Interview mit Sigrun Künne, Geschäftsführerin der Dussmann KulturKindergarten gemeinnützige GmbH:

„Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen“

Berlin
15.02.2012 / 12:16:19 Uhr

„Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen“Im Sommer vergangenen Jahres öffnete der erste KulturKindergarten der Dussmann Gruppe seine Pforten in Berlin Marzahn. Im Herbst folgte bereits eine weitere Eröffnung in Wetzlar. KiTa.de sprach mit Sigrun Künne, Geschäftsführerin der Dussmann KulturKindergarten gemeinnützige GmbH, über das Konzept, den Standort Berlin und die Perspektiven des Konzepts KulturKindergarten.

„Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen“Die Dussmann Gruppe startete im Sommer vergangenen Jahren ihren ersten KulturKindergarten in Berlin Marzahn. Warum gerade Berlin? Warum Marzahn?

Sigrun Künne: Das Unfallkrankenhaus Berlin in Marzahn war für uns ein fast natürlicher Partner für den Start. Denn zwischen der Dussmann Gruppe und der Klinik bestehen bereits sehr gute Geschäftsbeziehungen über das Catering in der Klinik, so dass die Gesprächspartner sich kannten. Außerdem genießt die Klinik einen hervorragenden Ruf als familienfreundliches Unternehmen.

Die Neuen Bundesländer weisen im Vergleich zu den Alten eine wesentlich höhere Kita-Dichte auf. Und Marzahn war der Vorzeigestadtteil der DDR mit einer sehr hohen Kita-Dichte. Bestand nicht die Gefahr, am Bedarf vorbei ein Angebot zu schaffen?

Künne: Trotz der vergleichsweise hohen Dichte ist der Bedarf immer noch nicht gedeckt. Es gab und gibt immer noch eine Unterversorgung. Denn viele staatliche Einrichtungen können ihre Plätze nicht belegen, weil das Personal fehlt. Gerade im Bereich der drei- bis sechsjährigen Kinder. Hinzu kommt, dass durch die Bundesinitiative, Kita-Plätze für 35 Prozent der unter dreijährigen Kinder bereitzuhalten, Knappheit geschaffen wurde. Wir helfen, den Gesamtbedarf zu decken.

„Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen“Wie war die Resonanz aus dem Stadtteil auf Ihr Angebot?

Künne: Bereits bei den Planungen lagen 60 Voranmeldungen von Mitarbeitern aus dem Krankenhaus vor. Deshalb bescheinigte uns das Jugendamt sofort den Bedarf. Als die Planungen schließlich öffentlich wurden, folgten weitere 150 bis 200 Anmeldungen aus dem Stadtteil. Dies übertrifft bei weitem unsere Kapazität, so dass wir leider 100 Interessenten eine Absage erteilen mussten.

Wie hoch ist der Anteil der Kinder, die aus dem Stadtteil kommen müssen und deren Eltern nicht in der Klinik beschäftigt sind?

Künne: Dazu gibt es keine starren Regelungen, sondern dies sprechen wir eng mit den Jugendämtern ab. Ziel es ist jedoch, ein ungefähres Gleichgewicht zu erreichen. Außerdem haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Kinder aus sozial benachteiligten Familien stark zu unterstützen. Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen.

Neben ihren stark erweiterten Öffnungszeiten und dem Verzicht auf Ferienschließungen gehört zum Konzept des KulturKindergartens auch die bilinguale Betreuung. Wie sind ihre ersten Erfahrungen in Berlin?

Künne: Wir arbeiten nach der Immersionsmethode. Das heißt, die englischsprachige Erzieherin, eine für jede Gruppe, spricht mit ihren Kindern ausschließlich englisch und mit der deutschsprachigen Erzieherin wird nur deutsch gesprochen. Im Krippenalter wissen die Kinder sehr schnell, wer welche Sprache spricht und passen sich entsprechend an. Somit erlernen sie deutsch und englisch gleichzeitig und spielerisch.

Wie sieht es bei den älteren Kindern aus?

Künne: In der Altersgruppe drei bis sechs Jahre ist es natürlich schwieriger. Diese Kinder sind mit der deutschen Sprache bereits sehr viel weiter.

Der Begriff KulturKindergarten hört sich sehr ambitioniert an. Was ist genau darunter zu verstehen?

Künne: In Gesprächen kristallisierte sich schnell heraus, dass Kunst und Kultur bei Kindern häufig nicht so präsent ist, wie wir es uns vorstellen. Es fehlt häufig schlicht an Wissen. Wir sprachen deshalb mit zahlreichen Institutionen, die Kultur fördern. Und mit dem Situationsansatz als pädagogische Grundlage wollen wir kulturelle Schwerpunkte auf Projektbasis direkt umsetzen.

Was ist genau darunter zu verstehen?

Künne: In Berlin orientieren wir uns am Berliner Bildungsprogramm für Kindertagesstätten. Das heißt, Bildungsbereiche wie Sprache, Bewegung, Technik und Basteln oder Musik werden in die tägliche Arbeit integriert. Ein Beispiel: das Thema Bauen und Wohnen in der Zukunft. Gemeinsam mit den Kindern besuchen wir einen Workshop im Hamburger Bahnhof. Dabei betrachten wir nicht nur, sondern basteln auch. Für dieses Projekt, das über mehrere Wochen läuft, engagierten wir eigens eine Erzieherin, die das Projekt speziell begleitet.

Auf welche Altersgruppen konzentrieren Sie sich im Besonderen?

Künne: Keine. Unsere Kita nimmt Kinder ab der neunten Woche bis zum sechsten Lebensjahr auf. Die Altersgruppe, die uns im Visier hat, ist die der unter Dreijährigen. In dieser Gruppe ist die Nachfrage viel höher, als wir anfangs dachten.

Bitte ergänzen Sie den Satz: Der KulturKindergarten ist...

Künne: ... liebevoll und professionell . Diese zwei Dinge liegen uns besonders am Herzen und darauf legen wir großen Wert.

Die Dussmann Gruppe

Mit rund 56.500 Mitarbeitern in 21 Ländern bietet die Dussmann Gruppe unter dem Markennamen Dussmann Service alle Dienstleistungen aus einer Hand rund um das Gebäude an: Technisches Management, Catering, Sicherheits- und Empfangsdienste, Gebäudereinigung, Kaufmännisches Management und Energiemanagement.

Das zweitgrößte Tochterunternehmen, Kursana sorgt für Betreuung und Pflege von 13.600 Senioren. Darüber hinaus betreibt die Gruppe Dussmann das KulturKaufhaus in Berlin. Die Dussmann Gruppe erzielte im Jahr 2010 einen Gesamtumsatz von 1.567 Mio. Euro. Damit ist sie weltweit einer der größten privaten Multidienstleister. Kundennähe, totale Dienstleistungsorientierung und Innovationen sind die Dussmann-Merkmale.

„Wir wollen keinen elitären Vorzeigekindergarten schaffen“Im Foto: Catherine von Fürstenberg-Dussmann, Stiftungsratsvorsitzende der Dussmann Gruppe, bei einer Weihnachtsbäckerei in der KulturKindergarten Berlin. An der Entwicklung des Konzeptes KulturKindergarten beteiligte sich Frau Fürstenberg-Dussmann maßgeblich.

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