Hochbegabung bei Kindern: So erkennen Sie Hochbegabung bei Ihrem Kleinkind

Hochbegabung-Ratgeber
  • Eine einheitliche Definition, was Hochbegabung ist, gibt es nicht. Hochbegabte Kinder sind Gleichaltrigen in der Regel im intellektuellen, musischen oder sportlichen Bereich weit voraus.
  • An verschiedenen Hinweisen können Eltern erkennen, dass ihr Kind möglicherweise hochbegabt ist. Häufig durchlaufen diese Kinder die Entwicklungsstadien schneller oder überspringen einige Stufen sogar. Es gibt jedoch viele weitere Merkmale, die auf eine Hochbegabung hindeuten.
  • Mit Hilfe eines Intelligenztests kann der Intelligenzquotient (IQ) des Kindes festgestellt werden. Ab einem Wert von über 130 gelten Kinder als hochbegabt.

Wenn Sie Ihr Kind in einer Kindertagesstätte unterbringen, finden auch von Zeit zu Zeit Gespräche mit den Erzieherinnen und der Kita-Leitung statt. Bei diesen Gesprächen geht es häufig darum, wie Ihr Kind in der Einrichtung zurechtkommt und ob es eventuell Unstimmigkeiten gibt. Allerdings bekommen manche Eltern dort auch den Hinweis, dass ihr Kind eventuell hochbegabt ist und dementsprechend gefördert werden sollte. Aber was ist eigentlich Hochbegabung und wie erkenne ich diese?

Wir klären Sie in unserem Ratgeber rund um das Thema Hochbegabung bei Kleinkindern auf. Sie erfahren, worum es sich dabei handelt und welche Merkmale typisch sind. Wir erklären Ihnen, wie Sie Ihr Kind testen lassen können und welche Fördermöglichkeiten es gibt.

1. Hochbegabung – ein Potential, welches genutzt werden sollte

Hochbegabung Kleinkind

Der IQ bei Kindern mit Hochbegabung liegt bei über 130.

Hochbegabung ist für viele Menschen ein Thema, mit dem sie im Alltag selten konfrontiert werden. Eltern sind daher im ersten Moment oft überfordert, wenn eine Hochbegabung bei ihrem Kind festgestellt wird. Zunächst ist es wichtig zu wissen, dass die Hochbegabung nichts Negatives darstellt, sie ist keine Krankheit oder Behinderung. Im Grunde genommen ist sie ein Geschenk.

Hochbegabte Kinder sind gleichaltrigen Kindern in vielen Dingen weit voraus. Oftmals ist es sogar so, dass diese Kinder Entwicklungsstadien gänzlich überspringen. So lernen sie beispielsweise nicht, wie jedes andere Kind, zuerst das Krabbeln, sondern gehen gleich zum Laufen über.

Hochbegabung kann generell in drei Bereiche unterteilt werden:

  • hochintelligent
  • hochkreativ
  • hochsensibel

Im Bereich der Intelligenz lässt sich mit Hilfe spezieller Tests die Hochbegabung am besten feststellen. Ab einem IQ von 130 werden Kinder als hochbegabt eingestuft. Ein Wert zwischen 120 und 130 bedeutet hingegen, dass das Kind überdurchschnittlich begabt ist, jedoch keine Hochbegabung aufweist. Etwa 2-3% aller Kinder sind hochbegabt. Jedoch tritt die Hochbegabung zumeist in allen drei Bereichen gleichzeitig auf.

Hochbegabte Kinder haben häufig einen vergleichsweise großen Wortschatz, sind sehr kreativ und können sich gut konzentrieren. Obwohl die Kinder intelligenter als der Durchschnitt sind, fallen sie im Kindergarten oder in der Schule nicht unbedingt nur positiv auf. Im Gegenteil. Oftmals haben diese Kinder schlechte Schulnoten und zeigen Verhaltensauffälligkeiten. Dies ist jedoch häufig darauf zurückzuführen, dass sie ständig geistig unterfordert sind.

Tipp: Hochbegabte Kinder sollten unbedingt gefördert werden. Sie müssen die Möglichkeit bekommen, ihre Fähigkeiten frei zu entfalten.

2. Hochbegabung beim eigenen Kind erkennen

Hochbegabung Merkmale

Hochbegabte Kinder werden oft von Gleichaltrigen ausgeschlossen.

