Umgangsformen in der Familie: Regeln für ein respektvolles Miteinander

Umgangsformen in der Familie
  • Viele Benimmregeln, die in früheren Zeiten selbstverständlich waren, haben heute keinen Bestand mehr.
  • Gute Umgangsformen in der Familie zu lernen, ist ein wichtiger Teil der Erziehung.
  • Wer mit gutem Beispiel vorangeht, muss weniger Regeln aufstellen, da ein Kind sich automatisch am Verhalten seiner Eltern orientiert.

Die Umgangsformen in der Familie sind einem stetigen Wandel unterworfen. Klassische Benimmregeln, wie sie zu Zeiten unserer Eltern oder Großeltern noch üblich waren, gehören der Vergangenheit an.

Aber wie steht es um höfliche Umgangsformen in der Erziehung? Gibt es Benimmregeln, die auch heute noch Bestand haben? In unserem Artikel beschäftigen wir uns mit den Umgangsformen in der Familie und geben Tipps, inwieweit sich diese etablieren lassen.

1. Ein lockerer Umgang ist kein Verzicht auf gutes Benehmen

Bergsteiger hilft anderem Bergsteiger

Rücksicht und gegenseitige Unterstützung sind auch in der modernen Welt wichtige Werte.

Einer Umfrage zufolge sind 77 % der Befragten selbst dann höflich, wenn es ihr Gegenüber eigentlich nicht verdient hätte. Gutes Benehmen ist also durchaus noch weit verbreitet in der modernen Gesellschaft.

Da sich die sozialen Umgangsformen jedoch stetig verändern, rücken andere Werte in den Fokus. Für Manieren von früher bleibt nur noch wenig Raum. So ist es heute in der jüngeren Generation eher unüblich, der Frau die Tür aufzuhalten, während die sozialen Umgangsformen dies  eine Generation zuvor noch erwarteten. Es kommt also stark auf die Definition von gutem Benehmen und Höflichkeit an, um tatsächlich darüber urteilen zu können, ob sich das Verhalten untereinander verschlimmert hat.

Die gute Nachricht für alle Zweifler, die sich fragen, ob Knigge für Kindern verbreitet ist, besteht in der Bestimmung des Jugendworts 2018. Immerhin hat es der Begriff Ehrenmann bzw. Ehrenfrau bei Kindern und Jugendlichen weit gebracht und ist von den zuständigen Experten letztlich zum Jugendwort des Jahres 2018 gewählt werden.

2. Umgangsformen in der Familie – seien Sie Ihren Kindern ein Vorbild

Zettel mit Floskeln für die Umgangsformen in der Familie

Stehen Sie hinter dem, was Sie sagen.

Ein „Guten Morgen“ oder ein „Bitte“ gehören längst nicht in jeder Familie zum Alltag. Sofern Sie Ihren Kindern von Beginn an ein gutes Vorbild sind und „Danke“ durchaus zum eigenen Sprachgebrauch zählt, fällt es den meisten Kindern nicht schwer, dieses Verhalten zu übernehmen.

Es reicht jedoch nicht aus, nur der Kinder halber bestimmte Umgangsformen in der Familie an den Tag zu legen. Kinder merken sehr schnell, ob etwas tatsächlich so gemeint ist oder ob ein „Entschuldigung“ nur so dahingesagt wird, ohne dahinter zu stehen.
Achten Sie also vor allem auf Ihre eigenen Höflichkeitsformen und versuchen Sie, Ihre Kinder von Beginn an daran zu gewöhnen, dass sie mit „Danke“ und „Bitte“ mehr erreichen und sich der Gesprächspartner darüber freut.

Achtung: Kinder, die sehr schüchtern sind, sollten sich zwar grundsätzlich auch bedanken, machen Sie allerdings keinen Zwang daraus, um den Druck nicht unnötig zu verstärken und so eine Trotzreaktion zu provozieren.

