Trotzphase bei Kindern: Alter, Ablauf und hilfreiche Tipps für Eltern

Kind schreit
  • Mit etwa zwei Jahren beginnen Kinder, ihren eigenen Willen zu entwickeln. Diese sogenannte Trotzphase kann in einigen Fällen bis zum sechsten Lebensjahr anhalten.
  • Die Trotzphase ist für Kinder sehr wichtig, da sie in dieser Zeit lernen, ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Sie müssen allerdings auch lernen, mit negativen Gefühlen, Stress und Frustration umzugehen.
  • Sie können Ihr Kind während dieser Phase unterstützen, indem Sie Verständnis zeigen und tröstend zur Seite stehen. Durch Regeln und einen strukturierten Tagesablauf können Sie viele Wutanfälle vermeiden.

Ihr Kind wirft sich in einem Supermarkt plötzlich schreiend auf den Boden? Herzlichen Glückwunsch! Ihr Kind befindet sich mitten in der Trotzphase, welche mitunter sehr anstrengend und nervenraubend sein kann. Denn während dieser Phase entwickeln Kinder ihren eigenen Willen, den sie so oft wie möglich durchsetzen möchten.

In diesem Artikel möchten wir Ihnen gerne Erziehungstipps für die Trotzphase geben. Wir erklären Ihnen, wie lange die Phase dauert, welche Verhaltensweisen normal sind und warum diese Phase besonders wichtig für die weitere Entwicklung Ihres Kindes ist.


1. Die Trotzphase erreicht ihren Höhepunkt zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr

Aggressivität bei Kindern

Kanadische Wissenschaftler haben kürzlich eine Studie vorgestellt, in der die Aggressivität von Heranwachsenden über die ersten 13 Lebensjahre untersucht wurde. Dabei kam heraus, dass Kinder mit etwa 3,5 Jahren am aggressivsten sind. Je nach familiären Umständen kann diese Aggressivität auch zu körperlicher Gewalt im Jugendalter führen.

Die Kindererziehung ist in den meisten Fällen alles andere als einfach. Besonders schwierig wird es jedoch, wenn die Kinder in ein Alter kommen, in dem sie ihren eigenen Willen unter allen Umständen durchsetzen möchten. In dieser Zeit vollzieht sich ein Wandel vom Baby zum Kleinkind.

Aber ab wann können Eltern mit dieser Phase rechnen und wie lange dauert sie im Normalfall an? Die Trotzphase wird in der Erziehungswissenschaft auch als Autonomiephase bezeichnet. Laut Definition bezeichnet die Trotzphase eine Phase in der Entwicklung eines Kleinkindes, in der der eigene Wille entdeckt wird und eigene Wünsche in den Vordergrund gestellt werden.

Während sich das Verhalten von manchen Kindern bereits im Alter von zwei Jahren verändert, kommen wiederum andere Kinder erst mit drei oder mit vier Jahren in die Trotzphase. Auch die Dauer kann nicht genau vorhergesagt werden. Wann die Phase vorbei ist, ist von Kind zu Kind sehr unterschiedlich. Spätestens mit sechs Jahren endet die Trotzphase bei den meisten Kindern.

Häufig erreicht die Trotzphase ihren Höhepunkt zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr.

2. Die Autonomiephase als wichtiger Schritt in der Entwicklung

Junge hebt die Arme in die Luft

Die eigenen Interessen durchzusetzen, verleiht Kindern Selbstvertrauen.

Die Trotzphase ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kind beginnt, sich als eigenständige Person zu begreifen. Es merkt, dass es eigene Bedürfnisse hat und eigene Entscheidungen treffen kann. Das führt dazu, dass der Drang, selbstständig zu werden und sich auszuprobieren immer größer wird.

Da das Kind sich jedoch an die Regeln der Mutter und/oder des Vaters halten muss, kann die Wut, die eigenen Interessen nicht durchsetzen zu dürfen, überhandnehmen. Die Kinder verstehen nicht, warum sie ständig durch ihre Eltern ausgebremst werden.

Die Wutanfälle werden also dadurch ausgelöst, dass das Kind seinen eigenen Bedürfnissen nicht nachgehen darf oder Dinge tun muss, die nicht seinen eigenen Interessen entsprechen. Durch Schreien, strampeln, hauen oder treten machen sie ihren Eltern deutlich, dass sie mit deren Entscheidung nicht einverstanden sind. Der innere Zorn überwältigt die Kinder so sehr, dass sie sich selbst nicht mehr kontrollieren können.

Auch wenn die Trotzphase für Eltern eine sehr anstrengende und nervenraubende Zeit ist, ist diese Phase für die Entwicklung eines Kindes enorm wichtig. Indem sie beharrlich versuchen, eigene Interessen durchzusetzen, lernen sie, dass man im Leben durchhalten und für die Erfüllung von eigenen Wünschen kämpfen muss.

Dadurch, dass sie aufgrund ihrer Fähigkeiten so manches Mal noch gar nicht in der Lage sind, die eigenen Bedürfnisse zu befriedigen, lernen sie automatisch mit Stress und Frustration umzugehen. In diesen Momenten ist es wichtig, die eigenen Gefühle in den Griff zu bekommen, was für das soziale Miteinander von großer Bedeutung ist.