Gerade bei Kleinkindern ist es keine leichte Aufgabe, Hochbegabung zu erkennen. Eltern können die Anzeichen für Hochbegabung in den meisten Fällen nicht richtig deuten. Erschwerend kommt hinzu, dass ein Vergleich mit anderen Kindern für Eltern oftmals nicht möglich ist. Sie sehen nur, wie sich Ihr eigenes Kind entwickelt und können so nicht richtig beurteilen, ob sich die Entwicklung zu anderen Kindern desselben Alters unterscheidet.

Aber auch in Einrichtungen wie Kindergärten oder Kindertageseinrichtungen wird Hochbegabung eher selten erkannt. Der Grund dafür, dass Erzieher Hochbegabung nicht erkennen, liegt in der Ausbildung. In den meisten Bundesländern werden Erzieher im Hinblick auf Hochbegabung nicht ausreichend geschult.

Hochbegabte Kinder werden zumeist aufgrund ihrer Andersartigkeit von den anderen Kindern ausgeschlossen. Sie spüren die Diskrepanz zwischen ihnen und Gleichaltrigen und ziehen sich daher oftmals auch selbst zurück. Ohne Aufklärung verstehen sie nicht, was mit ihnen los ist und warum sie bei den anderen Kindern so unbeliebt sind. Erzieher wiederum sehen dann nur, dass das Kind anscheinend Defizite im sozialen Bereich aufzeigt. Dies ist jedoch in der Regel eine völlig falsche und unzureichende Diagnose.

Im Folgenden geben wir Ihnen eine Liste mit typischen Merkmalen für Hochbegabung an die Hand. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind hochbegabt sein könnte, können Sie die Anzeichen mit den Merkmalen auf dieser Liste vergleichen. Sollten mehrere Kriterien zutreffen, ist es wichtig, dass Sie Ihr Kleinkind dementsprechend fördern. Beratung bekommen Sie bei Psychologen oder bei entsprechenden staatlichen Einrichtungen wie Familienberatungsstellen.

Eine Hochbegabung kann vorliegen, wenn Ihr Kind

  • sehr früh selbstmotiviert altersuntypische Aufgaben lösen möchte.
  • sich sehr schnell langweilt.
  • sich nicht in eine Gruppe integrieren kann und Außenseiter ist.
  • Entwicklungsphasen überspringt.
  • sehr früh zu sprechen beginnt.
  • sehr viele Fragen stellt und alles wissen möchte.
  • sich lieber mit älteren Kindern oder Erwachsenen umgibt.
  • starkes Interesse an Buchstaben, Zahlen und Symbolen aufzeigt.

Diese Liste ist keineswegs abschließend. Manche hochbegabte Kinder fallen durch etwas andere Verhaltensweisen auf. Hinzu kommt, dass Kleinkinder andere Merkmale aufweisen als beispielsweise Schulkinder. Daher sollten Sie sich stets beraten lassen und am besten einen Test zur Feststellung der Hochbegabung durchführen lassen.

3. Hochbegabung testen lassen

IQ-Werte bei Kindern

Der Hochbegabtentest kann bei einem Psychologen, bei Erziehungsberatungsstellen oder speziellen Beratungsstellen für Hochbegabte durchgeführt werden.

Wenn Ihr Kleinkind einige der Merkmale aus der Liste aufzeigt, sollten Sie unbedingt etwas unternehmen. Je früher die Hochbegabung eines Kindes entdeckt wird, desto schneller können entsprechende Fördermaßnahmen in Anspruch genommen werden.

Die deutsche Gesellschaft für das hochbegabte Kind e.V. (DGhK) stellt auf ihrer Internetseite Broschüren zur Verfügung, die Eltern über das Thema Hochbegabung aufklären. Diese Broschüren können zumeist kostenfrei bestellt oder heruntergeladen werden. Zudem wird dort eine Liste mit Kontakten und Adressen für die verschiedenen Regionen zur Verfügung gestellt.

HAWIK IV

Der gängigste IQ-Test ist der HAWIK IV. Er kann jedoch nur bei Kindern im Alter von sechs bis zwölf Jahren durchgeführt werden. Bei Vorschulkindern kommt hingegen überwiegend der HAWIVA III zum Einsatz.

Um eine Hochbegabung feststellen zu können, muss ein Intelligenztest durchgeführt werden. Bei diesen Tests wird der Intelligenzquotient (IQ) des Kindes festgestellt. Dazu müssen verschiedene Aufgaben gelöst werden. Am besten lassen Sie diesen Test von einem Diplom-Psychologen oder einer Diplom-Psychologin durchführen. Diese können die Ergebnisse am besten auswerten und interpretieren. Lassen Sie sich am Ende auch einen Testbericht mitgeben. Mit Hilfe dieses Berichts können Sie stets selbst nachvollziehen, in welchen Bereichen Ihr Kind überdurchschnittliche Fähigkeiten aufzeigt.

