Hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens: Wenn ADHS das Sozialleben zerstört

kind mit hyperkinetischer Störung des Sozialverhaltens
  • Ein schwieriges familiäres Umfeld begünstigt das Auftreten einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens.
  • Der Höhepunkt des Störungsbildes macht sich meist im Jugendalter bemerkbar.
  • Ausgrenzung sowie ein schwaches Selbstbewusstsein verschlimmern die Problematik.

Eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens beeinflusst nicht nur Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung, sondern ist oftmals eine große Herausforderung für die gesamte Familie.

Erfolgt die Diagnose der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens bei Kindern, dürfte dies für viele Eltern aufgrund der bisherigen Anzeichen kaum eine Überraschung darstellen. Eine frühzeitige Behandlung in der Kindheit oder Jugend kann Patienten allerdings dabei helfen, die Symptome abzumildern.


1. Es gibt mehr als nur eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens

das Wort Konzentration im Mittelpunkt des Bildes

Fehlende Konzentration ist bei allen hyperkinetischen Störungen ein großes Problem.

Der Bereich der hyperkinetischen Störungen wird gemäß der Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) zusammengefasst. Die hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens selbst trägt die Bezeichnung F90.1.

Vielfach treten die verschiedenen Störungen im emotionalen und sozialen Verhaltensbereich bereits in der frühen Kindheit auf. Teilweise machen sich die Störungen, insbesondere wenn diese weniger stark ausgeprägt sind, auch erst bei Jugendlichen oder bei Erwachsenen bemerkbar.

Die bekanntesten Formen dieser Gruppe von Verhaltens- sowie emotionalen Störungen bilden ADS sowie ADHS.
ADHS wird teils auch als hyperkinetisches Syndrom bezeichnet.

Laut Definition handelt sich bei der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens um eine Kombination, bei welcher

  • die Symptome von ADHS auftreten,
  • zusätzlich jedoch eine darüberhinausgehende Störung des Sozialverhaltens vorliegt.

Tipp: Zur ICD-10-WHO-Version, wo Sie neben der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens (F90.1) weitere Verhaltens- sowie emotionale Störungen finden, gelangen Sie hier.

Einen kurzen Überblick über Störungen in diesem Bereich sehen Sie in diesem YouTube-Video:

2. Die Symptome der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens

Kinder, die unter einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens leiden, werden von den meisten Eltern als schwierig beschrieben. Kein Wunder, denn eine kurze Aufmerksamkeitsspanne, impulsive Handlungen sowie häufige Wutausbrüche bestimmen den Tagesablauf.

Konkret umfasst das Störungsbild folgende Symptome:

Ein Junge schlägt seinen Teddybär

Manche Kinder lassen ihre Wut an Kuscheltieren aus.

  • Fehlender Fokus:
    Kinder leiden unter mangelnder Aufmerksamkeit. Sie führen Aufgaben häufig nicht zu Ende und lassen sich von Kleinigkeiten ablenken. Oftmals ist jedoch nicht einmal eine Ablenkung erforderlich, damit Kinder sich etwas Neuem zuwenden.
  • Hohe Impulsivität:
    Alles muss jetzt sofort geschehen. Abwarten ist etwas, dass Kinder an den Rande der Verzweiflung treibt und viel Training erfordert.
  • Mangelnde Kontrolle:
    Läuft etwas nicht wie gewünscht, sind Wutausbrüche und aggressives Verhalten die Folge. Kindern fällt es sehr schwer, sich wieder zu beruhigen, sofern sie sich einmal in diesem Modus befinden.
  • Starke Unruhe:
    Viele Kinder sind rastlos und benötigen permanente Beschäftigung. Da die Gedanken nie stillstehen, wirken Betroffene nach außen hin meist angespannt und nervös. Nicht umsonst werden Kinder mit einer hyperkinetischen Störung auch heute noch häufig als Zappelphilipp bezeichnet.
  • Unangepasstes Verhalten:
    Aggressionen und Gewalt gegenüber anderen Menschen, Sachbeschädigungen oder ein massives Auflehnen gegenüber den Eltern bzw. der Gesellschaft an sich prägen das Störungsbild.
    Diebstähle, Schulschwänzen, Brandstiftung oder das Drangsalieren von Mitschülern sind leider keine Seltenheit.

