Uneheliches Kind: Das sind die Rechte und Pflichten

uneheliches Kind
  • Wird ein Kind in der Ehe geboren, vereinfacht dies viele Behördengänge.
  • Rechtlich gesehen ist ein uneheliches Kind mit einem in der Ehe geboren Kind gleichgestellt.
  • Das Sorgerecht steht grundsätzlich der Mutter des Kindes zu, sofern keine anderen Vereinbarungen getroffen werden.


In früheren Zeiten galt ein uneheliches Kind als Makel. Mutter und Vater mussten bei der Geburt ihres Kindes verheiratet sein. Die Ehe hat jedoch längst nicht mehr diese hohe Bedeutung und viele Paare entscheiden sich sogar bewusst gegen eine Heirat.

Welche rechtlichen Folgen sind damit verbunden, wenn die Eltern nicht verheiratet sind? Welchen Nachnamen erhält ein uneheliches Kind und inwieweit ist ein gemeinsames Sorgerecht möglich?

In dem Artikel gehen wir auf die rechtliche Seite ein und erklären, welche Besonderheiten es für ein uneheliches Kind im Familienrecht gibt.

1. Uneheliche Kinder haben dieselben Rechte

Symbole einer Familie mit einem Richterhammer

Ein uneheliches Kind muss keine Nachteile befürchten.

Sind Vater und Mutter eines Kindes bei der Geburt nicht verheiratet, macht dies für das Kind keinen Unterschied mehr.

Die finanzielle Absicherung durch den Unterhalt besteht für alle Kinder. Ebenfalls haben Väter gem. § 1615l BGB Unterhalt für die Mutter zu leisten, wenn diese die Kindererziehung übernimmt und aus diesem Grund nicht arbeiten kann. Der Anspruch auf Unterhalt besteht nach Abs. 2 mindestens für drei Jahre ab der Geburt des Kindes.

Lediglich nachehelicher Unterhalt steht einer Mutter nicht zu, sofern die Trennung nicht mit einer Scheidung verbunden ist.
Durch diese umfassenden Schutzvorschriften soll sichergestellt werden, dass Kinder finanziell abgesichert sind, wenn sie bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen.

Auch im Hinblick auf das Erbrecht hat sich viel verändert. Während es früher möglich war, uneheliche Kinder vom Erbe auszuschließen, besteht heute kein Unterschied mehr zwischen ehelichen und unehelichen Kindern.
Nach wie vor steht es Eltern jedoch frei, ihre Kinder zu enterben. In diesem Fall verbleibt Kindern der gesetzliche Pflichtteil, der ein Viertel des gesamten Erbes ausmacht. Bei mehreren Kindern splittet sich dieser weiter auf, sodass der Pflichtteil bei zwei Kindern somit nur noch ein Achtel des gesamten Vermögens beträgt.

2. Die Sorgerechtsfrage – gemeinsam oder doch allein

Grundsätzlich erhalten beide Elternteile bei der Geburt eines Kindes das Sorgerecht zu gleichen Teilen. Das gemeinsame oder auch geteilte Sorgerecht umfasst die drei Bereiche

alleinerziehende Mutter liest mit ihrem Kind

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Sorgerecht aufzuteilen.

  • der Personensorge,
  • der Vermögenssorge
  • sowie der gesetzlichen Vertretung des Kindes.

Das gemeinsame Sorgerecht erhalten Eltern jedoch nur, sofern Sie verheiratet sind. Wird ein uneheliches Kind geboren, erhält zunächst die Mutter das alleinige Sorgerecht.

Väter haben an dieser Stelle jedoch die Möglichkeit, eine Sorgerechtserklärung abzugeben, dass Sie die Sorge des Kindes mit der Mutter gemeinsam ausüben möchten. Unterzeichnen beide Elternteile diese Regelung, gibt es keinerlei Schwierigkeiten. Dennoch sollten Sie auf die Formerfordernisse achten.
Am besten informieren Sie sich in diesem Fall bei Ihrem örtlichen Jugendamt.

Tipp: Zusätzlich besteht seit dem Jahr 2013 auch dann die Möglichkeit, das gemeinsame Sorgerecht zu beantragen, wenn dies dem Willen der Mutter widerspricht. Lediglich bei Aspekten, die das Kindeswohl gefährden, kann dies verweigert werden.

3. Die Namensgebung ist ein häufiges Problem

Wird eine Frau in der Ehe schwanger, gilt der Ehemann gesetzlich als Vater, sofern er seine Vaterschaft nicht aktiv bestreitet.
Stellt sich dies erst später heraus, kann der biologische Vater, gem. des neuen Unterhaltsrechts, auf rückwirkende Unterhaltszahlungen verklagt werden.

Bei verheirateten Paaren, die denselben Nachnamen haben, stellt sich die Frage nach dem Nachnamen des Kindes nicht. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn die Eltern nicht verheiratet sind und dementsprechend unterschiedliche Nachnamen haben.

3.1. Kinder, die außerhalb der Ehe gezeugt wurden, erhalten den Nachnahmen des Sorgeberechtigten

Grundsätzlich findet hier § 1617a BGB Anwendung. Danach erhält das Kind den Nachnamen desjenigen, der das Sorgerecht innehat. Es besteht jedoch auch die Möglichkeit, den Nachnamen des Vaters annehmen zu können, sofern dies gewünscht ist.
In diesem Fall muss allerdings eine Erklärung gegenüber dem Standesamt abgegeben werden.

Um spätere Probleme zu vermeiden, sollten Sie sich frühzeitig überlegen, welcher Name bei einer zukünftigen Heirat der Familienname werden soll. Selbstverständlich können Sie auch nach wie vor Ihren eigenen Namen behalten.
Aus rechtlicher Sicht macht es keinen Unterschied, bringt jedoch in der Praxis oftmals einige Nachteile mit sich.
So gibt es oftmals Probleme im Urlaub, wenn Vater oder Mutter des Kindes nicht denselben Namen haben.

Achtung: Sollten sich die Eltern, sofern beide sorgeberechtigt sind, nicht auf einen Nachnamen für Ihr Kind einigen können, bestimmt das jeweilige Familiengericht den Namen.

4. Wichtige Fragen und Antworten – FAQs

Vater sieht sich mit seinem Kind einen Sonnenuntergang an

Kinder sollten Zeit mit beiden Elternteilen verbringen, unabhängig davon, ob es sich um ein uneheliches Kind handelt.

Ändert das alleinige Sorgerecht etwas am Unterhaltsanspruch?

Nein, für die Frage, ob und in welcher Höhe Unterhalt zu zahlen ist, spielt dies keine Rolle. Der grundsätzliche Anspruch auf Kindesunterhalt unterliegt keinen sonstigen Bedingungen. Ob und inwieweit dieser jedoch einklagbar ist, sollten Sie individuell mit Ihrem Anwalt besprechen.

Wie kann ich den Unterhalt berechnen?

Da dies ein komplexes Unterfangen ist, widmen wir uns diesem Thema in einem eigenen umfassenden Artikel.

Kann ich gekündigt werden, wenn ich ein uneheliches Kind zeuge?

Grundsätzlich hat Ihr Arbeitgeber nichts mit Ihrem Privatleben zu tun. Etwas anders sieht die Situation jedoch aus, wenn Sie bei einem kirchlichen Träger angestellt sind.
In diesem Fall gelten besondere Vorschriften, die Sie verpflichten, entsprechend der Werte der Kirche zu leben. Eine Kündigung kann daher durchaus möglich und rechtlich durchsetzbar sein.

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