Verlustängste bei Kindern: Symptome erkennen und erfolgreich überwinden

Verlustängste bei Kindern
  • Die Sorge, eine enge Bezugsperson zu verlieren, ist verständlich, kann jedoch drastische Ausmaße annehmen.
  • Verlustängste bei Kindern entwickeln sich häufig aufgrund einschneidender Situationen, allerdings sind einige Kinder aufgrund ihrer Persönlichkeit deutlich gefährdeter.
  • Lernen Kinder nicht, mit Verlusten umzugehen, können die Verlustängste das gesamte Leben beeinflussen.

Ängste sind etwas völlig Normales. Jeder Mensch hat Angst vor gewissen Dingen. In gewissem Maße ist dies auch erforderlich und überlebenswichtig. Es macht Sinn, sich vor Raubkatzen zu fürchten oder bei Gewitter nicht unter einem Baum zu stehen.
Leider kann Angst aber auch lähmend sein und das Leben unnötig schwer machen.

Verlustängste treten sowohl bei Kindern als auch bei Eltern auf. Aber welche Ursachen stecken eigentlich dahinter und an welchen Symptomen lassen sich extreme Verlustängste erkennen? In unserem Artikel gehen wir auf Verlustängste bei Kindern ein und erklären, wie Eltern ihrem Kind dabei helfen können, diese zu überwinden.

1.Traumatische Erlebnisse lösen Verlustängste bei Kindern aus

Kind sitzt allein an der Straße

Manchen Kinder fehlt der Halt im Leben.

In einigen Fällen sind Verlustängste bei Kindern relativ deutlich auf fehlendes Vertrauen zurückzuführen. Vernachlässigung und mangelnde körperliche Zuwendung können Kinder stark verängstigen, sodass sie permanent in Sorge sind, die eigenen Eltern zu enttäuschen und diese ganz zu verlieren.

Insbesondere wenn Eltern selbst krank sind und sich nur schlecht oder wenig um ihr Kind kümmern können, können sich diese Ängste im Laufe der Zeit verstärken, sodass diese ein extremes Ausmaß annehmen und Kinder kaum mehr in der Lage sind, ohne ihre Eltern zurechtzukommen.

Tipp: Wer selbst an Depressionen leidet oder sich schlichtweg überfordert fühlt, sollte sich frühzeitig Hilfe suchen, damit keinerlei Verlustängste bei Kindern entstehen können.

2. Trennungen und Streitigkeiten erzeugen Angst

Trennungs- und Verlustangst:

Laut einer Studie ist die Trennungs- und Verlustangst die häufigste Angsterkrankung bei Kindern. Häufig führt diese zur Entstehung weiterer Ängste.

Kommt es innerhalb einer Beziehung zu Schwierigkeiten, bekommen Kinder dies häufig mit, selbst wenn viele Menschen glauben, dies wäre nicht der Fall.
Versuchen Sie, wenn es Probleme innerhalb der Partnerschaft gibt, diese so gut es geht von Ihrem Kind fernzuhalten und die Differenzen beizulegen.

Lassen sich diese nicht lösen und es kommt zu einer Scheidung, geben sich viele Kinder die Schuld an der Trennung. Reden Sie daher möglichst offen mit Ihren Kindern und machen Sie von Anfang an klar, dass die Trennung die Beziehung zu Ihrem Kind nicht beeinträchtigt.

3. Die Ursachen zu finden, ist nicht immer leicht

Dass es nach einer Trennung zu Verlustängsten bei Kindern kommen kann, ist noch relativ einleuchtend. Leider gibt es jedoch auch Gründe, die weniger gravierend sind und vielen Eltern zunächst nicht bewusst sind.

Mutter kuschelt mit ihrem Kind

Manchmal ist die Beziehung auch zu eng.

So kann folgendes Verhalten bereits zu Verlustängsten bei Kindern führen:

  • fehlender Blickkontakt bei einem Baby, das nach Aufmerksamkeit sucht
  • ständiges Bestärken durch sofortiges Reagieren auf Hilfegesuche
  • häufiger Wechsel der Bezugspersonen
  • permanente Nähe zum Kind (keine Gewöhnung an andere Bezugspersonen)

Wie Sie anhand dieser kurzen Auflistung feststellen können, gibt es im Wesentlichen zwei Faktoren für die Entwicklung frühkindlicher Verlustängste.
Sowohl eine zu enge Bindung als auch eine unzureichende Bindung können diese auslösen.

Achtung: Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, was Ihrem Kind guttut. Achten Sie jedoch auch darauf, sich nicht zu sehr in den Fokus zu drängen, sondern andere Bezugspersonen in Ihr und das Leben Ihres Kindes zu lassen.

4. Verlustängste bei Kindern erkennen

Egal, ob mit 2 Jahren oder mit 5 Jahren – viele Kinder äußern ihre Trennungsangst von der Mutter oder dem Vater nicht direkt, sondern zeigen diese über ihr Verhalten.

