Verbrennungen beim Kind: So leisten Sie erste Hilfe

verbrennung beim kind
  • Brandverletzungen kommen bei Kindern relativ häufig vor. Zu unterscheiden sind hierbei Verbrühungen und Verbrennungen.
  • Um das Ausmaß der Verbrühung oder Verbrennung bei einem Kind einschätzen zu können, bietet sich die 9er-Regel bzw. die Handflächenregel an. Sind bei Kindern mehr als 5% der Körperoberfläche verletzt, müssen die Wunden im Krankenhaus versorgt werden.
  • Bei leichten Verbrennungen sollten Sie die betroffene Stelle so schnell wie möglich unter 20°C kaltem Wasser kühlen. Handelt es sich um größere Flächen, rufen Sie sofort den Rettungsdienst.

Verbrennungen oder Verbrühungen kommen im Kindesalter besonders häufig vor. Dabei sind vor allem ein- bis zweijährige Kinder betroffen. Wie schlimm die Verletzung ist, hängt vor allem damit zusammen, um welchen Stoff es sich handelt und wie lange die Einwirkdauer war. Aber was tun bei einer Verbrennung beim Kind?

In unserem Ratgeber beraten wir Sie rund um das Thema Verbrennung bei einem Kind. Wir zeigen Ihnen die Unterschiede zwischen verschiedenen Brandverletzungen aus und erklären Ihnen die sogenannte Neunerregel. Außerdem informieren wir Sie darüber, wann Sie zum Arzt müssen und wie Sie erste Hilfe bei Verbrennungen leisten können.

1. Verbrennung oder Verbrühung?

Kleinkind am Wasserkocher

Ab einer Temperatur von 52°C können Flüssigkeiten zu Verbrühungen führen.

Brandverletzungen bei Kindern zählen zu den häufigsten Unfällen, weswegen Eltern einen Arzt aufsuchen müssen. Laut Zahlen von Paulinchen e.V., einer Initiative für brandverletzte Kinder, müssen jährlich etwa 30.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland mit Verbrennungen und Verbrühungen ärztlich versorgt werden.

Da die meisten Unfälle im Haus passieren, sind häufig die Finger und die Hände betroffen. Allerdings kann auch der Oberkörper in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn das Kind beispielsweise einen Topf mit heißem Wasser umstößt.

Eine thermische Schädigung der Haut kann entweder durch eine Verbrennung oder eine Verbrühung zustande kommen.

  • Verbrennung: Durch heiße Gegenstände (bspw. eine Herdplatte oder ein Bügeleisen), Flammen oder Strom
  • Verbrühung: Durch heiße Flüssigkeiten (bspw. heißer Kaffee oder Tee, Öl)

Bei beiden Arten ist es wichtig, die Verletzung schnellstmöglich zu behandeln, um die Gesundheit des Kindes nicht weiter zu gefährden. Aber wann zum Arzt? Und wann reichen Erste-Hilfe-Maßnahmen aus?

2. Das Ausmaß der Verbrennung einschätzen

verbrannte Hautschichten

Verbrennungen 3. Grades dringen bis in die Unterhaut vor.

Wie stark eine Verletzung ist, hängt vor allem von der Temperatur des Stoffes ab. Flüssigkeiten benötigen lediglich eine Temperatur von 52°C, um die Haut zu verletzen. Kochendes Wasser hat jedoch bereits eine Temperatur von etwa 100°C, Öl kann in einer Fritteuse Temperaturen von rund 200°C erreichen.

Eine Verbrennung bei einem Kind wird in verschiedene Verbrennungsgrade eingeteilt. Diese Einteilung macht deutlich, wie tief die Verletzung ist.

  • 1. Grad: Hautrötung, leichte Schwellung, leichte bis mittlere Schmerzen; lediglich Schädigung der Oberhaut, keine Narbenbildung
  • 2. Grad (a): Rötung, Blasenbildung, feuchte Oberfläche, starke Schmerzen; lediglich oberflächliche Hautschichten betroffen, keine Narbenbildung
  • 2. Grad (b): Trockene, gelb weißliche Brandwunden, offene Blasen, kaum Schmerzen; Schädigung der gesamten Lederhaut, häufig Narbenbildung
  • 3. Grad: Lederartig trockene Wunde, weiß bis schwarz verkohlt, kaum bis keine Berührungsempfindlichkeit, geringe bis keine Schmerzen; alle Hautschichten betroffen, chirurgische Versorgung notwendig
  • 4. Grad: Verkohlung, keine Schmerzen; neben der Haut sind auch Muskeln, Sehnen und Knochen verletzt, meist Amputation nötig
Psychologische Hilfe bei starken Verbrennungen

Wenn kleine Kinder Verbrühungen oder Verbrennungen 2. oder 3. Grades erlitten haben, ist die Behandlung häufig mit einigen Operationen und Krankenhausaufenthalten verbunden. Um mit der Situation besser umgehen zu können, sind in vielen Fällen psychologische Nachbehandlungen sinnvoll.

