Vorzeitige Einschulung: Das sind die Vorteile und die Nachteile

Datum: 20. Februar 2019 • Autor: Kita.de Redaktion

tafel und schultüten zum schulanfang.
  • Viele Eltern ernten in ihrer Umgebung Unverständnis, wenn es um das Thema vorzeitige Einschulung geht. Kommentare wie: „Nimm den Kleinen doch nicht das Spielen“ oder „In der Schule sind sie noch lange genug“ sind nicht unüblich.
  • In Deutschland ist die Einschulung von Kindern üblich, die im Jahr des Schulanfangs bis zum 30. Mai ein Alter von sechs Jahren erreicht haben. Kinder, die erst im Juni oder Juli sechs werden, dürfen sich in der Theorie erst ein Jahr später auf die Einschulung freuen.
  • Eine klare Antwort auf die Frage, ob Sie ihr Kind vorzeitig einschulen sollten, kann Ihnen leider niemand geben. Ein Einschulungstest ermöglicht jedoch eine grobe Einschätzung und ist auch oft der Anstoß für vorzeitige Einschulungen.

Ist auch Ihr Kind schon etwas weiter als die Gleichaltrigen im Kindergarten? Dann könnte Ihnen möglicherweise eine vorzeitige Einschulung sinnvoll erscheinen. Bedenken Sie jedoch, dass es sich hierbei um eine lebensverändernde Entscheidung handelt, die nicht wieder rückgängig zu machen ist. In diesem Ratgeber haben wir für Sie einige Vor- und Nachteile gesammelt, damit Ihnen das Abwägen etwas leichter fällt. Zusätzlich zeigen wir Ihnen auf, in welchen Fällen eine vorzeitige Einschulung sinnvoll ist. 

1. Eine vorzeitige Einschulung hat Vor- und Nachteile

Jedes Kind ist anders

Je nach Intelligenz und Persönlichkeit kann eine vorzeitige Einschulung durchaus sinnvoll sein. Genauso sinnvoll kann es jedoch sein, ein Kind entgegen der Schulpflicht erst ein Jahr später einzuschulen.

Eine vorzeitige Einschulung bietet Ihrem Kind viele Vorteile – aber auch einige Nachteile. Besonders hervorzuheben ist, dass Ihr Kind den Schulalltag vielleicht mit mehr Motivation bestreitet, wenn Sie es an der Entscheidung der vorzeitigen Einschulung beteiligt haben.

Zudem ist eine gezielte Förderung möglich, wenn sich besondere Talente Ihres Kindes bereits herauskristallisiert haben. Das ist besonders für hochbegabte Kindern wichtig. Weiterhin vorteilhaft ist, dass Ihr Kind nach Schulabschluss ein Jahr jünger ist, als der Durchschnitt.

Nachteilig ist jedoch, dass die Gefahr besteht, dass Sie Ihr Kind überfordern. Auch soziale Schwierigkeiten sind bei vorzeitig eingeschulten Kindern nicht selten. Schließlich ist ein Jahr bei Grundschulkindern noch ein großer Altersunterschied. Daher kann es sein, dass Ihr Kind in der Schule nur schwer Anschluss findet. Erschwerend dazu kommt, dass es möglicherweise sogar den Kontakt zu bereits vorhanden Freunden aus dem Kindergarten verliert. Zur Entscheidungsfindung können auch Erfahrungen von anderen Eltern helfen.

Fazit: Die Entscheidung können wir Ihnen leider nicht abnehmen. Wir können Ihnen nur empfehlen, anhand der genannten Vor- und Nachteile abzuwägen, ob eine vorzeitige Einschulung sinnvoll ist. Die Vor- und Nachteile haben wir dazu nochmal übersichtlich für Sie aufgelistet. Ihr Kind…

  • ist im Schulalltag möglicherweise motivierter.
  • ist nach dem Schulabschluss noch jünger als der Durchschnitt.
  • kann gezielt gefördert werden.
  • wird möglicherweise überfordert sein.
  • kann soziale Schwierigkeiten in der Klasse haben
  • könnte bestehende Kontakte aus der Kita einbüßen.

