Urvertrauen beim Baby: So stärken Sie von Anfang an die Bindung zu Ihrem Kind

Baby lächelt unter den Händen der Eltern
Was ist das Urvertrauen?

Es ist der Definition nach die Erfahrung des Babys, dass die eigenen Bedürfnisse ernst genommen werden und dass die Bezugsperson da ist, wenn man sie braucht.

Wie kann man Urvertrauen aufbauen?

Durch zuverlässige, liebevolle Zuwendung in den ersten Monaten lernen Babys Urvertrauen und nehme es als Glücksgrundlage mit ins Leben.

Welche Auswirkungen hat fehlendes Urvertrauen?

Menschen ohne Urvertrauen haben ein geringeres Selbstvertrauen, fühlen sich unzulänglich, zweifeln an sich und anderen und sind misstrauischer und ängstlicher als andere Menschen.

Urvertrauen ist ein prägendes Gefühl, das bereits in den ersten Lebensmonaten entsteht. Sie können es bei Ihrem Baby stärken, damit es sich sicher und geborgen fühlt und der Welt mit einer positiven Einstellung begegnet. Später lässt sich diese Entwicklung kaum oder nur unvollständig nachholen.

1. Urvertrauen resultiert aus Ursache und Wirkung

Mutter mit weinendem Baby

Weinen ist die Sprache, in der Babys zeigen können, dass etwas nicht stimmt.

Ein Baby, das gerade auf die Welt gekommen ist, muss sich mit einer feindlich wirkenden Welt auseinandersetzen: Der Schutz und die Wärme des Mutterleibs sind weg, es ist kälter und viel lauter. Hinzu kommt, dass es Hunger kennenlernt und dass (oft auf schmerzhafte Weise) die Verdauung einsetzt.

Das Baby selbst kann nichts anderes tun, als zu schreien. Friert es, schwitzt es, hat es Hunger, Schmerzen, Angst oder das Bedürfnis nach Nähe, kann es sich ausschließlich über diese Laute verständlich machen. Kommt schnell jemand und kümmert sich, verankert sich ein Gefühl von Sicherheit in der Persönlichkeit des Babys: Ich werde umsorgt und ernst genommen, ich bin nicht allein, ich werde geliebt.

Tipp: Liebevolle Zuverlässigkeit ist die beste Grundlage für eine stabile Persönlichkeit des Babys.

2. “Lass es doch mal schreien” ist der schlechteste Tipp!

Erziehungstipps ändern sich im Laufe der Zeit. Der Ratschlag, sein Kind doch einfach mal schreien zu lassen, hat über lange Zeit hinweg viel Unheil angerichtet. Die Annahmen, das Baby würde selbstständiger und seine Lungen würden sich dadurch kräftig entwickeln sind beide falsch:

Auch die Lungen von Babys, die nicht lange um Aufmerksamkeit betteln müssen, entwickeln sich zufriedenstellend. Und wie soll ein Baby selbstständig sein? Es kann sich nicht versorgen. Es braucht seine Eltern oder andere Bezugspersonen.

Die Vernachlässigung, die das “Schreien lassen” darstellt, hat aber viel üblere Auswirkungen, nämlich mangelndes Urvertrauen. Das Baby spürt, dass es ein Bedürfnis hat und sich niemand kümmert. Es lernt direkt, dass es nicht besonders wichtig ist und sich auf niemanden verlassen kann. Und das ist eine Lektion, die sein ganzes Leben lang von Bedeutung sein wird, weil sie sich im Unterbewusstsein festhakt und sich kaum mehr revidieren lässt.

3. Die Auswirkungen des Urvertrauens sind vielfältig

Vater mit weinendem Baby im Bett

Eine schnelle Reaktion unterstützt das Urvertrauen – auch, wenn Sie müde oder ratlos sind.

Damit das Baby Urvertrauen aufbauen kann, müssen Sie als Eltern oder Bezugspersonen nicht einmal immer sofort wissen, was ihm fehlt: Es reicht, wenn Sie sofortige Bereitschaft signalisieren, sich mit dem Problem zu befassen. Die positiven Auswirkungen sind weitreichend, die negativen des fehlenden Urvertrauens allerdings auch.

3.1. So wirkt ein gesundes Urvertrauen

Bekommt das Baby bedingungslose Liebe und Sicherheit in Form von verlässlicher Zuwendung, erhält es eine positive Grundeinstellung zum Leben. Es lernt, anderen Menschen Vertrauen zu schenken und verfügt meist über einen ausgeglichenen, zufriedenen Charakter. Krisensituationen meistert es im späteren Leben oft recht gut, und auch mit Enttäuschungen kann es häufig umgehen. Es zeichnet sich durch ein gesundes Selbstbewusstsein aus und begegnet anderen Menschen offen.

3.2. Diese Auswirkungen hat mangelndes Urvertrauen

Mann mit Selbstzweifeln

Mangelndes Urvertrauen führt zu Misstrauen, Bindungsängsten und Selbstzweifeln.