Achtung: Es steckt kein böser Wille dahinter, wenn Kinder ihren eigenen Kopf durchsetzen möchten. Auch sie sind oftmals mit der Wut überfordert, die plötzlich über sie hereinbricht.

3. Tipps, wie Sie mit den Wutanfällen umgehen können

Wenn die Wutanfälle beginnen, sind viele Eltern ratlos, wie sie darauf reagieren sollen. Sie haben Angst, etwas falsch zu machen oder die Umstände stets zu verschlimmern.

Im Folgenden möchten wir Ihnen gerne Tipps geben, wie Sie am besten durch die Trotzphase kommen und wie Sie Ihr Kind während eines Wutanfalls beruhigen können. Und denken Sie stets daran: Jede Trotzphase hat irgendwann ein Ende.

Tipp: Benötigen Sie Hilfe in der Erziehung, können Sie sich natürlich jederzeit an Erziehungs- oder Familienberatungsstellen wenden.

3.1. Verständnis und Geduld zeigen

Buchtipp: Der kleine Trotzdrache

Das Kinderbuch „Der kleine Trotzdrache“ von Patricia Mennen erzählt von dem kleinen Drachen Trotz, der erst noch lernen muss, mit seinen Gefühlen umzugehen. In einer schönen Geschichte schildert die Autorin, wie der Drache es schafft, den Trotz loszuwerden.

Dass Kinder in der Trotzphase Wutanfälle bekommen, ist ganz normal. In dem Moment, in dem sie die Wut erfasst, können sie nicht mehr klar denken. Sie hören nicht mehr zu und geben sich dem Gefühl der Wut völlig hin. Daher bringt es gar nichts, wenn Sie in diesem Moment auf Ihr Kind einreden. Warten Sie hingegen, bis es sich beruhigt hat. Achten Sie außerdem darauf, dass Sie nicht schreien, sondern die Situation so ruhig wie möglich klären.

Kinder fühlen sich zumeist besser, wenn sie das Gefühl haben, ernst genommen und verstanden zu werden. Nehmen Sie den Willen Ihres Kindes daher unbedingt ernst, auch wenn das bedeutet, dass Sie in einigen Momenten Kompromisse eingehen müssen. Eine gute Möglichkeit ist es, Alternativen anzubieten, die für beide Parteien in Ordnung sind.

Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich Neues ausprobieren. Dies stärkt das Selbstbewusstsein Ihres Kindes. Wenn Sie hingegen alles verbieten, verschlimmert dies in vielen Fällen die Situation.

3.2. Ablenkung statt Bestrafung

Mutter lenkt ihr Kind mit dem Smartphone ab

Kinder lassen sich in der Regel mit sehr einfachen Dingen ablenken.

Aus lauter Verzweiflung reagieren viele Eltern auf die Wutanfälle ihres Kindes mit Drohungen und Bestrafungen. Dies ist zwar verständlich, allerdings wird die Wut Ihres Kindes durch das Schreien und die Bestrafungen noch viel größer. Helfen Sie Ihrem Kind stattdessen, die Wut loszuwerden.

Eine andere Möglichkeit ist es, das Kind in diesem Moment abzulenken, sodass die Wut von selbst verfliegen kann. Durch gezielte Ablenkungsmanöver können Sie die Aufmerksamkeit Ihres Kindes auf etwas anderes lenken.

3.3. Mit Regeln und Struktur durch die Trotzphase

Die Wutanfälle entstehen häufig in Situationen, die von Hektik und Stress begleitet werden. Indem Sie dem Alltag feste Strukturen geben und klare Regeln aufstellen, können Sie vermeiden, dass Ihr Kind zusätzlich hungrig, müde oder überfordert ist.

Wartezeiten, Zeitdruck und Stress führen generell schon zu Konflikten. Befindet sich Ihr Kind in der Trotzphase, können schon Kleinigkeiten das Fass zum Überlaufen bringen. Planen Sie daher immer genügend Zeit ein, um Hektik zu vermeiden.

Wichtig: Die aufgestellten Regeln sollten unbedingt von allen eingehalten werden. Nur so lernt Ihr Kind, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten.

In diesem Video bekommen Sie weitere Tipps, wie Sie mit der Trotzphase Ihres Kindes umgehen können:

4. Empfehlung der Redaktion: Ratgeberhefte über die Trotzphase

Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn: Der entspannte Weg durch Trotzphasen
  • Danielle Graf, Katja Seide
  • Herausgeber: Beltz
  • Auflage Nr. 16 (15.01.2019)
  • Broschiert: 292 Seiten

Ich! Will! Aber! Nicht!: Die Trotzphase verstehen und gelassen meistern (GU Einzeltitel Partnerschaft & Familie)
  • Susanne Mierau
  • Herausgeber: GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH
  • Auflage Nr. 4 (13.09.2017)
  • Gebundene Ausgabe: 144 Seiten

Die Trotzphase ist kein Ponyhof: Der Eltern-Survival-Guide
  • Christina Tropper, Alexander Smutni-Tropper
  • Herausgeber: TRIAS
  • Auflage Nr. 1 (16.08.2017)
  • Taschenbuch: 128 Seiten

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