Visuomotorik: Deshalb ist eine gute Auge-Hand-Koordination entscheidend für Ihr Kind

Visuomotorik
  • Die Visuomotorik verbessert sich schrittweise im Laufe der Entwicklung.
  • Eine frühzeitige Förderung hilft Kindern dabei, Defizite auszugleichen oder aber eine exzellente Fingerfertigkeit zu entwickeln.
  • Besonders schwer sind der Wechsel über eine gedachte Mittellinie sowie die gleichzeitige bzw. unabhängige Koordination beider Hände.

Der Bereich der Visuomotorik umfasst die Auge-Hand-Koordination. Diese entwickelt sich bei Kindern schrittweise, ist jedoch Voraussetzung für nahezu jegliche Bewegung im Alltag.

In unserem Artikel zeigen wir Ihnen, warum die visuomotorische Koordination so wichtig ist und mit welchen Übungen Sie sie bei Ihrem Kind fördern können.

1. Die Visuomotorik ist ein wichtiger Teil der Entwicklung

ein kleiner Junge spielt mit einem bunten Ball

Bälle bieten eine Möglichkeit, um die Visuomotorik zu verbessern.

Babys müssen erst langsam lernen, zielgerichtete Bewegungen auszuführen. Während dies in den ersten Lebensmonaten noch eine sehr eingeschränkte Rolle spielt, gewinnt die Auge-Hand-Koordination zunehmend an Bedeutung.

Sobald Kinder aktiv nach etwas greifen, einen Gegenstand in der Hand drehen und festhalten können, erfordert dies ein komplexes Zusammenspiel zwischen Augen und Fingern.

Laut Definition ist die Visuomotorik ein Teilbereich der Sensomotorik. Sie stellt sozusagen die Verbindung zwischen der visuellen Wahrnehmung sowie den darauf folgenden körperlichen Bewegungen dar.

Da sich die Auge-Hand-Koordination schrittweise verbessert, ist es nicht immer leicht, zu erkennen, ob die visuomotorische Geschwindigkeit ausreichend ist.

Es existieren jedoch zahlreiche Übungen, um Kindern frühzeitig bei der Verbesserung der Wahrnehmung zu helfen.

Hinweis:Gehen Sie mit Ihrem Kind zu allen U-Untersuchungen. Hier erfolgt stets ein kurzer Test hinsichtlich der Visuomotorik.
Eventuelle Verzögerungen oder eine Störung lassen sich so frühzeitig erkennen.

2. Konkrete Beispiele – hier benötigen Kinder eine gute Visuomotorik

Damit sich Kinder frei im Raum bewegen und ihren eigenen Körper einschätzen können, müssen Kinder die Umwelt stets im Blick haben.
Es erfolgt ein permanenter Abgleich der eigenen Position des Körpers, um das Gleichgewicht zu halten und bei Bewegungsänderungen stets darauf reagieren zu können.

Das Gehirn bildet die Schnittstelle zwischen der visuellen Wahrnehmung durch die Augen sowie der entsprechenden Koordination der Hände.

Besonders deutlich werden Probleme häufig im Rahmen der Einschulung. Spätestens an dieser Stelle wird es notwendig, dass Kinder einen Stift halten und der Bewegung mit den Augen folgen können, um Schreiben zu lernen. Der Teilbereich der Graphomotorik beschäftigt sich explizit mit diesem Thema.

ein Junge fädelt Perlen auf eine Perlenkette

Um eine Perlenkette aufzufädeln, ist ein gutes Fingerspitzengefühl nötig.

Doch nicht nur beim Schreiben, sondern in vielen verschiedenen Situationen ist eine gute visuomotorische Koordination gefragt:

  • Smartphone bedienen
  • Butterbrot schmieren
  • Roller oder Fahrrad fahren
  • Tischtennis spielen
  • Basketball spielen
  • Perlenkette auffädeln
  • Puzzle machen

Wie Sie anhand dieser kurzen beispielhaften Aufzählung sehen, betrifft die Visuomotorik nahezu sämtliche Lebensbereiche. Sowohl im Alltag, bei Spielen oder auch im Sport ist eine gute und vor allem schnelle Verbindung zwischen dem Gesehenen und der körperlichen Reaktion nötig.