Diese Verhaltensweisen haben oft zur Folge, dass Beziehungen zu Eltern sowie Mitschülern schwierig sind. Vielfach werden Kinder von anderen Kindern ausgegrenzt oder von ihren Eltern bestraft, was oftmals leider nur zu Trotzreaktionen führt.

Achtung: Neben einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden betroffene Kinder und Jugendliche häufig unter Angststörungen sowie Schlafstörungen, die zum Teil mit Alkohol oder Drogen bekämpft werden, wodurch die Situation allerdings meist eskaliert.

3. Ursachen der hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens

kleines Mädchen weint, während die Eltern im Hintergrund streiten

Streit und Stress innerhalb der Familie verstärken die Symptome.

Die Ursachen sind bis heute nicht abschließend geklärt. Während in früheren Zeiten vor allem früher Kindheitstraumata sowie eine schlechte Erziehung als Auslöser von hyperkinetischen Störungen galten, so werden zunehmend auch biologische Faktoren berücksichtigt.

Grundsätzlich verfügt jeder Mensch über ein mehr oder weniger ausgeprägtes Temperament. Bei Kindern und Jugendlichen mit einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens ist die Impulskontrolle allerdings derart gestört, dass logische Entscheidungen in der Praxis schwer umzusetzen sind.

Kinder müssen daher lernen, vor allem diesen Bereich unter Kontrolle zu bringen. Die Erziehung muss also frühzeitig auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt werden, um einer solchen Störung zu begegnen.

Leider kommt es häufig zu großen Spannungen im familiären Umfeld sowie im schulischen Bereich, sodass Kinder dazu neigen, sich eher zurückzuziehen oder aber sich aufzulehnen.

Nicht geklärt ist indes, warum Jungen etwa vier- bis fünfmal häufiger von einer hyperkinetischen Störung des Sozialverhaltens betroffen sind.

4. Eine frühzeitige Therapie verhilft Kindern zu einem normalen Leben

ein Junge hört seiner Therapeutin zu

Je früher eine Therapie ansetzt, desto besser sind die Ergebnisse.

Zahlreiche Studien zeigen, dass Kinder mit Problemen im emotionalen sowie sozialen Bereich maßgeblich von einer frühzeitigen Verhaltenstherapie profitieren.

Eine medikamentöse Behandlung kommt indes nur in Ausnahmefällen in Betracht. Vielmehr sollen Kinder und Jugendliche in Gesprächen lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen.

Neben dem therapeutischen Ansatz sollten Eltern versuchen, ihren Kindern ein gesundes Selbstbewusstsein mit auf den Weg zu geben. Fordern Sie etwas und fördern Sie Ihre Kinder in den Bereichen, in denen sie stark sind.

Zusätzlich benötigen Kinder vor allem Beschäftigung. Je ausgelasteter sie sind, desto besser sind sie in der Lage, sich auch für eine etwas längere Zeit auf eine Aufgabe zu konzentrieren.

Tipp: Da Lernen und schulische Aktivitäten oftmals mit Schwierigkeiten verbunden sind, ist ein sportliches Hobby ein Muss.

5. Weiterführende Literatur für Eltern, Erzieher und Lehrer


Ratgeber ADHS: Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher zu Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie)
  • Manfred Döpfner, Jan Frölich, Tanja Wolff Metternich-Kaizman
  • Herausgeber: Hogrefe Verlag
  • Auflage Nr. 22007 (27.06.2007)
  • Taschenbuch: 49 Seiten

Wackelpeter & Trotzkopf in der Pubertät: Wie Eltern und Jugendliche Konflikte gemeinsam lösen können. Mit Online-Material
  • Claudia Kinnen, Christiane Rademacher, Manfred Döpfner
  • Herausgeber: Beltz
  • Auflage Nr. 0 (02.02.2015)
  • Gebundene Ausgabe: 325 Seiten

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