2. Die vorzeitige Einschulung kann sinnvoll sein, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind

kind mit schultüte freut sich.

Wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und auch Ihr Kind einverstanden ist, bietet die vorzeitige Einschulung einige Vorteile.

Zunächst können die Eltern nicht allein über den Antrag für eine vorzeitige Einschulung entscheiden. Über die vorzeitige Aufnahme an einer Grundschule entscheidet letzten Endes immer die Schulleitung. Zuvor erfolgen jedoch einige kleine Test, die Aufschluss darüber geben, ob die Kriterien für eine vorzeitige Einschulung erfüllt sind.

Bevor Sie die vorzeitige Einschulung Ihres Kindes beantragen, sollten Sie das Verhalten jedoch einige Zeit beobachten. Wenn Ihr Kind bereits Buchstaben und einzelne geschriebene Wörter beherrscht, ist das schon ein gutes Anzeichen. Freuen Sie sich jedoch nicht zu früh – es heißt nicht unbedingt, dass es sich um ein hochbegabtes Kind handelt.

Eventuell hat Ihr Kind diese Fähigkeiten auch zufällig aufgeschnappt oder „mitgelernt“, weil das ältere Geschwisterchen bereits aus der Vorschule raus ist. Als Eltern sollten Sie zwischen „wissen“ und „verstehen“ differenzieren. Beispielsweise weiß das Kind, dass 4+4 acht ergibt. Aber hat Ihr Kind den Sachverhalt auch wirklich verstanden und kann auch ableiten, dass 40+40=80 ist oder auch 1+7 oder 5+3 acht ergeben?

Wann es sinnvoll ist, Ihr Kind aus der Vorschule rausholen und eine vorzeitige Einschulung beantragen, können Sie auch anhand dessen ermitteln, wie es bei Ihrem Nachwuchs um die folgenden Fähigkeiten bestellt ist:

  • Kognitive Fähigkeiten
  • Motorische Fähigkeiten
  • Konzentrationsfähigkeit
  • Ausdauer
  • Körperliche Fähigkeiten
  • Sprachliche Fähigkeiten
  • und Sozialverhalten

Info: Letztlich sind die Bewertungen der Erzieher, der Schule und von anderen Zuständigen entscheidend, ob Ihr Kind den Kriterien entspricht und der Antrag angenommen wird.

Als in Berlin die verpflichtende Früheinschulung eingeführt wurde, konnte man sehen, wie es sich äußert, wenn Kinder mit fünf noch nicht bereit für den Schuleinstieg sind:

2.1 Kognitive Fähigkeiten

Kind unterhält sich mit Mutter

Sprachliche und kognitive Fähigkeiten ermitteln Sie indem Sie Ihr Kind viel reden lassen.

Hierbei handelt es sich um die Fähigkeit des Kindes, Signale aus der Umwelt über die Sinne wahrzunehmen, Informationen zu verarbeiten und zu speichern sowie Gegenständen eine Bedeutung zuzuschreiben. Zuordnungen wie „hoch und niedrig“ oder „kalt und warm“ sollte Ihr Kind bereits einwandfrei beherrschen. Logisches Denkvermögen ist ebenfalls wichtig.

Von Bedeutung ist außerdem, ob sich Ihr Kind bereits sinnvoll und zusammenhängend artikulieren kann. Das kann zum Beispiel über eine Geschichte aus dem Alltag getestet werden. Die kognitiven Fähigkeiten werden vor allem beim Lernen gefragt sein.

2.2 Motorische Fähigkeiten

Die Motorik Ihres Kindes sollte soweit entwickelt sein, dass es in der Schule alleine Treppen steigen und sich auch ansonsten problemlos bewegen kann. Zudem sollte das Kind einfache Formen zeichnen und mit der Schere ausschneiden können.

2.3 Konzentrationsfähigkeit

Ihr Kind sollte mindestens 30 Minuten still sitzen und sich konzentrieren können, damit es dem Unterricht auch effektiv folgen kann. Ob das bei Ihrem Kind der Fall ist, können Sie leicht in Erfahrung bringen, indem Sie beobachten, wie sich Ihr Kind verhält, wenn das nächste Essen mit der Familie mal etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt.

