus ergeben sich folgende Zeitgrenzen (diese gelten vor allem für die Austreibungsphase):

  • Erstgebärende ohne PDA: 2 Stunden
  • Erstgebärende mit PDA: 3 Stunden
  • Mehrgebärende ohne PDA: 1 Stunde
  • Mehrgebärende mit PDA: 2 Stunden

Natürlich gibt es während einer Geburt immer mal wieder Phasen, in denen es etwas langsamer vorangeht. Ist jedoch während der entsprechenden Zeitspanne kein Fortschritt zu erkennen, spricht der Mediziner also von einem Geburtsstillstand.

2. Die Ursachen für das Ausbleiben des Geburtsfortschritts können vielfältig sein

aerztin troestet erschoepfe schwangere frau

Starke Erschöpfung kann dazu führen, dass sich die Muskeln verkrampfen und die Geburt ins Stocken gerät.

Warum es zu einem solchen Geburtsstillstand kommt, kann verschiedene Ursachen haben. In Bezug auf die Gründe, muss jedoch unbedingt zwischen der Eröffnungsphase und der Austreibungsphase unterschieden werden.

Ursachen für einen Geburtsstillstand während der EP:

  • Wehenschwäche/unzureichende Wehentätigkeit
  • fehlerhafte Einstellung des kindlichen Kopfes (z. B. Sternengucker-Position)
  • nachlassende Kräfte der Mutter
  • der Muttermund öffnet sich nicht ausreichend

Gründe für einen Geburtsstillstand während der AP:

  • Missverhältnis zwischen Kopf des Babys und Becken der Mutter
  • Makrosomie
  • fehlerhafte Einstellung des kindlichen Kopfes
  • Erschöpfung
  • PDA führt dazu, dass die Mutter bei den Presswehen nicht kräftig mitschieben kann

Für einen Geburtsstillstand kommen jedoch nicht nur körperliche, sondern auch psychische Gründe in Betracht. So fehlt es manchen Frauen an Zuversicht und Vertrauen, die folgenden Stunden erfolgreich durchzustehen. Wiederum andere Frauen blockieren sich selbst, weil sie Angst vor der nun anstehenden Mutterrolle haben.

Hier sehen Sie den Geburtsbericht einer Hebamme und Mutter, die trotz eines Geburtsstillstands ihr Baby auf normalem Weg auf die Welt gebracht hat:

3. Geburtsstillstand beenden – diese Maßnahmen können helfen

schwangere frau bekommt ueber eine kanuele wehenfoerdernde medikamente

Wehenfördernde Mittel können dabei helfen, die Geburt weiter voranzutreiben.

In der Eröffnungsphase öffnet sich der Muttermunde im Durchschnitt etwa einen Zentimeter pro Stunde. Bei Mehrgebärenden geht dies zumeist sogar etwas schneller.

Gerät die Geburt aufgrund einer Wehenschwäche ins Stocken, werden zunächst einmal Maßnahmen ergriffen, um die Wehentätigkeit in Gang zu bringen. Hierbei können Bewegung, Akupunktur oder ein Einlauf hilfreich sein. Helfen diese Maßnahmen nicht, können entsprechende wehenfördernde Medikamente zum Einsatz kommen.

Liegt das Problem bei einer fehlerhaften Einstellung des kindlichen Köpfchens, geht es in erster Linie darum, die Muskulatur des Beckens und der Gebärmutter zu entspannen, sodass das Baby anschließend gut ins Becken hineinrutschen kann. Manchmal kann sogar eine Lageänderung oder ein Seitenwechsel ausreichen.

Entspannung hilft auch, wenn die werdende Mutter neue Kräfte sammeln muss. Sind die Schmerzen zu stark, können Ärzte zudem Lachgas oder ähnliches einsetzen, um die Geburt voranzutreiben.

Lässt sich ein Geburtsstillstand nicht beenden, müssen Ärzte eine Geburtsbeendigung herbeiführen. Hat sich das Baby bereits tief genug ins Becken geschoben, kann es eventuell mit der Zange oder Saugglocke geholt werden. Liegt ein Baby quer im Bauch oder ist das Missverhältnis zwischen Becken und Kopf des Babys zu groß, ist ein Kaiserschnitt zumeist unvermeidlich. Ansonsten kann ein Geburtsstillstand enorme Folgen für Kind und Mutter haben.

Hauptaufgabe der Hebammen und der zuständigen Personen der Geburtshilfe ist es, einzuschätzen, welche Maßnahmen zu welchem Zeitpunkt notwendig sind. Grundsätzlich gilt, nicht zu lange abzuwarten, sodass Mutter und Kind nicht in Gefahr geraten.

4. Einem Geburtsstillstand von Anfang an vorbeugen

Geburtsvorbereitung
Eine gute Geburtsvorbereitung kann nicht nur dabei helfen, besser mit Wehenschmerzen umzugehen und diese effektiver zu veratmen. Viele Frauen besuchen einen Geburtsvorbereitungskurs, um über ihre Ängste zu sprechen und Verspannungen zu lösen. In einer australischen Studie fanden Wissenschaftler heraus, dass Frauen vor allem von integrativen Methoden zur Selbstanwendung profitieren.

Leider lässt sich ein Geburtsstillstand nicht voraussehen, sodass es nicht immer möglich ist, entsprechend gegenzusteuern. Allerdings gibt es ein paar Möglichkeiten, um einem Geburtsstillstand bestmöglich vorzubeugen.

Zu diesen zählen:

  • auf die Ernährung achten
  • viel bewegen
  • je nach Wohlbefinden leichte Sporteinheiten durchführen
  • Entspannungsübungen und Yoga ausüben
  • der Geburt möglichst gelassen entgegensehen

Fragen Sie auch gerne Ihre Hebamme, was Sie tun können, um einem Geburtsstillstand entgegenzusteuern. Genauso wichtig ist es jedoch auch, darüber zu sprechen, was im Falle eines Geburtsstillstands zu tun ist.

Da Sie unter den Schmerzen der Wehen weniger klar denken können, ist es außerdem sinnvoll, sich vorab mit dem Lebenspartner auszutauschen, was Sie sich für die Geburt wünschen und womit Sie weniger einverstanden sind. So kommen Sie nicht in die missliche Lage, während der Eröffnungs- oder Austreibungsphase eine entsprechende Entscheidung allein treffen zu müssen.

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