Taktile Wahrnehmung: So fördern Sie den Tastsinn bei Kindern

taktile Wahrnehmung
  • Besonders in den ersten Lebensjahren sind Übungen, um die taktile Wahrnehmung bei Kindern zu fördern, extrem wichtig.
  • Taktile Reize umfassen sowohl aktive als auch passive Berührungen. Selbst ein leichter Windhauch aktiviert die Rezeptoren der Haut und lässt uns frösteln.
  • Fördern Sie die taktile Wahrnehmung Ihrer Kinder im Alltag und nutzen Sie alltägliche Vorkommnisse, wie das Abwischen eines Tischs oder das Kneten des Pizzateigs, für eine genauere Beschäftigung mit dem Tastsinn.

Die Haut ist mit etwa 2 m² Fläche das größte Organ des Menschen. Umso erstaunlicher ist es, dass die taktile Wahrnehmung bei Kindern nur eine relativ kleine Rolle spielt.

Dabei sind es genau diese taktilen Reize, die uns unsere Umwelt näherbringen. In unserem Artikel möchten wir Ihnen zeigen, was alles unter den Begriff der taktilen Wahrnehmung fällt und inwieweit Sie den Tastsinn bei Kindern fördern können.

1. Die Wichtigkeit der taktilen Wahrnehmung wird unterschätzt

Babyhände im Gras

Babys erforschen die Umgebung auf ihre eigene Art.

Unser taktiles System ist extrem ausgefeilt und effizient. Ganz automatisch reagiert unser Körper auf Druck sowie Schmerz und bei einer veränderten Temperatur lässt es die Haut schwitzen oder frieren.

Neben der passiven Sinneswahrnehmung ist es jedoch vor allem die aktive Nutzung unseres Tastsinns, der im Alltag zu kurz kommt.

Besonders bei Kindern ist das Erkunden der Umwelt noch sehr eng mit dem taktilen Sinn verknüpft. Babys sehen bei der Geburt noch relativ schlecht und haben Probleme damit, Gegenstände zu greifen.

Da es jedoch überlebensnotwendig ist, die Brust der Mutter möglichst schnell zu finden, dient der Mund als erstes Zentrum der taktilen Wahrnehmung.

Verschiedene Gegenstände werden daher zunächst häufig mit der Zunge begutachtet. Im Laufe der Entwicklung werden die Hände und Füße jedoch zunehmend wichtiger.

Mit dem Alter bleibt die taktile Wahrnehmung allerdings häufig auf der Strecke, da das Sehen einen höheren Stellenwert einnimmt. Allerdings lassen sich viele Details eines Gegenstands nur durch intensives Ertasten mit den Händen, den Füßen oder auch der Zunge herausfinden.

Einen kleinen Einblick in die Forschung hinsichtlich der taktilen Wahrnehmung sehen Sie in diesem YouTube-Video:

Tipp: Nutzen Sie Berührungen, um Nähe und Zuneigung zu zeigen. Besonders kleinere Kinder kommunizieren anstelle von Sprache über diese Art.

2. Spiele fördern die taktile Wahrnehmung von Kindern

Bei vielen kleinen Kindern im U3-Bereich, die die Kita oder die Krippe besuchen, muss sich der Tastsinn erst noch voll entwickeln. Idealerweise nutzen Sie einfache Spiele, um diese Ziele zu erreichen.

Bei fast allen Spielen im Bereich der taktilen Wahrnehmung gilt, dass der Sehsinn ausgeschaltet werden muss. Eine Augenbinde ist daher Pflicht.

2.1. Gegenstände ertasten

Kastanie in Kinderhänden

Fast alle Gegenstände üben eine gewisse Faszination auf Kinder aus.

Dieses Spiel eignet sich besonders gut in einer Gruppe. Der Leiter besorgt verschiedene Gegenstände und bringt diese in einer Kiste mit, sodass niemand hineinsehen kann.

Jetzt setzen sich alle Kinder in einen Kreis und müssen einen Gegenstand hinter dem Rücken weitergeben, ohne sich umzudrehen. Ziel des Spiels ist es, möglichst alle Gegenstände mit den Händen zu ertasten.

Ähnlich funktioniert das Spiel mit einer geschlossenen, undurchsichtigen Box, in welche die Kinder die Hände stecken können und einen bestimmten Gegenstand suchen müssen.

Als Gegenstände eignen sich beispielsweise:

Tipp: Mit je zwei gleichen Gegenständen können Sie auch ein Tast-Memory gestalten.

2.2. Rückenzeichnungen erkennen

Nicht nur mit Sonnencreme ist es ein beliebtes Spiel, mit den Fingern gemalte Zeichnungen zu erspüren.

Dabei können Buchstaben oder aber einfache Symbole gewählt werden. So müssen sich die Kinder sowohl aufs Malen konzentrieren als auch passiv versuchen, den Berührungen zu folgen und diese zu interpretieren.