Wie bei anderen Tests auch, sind die Messergebnisse bei einem IQ-Test nicht zu 100% genau. Der Wert des ermittelten IQs weicht jedoch im Durchschnitt nur um bis zu 5 Punkte vom tatsächlichen Wert ab. Kommt bei dem Test beispielsweise heraus, dass Ihr Kind einen IQ von 138 hat, liegt der genaue Wert definitiv zwischen 133 und 143, sodass die Hochbegabung bewiesen werden kann.

Tipp: Um die Testergebnisse abzusichern, sollten Sie in jedem Falle mindestens einen weiteren Test bei Ihrem Kleinkind durchführen lassen.

4. Kinder mit Hochbegabung fördern

Hochbegabung Test Kind

Eine Hochbegabtenförderung ist enorm wichtig.

Kinder mit einer Hochbegabung zeigen häufig Verhaltensauffälligkeiten auf. So kommt es auch dazu, dass Erzieher bei hochbegabten Kinder vorschnell die Diagnose AD(H)S stellen. Das Problem liegt in der Unwissenheit über die spezifischen Anzeichen.

Wenn keine besondere Begabtenförderung stattfindet, kann es sein, dass die Kinder aggressiv oder depressiv werden. Sie verweigern jegliche Beteiligung an Spielen und werden von der gesamten Gruppe ausgegrenzt. Daher ist es umso wichtiger, dass Sie die Hochbegabung erkennen und spezielle Fördermaßnahmen in die Wege leiten.

Die Förderung kann einerseits durch die Kindergärten und Schulen, andererseits jedoch auch durch die Eltern erfolgen. In der Kita oder der Schule sollte das Kind Sonderaufgaben bekommen, um eine Unterforderung zu vermeiden. Dies können beispielsweise Knobelaufgaben oder spezielle Förderstunden sein. Wichtig ist, dass das Kind Freiraum zur Entfaltung seiner Fähigkeiten bekommt.

Die größte Aufgabe als Eltern ist es, dass Sie Ihrem Kind das Gefühl geben, dass die Hochbegabung etwas Gutes und nichts Schlechtes ist. Reden Sie ganz offen über die Hochbegabung, sodass Ihr Kind weiß, welches Potenzial in ihm steckt. Geben Sie Ihrem Kind also viele Gelegenheiten zur freien Entfaltung der persönlichen Stärken.

Weitere Tipps, um Ihr Kind optimal zu fördern:

  • Bremsen Sie nicht, sondern fördern Sie den Lerneifer Ihres Kindes.
  • Unterstützen Sie Ihr Kind sowohl im Hinblick auf die Stärken als auch auf die Schwächen.
  • Ermöglichen Sie Ihrem Kind Zugang zu verschiedenen Lernmaterialien.
  • Arrangieren Sie Treffen mit anderen hochbegabten Kindern.
  • Nutzen Sie auch außerschulische Angebote, die Ihrem Kind gefallen könnten (bspw. Schach-Klub oder fremdsprachliche Früherziehung).

5. FAQ – Wichtige Fragen und Antworten

Ab welchem Alter kann ein Intelligenztest durchgeführt werden?

Intelligenztests sind generell für Kinder ab etwa zwei bis drei Jahren geeignet. Da die Entwicklung in diesem Alter jedoch teilweise sehr große Sprünge macht, sind die Messergebnisse nicht zuverlässig. Endgültig erfassen lässt sich eine Hochbegabung mit etwa fünf Jahren.

Ist Hochbegabung vererbbar?

Die intellektuelle Hochbegabung ist teilweise erblich bedingt. Zu etwa 50% hängt sie jedoch auch von Umwelteinflüssen ab.

Gibt es Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen?

Grundsätzlich sind in etwa gleich viele Mädchen wie Jungen hochbegabt. Allerdings gibt es einige Unterschiede in der Art der Begabung. Während Mädchen im Durchschnitt besser bei sprachlichen Aufgaben abschneiden, können Jungen besser räumliche Probleme lösen.

Sind alle Intelligenztests gleich aufgebaut?

Intelligenz setzt sich aus verschiedenen Fähigkeiten zusammen. Um die Intelligenz einheitlich bestimmen zu können, werden verschiedene Aufgaben gestellt. Die gängigen Testverfahren beinhalten jedoch nicht immer alle Bereiche. So kann es auch vorkommen, dass die Ergebnisse von zwei verschiedenen Tests voneinander abweichen.

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