2.1. Streiten Sie nicht vor Ihren Kindern

Im Laufe des Lebens kommt es immer wieder zu Missverständnissen, die auch einmal im handfesten Streit enden. Manchmal sind die Nerven gespannt wie Drahtseile und es kommt vor, dass wir Worte in den Mund nehmen, die unsere Kinder vielleicht nicht hören sollten.

Versuchen Sie, möglichst wenig Streit zu führen und lösen Sie Ihre Konflikte so, dass Ihre Kinder es nicht mitbekommen. Sollte es doch einmal zu einem Streit vor den Kindern gekommen sein, thematisieren Sie dies kurz und entschuldigen Sie sich für Ihr Verhalten. So zeigen Sie, dass Ihr Verhalten in diesem Fall nicht als Vorbild dienen kann.

2.2. Gemeinsames Essen zum Austausch nutzen

Das Mittag- oder Abendessen eignet sich optimal für eine Zusammenkunft der ganzen Familie. Nutzen Sie diese Zeit gemeinsam. Setzen Sie sich gerade an den Tisch, legen Sie das Smartphone beiseite und sprechen Sie nicht mit vollem Mund.

Hält sich Ihr Kind nicht an diese Regeln, sprechen Sie das Verhalten direkt an. Versuchen Sie allerdings, ruhig und sachlich zu bleiben. Kritik zu akzeptieren ist nie leicht und wird nur noch schwerer, wenn dies mit Vorwürfen behaftet ist.

Ein paar Tipps zur Angewöhnung guter Umgangsformen finden Sie in diesem YouTube-Video:

2.3. Respekt kennt kein Alter

Gespräch zwischen Vater und Sohn

Achten Sie aufeinander, egal wie alt Sie sind.

Viele Menschen wünschen sich, dass Kinder und Jugendliche Älteren gegenüber respektvoller sind. Dies ist jedoch keine Einbahnstraße. Wer etwas erwartet, muss auch bereit sein, etwas zu geben.

Zeigen Sie Ihren Kindern also stets, dass Sie sie schätzen und respektieren. Auch die Wünsche eines Kindes sind wichtig und es ist nicht egal, wenn Sie versehentlich auf die mühsam gebaute Sandburg Ihres Kindes treten. Auch wenn dies keine böse Absicht war, entscheidet sich nun, inwieweit Sie Ihr Kind achten und schätzen.

Bauen Sie die Burg gemeinsam wieder auf und entschuldigen Sie sich, gewöhnt sich Ihr Kind an diese positiven Umgangsformen in der Familie. Ganz nebenbei ersparen Sie sich so eine Menge Geschrei und Ärger.

Tipp: Je freundlicher der Umgang miteinander ist, desto einfacher gestaltet sich das Familienleben. Strenge und Härte führen oftmals nur zu Trotzreaktionen, die die Beziehungen untereinander vergiften.

3. Innerfamiliären Umgangsformen sind die Grundlage für das Verhalten in der Gesellschaft

Integrieren Sie grundlegende Werte wie Vertrauen und Respekt in Ihre Erziehung, lernen Ihre Kinder, diese nicht nur zu Hause anzuwenden, sondern auch in der Gesellschaft zu zeigen.

Nutzen Sie alltägliche Situationen, um Ihren Kindern die Umgangsformen innerhalb der Gesellschaft näher zu bringen. Lassen Sie Ihre Kinder beispielsweise ein Eis bestellen und achten sie darauf, dass sie sich bedanken. Gleiches gilt, wenn Kinder an der Käsetheke ein Stückchen geschenkt bekommen oder sich beim Bäcker über ein Brötchen zum Mümmeln freuen.

Mit Freundlichkeit und Respekt gegenüber anderen Menschen ist das Leben wesentlich leichter – nicht nur für die anderen, sondern auch für einen selbst.

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (32 Bewertungen, Durchschnitt: 4,40 von 5)
Loading...

Wir freuen uns auf Ihren Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Verwandte Beiträge