Achtung: Wirken die Bewegungen beim Fangen eines Balls, dem Schlag mit einem Schläger oder aber beim Malen und Schreiben abgehackt, so deutet dies auf eine unzureichende Visuomotorik hin.

3. Übungen, mit denen Sie die visuomotorischen Fähigkeiten fördern können

Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie Sie die Visuomotorik im Kindergarten oder auch zu Hause fördern können.

Besonders wichtig ist es dabei, dass sich die Übungen nicht zu sehr ähneln, sondern verschiedene Fähigkeiten der Hand-Auge-Koordination fordern.

In den folgenden Zeilen möchten wir Ihnen einige Grundübungen kurz vorstellen:

Vater und Sohn spielen Baseball zusammen

Eine gute Auge-Hand-Koordination ist nicht nur beim Sport von großer Bedeutung.

  • Einen Ball fangen:
    Beginnen Sie vorsichtig und langsam damit, Ihrem Kind einen Ball aus kurzer Entfernung zu zuwerfen. Sobald dies gelingt, können Sie schrittweise die Entfernung sowie die Geschwindigkeit erhöhen.
    Werfen Sie weniger exakt auf eine bestimmte Stelle, erhöht dies zusätzlich den Schwierigkeitsgrad, um den Ball sicher zu fangen.
    Etwas einfacher wird es, wenn der Ball mit beiden Händen gefangen werden darf. Deutlich schwerer ist es hingegen, den Ball nicht mit der starken Hand, sondern nur mit der schwachen Hand zu fangen.
  • Die Schere als Übungsinstrument:
    Auf dem Weg zur sicheren Stifthaltung sollten Kinder lernen, möglichst exakt mit einer Schere zu schneiden. Achten Sie beim gemeinsamen Basteln darauf, dass Sie den Schwierigkeitsgrad nur langsam erhöhen, sodass nach wie vor der Spaß im Vordergrund steht.
  • Eine 8 malen:
    Diese Übung können Sie sowohl im Stehen als auch im Liegen ausführen. Das Ziel besteht darin, sowohl vorwärts als auch rückwärts eine 8 mit einem bzw. beiden Beinen in die Luft zu zeichnen. Alternativ können Sie eine 8 auch mit den Armen, den Händen oder lediglich einzelnen Fingern versuchen.
    Wichtig ist es, dabei eine möglichst flüssige Bewegungsabfolge zu erreichen.

Mit einfachen Geschicklichkeitsspielen, wie Jenga oder Mikado lässt die Visuomotorik ebenfalls verbessern.

Wie kompliziert die gleichzeitige Koordination beider Hände sein kann, sehen Sie sehr anschaulich in diesem kurzen YouTube-Video:

Einige kostenlose Arbeitsblätter zur Förderung der Visuomotorik finden Sie hier.

4. Störungen der visuomotorischen Koordination

ein Junge malt ein Bild

Eine schlechte Visuomotorik macht sich oftmals beim Malen und Schreiben bemerkbar.

Auffällig ist, dass eine Störung der Visuomotorik häufig mit weiteren Lernbeeinträchtigungen einhergeht. Generell deutet eine Beeinträchtigung der visuomotorischen Fähigkeiten darauf hin, dass die Verarbeitung im Kleinhirn nicht richtig bzw. zu langsam funktioniert.

Zwar lassen sich Defizite im Bereich der Visuomotorik nicht immer durch Übungen ausgleichen, jedoch hilft die Ergotherapie dabei, Probleme möglichst frühzeitig anzugehen und ihnen gezielt entgegenzuwirken.
Bevor allerdings der Weg zum Ergotherapeuten eingeschlagen wird, sollte eine Sehschwäche ausgeschlossen werden.

Machen sich die Probleme erst im Rahmen der Einschulung bemerkbar, kommt oftmals eine psychische Komponente hinzu, die Kindern beim Lesen und Schreiben lernen im Weg steht. An dieser Stelle lohnt sich der Weg in den Fachbereich der Psychologie, um dauerhafte Lernprobleme zu verhindern.

Tipp: Bei Auffälligkeiten sprechen Sie am besten zunächst mit Ihrem Kinderarzt. So lässt sich schnell klären, ob die Fähigkeiten eines Kindes sich noch im normalen Rahmen bewegen oder aber eine Therapiemaßnahme in Betracht kommt.

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