Gewickelt wird, solange ein Kind noch nicht trocken ist. In der Krippe betrifft das fast alle Kinder, im Kindergarten einen Teil der Jüngeren. Ein festes Alter für das Trockenwerden gibt es nicht, die meisten Kinder werden zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr trocken.
Idealerweise übernimmt das eine vertraute Bezugsperson. Feste Zuständigkeiten geben dem Kind Sicherheit und erleichtern eine achtsame, beziehungsvolle Pflege. In der Praxis wickeln je nach Personalsituation aber auch andere Fachkräfte der Gruppe.
Grundlage ist der Hygieneplan nach § 36 IfSG. Dazu kommen Einmalhandschuhe, eine eigene Wickelunterlage pro Kind, eine Wischdesinfektion der Fläche nach Gebrauch und ein Windeleimer mit handkontaktfrei zu öffnendem Deckel.
Wenn ein Kind in Krippe oder Kita betreut wird, gehört das Wickeln in der Kita für viele Familien einfach dazu. Trotzdem tauchen dabei drei Fragen immer wieder auf: Ist das hygienisch sauber gelöst? Wer erfährt, was in der Windel war? Und fühlt sich mein Kind dabei gut aufgehoben?
Dieser Beitrag beantwortet alle drei. Sie erfahren, welche Hygiene- und Sicherheitsregeln gelten, was der Datenschutz von der Einrichtung verlangt und wie eine achtsame, beziehungsvolle Pflege aussieht.
Wichtige Fakten im Überblick

Das Wickeln in der Kita ist eine ganz normale pflegerische Aufgabe, keine Nebensache. In der Krippe betrifft es fast alle Kinder mehrmals täglich. Aber auch im Kindergarten sind längst nicht alle Kinder ab drei Jahren schon vollständig trocken. Deshalb finden Sie in vielen Einrichtungen einen eigenen Wickelbereich. Pflegesituationen sind fester Teil des Tagesablaufs.
Wie oft ein Kind gewickelt wird, hängt vom Alter und vom Kind ab. Üblich ist ein Blick zu festen Zeiten, etwa nach dem Ankommen, vor dem Schlafen und nach den Mahlzeiten, ergänzt um Windelwechsel bei Bedarf. Am häufigsten begegnet mir von Eltern die Sorge, ihr Kind könnte zu lange in einer vollen Windel liegen. Ein Blick auf die Wickelgewohnheiten der Gruppe schafft hier meist schnell Klarheit.
Idealerweise übernimmt eine vertraute Person das Wickeln. Warum das so wichtig ist, lesen Sie weiter unten im Abschnitt zur beziehungsvollen Pflege. Der Übergang von der Windel zur Toilette ist ein eigenes großes Thema. Wie Sie Ihr Kind dabei begleiten, ohne Druck aufzubauen, zeigt unser Beitrag zur Sauberkeitserziehung.
Hygiene ist beim Wickeln in der Kita kein freiwilliges Extra. Jede Kita ist als Gemeinschaftseinrichtung nach § 36 des Infektionsschutzgesetzes verpflichtet, in einem Hygieneplan festzulegen, wie Infektionen vermieden werden. Das Gesetz selbst schreibt die Details nicht vor. Es überlässt sie den Einrichtungen, die sich dabei an den Rahmenhygieneplänen der Länder orientieren. Welche Regeln über das Wickeln hinaus gelten, erklärt unser Überblick zum Infektionsschutzgesetz in der Kita.
Für den Wickelplatz haben sich einige feste Standards etabliert. Damit keine Erreger von einem Kind zum nächsten wandern, kommt für jeden Windelwechsel eine persönliche Unterlage zum Einsatz. Die Fachkraft zieht dabei Einmalhandschuhe an. Wird ohne Einwegunterlage gewickelt, wischt die Fachkraft die Fläche nach jedem Kind mit einem geeigneten Mittel ab. Bei Durchfallwellen durch Noro- oder Rotaviren braucht es ein Mittel, das auch gegen Viren wirkt.
Ein wandmontierter, ohne Handkontakt bedienbarer Spender für Händedesinfektion gehört ebenso zum Wickelbereich wie ein Windeleimer mit Deckel, der sich ohne Handkontakt öffnen lässt. Dieser Eimer wird mindestens an jedem Werktag geleert. So bleibt der Geruch draußen und die Keimlast niedrig.
Neben der Hygiene zählt die Sicherheit. Gerade bei Babys zählt der Sturz vom Wickeltisch zu den typischen Unfällen im ersten Lebensjahr. Deshalb gilt die einfachste und wichtigste Regel zuerst: Solange ein Kind nicht sicher selbst hinaufsteigt, bleibt immer eine Hand am Kind. Die folgende Übersicht fasst die Empfehlungen der gesetzlichen Unfallversicherung zusammen.
Sicherer Wickelbereich in Krippe und Kita nach Empfehlungen der gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)
Eine Wickeltreppe hat einen doppelten Nutzen. Die Kinder steigen selbst hinauf, was ihre Selbstständigkeit stärkt. Gleichzeitig muss die Fachkraft weniger heben und schont ihren Rücken. Steht der Wickeltisch im frei zugänglichen Waschraum, sichert ein Törchen oder eine ausziehbare Stufe ihn so, dass Kinder nicht unbeobachtet hochklettern.
Mein Tipp: Fragen Sie beim Aufnahmegespräch ruhig, wo und wie in der Einrichtung gewickelt wird. Ein separater, gut belüfteter Wickelbereich mit eigenem Waschbecken spricht für durchdachte Abläufe.