2.4 Ausdauer

Mit Ausdauer ist nicht nur das körperliche Leistungsvermögen gemeint, sondern auch eine gewisse Fähigkeit, Rückschläge zu verkraften. Denn in der Schule wird Ihr Kind erstmals von außenstehenden „bewertet“, was für die Kleinen nicht immer leicht ist. Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen sollten zumindest in Grundzügen vorhanden sein.

Kinder mit Schulranzen auf Gehweg

Ihr Kind sollte in jedem Fall in der Lage sein, seinen Schulranzen alleine zu tragen.

2.5 Körperliche Fähigkeiten

Eine Grundvoraussetzung ist natürlich, dass Ihr Kind in der Schule seinen Ranzen mit den Lernmaterialien tragen kann. Dazu kommt der Sportunterricht. Dafür ist Ihr Kind gut vorbereitet, wenn es einen Ball sicher werfen, fangen und schießen kann.

2.6 Sprachliche Fähigkeiten

Ihr Kind sollte grundsätzlich in der Lage sein, Sätze ohne grobe grammatikalische Fehler zu bilden. Außerdem sollte es klar und deutlich Sprechen können, damit auch eine Kommunikation mit Lehrern und Mitschülern stattfinden kann. Die sprachlichen Fähigkeiten können Sie gut einschätzen, wenn Ihr Kind eine längere Geschichte erzählt, beispielsweise über den Kindergarten oder das Wochenende bei den Großeltern.

2.7 Sozialverhalten

Genauso wichtig wie die bisher genannten Eigenschaften ist auch das Sozialverhalten Ihres Kindes. Die Schule ist nun mal eine soziale Einrichtung, bei der Kinder aus verschiedensten Verhältnissen aufeinander treffen und sich vertagen müssen.

Hier ist besonders die Einschätzung der bisherigen Erzieher entscheidend. Denn das Verhalten zu Hause und das Verhalten im Kindergarten ist bei vielen Kindern grundverschieden. Außerdem ist entscheidend, dass Ihr Kind auch über eine bestimmte Zeit ohne vertraute Person auskommt. Wenn der bisherige Kita-Besuch gut funktioniert hat, sollte auch eine Klasse in der Schule kein Problem sein.

3. Allgemein sollte Ihr Kind in der Lage sein, den Schulalltag zu bewältigen

kind ist überfordert mit schulaufgaben.

Im schlimmsten Fall ist Ihr Kind von den Anforderungen der Schule überfordert. Die Entscheidung sollten Sie daher gut überdenken.

Viele Eltern Fragen sich, wann es sinnvoll ist, ein Kind frühzeitig einzuschulen. Aus pädagogischer Sicht ist die Antwort einfach: Das Verfahren der frühzeitigen Einschulung ist immer dann sinnvoll, wenn ein Kind körperlich und geistig in der Lage ist, den Grundschulalltag zu bewältigen. Das ist der Fall, wenn die bereits genannten Kriterien erfüllt sind.

Eine wichtige Voraussetzung sollten Sie jedoch nicht vergessen – nämlich, dass auch Ihr Kind mit der vorzeitigen Einschulung einverstanden sein sollte. Vielleicht möchte Ihr Nachwuchs ja noch ein weiteres Jahr in den Kindergarten gehen. Mit sechs Jahren ist Ihr Kind alt genug, um an dieser Entscheidung teilhaben zu dürfen.

4. Der Ablauf der vorzeitigen Einschulung ist ortsabhängig

Wie die Regelungen zu vorzeitigen Einschulung in Ihrem Wohnort sind, kann nur das Schulamt oder die Schulleitung der Schule im direkten Umfeld genau sagen. Rechtlich ist nur geregelt, ab welchem Alter man eine Einschulung überhaupt beantragen kann (mindestens fünf Jahre). In manchen Bundesländern wird außerdem ein erfolgreich absolvierter Sprachtest vorausgesetzt.

Tipp: In der Regel gibt es keinen Vordruck und ein formloser Antrag beim Schulamt reicht für die Beantragung der vorzeitigen Einschulung aus. Hier finden Sie weitere Informationen zur Beantragung einer vorzeitigen Einschulung in den einzelnen Bundesländern.

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