Im Hinblick auf das Ausmaß der Verletzung wird jedoch nicht nur die Tiefe, sondern auch die Größe der betroffenen Stellen berücksichtigt. Bei Jugendlichen und Erwachsenen wird dazu die Neunerregel angewandt. Das bedeutet, dass große Körperregionen mit jeweils 9% der Gesamtoberfläche bewertet werden. Dazu zählen:

  • linker Arm
  • rechter Arm
  • linkes Bein
  • rechtes Bein
  • Kopf
  • Torso oben
  • Torso unten
  • Rücken oben
  • Rücken unten

Bei Säuglingen und Kleinkindern kann diese Leitlinie jedoch nicht angewendet werden. Daher gibt es zusätzlich die sogenannte Handflächen-Regel. Dabei entspricht die Größe der Hand inklusive der Finger eines Kindes einem Prozent der Körperoberfläche.

Achtung: Sind etwa 5 bis 8% der Körperoberfläche eines Kindes von einer Verbrennung 2. Grades oder 3. Grades betroffen, kann die Verletzung bereits lebensgefährlich sein.

3. Leichte Verbrennungen mit Hausmitteln behandeln

Mutter verarztet Kind

Leichte Verbrennungen lassen sich mit kühlenden Salben aus der Apotheke behandeln.

Wenn sich Ihr Kind verbrannt oder verbrüht hat, ist es nicht immer gleich notwendig, einen Arzt aufzusuchen. Leichte Verbrennungen beim Kind können Sie beispielsweise mit einer Salbe aus der Apotheke behandeln. Die Heilung der Wunde beträgt oftmals nur wenige Tage. Dies gilt jedoch nur, wenn es sich um Verbrennungen ersten Grades handelt.

Bei oberflächlichen Verletzungen zweiten Grades sollten Sie Ihr Kind zum Hausarzt oder Kinderarzt bringen, damit die Brandblase fachmännisch behandelt werden kann.

Handelt es sich hingegen um eine größere Verbrennung oder Verbrühung bei Ihrem Kind (ab Grad 2b), sollten Sie unverzüglich den Rettungsdienst rufen. Wichtig ist außerdem, dass Sie Ruhe bewahren und nicht in Panik verfallen.

Erste Hilfe bei Verbrennungen sieht folgendermaßen aus:

  • Entfernen Sie verbrannte oder verbrühte Kleidung von den betroffenen Hautpartien. I
  • st die Verbrennung kleiner als eine Handfläche, können Sie die Wunde für etwa 15-20 Minuten mit 20° C kaltem Wasser kühlen.
  • Bei größeren Wunden sollten Sie eine Kühlung vermeiden, da der Körper ansonsten leicht auskühlen kann.
  • Außerdem können Sie erste Hilfe leisten, indem Sie die Brandwunden im Anschluss mit einem sauberen, trockenen Tuch abdecken.

Bleiben Sie unbedingt die ganze Zeit bei Ihrem Kind, während Sie auf den Notarzt warten! Nehmen Sie es in den Arm und sprechen Sie dabei beruhigende Worte.

4. Tipps, um Verbrennungen und Verbrühungen vorzubeugen

Kind erkundet Herd

Drehen Sie die Griffe von Pfannen und Töpfen immer nach hinten.

Damit sie gar nicht erst in die Situation kommen, erste Hilfe leisten zu müssen, sollten Sie Verletzungen so gut es geht vorbeugen. Da die meisten Unfälle im Haushalt passieren, hilft es oft schon, ein paar Tipps umzusetzen.

Im Folgenden haben wir Ihnen daher eine kleine Liste mit Maßnahmen zusammengestellt, die Ihr Kind vor einer Verbrennung schützen können.

  • Stellen Sie Pfannen und Töpfe grundsätzlich auf die hinteren Platten (dabei Griffe nach hinten drehen).
  • Lassen Sie Ihr Kind nicht unbeaufsichtigt, wenn Feuer, heißes Wasser oder andere erhitzte Gegenstände im Raum sind.
  • Entfernen Sie Feuerzeuge oder Streichhölzer aus der Reichweite Ihres Kindes.
  • Stellen Sie Tassen mit heißem Kaffee oder Tee nicht an den Rand des Tisches. Achten Sie außerdem darauf, dass Tischdecken nicht herunterhängen.
  • Vermeiden Sie es, etwas Heißes zu essen oder zu trinken, wenn Ihr Kind auf Ihrem Schoß sitzt.
  • Achten Sie darauf, dass das Wasser in der Badewanne nicht zu heiß ist.
  • Befüllen Sie Wärmflaschen nur mit warmem, nicht mit kochendem Wasser.
  • Behalten Sie ein heißes Bügeleisen immer im Auge.

Eine Tasse heißer Tee reicht bereits aus, um 30% der Körperoberfläche eines kleinen Kindes zu verletzen! Sollte sich Ihr Baby verbrühen oder verbrennen und es bilden sich Blasen, suchen Sie am besten sofort einen Arzt auf.

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