Besonders bei kleinen Kindern sollte ein Erzieher oder Elternteil für die Zeichnungen zuständig sein, da es Kindern noch recht schwer fällt, genau mit den Fingern zu malen, sodass ein anderes Kind dies tatsächlich erkennen könnte.

2.3. Die Füße nicht vergessen – Barfuß unterwegs

Kind und Erwachsener auf einem Barfußpfad

Begeben Sie sich gemeinsam auf Entdeckungsreise.

Mit nackten Füßen lassen sich verschiedene Untergründe erkunden. Nutzen Sie die Möglichkeiten zu Hause oder im Kindergarten, um Kindern zahlreiche Strukturen näherzubringen.

Beantworten Sie die folgenden Fragen:

  • Wie fühlen sich Fliesen im Vergleich zu Laminat, Teppich oder Kork an?
  • Ist es angenehm auf dem Waldboden zu laufen? Kitzelt Gras zwischen den Füßen?
  • Wie verändert sich Sand im Wasser?

An dieser Stelle eignen sich Ausflüge zu Barfußpfaden, von denen es zunehmend mehr gibt.

2.4. Die taktile Wahrnehmung mit der Zunge verbessern

Russisch Brot, das beliebte Gebäck in Buchstabenform eignet sich bestens, um mit verbundenen Augen Buchstaben zu erkennen.

Die Zeit ist begrenzt, da sich der Buchstabe im Mund schnell in seine Bestandteile auflöst.

2.5. Knete, Match und Sand – für kleine Kinder das Größte

Geben Sie Kindern möglichst frühzeitig die Gelegenheit, verschiedene Konsistenzen kennenzulernen. Neben Sand eignen sich an dieser Stelle auch Knete oder Rasierschaum.

Wichtig ist lediglich, dass Kinder viele unterschiedliche Substanzen kennenlernen. In aller Regel fördern Sie so nicht nur die taktile Wahrnehmung, sondern schulen zugleich auch die visuelle Wahrnehmung sowie den Geruchssinn.

Versuchen Sie jedoch, stets einen Schwerpunkt zu setzen.

3. Die taktile Wahrnehmung kann im Alltag leicht verbessert werden

Kind und Erwachsener rollen Teig aus

Lassen Sie Kinder beim Kochen und Backen helfen.

Es müssen jedoch nicht immer gezielte Spiele sein, um den Tastsinn zu fordern. Auch bei Alltagsaufgaben können Kinder lernen, die verschiedenen Reize intensiver wahrzunehmen und sich auf die Beschaffenheit der Oberfläche, den Druck oder die Temperatur zu fokussieren.

Nutzen Sie beispielsweise folgende Gelegenheiten, um die taktile Wahrnehmung zu fördern:

  • Pizza- oder Kuchenteig kneten, um ein Gespür für das Vermengen von Zutaten und den notwendigen Druck zu bekommen
  • Wäsche aufhängen oder anschließend zusammenfalten, sodass Kinder verschiedene Stoffe in nasser sowie trockener Form kennenlernen
  • bei Gartenarbeiten mithelfen, um verschiedene Untergründe und Festigkeiten zu verstehen (Sand, Holz, Metall, Stein etc.)

4. Die taktile Wahrnehmungsstörung – zu wenig oder zu viele Reize

Haptik – ein vergleichsweise neuer Forschungszweig:

Im Haptiklabor der Universität Leipzig stellen sich Forscher immer wieder neuen Fragestellungen zu den Themen der Selbstberührung sowie hinsichtlich von Bewegungspausen im Rahmen der Objekterfassung.
Mehr zu den Forschungsdetails finden Sie hier.

Einige Kinder leiden unter einer Beeinträchtigung der Wahrnehmung im Bereich des Tastens. Im Wesentlichen äußert sich diese durch eine Überforderung aufgrund einer Reizüberflutung oder aber durch eine zu geringe Wahrnehmung.

Kommt es zu einer Reizüberflutung, empfinden viele Kinder Berührungen sowie den Kontakt zu diversen Gegenständen als unangenehm. Aufgrund der intensiven Reaktion des Körpers meiden Kinder bestimmte Spielarten, bei denen es besonders auf ein Erfühlen ankommt.

Genau entgegengesetzt verhalten sich Kinder, bei denen die Reize der Umwelt nur in abgeschwächter Form ankommen. Sie suchen geradezu nach einer Form der Berührung. Problematisch wird diese Störung häufig, wenn sie mit einem verminderten Schmerzempfinden einhergeht.
Aufgrund des geringen Bewusstseins für äußere Einflüsse neigen viele Kinder dazu, sich ungestüm zu verhalten und riskieren dabei häufiger Verletzungen.

Tipp: In beiden Fällen kann eine gezielte Therapie dabei helfen, Kindern ein Bewusstsein für die taktile Wahrnehmung zu vermitteln. Geheilt werden kann eine solche Störung allerdings nicht.

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