Fremdeln beim Baby: Ursache, Dauer und Tipps zum Umgang mit der Fremdelphase

Datum: 26. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

kind will nicht auf arm.
  • Die Fremdelphase stößt so manch Einen vor den Kopf – selbst, wenn Ihr Kind demjenigen zuvor immer wohlgesonnen war. Sogar der eigene Vater oder die Mutter können auf einmal verschmäht werden.
  • Aus entwicklungspsychologischer Sicht ist Fremdeln für die Entwicklung beim Baby ein bedeutender Schritt. Durchschnittlich beginnt ein Kind etwa acht Monate nach der Geburt mit besagtem Verhalten.
  • Wenn Ihr Baby zu Fremdeln beginnt, brauchen Sie sich absolut keine Sorgen machen. Dies ist ein natürlicher Schutzmechanismus und ein wichtiger Entwicklungsschritt, der sich in den meisten Fällen von alleine wieder legt. Frühes fremdeln hat jedoch – entgegen vieler Meinungen – eher weniger mit der Intelligenz eines Kindes zu tun.

Fremdeln ist ein ganz normales Verhaltensmuster, das sich bei den meisten Kindern mit 3 bis 8 Monaten zeigt. Sie merken es daran, dass Ihr Kind Außenstehenden mit Angst, Abneigung und starkem Misstrauen begegnet. Im folgenden Beitrag möchten wir Ihnen einige Ratschläge an die Hand geben, wie Sie mit dem Verhalten Ihres Kindes umgehen können.

1. Das Verhalten Ihres Kindes passt sich an

Baby krabbelt und schaut ängstlich

Der neue Bewegungsfreiraum macht Ihr Kind ängstlich.

In der Fremdelphase beginnt Ihr Kind zwischen vertraut und unbekannt zu differenzieren. Es erkennt zwar schon nach den ersten Monaten Mutter und Vater an deren Stimme und Geruch, aber erst nach einigen Monaten kann es das Gesicht der wichtigsten Bezugsperson sicher erkennen und von weniger bekannten Personen unterscheiden.

Grundsätzlich können Sie das Fremdeln als Bildungsmechanismus für natürliche und gesunde Distanz gegenüber Fremden betrachten. Aus evolutionsbiologischer Sicht betrachtet, ist Fremdeln ein essenzieller Vorgang zum Selbstschutz.

Die meisten Eltern fragen sich, wann und wodurch das Fremdeln des Babys beginnt. Meistens setzt das Fremdeln dann ein, wenn sich Ihr Kind durch das neu erlernte Robben oder Krabbeln einen größeren Bewegungsradius verschafft. Die dazu gewonnene Bewegungsfreiheit macht Ihrem Kind aber unterbewusst auch etwas Angst. Mit 2 bis 3 Jahren endet das Fremdeln eines Kleinkindes in der Regel von alleine.

Eine weitere Ursache für Fremdeln beim Baby ist die Trennungsangst. Ihr Nachwuchs hat in seinen ersten Lebensmonaten gemerkt, dass Sie sich als Eltern um ihn sorgen und alle Bedürfnisse zufriedenstellen. Aus dieser Situation heraus bildet sich das sogenannte Urvertrauen, was auch für Beziehungen zu anderen Personen noch essentiell sein wird. Aber in der momentanen Situation ist Ihr Kind noch komplett von Ihnen abhängig. Deshalb reagiert es mit Unruhe oder sogar Panik, wenn Sie den Raum oder sein Blickfeld verlassen.

 

2. Fremdeln ist ein Zeichen einer festen Bindung zwischen Eltern und Kind

kind versteckt sich hinter bezugsperson.

Während des Fremdels suchen Kinder schutz bei der Bezugsperson.

Wenn ein Kind nur bei Außenstehenden fremdelt, ist dies ein sicheres Zeichen für eine starke Bindung zu den Eltern. Es weiß, dass es mit seinen Eltern eine sichere Basis hat, um Trauer, Angst oder Unsicherheit zu verarbeiten.

Erst durch diese Sicherheit kann Ihr Kind seine Umwelt sorgenfrei erforschen, lernen und einen offenherzigen und selbstbewussten Charakter entwickeln. Mama oder Papa sind in der Fremdelphase eine Art Rückzugsgebiet für die Kleinsten.

