Taschengeld: Was Sie über die Vergabe von Sackgeld wissen sollten

Taschengeld-Ratgeber
  • Je früher Kinder den Umgang mit Geld lernen, desto eher sind sie in der Lage, eigene finanzielle Verantwortung für sich und ihr Leben zu übernehmen.
  • Die Höhe des Taschengelds sollte sich an Ihrem Einkommen orientieren. Zugleich ist es wichtig, dass Sie Ihren Kindern nicht wesentlich mehr oder weniger geben als andere gleichaltrige zur Verfügung haben.
  • Knüpfen Sie Taschengeld niemals an Belohnungen. Betrachten Sie es als Einkommen Ihres Kindes, dass nicht von anderen Faktoren abhängig sein sollte.

Sie möchten Ihrem Kind Taschengeld geben, sind sich aber nicht sicher, ob jetzt schon der richtige Zeitpunkt gekommen ist? In unserem Ratgeber informieren wir Sie umfassend über das Thema. Sie erhalten Anhaltspunkte, ab welchem Alter es Sinn macht, Kindern Taschengeld zu geben.

Wir zeigen Ihnen, was Sie beachten sollten, für welche Ausgaben das Taschengeld herhalten soll und warum Sie zunächst mit kleinen Beträgen anfangen sollten.


1. Kinder brauchen Taschengeld

Taschengeldspiegel

Helfen Sie Ihrem Nachwuchs, selbstständig zu werden.

Vielleicht fragen Sie sich, warum Sie Ihrem Kind Taschengeld geben sollten. Alle wichtigen Besorgungen tätigen schließlich Sie oder Ihre bessere Hälfte. Für Kinder sieht die Welt jedoch ganz anders aus.

Versetzen wir uns doch einmal in die Lage zurück, in der wir noch nicht über ein eigenes Einkommen verfügten. Letztlich stellt das Taschengeld für viele Jahre lang die einzige Möglichkeit dar, sich selbst etwas leisten zu können.

Auch wenn es dem einen oder anderen Erwachsenen komisch vorkommen mag, aber wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie bei jedem kleinen Wunsch erst einmal Ihren Partner um Geld bitten müssten? Sie merken, dass diese eine Geldquelle für Ihr Kind viel bedeuten kann.

Es liegt jedoch stark an Ihnen, wie wichtig das Taschengeld tatsächlich ist.

2. Spielerisch den Umgang mit Geld kennenlernen

Der Begriff Taschengeld:

In der Schweiz ist das in Deutschland geläufige Taschengeld als Sackgeld bekannt.

In den ersten Lebensjahren können Kinder noch nichts mit Geld sowie dem Wert einer Münze anfangen. Dies ändert sich meist bereits im Kindergarten. Ab vier oder fünf Jahren spricht nichts dagegen, Ihrem Kind Taschengeld zu geben.

So gewöhnen sich die ganz Kleinen bereits daran, dass Sie regelmäßig etwas erhalten, was Sie sich selbst einteilen können. Bei jüngeren Kindern ist es sinnvoll, ihnen das Taschengeld wöchentlich zu geben.

Suchen Sie sich einen fixen Tag, z.B. Sonntag, und vereinbaren Sie, dass Ihr Kind jeweils an diesem Tag sein Taschengeld erhält. Längere Zeitintervalle als eine Woche eignen sich zu Beginn einer Taschengeldzahlung nicht, da Kinder erst lernen müssen, sich das Geld einzuteilen.
Kürzere Intervalle sind jedoch ebenso wenig zielführend, da ansonsten kaum noch eine Einteilung der neuen eigenen Finanzen nötig ist.

Vereinbaren Sie klare Zeiten sowie genaue Beträge. Halten Sie sich an Ihre einmal getroffenen Vereinbarungen, um Ihrem Kind ein Gefühl von Kontinuität zu vermitteln. Bei ungenauen Angaben zur Taschengeldhöhe, können Kinder den Umgang mit Geld nur schwer lernen.

Tipp: Versuchen Sie, Ihren Kindern kein zusätzliches Geld zu geben. Ansonsten wird das Taschengeld schnell uninteressant, da Ihr Kind nur um mehr bitten muss. Sie tun sich auf lange Sicht keinen Gefallen, wenn Sie den süßen Kulleraugen jedes Mal nachgeben.

3. Konkrete Ziele des Taschengelds

Sobald Kinder den ersten Euro in Händen halten, beginnen Sie ganz automatisch, sich für Preise zu interessieren. Schließlich stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten der eine Euro bietet. Ihre Kinder sollen lernen, Dingen einen Wert zuzuordnen und nicht bloß zu akzeptieren, was andere Ihnen sagen.

Taschengeldverordnung

Nicht alle Eltern möchten Haustiere haben.

Sagen Sie beispielsweise, dass eine Lampe teuer und ein PKW billig ist, können schnell seltsame Bilder im Kopf eines Kindes entstehen, auch wenn Ihnen dies ganz logisch erscheinen mag.