Beim Datenschutz denken viele zuerst an Fotos für die Kita-Homepage. Beim Wickeln in der Kita geht es aber um etwas Sensibleres. Was eine Fachkraft in der Windel sieht, sind Informationen über die Gesundheit Ihres Kindes. Ein wunder Po, auffälliger Stuhlgang oder eine Durchfallerkrankung zählen zu den Gesundheitsdaten. Diese Angaben stehen nach Art. 9 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) unter besonderem Schutz, wie auch der Landesdatenschutzbeauftragte Rheinland-Pfalz für Kitas betont.
Für die Praxis heißt das dreierlei. Eine Wickelliste oder ein Wickelprotokoll darf nicht offen für alle sichtbar an der Wand hängen. Solche Notizen gehören an einen Ort, den nur das Team einsehen kann. Vergleichbares gilt für Allergie- oder Abhollisten. Ausführliche Beobachtungen zum Wund- oder Gesundheitszustand bewahrt die Einrichtung verschlossen auf und schützt sie vor unbefugtem Zugriff. Weitergeben darf die Kita solche Daten grundsätzlich nur mit Ihrer Einwilligung oder auf einer gesetzlichen Grundlage.
Fotos und Videos haben beim Windelwechsel nichts verloren. Ihr Kind befindet sich dabei in einer sehr persönlichen Lage. Es hat ein Recht darauf, vor fremden Blicken und erst recht vor der Kamera geschützt zu sein. Aufnahmen mit privaten Handys sind in der Kita ohnehin tabu, Fachkräfte dürfen nur Geräte der Einrichtung nutzen. Auch das ist eine Frage des Datenschutzes.
Ein weiterer Punkt betrifft die Speicherdauer. Daten, die für die Betreuung nicht mehr gebraucht werden, sind zu löschen. Verlässt Ihr Kind die Einrichtung, erhalten Sie die Unterlagen zur Bildungs- und Entwicklungsdokumentation zurück. Im Austausch mit Kita-Teams höre ich, dass klare Absprachen dazu am Anfang viel spätere Unsicherheit ersparen.
Wickeln ist mehr als saubermachen. Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler prägte dafür den Begriff der beziehungsvollen Pflege. Ihr Grundgedanke: Schon ein Säugling ist eine eigenständige Person und kein Objekt, das versorgt wird. In der Pflege entsteht Bindung, wenn sich die erwachsene Person feinfühlig auf die Signale des Kindes einstellt.
Wie das konkret gelingt, lässt sich in wenigen Haltungen zusammenfassen. Die Fachkraft kündigt an, was als Nächstes passiert, statt das Kind einfach hochzuheben. Sie wartet auf eine Reaktion und begleitet das Geschehen mit Worten, manchmal mit einem kleinen Lied. Sie lässt dem Kind Zeit und macht es, wo möglich, zum Mitwirkenden. So wird aus einer Pflichtaufgabe eine kurze, ungeteilte Zuwendung.
Damit diese Nähe entstehen kann, hilft eine feste Bezugsperson. Wickelt möglichst dieselbe vertraute Fachkraft, kennt sie die Vorlieben des Kindes und das Kind weiß, was auf es zukommt. Dieser Ansatz steckt hinter der Bezugspädagogik. Besonders deutlich wird er während der Eingewöhnung, wenn Pflege und Vertrauen eng zusammenhängen.
Ich rate Ihnen, im Elterngespräch nach der Wickelhaltung der Einrichtung zu fragen. Sätze wie „Wir sagen den Kindern immer an, was wir tun“ verraten mehr über die pädagogische Qualität als jede Hochglanzbroschüre.
Gutes Wickeln in der Kita verbindet drei Ebenen. Die Hygiene folgt einem Hygieneplan und klaren Regeln am sicheren Wickelplatz. Der Datenschutz behandelt alles, was in der Windel landet, als sensibles Gesundheitsdatum. Und die beziehungsvolle Pflege macht aus dem Windelwechsel einen Moment der Zuwendung. Wenn Sie sich unsicher fühlen, sprechen Sie das Thema beim nächsten Elterngespräch offen an. Konkrete Fragen zu Wickelbereich, Dokumentation und Bezugsperson zeigen schnell, wie durchdacht der Alltag Ihrer Einrichtung ist.
Rückenfreundlich sind 85 bis 95 cm Höhe. Gegen seitliche Stürze schützen angrenzende Wände oder eine Aufkantung von mindestens 20 cm. Solange ein Kind nicht sicher allein hochsteigt, bleibt immer eine Hand am Kind.
Eine Wickeltreppe ist eine feste, mit dem Wickeltisch verbundene Aufstiegshilfe. Die Kinder steigen selbst hinauf, das fördert ihre Selbstständigkeit. Zugleich muss die Fachkraft weniger heben und schont den Rücken.
Ja. Angaben zu Stuhlgang, wundem Po oder Durchfall sind Gesundheitsdaten und nach Art. 9 DSGVO besonders geschützt. Solche Protokolle gehören unter Verschluss und dürfen nicht offen einsehbar aushängen.
Nein. Ein Windelwechsel ist ein sehr persönlicher Moment, bei dem Ihr Kind besonderen Schutz verdient. Fotos oder Videos sind hier nicht angebracht. Private Handys dürfen Fachkräfte in der Kita ohnehin nicht für Aufnahmen verwenden.
Der Begriff geht auf Emmi Pikler zurück. Beziehungsvolle Pflege versteht das Kind als Partner. Die Fachkraft kündigt jeden Schritt an, wartet auf eine Reaktion und begleitet das Wickeln mit Worten. So wird die Pflege zu einem Moment von Nähe und Vertrauen.
Fragen Sie beim Aufnahme- oder Elterngespräch nach dem Wickelbereich, der Dokumentation und der Bezugsperson. Konkrete Fragen zu Sichtschutz, Hygiene und Wickelhaltung geben Ihnen ein gutes Bild vom pädagogischen Alltag.