3. Beim Umgang mit fremdelnden Kindern gibt es einiges zu beachten

Mama und Papa können ihrem Baby das Fremdeln nicht abtrainieren – und das ist auch gut so. Sie können Ihr Kind in der Fremdelphase aber unterstützen, indem Sie ihm viel Sicherheit und Geborgenheit zukommen lassen.

Fremdelt Ihr Baby, sollten Sie es nicht in die Arme von Angehörigen zwingen, wenn es das nicht möchte. Darüber hinaus ist es nicht der richtige Ansatz, Ihr Kind in Watte zu packen. Soziale Kompetenzen, die für die Charakterentwicklung und das spätere Leben Ihres Kindes wichtig sind, lassen sich nämlich nur in Verbindung mit anderen Personen aufbauen.

Mit den folgenden Tipps können Sie Ihr Kind in der Fremdelphase unterstützen:

  • Seien Sie geduldig.
  • Helfen Sie Ihrem Kind beim Kontakt mit fremden Menschen.
  • Beziehen Sie außenstehende in Tätigkeiten wie Spielen, Füttern oder Wickeln mit ein.
  • Geben Sie Ihrem Kind Bescheid, bevor Sie sich entfernen.
  • Steigern Sie den Zeitraum Ihrer Abwesenheit Stück für Stück.

4. Manche Kinder überspringen die Fremdelphase

Im Großteil der Fälle besteht zwischen der wichtigsten Bezugsperson (meistens Mutter) und dem Kind eine feste Beziehung. Hier zeigt sich bei fremdelnden Kindern häufig ein sehr ähnliches Verhalten. Sobald die Bezugsperson den Raum verlässt, fangen Sie an zu weinen und wollen, dass Mama oder Papa sofort wieder zurückkommt. Sobald die Bezugsperson aber zurückkommt, freuen sie sich wie wild.

Wenn das Verhalten eines Kindes völlig vom eben geschilderten abweicht, ist dies ein Indiz für eine labile Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson. Wenn ein Baby überhaupt nicht fremdelt, liegt die Ursache oft in negativen Erfahrungen mit einer Bezugsperson.

Achtung: Durch ablehnendes, distanziertes Verhalten, Stimmungsschwankungen, emotionaler Kälte aber auch Vernachlässigung sowie Missbrauch kann die Gesundheit der sensiblen Beziehung maßgeblich beeinträchtigt werden.

Entwicklungspsychologen raten jedoch grundsätzlich nicht zu viel in das Verhalten des eigenen Kindes hineinzuinterpretieren. Denn neugierige Kinder fremdeln meist nur wenig, da sie mit neuen Eindrücken schon gut umgehen können.

5. Das Ausmaß des Fremdelns hängt von verschiedenen Faktoren ab

kind sucht hilfe.

Während der Fremdelphase ist auch körperliche nähe zur Bezugsperson wichtig.

Die folgenden Faktoren können das Verhalten Ihres Kindes in der Fremdelphase beeinflussen:

  • Temperament des Kindes
  • Unmittelbare Umgebung
  • Verhalten anwesender Personen

5.1 Das Temperament – jedes Kind ist anders

Schon die Kleinsten reagieren sehr verschieden auf neuen Situationen. Manche Kinder sind ängstlicher oder weinen schneller, während bei anderen die Neugierde im Vordergrund steht. Dementsprechend unterschiedlich kann auch das Verhalten vom Baby oder Kleinkind beim Fremdeln ausfallen.

5.2 Die unmittelbare Umgebung – Ihr Kind reagiert immer nur auf die momentane Situation

Neue Orte, unbekannte Leute – da werden viele Babys schnell nervös. Sind die Kinder zu Hause, fremdeln sie im Normalfall nicht so schnell. Denn hier kennen sie sich aus und die Bezugsperson ist immer in der Nähe. Kurzum: Sie fühlen sich geborgen.

5.3 Das Verhalten anwesender Personen – auch Kinder müssen nicht jeden mögen

Wenn Sie wissen, dass Ihr Kind gerade in der Fremdelphase ist, sollten Sie außenstehende Personen entsprechend aufklären. So können Sie vermeiden, dass Freunde oder andere Familienmitglieder Ihr Kind unangekündigt auf den Arm nehmen oder auf anderem Wege zum Fremdeln beim Baby beitragen.

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