Mit dem eigenen Geld ist auch ein Stückchen Freiheit verbunden. Leiste ich mir heute ein Eis oder warte ich lieber noch eine Woche, um mir etwas Schöneres leisten zu können? Als Eltern können Sie zwar Ratschläge erteilen, es ist jedoch ebenfalls wichtig, dass Sie Ihrem Kind die Freiheit über das eigene Geld überlassen.

Sie haben es aus den Händen gegeben und damit auch die Verantwortung übertragen. Passt es Ihnen nicht, dass sich Ihr Kind nur Nagellack kauft anstatt etwas anzusparen, so ist es schwierig, dies zu akzeptieren. Natürlich hindert Sie dies nicht, allgemeine Regeln über den Umgang mit dem Taschengeld aufzustellen, wie beispielsweise

  • keine Spielekonsole,
  • kein Geld für Apps,
  • oder keine Haustiere.

Generell gilt jedoch, dass Sie sich so wenig wie möglich in diesen Bereich einmischen sollten.

Früher oder später kommt der Punkt, an dem auch Ihr Kind einen größeren Wunsch hat, für den mehr als nur das wöchentliche oder monatliche Taschengeld nötig ist. Es wird also Zeit, das zur Verfügung stehende Geld einzuteilen.

Die finanzielle Entscheidung über Sinn und Unsinn muss Ihr Kind selbst lernen. Ganz automatisch werden Vergleiche zu anderen gleichaltrigen Kindern gezogen. Falls das eigene Taschengeld genauso hoch ist wie das der besten Freundin, stellt sich schnell die Frage, warum sie sich etwas leisten kann während das eigene Geld dafür nicht ausreicht.

Achtung: Auch wenn es Ihnen nicht leicht fällt, lassen Sie Fehlkäufe Ihrer Kinder ganz bewusst zu. Sie können zwar argumentieren, die Entscheidung müssen die Kinder jedoch selbst treffen. Bei Fehlkäufen ist der Lerneffekt meist deutlich höher, da das mühsam Ersparte an anderer Stelle fehlt.

4. Verpflichtung zum oder mit dem Taschengeld

Pflegekinder

Ob Sie Taschengeld zahlen, liegt an Ihnen.

Es existiert kein Taschengeldgesetz. Auch wenn manches Kind seinen Taschengeldanspruch gerne einklagen würde, so gibt es dafür keine gesetzliche Grundlage. Die Frage, ob und in welcher Höhe Sie als Eltern Ihrem Kind Taschengeld geben, hängt ganz von Ihnen ab.

Etwas anderes ist es, wenn Ihr Kind etwas kauft, das Sie nicht möchten. Hier greift der sog. Taschengeldparagraph. In § 110 des Bürgerlichen Gesetzbuchs, kurz BGB, heißt es, dass ein von einem Minderjährigen geschlossener Vertrag dann wirksam ist, wenn er mit ihm zu freien Verfügung überlassenen Mitteln, sprich Taschengeld, erworben wurde.

Falls Ihr Kind sein Taschengeld also für etwas ausgibt, dass Ihnen nicht gefällt, müssen Sie damit leben. Sie können nicht zum Inhaber des Geschäfts gehen und die Sache zurückbringen. Etwas anderes gilt jedoch dann, wenn Ihr Kind einen Kauf tätigt, der nicht durch das eigene Taschengeld abgedeckt ist.
In diesem Fall haben Sie die Möglichkeit, den Kauf rückgängig zu machen.

5. Der Umfang des Taschengelds

Empfehlung zum Sackgeld

Lassen Sie Ihr Kind selbst bestellen.

Kinder sollten Ihr Taschengeld nur für die Dinge ausgeben, die Sie selbst haben möchten. Kleidung, Essen, Schulsachen und Pflegeprodukte sollte jedes Kind von zu Hause aus bekommen, ohne dafür zu dem eigenen Ersparten greifen zu müssen.
Selbstverständlich gilt dies nicht für das Essen außer Haus, ein paar neue Markensneaker oder den teuersten Lippenstift im Laden.

Laut einer statistischen Umfrage geben Kinder zwischen 4 und 13 Jahren ihr Taschengeld hauptsächlich für Süßigkeiten, Eis und Getränke aus. Eine große Rolle spielen Zeitschriften, Comics und Magazine. Für Spielzeug, Musik oder Apps geben die kleineren Kinder vergleichsweise wenig Geld aus.

Etwas anders sieht es bei den Jugendlichen aus. Hier dominieren die Ausgaben für das Nachtleben, Kleidung und Accessoires sowie Essen und Trinken. Jedoch wird auch wesentlich mehr Geld für Kino, Musik und Kosmetik aufgewendet.