Kind hat Verlustängste

Nicht immer ist es leicht, die Symtome direkt zu erkennen.

Folgende Symptome deuten auf Verlustängste hin:

  • Kinder weinen sehr stark, sobald die Bezugsperson den Raum verlässt
  • meist lassen sich Kinder auch nach einigen Minuten nicht beruhigen
  • kommt die Bezugsperson zurück, endet das Weinen nicht unmittelbar, sondern hält noch eine ganze Zeit an
  • Kinder sind mehr als zwei bis drei Wochen untröstlich, in den Kindergarten gehen zu müssen
  • der Kindergartenbesuch ist völlig unmöglich

Neben diesen direkt mit der Verlustangst verbundenen Symptomen ergeben sich vielfach psychosomatische Folgen. Diese Kinder leiden an körperlichen Beschwerden, wie Bauchschmerzen oder Kopfweh. Einige Kinder essen nur noch schlecht, weil der Appetit fehlt. Teils neigen Kinder auch dazu, lange ins Bett zu machen oder sind schnell reizbar, da die Situation emotional sehr belastend ist.

5. Angstübertragung – Verlustängste werden an die eigenen Kinder weitergegeben

Leiden die Eltern selbst unter Ängsten, wird dieses Gefühl häufig unbewusst auf die eigenen Kinder übertragen. Kinder bekommen es mit, wenn es ihren Eltern sehr schwerfällt, sie abzugeben.
Versuchen Sie daher, möglichst frühzeitig weitere Bezugsperson in ihr Leben zu lassen und Ihrem Kind nicht das Gefühl zu vermitteln, dass dies etwas Schlimmes wäre.

Fällt es Ihnen sehr schwer, Ihre eigenen Verlustängste zu bekämpfen, greifen Sie auf professionelle Hilfe zurück. So helfen Sie nicht nur sich selbst, sondern auch Ihrem Kind.

Ein paar Tipps im Umgang mit Verlustängsten als Elternteil finden Sie in diesem YouTube-Video:

6. Verlustängste überwinden – handeln Sie möglichst schnell

Kind steht vor einer Tafel mit Muskeln aus Kreide

Vermitteln Sie Ihrem Kind, dass es viel erreichen kann.

Sofern Sie Symptome für Verlustängste bei Ihren Kindern bemerken, sollten Sie reagieren. Insbesondere bei stark ausgeprägten Verhaltensweisen lohnt es sich, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Fragen Sie dazu am besten Ihren Kinderarzt oder gehen Sie direkt zu einem Kindertherapeuten.

Versuchen Sie grundsätzlich, eine gesunde und von Vertrauen geprägte Beziehung zu Ihrem Kind aufzubauen. Gemeinsame Rituale sowie feste Regeln sind dabei von elementarer Bedeutung, um die Eltern-Kind-Beziehung zu verbessern.
Ihr Kind sollte sich stets sicher fühlen. Achten Sie also besonders darauf, gemachte Versprechen einzuhalten und das Selbstvertrauen Ihres Kindes aktiv zu stärken.

Bei weniger stark ausgeprägten Ängsten ist es nicht unbedingt hilfreich, diese zu thematisieren. Merken Sie jedoch, dass die Verlustängste bereits einen großen Teil Ihres Alltags ausmachen, sprechen Sie das Thema offen an. Wie ein Weg aus der Krise genau aussehen könnte, kann Ihnen ein Kinderarzt bzw. ein Kinder- oder Jugendtherapeut aufzeigen.

7. Folgen unbehandelter Verlustängste

Frau mit Verlustangst sitzt allein auf dem Boden

Viele Betroffene isolieren sich zunehmend.

Viele Erwachsene, die in ihrer Kindheit unter Verlustängsten gelitten haben, haben auch später noch große Probleme damit, Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Besonders im Umgang mit engen Vertrauenspersonen kommt es häufig zu Schwierigkeiten, da diese zu eng oder nicht eng genug sind. Es fehlt oftmals schlichtweg an einem guten Gespür für das richtige Maß.

Leider kommt es nicht selten zu Kontrollzwängen. Aufgrund der drohenden Verlustangst wird versucht, Situationen krampfhaft zu bestimmen. Da sich jedoch nicht alles bestimmen lässt und es immer wieder zu großen Umwälzungen im Leben kommt, neigen Menschen mit Verlustängsten zu depressivem Verhalten. Sie ziehen sich teils stark zurück, um keine Verluste mehr entstehen zu lassen.

Tipp: Selbst bei ausgeprägten und langanhaltenden Verlustängsten kann eine Heilung erzielt werden.
Es ist nie zu spät, das eigene Leben zu verändern und es ist keine Schande, dabei auf die Hilfe von Experten zurückzugreifen.

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