Ist beim Baby das Urvertrauen gestört, sind Anzeichen bei den erwachsenen Menschen zu sehen: Sie entwickeln schneller Misstrauen und Selbstzweifel und haben oft eine pessimistische Weltsicht. Sie leiden häufig an Bindungsängsten und Unausgeglichenheit, die in schweren Fällen bis hin zur Depression oder gar zur Persönlichkeitsstörung reichen können.

Viele von ihnen entwickeln einen Hang zum Perfektionismus, der mit dem immerwährenden Gefühl einhergeht, nicht gut genug zu sein. Ein gewisses Gefühl von Unzulänglichkeit werden viele ihr Leben lang nicht mehr los. In Kindertagen können auch Entwicklungsverzögerungen oder Lernstörungen auftreten.

4. So können Sie bei Ihrem Kind Urvertrauen aufbauen

Es gibt einige in der Theorie einfache Regeln, mit denen Sie Ihrem Baby Urvertrauen einflößen:

  • Seien Sie immer da, wenn es schreit, und kümmern Sie sich.
  • Halten Sie sich vor Augen, dass das Baby nicht wissen kann, dass Sie nur im Nebenzimmer sind – es muss davon ausgehen, dass Sie weg sind und es allein lassen.
  • Stellen Sie viel und oft Körperkontakt her, kuscheln und schmusen Sie mit dem Baby.
  • Strahlen Sie so viel Ruhe und Gelassenheit aus wie möglich.
  • Sprechen Sie mit möglichst freundlicher, warmer Stimme.
  • Halten Sie sich an Rituale wie regelmäßige Fütterungszeiten, Mittagsschläfchen oder Spaziergänge.
  • Die Bezugspersonen sollten nicht laufend wechseln (immer neue Kindermädchen etwa).

Ab einem Alter von ungefähr sechs Monaten ist die Bindung so gefestigt und das Urvertrauen so verankert, dass das Baby Sie auf die Probe zu stellen beginnt: Springen Sie auch immer noch sofort, wenn es den Schnuller zum zwölften Mal auf den Boden wirft? Jetzt können Sie beginnen, erste Grenzen aufzuzeigen, indem Sie “nein” sagen und ihm den Schnuller erst wiedergeben, wenn Sie Ihre aktuelle Aufgabe erledigt haben.

Tipp: Sie sind keine Rabeneltern, wenn Sie das tun – auch, wenn es sich zunächst so anfühlt.

5. Ist das Urvertrauen gestört? Diese Anzeichen gibt es

Mutter ohne Urvertrauen kümmert sich um Baby

Wer selbst kein Urvertrauen hat, muss sich besonders ins Zeug legen, um es für sein Baby aufzubauen.

Sie möchten Ihr Baby stärken und ihm den bestmöglichen Start ins Leben ermöglichen, doch das ist nicht immer einfach. Manche Menschen haben selbst kein oder nur wenig Urvertrauen. Sie müssen sehr reflektiert sein, um diese Erfahrung nicht an ihr Baby weiterzugeben.

Manch eine Mutter leidet an Wochenbettdepressionen, mancher Vater unter Stress. Auch Trauer kann dazu führen, dass Sie dem Baby nicht die nötige Nähe geben können. Mögliche Anzeichen für ein Defizit können die Folgenden sein:

  • das Baby hört nicht auf zu schreien
  • es hat Probleme beim Schlafen
  • es verweigert Brust oder Fläschchen
  • das Baby ist grundsätzlich unruhig

6. Das können Sie tun, wenn Sie Probleme beim Aufbau des Urvertrauens befürchten

Sie wissen nicht, was es noch sein kann: Sie machen doch eigentlich alles richtig, und das Baby schreit trotzdem und lässt sich nicht beruhigen. Hier können viele verschiedene Faktoren ursächlich sein.

Junge überforderte Mutter mit Baby

Ein Baby ist eine riesige Aufgabe – es kommt bei jungen Eltern immer wieder zu Überforderung.

Neben den oben genannten wie Depression, Stress und Trauer kann es auch schlicht Überforderung sein: Ihr Leben wurde gerade komplett auf den Kopf gestellt, Sie leiden an Schlafmangel, und die Angst, etwas falsch zu machen, ist so groß wie Ihre Liebe zu Ihrem Baby. Das ist absolut nicht unnormal.

Das Baby spürt die Angst und die Unruhe und reagiert darauf. Hier hilft es schon viel, wenn Sie auf das Schreien zuverlässig reagieren oder die schnelle Reaktion wieder aufnehmen, wenn Sie es einmal nicht geschafft haben: Kleine Aussetzer im Urvertrauen lassen sich schnell wiederherstellen.

Praktische Hilfe bei sogenannten Schreibabys bietet die Schreiambulanz: Hier bekommen Sie Unterstützung durch eine Mischung aus Psychologie und physischen Übungen, die Ihnen hilft, das Baby zu beruhigen und ihm trotz des schweren Starts Urvertrauen einzuflößen. Je früher Sie diese Hilfe in Anspruch nehmen, desto besser für Sie und das Baby.

Tipp: Hilfestellungen anzunehmen, heißt nicht, dass Sie schlechte Eltern sind – es heißt, dass Sie für das Glück Ihres Babys alles tun.

7. Weiterführende Ratgeber für einen gute Eltern-Baby-Beziehung

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