6. Eine kleine Taschengeldempfehlung – so viel Geld ist angemessen

Aufgrund von hohen Einkommensunterschieden ist es schwer, eine eindeutige Empfehlung für bestimmte Altersgruppen abzugeben. Sind Ihre Kinder noch klein, freuen sie sich bereits über ein paar Euro. Mit 14 oder 15 Jahren lässt sich kaum ein Kind noch mit wenigen Euro pro Monat glücklich machen.

viel oder wenig Sackgeld

Überlassen Sie Ihren Kindern nicht zu viel Geld.

Das Jugendamt sowie der Kinderschutzbund geben Taschengeldempfehlungen ab, an denen Sie sich bei der Vergabe orientieren können. Beginnen Sie beispielsweise in einem Alter von fünf Jahren mit dem ersten Taschengeld, reichen 50 Cent oder ein Euro in der Woche vollkommen aus.

Kinder benötigen in dieser Zeit kaum eigenes Geld und können sich etwas von Ihrem Taschengeld beiseitelegen. Erhöhen Sie das Taschengeld schrittweise, sodass es altersgerecht bleibt. Etwa 50 Cent mehr in der Woche sollten es in jedem Lebensjahr werden.
Selbstverständlich können Sie das Taschengeld auch häufiger erhöhen. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie nicht mit viel Geld beginnen. Eine Erhöhung ist in Ordnung, bei einer Verringerung werden Ihre Kinder vermutlich streiken.

Sobald Ihre Kinder eine weiterführende Schule besuchen, benötigen Sie auch etwas mehr Geld. Meist fahren Sie mit dem Bus zur Schule, sodass sie auf dem Schulweg an einer Bäckerei und diversen Läden entlanggehen.
In der Schule gibt es häufig eine Cafeteria und für den einen oder anderen Kinobesuch soll auch noch etwas übrig bleiben.

An dieser Stelle ist es jedoch wichtig, zu überlegen, was Ihre Kinder alles von dem eigenen Geld bezahlen sollen. Je mehr individuelle Freiheit Sie Ihrem Kind geben möchten, desto höher sollte der Betrag ausfallen.

In unserem Artikel zur Taschengeldtabelle erhalten Sie einen Überblick über mögliche Beträge im Kindes- und Jugendalter. Zusätzlich informieren wir Sie, ob es Sinn macht, sich am Durchschnitt zu orientieren.

7. Sparbuch und Girokonto – so lässt sich sparen

digitales Geld für Kinder

Ein eigenes Konto bedeutet mehr Verantwortung.

Beginnen Sie mit der Taschengeldvergabe, sollte am Anfang stets ein Sparschwein stehen. Wo kommen ansonsten die wertvollen ersten Münzen hin?

Es gibt inzwischen einige besondere Sparbüchsen, die nicht nur ein, sondern mehrere Fächer beinhalten. Diese können Ihre Kleinen nach Bedarf leeren, ohne das Schwein zerstören zu müssen. So ergibt sich beispielsweise die folgende Aufteilung:

  • das erste Fach für alltägliche Dinge
  • ein zweites Fach für den nächsten Wunsch
  • das dritte Fach zum Sparen, wenn es derzeit keine besonderen Wünsche gibt

So bleibt immer etwas Geld übrig, um ein paar Süßigkeiten oder eine Zeitschrift zu kaufen. Gleichzeitig lernen die Kinder, sich Ihr Geld auch für die Zukunft einzuteilen.

Die meisten Banken und Sparkassen bieten kostenlose Jugendkonten für Schüler an. Teils können Sie ein solches Konto bereits ab der Geburt anlegen, bei manchen Geldinstituten erst ab sieben Jahren.

Eine eigene Bankkarte vergeben die Kreditinstitute in der Regel ab 12 oder 14 Jahren. Davor macht es wenig Sinn, wenn Sie Geld auf ein Konto einzahlen, auf welches Ihr Kind nicht einfach zugreifen kann.

Tipp: Selbstverständlich ist es eine schöne Sache, wenn Sie ein Sparkonto für Ihr Kind eröffnen und dort jeden Monat etwas Geld einzahlen. Ein solches Konto, welches Sie Ihrem Kind später übergeben können, sollte allerdings neben dem Taschengeld laufen.

Sobald Sie das Gefühl haben, dass Ihr Kind sorgsam mit den eigenen Finanzen umgeht, stellt ein Konto eine Erleichterung dar. Sie können einen monatlichen Dauerauftrag einrichten, ohne sich zu fragen, ob Ihr Kind das Geld für diesen Monat schon erhalten hat.

Zudem lernen Kinder und Jugendliche den Umgang mit digitalem Geld kennen. Sie erfahren, welche Möglichkeiten es bietet, aber auch welche Gefahren damit verbunden sind. Fehlt die physische Gewalt über das eigene Geld, geben die meisten Menschen erst einmal mehr Geld aus.
Je früher Sie lernen, damit hauszuhalten, desto besser schützen Sie Ihren Nachwuchs davor, im späteren Leben Schulden anzuhäufen.

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