Coole Jungs: Gründe für das Verhalten und Tipps für die Erziehung

coole Jungs
  • In unserer Gesellschaft sind die Geschlechterrollen auch heute noch klar verteilt. Das Klischee, dass Jungs schwerer zu erziehen sind, hält sich hartnäckig.
  • Coole Jungs sind vor allem auf der Suche nach Anerkennung. Mit einem starken Auftreten versuchen sie, Unsicherheiten und Ängstlichkeit zu überspielen.
  • Ein Junge muss lernen, dass es verschiedene Persönlichkeiten gibt. Daher haben Eltern die Aufgabe, ihren Kindern Orientierung zu geben.

Auch wenn unsere Gesellschaft immer offener und toleranter wird, denken viele Menschen noch immer in geschlechtertypischen Klischees: Jungen sind cool und stark, Mädchen strebsam und ruhig. Aber trifft dieses Klischee immer noch auf unsere heutige Gesellschaft zu?

Dass Jungs cool seien wollen und ein teilweise sehr ruppiges Verhalten an den Tag legen, liegt jedoch vor allem an der Erziehung der Eltern. Um in der Gesellschaft akzeptiert zu werden, versuchen Jungs stets cool zu wirken und Unsicherheiten zu verbergen. Wir zeigen Ihnen in diesem Ratgeber, wie sich die Psychologie das Phänomen der coolen Jungs erklärt.

1. Typisch Junge, typisch Mädchen

Babykleidung in typischen Farben für Jungen und Mädchen

Allein durch die Auswahl der Farben werden Geschlechterklischees bedient.

Kleinkinder lernen durch Nachahmung. Daher wird das Verhalten von Kindern in erster Linie durch Eltern, Erzieher und Verwandte geprägt. Erwachsene stellen die Vorbilder dar, denen die Kinder nacheifern möchten.

Wenn Menschen gefragt werden, wie Jungs sind, sind die Antworten in der Regel sehr ähnlich. Jungs sind cooler, aggressiver und werden von Testosteron geleitet. Sie lieben Autos, Traktoren und alles, was mit Geschwindigkeit und Action zu tun hat. Sie können besser rechnen und im logischen Denken sind sie Mädchen stets überlegen.

Mädchen entwickeln sich hingegen schneller als Jungen. Sie sind ruhiger, konzentrierter und fleißiger. Im sprachlichen Bereich sind sie wesentlich begabter als die Jungen in ihrer Klasse. Sie spielen gerne mit Puppen und übernehmen in Spielen, wie Vater-Mutter-Kind, stets die Verantwortung.

Aber wie kommt es, dass sich Jungen und Mädchen derart unterscheiden? Liegt die Verschiedenheit in der Natur oder wird das Verhalten lediglich anerzogen? Diese Fragen möchten wir in den folgenden zwei Kapiteln etwas genauer unter die Lupe nehmen.

2. Coole Jungs erfüllen das Klischee

Die Pubertät setzt immer früher ein

In einer Studie des US-Instituts Pediatric Research in Office Settings (PROS) fanden Forscher heraus, dass Jungen heutzutage zwischen sechs Monaten und zwei Jahren früher in die Pubertät kommen als noch vor einigen Jahrzehnten. Mit durchschnittlich 10,1 Jahren setzen die ersten körperlichen Veränderungen ein.

Egal ob der Struwwelpeter, der Zappel-Philipp oder der Suppen-Kaspar – in all diesen Geschichten steht ein Junge im Vordergrund, der sich nicht benehmen kann und schlecht erzogen ist. Dies macht deutlich, dass das Bild des schwer zu erziehenden Jungen in den Köpfen der Menschen fest verankert ist.

Bei einem Jungen hat nahezu jeder Mensch Verständnis dafür, dass er in einigen Momenten aggressiv reagiert und in den meisten Situation cool rüberkommen möchte. Die Entschuldigung lautet stets: Der Junge kann nichts dafür, er ist von Natur aus so. Reifen die Jungen zu Teenagern heran, werden die Probleme meist noch größer.

Coole Jungs sind häufig auch die Angeber in der Schule. Sie können alles besser, trauen sich in ihrem Leben an jede Aufgabe heran und haben vor nichts Angst. Der allseits bekannte Titel „Große Jungs weinen nicht“ von Tic Tac Toe setzt sich mit diesem Rollenklischee kritisch auseinander. Hier wird davon berichtet, wie Jungen sich in unserer Welt verhalten müssen, auch wenn dies nicht ihrer Persönlichkeit entspricht.

Fragt man Jungs, ob sie sich immer cool und stark fühlen, wird klar, dass sie so manches Mal mit dieser Rolle überfordert sind. Obwohl sie innerlich unsicher sind, geben sie nach außen hin den Angeber, um die Schwäche nicht zeigen zu müssen.

Einen interessanten Vortrag zu diesem Thema finden Sie im folgenden Video:

Hinweis: Jungen trauen sich häufig nicht, ihre Gefühle und Probleme mitzuteilen. Sie fressen all die negativen Gefühle in sich hinein. Geben Sie Ihrem Kind daher stets das Gefühl, dass es keineswegs peinlich ist, Schwächen zu zeigen und Gefühle zuzulassen.

3. Kinder geschlechtsneutral erziehen – macht das Sinn?

ein kleiner Junge spielt mit einer Puppe

Lassen Sie Ihr Kind darüber entscheiden, mit welchem Spielzeug es spielen möchte.

Betrachten wir die geschlechtsspezifischen Merkmale aus psychologischer Sicht, wird schnell klar, dass die Erziehung eine wichtige Rolle spielt. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, die bereits angeboren sind. Da die traditionellen Geschlechtervorstellungen allerdings so stark in unseren Köpfen verankert sind, geben wir dies auch unbewusst an unsere Kinder weiter. “Ein richtiger Junge spielt nun mal nicht mit Puppen oder interessiert sich für Schminke.”

Durch diese Vorurteile lenken viele Eltern ihre Kinder in eine bestimmte Richtung. Jungen können ihre Sprachfähigkeiten nicht so gut weiterentwickeln, weil der Vater beispielsweise der Meinung ist, dass Männer nicht reden, sondern machen. Mädchen denken, dass Frauen den Haushalt machen müssen, weil ihr eigener Vater lange arbeitet und die Mutter all diese Aufgaben übernimmt.

Wichtig ist es, den Kindern zu zeigen, dass nicht das Geschlecht, sondern die Persönlichkeit darüber bestimmt, wie sich Männer und Frauen verhalten. Die Interessen der Kinder sollten also individuell gefördert werden. Sind Jungen beispielsweise von Natur aus sehr lebhaft und draufgängerisch, sollten Eltern diese Eigenschaft fördern und entsprechende Sportarten anbieten. Akzeptieren Sie jedoch auch, wenn Ihr Kind etwas ruhiger ist und keine Lust auf die “typischen Männer-Aktivitäten” hat.

Es ist zwar nicht immer möglich, das eigene Kind geschlechtsneutral zu erziehen, dennoch können Eltern darauf achten, ganz bewusst gegen Geschlechterstereotypen zu arbeiten.

Tipp: In dem Buch „Schlaue Mädchen, coole Jungs … ticken in der Schule anders“ zeigt die Autorin Ingrid Buschmann viele Beispiele auf, wie Eltern und Erzieher das jeweilige Geschlecht am besten fördern können.

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Schlaue Mädchen, coole Jungs ... ticken in der Schule anders
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